Legislaturindikator: Frühzeitige Schulabgänger/innen nach Migrationsstatus


Auszug aus dem Legislaturziel 10: Wichtige Aspekte für die soziale Kohäsion sind u. a. das Verständnis der verschiedenen Generationen füreinander, [sowie] die Bewältigung der Herausforderungen im Bereich der Integration von in der Schweiz wohnhaften Ausländerinnen und Ausländern […].

Bedeutung des Indikators: Um den Lebensunterhalt selbständig bestreiten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, ist eine Erwerbsarbeit eine zentrale Voraussetzung. Die Integration in den Arbeitsmarkt wird durch eine fundierte Bildung begünstigt. Der Erwerb eines Abschlusses auf der Sekundarstufe II trägt massgeblich zur Risikominimierung auf dem Arbeitsmarkt bei. Jugendliche, die ihre Ausbildung frühzeitig abbrechen, stellen eine potentielle Risikogruppe dar, da prekäre Erwerbsarbeit oder Arbeitslosigkeit die Integration der Jugendlichen in die Gesellschaft erschweren.
Der Anteil frühzeitiger Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach Migrationsstatus zeigt, wie viele der 18- bis 24-Jährigen gemessen an der gesamten gleichaltrigen Bevölkerung über keinen nachobligatorischen Abschluss verfügen und an keiner Aus- oder Weiterbildung teilnehmen.

Quantifizierbares Ziel: Der Anteil der frühzeitigen Schulabgängerinnen und -abgänger mit Migrationshintergrund nimmt ab.

Kommentar

Bei der 18- bis 24-jährigen Wohnbevölkerung unterscheidet sich der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an den frühzeitigen Schulabgängerinnen und Schulabgänger (d.h. ohne postobligatorischen Abschluss) von jenem der Personen ohne Migrationshintergrund. 2017 haben 3,2 % der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund das Bildungssystem frühzeitig verlassen, bei jenen mit Migrationshintergrund belief sich dieser Anteil auf 9%. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Quote der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund wie auch jene der Jugendlichen mit Migrationshintergrund nicht signifikant verändert.

Wird anstatt des Migrationshintergrunds die Nationalität betrachtet, zeigt sich, dass der Anteil der ausländischen Jugendlichen, welche zu den frühzeitigen Schulabgängerinnen und Schulabgängern zählen, seit 2013 abgenommen hat. Der Anteil der schweizerischen Jugendlichen, die das Bildungssystem frühzeitig verlassen, hat sich im gleichen Zeitraum nicht signifikant verändert Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen hat somit abgenommen. 2017 brachen 3,5% der schweizerischen Jugendlichen und 12% der ausländischen Jugendlichen ihre Ausbildungskarriere frühzeitig ab.

Ein möglicher Grund, weshalb ausländische Jugendliche häufiger ohne postobligatorischen Abschluss das Bildungssystem verlassen, können Schwierigkeiten beim Übergang von der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II sein. Ausländische Lernende beginnen weniger häufig als Schweizer Lernende direkt nach der obligatorischen Schule eine zertifizierte Ausbildung. Zudem müssen verglichen mit Schweizern doppelt so viele von ihnen eine Übergangsausbildung in Anspruch nehmen.

Personen ohne postobligatorischen Abschluss wiesen 2017 mit 8,3% eine höhere Erwerbslosenquote auf als Personen mit einem Abschluss der Sekundarstufe II (4,6%) oder einem Tertiärabschluss (3,7%). Die Erwerbslosenquote war ebenfalls höher als jene der ständigen Wohnbevölkerung (4,8%).


Tabellen

Methodologie

Der Indikator zeigt den Anteil frühzeitiger Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach Migrationsstatus. Als frühzeitige Schulabgängerinnen und Schulabgänger werden diejenigen 18- bis 24-jährigen Personen der ständigen Wohnbevölkerung definiert, die über keinen nachobligatorischen Abschluss verfügen und die an keiner Aus- oder Weiterbildung teilnehmen. Der Anteil wird in Bezug auf die gleichaltrige Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund dargestellt.  

Für den Indikator wird die "ständige Wohnbevölkerung nach dem für die Integrationsmessung angepassten Migrationsstatus" verwendet:

  • Die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund umfasst die in der Schweiz oder im Ausland geborenen gebürtigen Schweizerinnen und Schweizer mit mindestens einem in der Schweiz geborenen Elternteil sowie die in der Schweiz geborenen eingebürgerten Schweizer Staatsangehörigen, deren Eltern beide in der Schweiz geboren wurden. Personen der dritten oder höheren Generation werden dazugezählt.
  • Die Bevölkerung mit Mi­grationshintergrund umfasst alle Ausländerinnen und Ausländer (unabhängig von ihrem Generationen­status), die eingebürgerten Schweizerinnen und Schwei­zer der ersten und zweiten Generation (d.h. die im Aus­land Geborenen bzw. die in der Schweiz Geborenen mit mindestens einem im Ausland geborenen Elternteil) so­wie die gebürtigen Schweizerinnen und Schweizer mit zwei im Ausland geborenen Eltern.

Die Werte für die frühzeitigen Schulabgängerinnen und Schulabgänger in der Schweiz werden nach einer Definition berechnet, die im Rahmen des OECD-Projekts "Young Adults with Low Levels of Education (YALLE)" entwickelt wurde. Nach dieser Definition entsprechen frühzeitige Schulabgängerinnen und Schulabgänger dem Anteil der 18- bis 24-Jährigen, die folgende zwei Kriterien erfüllen: Erstens entspricht der höchste erreichte Bildungsabschluss höchstens den ISCED-Stufen 0, 1, 2 oder 3c. Zweitens haben die Befragten angegeben, im Jahr vor der Befragung an keiner formalen Bildung teilgenommen zu haben. Unter formaler Bildung ist das nationale Bildungssystem mit seinem institutionalisierten Schulsystem, dem Berufsbildungssystem und der tertiären Bildung zu verstehen.

Der Anteil der frühzeitigen Schulabgängerinnen und Schulabgänger ist Teil der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des Bundesamtes für Statistik und wird jährlich erhoben. Seit 2013 sind die Daten differenziert nach Migrationsstatus verfügbar.

Definitionen

Sekundarstufe II
Die Sekundarstufe II setzt die Ausbildung nach der obligatorischen Basisausbildung fort. Sie beginnt gemäss HarmoS-Konkordat 11 Jahren nach Beginn der Primarschule (etwa 16. Lebensjahr) und umfasst berufsorientierte und allgemeinbildende Ausbildungsgänge. Die Ausbildungen dauern in der Regel 2-4 Jahre und schliessen mit einer Maturität, einem Fachmittelschulausweis, einem eidgenössischen Fähigkeitsausweis (EKZ) oder einem eidgenössischen Berufsattest (EBA) ab. Abschlüsse der Sekundarstufe II ermöglichen den Zugang zur Tertiärstufe.

Quellen

Erhebung

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/monitoring-legislaturplanung/indikatoren/fruehzeitige-schulabgaenger.html