Legislaturindikator: Umlageergebnis der AHV


Auszug aus dem Legislaturziel 12: Die Veränderungen der demografischen Struktur der Gesellschaft lösen einen vielfältigen Gestaltungs- und Anpassungsbedarf in der sozialen Sicherheit aus. Diese Veränderungen betreffen auch den Generationenvertrag. Der Bundesrat will sich dafür einsetzen, dass die Finanzierung der Sozialversicherungen nachhaltig gesichert wird und die Solidarität zwischen den Generationen bewahrt bleibt.

Bedeutung des Indikators: Für die langfristige und nachhaltige finanzielle Sicherung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) ist ein positives Umlageergebnis eine wichtige Voraussetzung. Das Umlageergebnis der AHV zeigt, ob die laufenden Ausgaben durch die laufenden Einnahmen gedeckt werden können. Es ist weitgehend unabhängig von der Zinsentwicklung, da in den Einnahmen weder die Kapitalwertänderungen noch die laufenden Kapitalerträge enthalten sind.

Quantifizierbares Ziel: Die Finanzierung der Sozialversicherungen wird während der Legislaturperiode 2015–2019 nachhaltig gesichert.

Kommentar

Das Umlageergebnis der AHV, das heisst die Differenz zwischen Ausgaben und Einnahmen, blieb zwischen 1948 und Anfang der 1970er Jahre relativ stabil und schwankte anschliessend. Die AHV gab insbesondere in der zweiten Hälfte der 1970er Jahren sowie zwischen 1993 und 1999 mehr aus als sie eingenommen hat. 2014 schloss die AHV erstmals seit 1999 wieder mit einem negativen Umlageergebnis ab. 2018 wies sie wie bereits in den vier Jahren davor ein negatives Umlageergebnis aus: Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen um 1039 Millionen Franken. Insgesamt stand 2018 ein Einnahmenwachstum von 1,8% einem Ausgabenwachstum in gleicher Höhe gegenüber. Die Finanzreserve der AHV, der Ausgleichsfonds, lag 2018 erstmals tiefer als die Ausgaben eines Jahres.

Im Umlageergebnis nicht enthalten ist das Anlageergebnis der AHV, das sich aus Kapitalwertänderungen und laufenden Kapitalerträgen zusammensetzt. Werden diese Positionen bei den Einnahmen berücksichtigt und den Ausgaben gegenübergestellt, resultiert daraus das Betriebsergebnis. Das negative Anlageergebnis von -1,2 Milliarden Franken hatte 2018 ein negatives Betriebsergebnis von -2220 Millionen Franken zur Folge.

Die finanziellen Perspektiven der AHV hängen auch von der demografischen Struktur der Schweizer Bevölkerung ab: Der AHV-Altersquotient drückt das Verhältnis von Rentnerinnen und Rentnern zur Bevölkerung im Alter zwischen 20 Jahren und Erreichen des Rentenalters aus. Im Jahr 2018 betrug dieser Quotient 31,2%. Das bedeutet, dass die Wohnbevölkerung der Schweiz pro Rentnerin oder Rentner etwa drei Personen im erwerbsfähigen Alter aufweist. Der AHV-Altersquotient hat seit 1970 um mehr als 7 Prozentpunkte zugenommen. Diese Zunahme erklärt sich unter anderem durch die gestiegene Lebenserwartung.


Tabellen

Methodologie

Im Dreisäulenprinzip der Altersvorsorge bilden AHV und IV zusammen die erste bzw. staatliche Säule. Die Rentenleistungen dieser beiden Versicherungen sollen den Existenzbedarf sichern. Die erste Säule wird durch die Pensionskasse, die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) ergänzt, welche die Fortsetzung der gewohnten Lebensführung ermöglichen soll. Die dritte Säule, die Selbstvorsorge zur Deckung weiterer Bedürfnisse, ist freiwillig, aber im Unterschied zum gewöhnlichen Sparen teilweise steuerlich begünstigt.

Das Umlageergebnis ist die Differenz aus Einnahmen und Ausgaben der AHV. Die Einnahmen zur Berechnung des Umlageergebnisses enthalten weder den laufenden Kapitalertrag noch die Kapitalwertänderungen (Börsengewinne/-verluste) und sind daher unabhängig vom Finanzmarktgeschehen. Berücksichtigt werden also nur die Einnahmen aus dem «Versicherungsgeschäft» der AHV. Das sind im Wesentlichen die Beiträge der Versicherten und der Arbeitgeber sowie die Beträge des Bundes (Anteil an den AHV-Ausgaben, Erträge aus Spielbankenabgaben und Mehrwertsteueranteil zugunsten der AHV). Die Ausgaben umfassen die Sozialleistungen und die Verwaltungs- und Durchführungskosten.

Das Umlageergebnis der AHV wird im Jahresbericht des Ausgleichsfonds AHV/IV/EO ausgewiesen und in der Schweizerischen Sozialversicherungsstatistik des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) publiziert. Der Indikator wird jährlich erhoben.

Definitionen

Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV)
Die AHV wurde 1948 als obligatorische Versicherung zur Altersvorsorge eingeführt und ist seither mehrmals ausgebaut worden. Neben den Altersrenten werden auch Leistungen für Witwen und Witwer sowie Waisen gewährt. Zweck der AHV ist die Sicherung des Grundbedarfs im Alter und bei Tod des Versorgers. Zudem werden auch Hilflosenentschädigungen ausgerichtet. Die ordentliche AHV-Rente berechnet sich nach dem für die Beiträge massgebenden Einkommen und der Anzahl Beitragsjahre. Seit der 10. AHV-Revision werden die Renten der Ehepartner nach dem Splitting-Verfahren getrennt berechnet. Die Beitragssätze betragen seit Juli 1975 8,4% des Bruttolohnes (Selbständige: seit 1979 7,8% des Bruttoeinkommens). Die öffentliche Hand finanziert 20% der Ausgaben. Die Schwankungen der Rechnungsbilanz werden durch den Ausgleichsfonds ausgeglichen. Schweizer Bürger mit Wohnsitz im Ausland können sich freiwillig in der AHV versichern.

Umlageverfahren
Finanzierungsverfahren, das z.B. in der AHV und der IV verwendet wird. Die Ausgaben der Versicherung werden mit den laufenden Einnahmen desselben Jahres gedeckt. In der Praxis lässt sich der jährliche Ausgleich von Ausgaben und Einnahmen nicht bewerkstelligen, weshalb eine gewisse Liquiditätsreserve gehalten werden muss. Im Gegensatz zum Kapitaldeckungsverfahren (siehe dort) ist das Umlageverfahren weitgehend unabhängig von der Zinsentwicklung.

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/monitoring-legislaturplanung/indikatoren/umlageergebnis-ahv.html