Legislaturindikator: Sozialhilfequote


Auszug aus dem Legislaturziel 10: Der Bundesrat setzt sich dafür ein, eine nachhaltige Grundlage für das Zusammenleben zu sichern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu festigen. […] Insbesondere sollen die Familien gestärkt und die soziale und wirtschaftliche Armut in der Schweiz bekämpft werden.

Bedeutung des Indikators: Im System der sozialen Sicherheit der Schweiz bildet die Sozialhilfe das letzte Auffangnetz. Sie greift bei finanzieller Armutssituation ein und sichert mittels bedarfsabhängiger, materieller Unterstützung die Existenz bedürftiger Personen. Darüber hinaus fördert die Sozialhilfe die wirtschaftliche und persönliche Selbständigkeit und unterstützt Bemühungen zur sozialen und beruflichen Reintegration. Die Sozialhilfe leistet somit einen aktiven Beitrag zur Verhinderung von Armut.
Die Sozialhilfequote zeigt den Anteil der Sozialhilfeempfangenden mit mindestens einem Leistungsbezug im jeweiligen Erhebungsjahr an der ständigen Wohnbevölkerung des Vorjahres.

Quantifizierbares Ziel: Die Armut in der Schweiz nimmt bis Ende 2019 ab.

Kommentar

Die Sozialhilfequote ist seit 2005 nahezu stabil geblieben. 2016 lag sie mit 3,3% um 0,1 Prozentpunkte höher als 2005 (3,2%). Rund 273 300 Personen wurden 2016 mit Sozialhilfeleistungen unterstützt, was 7600 Personen mehr entspricht als im Vorjahr. Trotz Anstieg der Wohnbevölkerung im gleichen Zeitraum nahm die Sozialhilfequote gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte zu.

Die Risikogruppen für Sozialhilfeabhängigkeit haben sich seit 2005 wenig verändert: Kinder, Ausländerinnen und Ausländer, Einelternfamilien und Geschiedene sind nach wie vor einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Unter den Personen ausländischer Staatsangehörigkeit lag der Anteil der Sozialhilfebeziehenden 2016 bei 6,3% und hat somit im Vergleich zu 2005 um 0,3 Prozentpunkte abgenommen. Die Sozialhilfequote der Schweizerinnen und Schweizer ist im gleichen Zeitraum um 0,1 Prozentpunkte auf 2,3% angestiegen.

Das Bildungsniveau spielt beim Weg in die Sozialhilfeabhängigkeit eine wichtige Rolle. So sind Personen ohne nachobligatorische Bildung in der Sozialhilfe übervertreten: Der Anteil dieser Personen ist bei den Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger fast dreimal höher als in der gesamten ständigen Wohnbevölkerung. Sie machten 2016 mit 50,3% gut die Hälfte der Sozialhilfebeziehenden aus, während 42,8% eine Berufsbildung oder die Maturitätsschule absolviert und die restlichen 6,9% einen Abschluss auf Tertiärstufe erlangt haben.

Die Haushaltsquote der Sozialhilfe beschreibt den Anteil der Privathaushalte mit Leistungsbezug an allen Privathaushalten. 2016 bezogen 4,2% der Gesamtheit der Haushalte Sozialhilfe. Über diesem Wert lagen die Quoten bei den Einpersonenhaushalten, bei welchen 5,5% aller Fälle Sozialhilfe bezogen. Bei den Einelternfamilien waren 22,1% der Haushalte auf Beiträge aus der Sozialhilfe angewiesen.


Tabellen

Methodologie

Die Sozialhilfe bildet im System der sozialen Sicherheit das unterste Auffangnetz. Bei der Ermittlung des Bedarfs an Sozialhilfe orientieren sich die Sozialdienste mehrheitlich an den Richtlinien der schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS).

Der Indikator zeigt den Anteil der Personen mit mindestens einem Sozialhilfebezug im jeweiligen Erhebungsjahr an der ständigen Wohnbevölkerung am 31. Dezember des Vorjahres. Seit 2011 wird die Sozialhilfequote ausgehend von der Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (STATPOP) berechnet. Zuvor diente die Statistik des jährlichen Bevölkerungsstandes (ESPOP) als Referenzbasis. Die Daten zur Berechnung der Sozialhilfequote werden jährlich vom BFS in der Sozialhilfestatistik, einer Vollerhebung, erhoben und publiziert.

Definitionen

Sozialhilfe
Als letztes Auffangnetz im System der sozialen Sicherheit erstreckt sich die Sozialhilfe auf alle bedarfsabhängigen Unterstützungs-, Beratungs- und Betreuungsleistungen mit dem Zweck der Existenzsicherung, soweit diese Leistungen nicht bereits von einer Sozialversicherung erbracht werden. Darüber hinaus umfasst die Sozialhilfe sämtliche Massnahmen (insbesondere präventive) zur Verhinderung von Armut. Dazu gehören die Förderung der wirtschaftlichen und persönlichen Selbständigkeit und der sozialen Reintegration bedürftiger Personen. Das Sozialhilferecht liegt im Kompetenzbereich der Kantone; Bundeskompetenzen bestehen im Asylbereich und bei der Hilfe an Auslandschweizer. Jeder Kanton hat ein eigenes Sozialhilferecht als Grundlage für die gesamte Sozialhilfetätigkeit auf Kantons- und Gemeindestufe. Ein Grossteil dieser Gesetze ist in den 1980er und 90er Jahren revidiert worden; weitere Revisionen sind in Vorbereitung.

Quellen

Erhebung

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/monitoring-legislaturplanung/indikatoren/sozialhilfequote.html