Legislaturindikator: Übereinstimmung Bildungsniveau und ausgeübte Tätigkeit


Auszug aus dem Legislaturziel 14: [D]as wirtschaftliche und soziale Potenzial von Einwanderinnen und Einwanderern [gilt es] unter Berücksichtigung der langfristigen beruflichen und gesellschaftlichen Integrationschancen zu nutzen.

Bedeutung des Indikators: Die Integration soll gemäss Schweizer Gesetzgebung längerfristig und rechtmässig anwesenden Ausländerinnen und Ausländern die Teilnahme am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben ermöglichen. Die Erwerbstätigkeit ist dabei Voraussetzung um für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen und ein wichtiger Faktor für die aktive Teilnahme an der Gesellschaft.
Personen mit Migrationshintergrund, die über eine Ausbildung verfügen aber deren professionellen Qualifikationen nicht zur Anwendung kommen, stellen ein ungenutztes Arbeitskräftepotential dar. Bei der Integration in den Arbeitsmarkt ist es für Personen mit Migrationshintergrund jedoch oftmals schwierig eine Stelle zu finden, deren Anforderungsniveau der absolvierten Ausbildung entspricht. Dies trifft in besonderem Masse für Personen mit einer tertiären Ausbildung zu, wenn die im Herkunftsland erworbenen Qualifikationen in der Schweiz nicht anerkannt werden.
Der Indikator zeigt den Anteil der Angestellten mit Tertiärausbildung, die für ihre Tätigkeit keine solche Ausbildung benötigen, differenziert nach Migrationsstatus. Er gibt so Aufschluss über die Divergenzen zwischen dem Bildungsniveau und dem für die Arbeitsstelle verlangten Anforderungsniveau.

Quantifizierbares Ziel: Die wirtschaftliche und soziale Integration von Personen mit Migrations­hintergrund wird gefördert.

Kommentar

Im Jahr 2017 übten in der Schweiz insgesamt 14,3% aller Arbeitnehmenden mit einem Tertiärabschluss einen Beruf aus, für den sie keine solche Ausbildung benötigten. Im Vergleich zu 2012 hat sich dieser Anteil nicht signifikant verändert. Personen ohne Migrationshintergrund sind hierbei seltener betroffen als solche mit Migrationshintergrund: 2017 waren 9,7% der Angestellten ohne Migrationshintergrund für ihre Tätigkeit überqualifiziert. Bei den Arbeitnehmenden mit Migrationshintergrund war dies bei 19,4% der Fall. Angestellte mit Migrationshintergrund der ersten Generation sind dabei häufiger von einer beruflichen Überqualifikation betroffen als jene der zweiten oder höheren Generation.

Personen mit Migrationshintergrund sind für ihre Tätigkeit nicht nur öfter überqualifiziert als Personen ohne Migrationshintergrund, sie besetzen auch häufiger Tieflohnstellen. 2015 erhielten 19,5% aller Arbeitnehmenden mit Migrationshintergrund in der Schweiz weniger als zwei Drittel des Medianlohnes. Auf Arbeitnehmende ohne Migrationshintergrund traf dies in 13,3% der Fälle zu. Mit steigendem Bildungsniveau nahm der Tieflohnanteil unabhängig des Migrationsstatus ab.

Differenzen bezüglich Migrationsstatus zeigen sich auch bei der Bevölkerung, die über einen Tertiärabschluss verfügt und ohne Arbeit ist: Die Erwerbslosenquote gemäss ILO der tertiär ausgebildeten Bevölkerung mit Migrationshintergrund war 2017 rund viermal so hoch wie jene der Personen ohne Migrationshintergrund.

Ein erschwerender Faktor für die erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt können mangelnde Sprachkenntnisse sein. Im Jahr 2017 erachtete es gut die Hälfte aller Erwerbslosen mit Migrationshintergrund als notwendig, ihre Kenntnisse einer Landessprache zu verbessern, um eine geeignete Arbeit zu finden. Bei den Erwerbslosen ohne Migrationshintergrund gelangte rund ein Drittel der Befragten zu dieser Einschätzung.


