Legislaturindikator: Schäden durch Naturereignisse


Auszug aus dem Legislaturziel 16: Die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen betreffen den Zerfall staatlicher Strukturen im Ausland […] und Naturgefahren. […] Die sicherheitspolitischen Instrumente sind derart auszugestalten, dass die Reaktionsfähigkeit auf eintretende Ereignisse – auch solche, die nicht vorhersehbar sind – jederzeit gewährleistet ist.

Bedeutung des Indikators: Naturereignisse wie Hochwasser, Murgänge, Rutschungen, Steinschlag, Fels- und Bergsturz können bedeutende Sach-, Personen- und Umweltschäden verursachen. Die Minderung der vorhandenen Risiken und die Begrenzung der Schäden, wenn es zu einem Ereignis kommt, sind von volkswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung. Die Höhe der Schäden durch Naturereignisse wird von der Nutzung des Siedlungsraums und von der Intensität sowie dem räumlichen Ausmass der Naturereignisse beeinflusst.
Der Indikator misst die Kosten, welche von Naturereignissen wie Hochwasser, Murgängen, Rutschungen, Steinschlag, sowie Fels- oder Bergsturz verursacht werden. Diese Kosten sind unter anderem abhängig von der Anzahl und dem Wert der beschädigten Häuser und Güter.

Quantifizierbares Ziel: Wo es nicht möglich ist, Naturgefahren auszuweichen, werden Massnahmen baulicher, biologischer oder organisatorischer Art getroffen, um die Gefahr abzuwenden oder die Schäden zu reduzieren.

Kommentar

Von 1972 bis 2017 verursachten Hochwasser, Murgänge, Rutschungen, Steinschlag, Fels- und Bergsturz Gesamtschäden in der Höhe von rund 14 Milliarden Franken; dies entspricht einem durchschnittlichen Schaden von 304 Millionen Franken pro Jahr. Hochwasser und Murgänge verursachten im selben Zeitraum Schäden von 13 Milliarden Franken, die Schäden durch Rutschungen, Steinschlag, Fels- und Bergsturz beliefen sich auf gut 1 Milliarde Franken (teuerungsbereinigte Zahlen). 2017 betrugen die Schäden durch diese Naturereignisse 173,6 Millionen Franken.

Rund die Hälfte der Schäden seit 1972 ist auf die fünf grössten Einzelereignisse zurückzuführen. So verursachte das Hochwasser vom August 2005 allein Schäden in Höhe von rund 3 Milliarden Franken. Das ist die höchste Schadensumme der letzten 45 Jahre.

Im Jahr 2016 hat der Bund insgesamt rund 226 Millionen Franken für den Schutz vor Naturereignissen ausgegeben. 121 Millionen Franken wurden dabei in Schutzmassnahmen gegen Wasser investiert, 68 Millionen in Schutzwälder und 37 Millionen Franken in Lawinenverbauungen und weitere Massnahmen. Ohne diese Investitionen würden die Schäden durch Naturereignisse jeweils höher ausfallen.

Rund die Hälfte der Schweizer Waldfläche gilt als Schutzwald. Das entspricht einer Fläche von rund 585 000 Hektaren. Schutzwälder bewahren Siedlungen, Verkehrswege und Industrieanlagen vor Naturereignissen wie Rutschungen, Lawinen, Felssturz oder Steinschlag.

Durch das Auftauen des ständig gefrorenen Bodens, sogenannter Permafrost, verliert der Boden an Stabilität und es kann zu Steinschlag, Felsstürzen sowie Rutschungen und Murgängen kommen. Permafrost kommt auf etwa 5% der Schweizer Landesfläche vor und ist hauptsächlich oberhalb von 2500 Metern über Meer anzutreffen. In den letzten Jahren sind die Temperaturen der Böden mit Permafrost aufgrund der warmen klimatischen Bedingungen angestiegen.


Tabellen

Methodologie

Die Schäden durch Hochwasser, Murgänge und Rutschungen werden seit 1972, solche durch Steinschlag, Fels- und Bergsturz seit 2002 erhoben. Die Daten stammen aus einer Datenbank der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), in welcher seit 1972 alle wichtigen Schadenfälle registriert werden. Die Erhebungen basieren hauptsächlich auf Meldungen von etwa 3000 Schweizer Zeitungen und Zeitschriften sowie – bei grösseren Ereignissen – auf Angaben von Kantonen und Versicherungsgesellschaften. Um die Jahre vergleichen zu können, wurden die Preise mit Hilfe des Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) des Bundesamts für Statistik teuerungsbereinigt. Der Indikator wird jährlich von der WSL erhoben.

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/monitoring-legislaturplanung/indikatoren/schaeden-naturereignisse.html