Legislaturindikator: Lohnunterschied nach Geschlecht


Auszug aus dem Legislaturziel 10: Der Bundesrat will seine Bemühungen hinsichtlich der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, der Sicherstellung der Lohngleichheit und der Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verstärken.

Bedeutung des Indikators: Der Grundsatz der Gleichstellung von Mann und Frau verlangt, dass beide Geschlechter den gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit erhalten. Die Lohnunterschiede nach Geschlecht lassen sich teilweise durch objektive Faktoren wie Ausbildung, berufliche Stellung, Berufserfahrung usw. erklären.
Der Indikator zeigt den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern im Verhältnis zum monatlichen Bruttolohn der Männer im privaten Sektor.

Quantifizierbares Ziel: Mann und Frau erhalten den gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.

Kommentar

Der Lohnunterschied nach Geschlecht hat im privaten Sektor seit 1994 abgenommen. Er blieb von 2006 bis 2012 bei rund 19% relativ stabil und hat sich anschliessend wieder verringert: 2016 betrug der standardisierte monatliche Bruttomedianlohn der Frauen im privaten Sektor 5632 Franken, jener der Männer 6593 Franken. Dies entspricht einer Lohndifferenz von 14,6%.

Im privaten Sektor waren 2016 gemäss einer Studie, basierend auf dem arithmetischen Mittelwert, 42,9% (d.h. 657 Franken pro Monat) des Lohnunterschieds unerklärt.

Die Lohnunterschiede im öffentlichen Sektor sind geringer als jene im privaten Sektor. 2016 betrug der standardisierte monatliche Bruttomedianlohn der Frauen im gesamten öffentlichen Sektor 7404 Franken, derjenige der Männer 8466 Franken. Dies entspricht einer Differenz von 12,5%.

Im gesamten öffentlichen Sektor (Bund, Kantone und Gemeinden) war 2016 der unerklärte Anteil der Lohnunterschiede, basierend auf dem arithmetischen Mittelwert, zwischen den Geschlechtern kleiner als im privaten Sektor (34,8%, d.h. 522 Franken pro Monat).

Bei gleicher Bildung und gleicher beruflicher Stellung lag der standardisierte monatliche Bruttomedianlohn im privaten Sektor bei den Frauen tiefer als bei den Männern. Frauen verdienten im Jahr 2016 je nach Bildungsniveau zwischen 8,1% (Lehrerpatent) und 21,5% (universitäre Hochschule) weniger als die Männer. Zudem war der Lohn von Frauen je nach beruflicher Stellung zwischen 11,6% (unterstes Kader) und 20,8% (oberstes, oberes und mittleres Kader) tiefer als jener der Männer. Im privaten Sektor nimmt der Lohnunterschied überdies mit dem Alter zu: 2016 verdienten die 20- bis 29-jährigen Frauen im Durchschnitt 6,9% weniger, die 30- bis 39-jährigen Frauen 8,2% weniger, die 40- bis 49-jährigen Frauen 16,2% weniger als die Männer der gleichen Altersklasse und die 50- bis 64-jährigen Frauen 18,6% weniger als die Männer im Alter von 50 bis 65 Jahren.

Die Lohndifferenzen zwischen den Geschlechtern sind unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass Frauen in Berufen mit tiefen Lohnniveaus überproportional vertreten sind: 2016 war der Anteil weiblicher Arbeitnehmender mit einem tiefen Lohn im privaten und öffentlichen Sektor zusammen (< 4335 Franken) gut zweimal grösser als jener der männlichen Arbeitnehmenden. Männer sind im Gegenzug in Berufen mit hohen Lohnniveaus überproportional vertreten.


Tabellen

Methodologie

Dieser Indikator zeigt den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen (erklärter und unerklärter Anteil) im Verhältnis zum Lohn der Männer im privaten Sektor. Berechnet wird er auf Basis des standardisierten monatlichen Bruttolohns (Median). Datengrundlage ist die schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE), die alle zwei Jahre durchgeführt und vom Bundesamt für Statistik (BFS) publiziert wird.  

Die Lohnunterschiede nach Geschlecht lassen sich teilweise durch objektive Faktoren wie Ausbildung, berufliche Stellung, Berufserfahrung usw. erklären. Diejenige Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern, die verbleibt, nachdem diese objektiven erklärenden Faktoren berücksichtigt worden sind, wird unerklärter Anteil genannt. Die Daten zum erklärten und unerklärten Anteil des Lohnunterschieds basieren auf einer Studie, welche vom Büro BASS (2016) im Auftrag des BFS durchgeführt wurde. Die Berechnung beruht auf dem Oaxaca-Blinder-Modell, bei dem es sich um eine Zerlegung der Lohndifferenz im arithmetischen Mittel handelt. Für die Jahre 1998-2006 wurden die Löhne auf Basis der NOGA 2002 und ab 2008 auf Basis der NOGA 2008 analysiert (NOGA = Allgemeine Systematik der Wirtschaftszweige).

Definitionen

Lohn
Mit dem Lohn wird Arbeit (in Form von Geld oder Naturalleistungen) bezahlt, die eine Person gemäss einem schriftlichen oder mündlichen Vertrag für eine andere Person geleistet hat. Nicht als Lohn gilt somit das Einkommen aus selbständiger, auf eigene Rechnung ausgeübter Tätigkeit. Üblicherweise wird zwischen dem Bruttolohn (vor Abzug der Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherungen) und dem Nettolohn (nach Abzug dieser Beiträge) unterschieden.

Monatlicher standardisierter Bruttolohn
Teilzeitstellen werden auf ein Vollzeitäquivalent von 4 1/3 Wochen zu 40 Arbeitsstunden umgerechnet. 

Median
Der Median oder Zentralwert teilt die nach Grösse geordneten Beobachtungswerte in zwei gleich grosse Hälften. Die eine Hälfte der Werte liegt über, die andere unter dem Median. Für die Hälfte der Arbeitnehmenden liegt der standardisierte Lohn über, für die andere Hälfte dagegen unter dem ausgewiesenen Median.

Quellen

Erhebung

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/monitoring-legislaturplanung/indikatoren/lohnunterschied-geschlecht.html