Tabellen

Methodologie

Der Indikator zeigt den Anteil jener Angestellten mit Tertiärausbildung, die für ihre ausgeübte Tätigkeit keine solche Ausbildung benötigen, an allen Arbeitnehmenden mit Tertiärausbildung, differenziert nach Migrationsstatus.

Die Überqualifikation wird auf der Grundlage der beruflichen Stellung, der Anzahl unterstellter Mitarbeitenden, der Ausbildung und der sozioprofessionellen Kategorie geschätzt. Daraus ergeben sich zwei Gruppen von überqualifizierten Personen, die folgendermassen definiert werden:

  1. Arbeitnehmende ohne Führungsfunktion mit abgeschlossener Hochschulausbildung, die einen Beruf ausüben, für den keine solche Ausbildung vorausgesetzt wird.
  2. Arbeitnehmende mit Führungsfunktion und abgeschlossener Hochschulausbildung, denen eine Person unterstellt ist und die einen Beruf ausüben, für den keine solche Ausbildung vorausgesetzt wird. Bei Arbeitnehmenden mit Kaderfunktion, denen mehr als eine Person unterstellt ist, wird davon ausgegangen, dass sie nicht überqualifiziert sind.

Für den Indikator wird die „ständige Wohnbevölkerung nach dem für die Integrationsmessung angepassten Migrationsstatus“ verwendet:

  • Die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund umfasst die in der Schweiz oder im Ausland geborenen gebürtigen Schweizerinnen und Schweizer mit mindestens einem in der Schweiz geborenen Elternteil sowie die in der Schweiz geborenen eingebürgerten Schweizer Staatsangehörigen, deren Eltern beide in der Schweiz geboren wurden. Personen der dritten oder höheren Generation werden dazugezählt.
  • Die Bevölkerung mit Mi­grationshintergrund umfasst alle Ausländerinnen und Ausländer (unabhängig von ihrem Generationen­status), die eingebürgerten Schweizerinnen und Schwei­zer der ersten und zweiten Generation (d.h. die im Aus­land Geborenen bzw. die in der Schweiz Geborenen mit mindestens einem im Ausland geborenen Elternteil) so­wie die gebürtigen Schweizerinnen und Schweizer mit zwei im Ausland geborenen Eltern.

Die Daten des Indikators stammen aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des Bundesamtes für Statistik (BFS), die seit 2010 quartalsweise durchgeführt wird (bis 2009 jährlich). Daten zur Überqualifikation, differenziert nach Migrationsstatus, sind seit 2012 jährlich vorhanden.

Definitionen

Tertiärstufe
Auf der Tertiärstufe wird zwischen der höheren Berufsbildung und der Hochschulausbildung unterschieden. Im Bereich der höheren Berufsbildung besteht eine Vielfalt von Ausbildungswegen. Sie bereiten auf rund 460 Abschlüsse vor. Von Bund oder Kantonen anerkannte Abschlüsse sind: Fachausweise der eidgenössischen Berufsprüfungen und Diplome von höheren Fachprüfungen und höheren Fachschulen. Sie setzen eine abgeschlossene Ausbildung auf der Sekundarstufe II und für die Berufs- und höheren Fachprüfungen auch einige Jahre Berufspraxis voraus.
Der Hochschulbereich umfasst die universitären Hochschulen (d.h. die kantonalen Universitäten und die Eidgenössischen Technischen Hochschulen), die Fachhochschulen, die pädagogischen Hochschulen sowie weitere ganz oder teilweise öffentlich finanzierte Institutionen des Hochschulbereichs (z.B. das Eidg. Hochschulinstitut für Berufsbildung oder das Institut Kurt Bösch). Die Ausbildungen werden mit einem Diplom, Bachelor, Master oder Doktorat (nur an universitären Hochschulen) abgeschlossen.

Quellen

Erhebung

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/monitoring-legislaturplanung/indikatoren/uebereinstimmung-bildungsniveau-taetigkeit.html