Legislaturindikator: Häusliche Gewalt


Auszug aus dem Legislaturziel 15: Die Schweiz beugt Gewalt, Kriminalität und Terrorismus vor und bekämpft sie wirksam.

Bedeutung des Indikators: Kriminalität beeinträchtigt nicht nur die persönliche Sicherheit der Bevölkerung, sondern hat meist auch gesundheitliche Folgen für die Opfer. Auch der häusliche Bereich ist nicht frei von Gewalt: Straftaten, die sich innerhalb der Familie oder in einer aktuellen oder ehemaligen Partnerschaft ergeben, sind in der Schweiz ebenfalls ein soziales Problem. Für Frauen besteht ein erhöhtes Risiko, Opfer von häuslicher Gewalt zu werden, während Männer eher Opfer von körperlicher Gewalt in der Öffentlichkeit werden.
Der Indikator zeigt die polizeilich registrierten Opfer schwerster physischer Gewalt (vollendete Tötungsdelikte, versuchte Tötungsdelikte mit schwerer Verletzung, vollendete schwere Körperverletzung) im häuslichen Bereich. In den Fällen schwerster physischer Gewalt spielt das Anzeigeverhalten eine geringere Rolle, da durch den Tod oder die notwendige stationäre Behandlung die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die Polizei von der Straftat erfährt.

Quantifizierbares Ziel: Die Kriminalität in der Schweiz nimmt während der Legislaturperiode 2015–2019 ab.

Kommentar

Die Anzahl polizeilich registrierter Opfer von schwerster Gewalt im häuslichen Bereich, das heisst zwischen Familienmitgliedern oder in einer aktuellen oder ehemaligen Partnerschaft, schwankt seit 2009. Im Jahr 2018 wurden 64 weibliche und 28 männliche Opfer von schwerster häuslicher Gewalt registriert, 2017 waren es 65 Frauen und 28 Männer.

Bei der Betrachtung aller polizeilich registrierten Gewaltstraftaten mit erfasster Beziehung zwischen geschädigter und beschuldigter Person zeigt sich, dass davon im Jahr 2018 gut 38% im häuslichen Bereich stattfanden. Insgesamt wurden 10 653 von häuslicher Gewalt geschädigte Personen polizeilich registriert, davon 71% Frauen. Der grösste Teil der polizeilich registrierten häuslichen Gewalt betrifft minderschwere Gewaltstraftaten (zum Beispiel Tätlichkeiten, Drohungen, einfache Körperverletzungen). Das Anzeigeverhalten bei solchen Straftaten ist sehr unterschiedlich, die Dunkelziffer ist hoch.

Die Betrachtung aller polizeilich registrierten Opfer häuslicher Gewalt zeigt, dass 2017 bei den Frauen grössere altersspezifische Unterschiede bestehen als bei den Männern. Häuslicher Gewalt am stärksten ausgesetzt waren Frauen im Alter von 25-39 Jahren, dabei handelte es sich mehrheitlich um Gewalt in einer bestehenden Partnerschaft. Gesamthaft gesehen wurden Frauen 3,3-mal häufiger Opfer von häuslicher Gewalt in einer bestehenden Partnerschaft als Männer.

Polizeilich registrierte Personen, die von ihren Eltern geschädigt wurden, waren mehrheitlich minderjährig. Im Jahr 2017 wurden minderjährige Mädchen 1,3-mal häufiger Opfer von häuslicher Gewalt durch die Eltern als minderjährige Jungen. Die Mädchen im Alter von 15-17 Jahren waren am stärksten von häuslicher Gewalt durch die Eltern betroffen, bei den Jungen war die Belastung in der Altersgruppe 10-14 Jahre am höchsten.

Männer werden öfter bei der Polizei als Beschuldigte häuslicher Gewalt registriert als Frauen. Am häufigsten wurden 2017 Männer der Altersklasse 30-39 verzeigt.


Tabellen

Methodologie

Der Indikator zeigt die Anzahl der polizeilich registrierten Opfer schwerster physischer Gewalt im häuslichen Bereich. Berücksichtigt werden gemäss Strafgesetzbuch die vollendeten und versuchten Tötungsdelikte (Art. 111-113/116) mit Todesfolge oder schwerer Verletzung, vollendete und versuchte Verleitung und Beihilfe zum Selbstmord (Art. 115) mit Todesfolge oder schwerer Verletzung sowie vollendete schwere Körperverletzung (Art. 122). Jede geschädigte Person erhält eine eindeutige Identifikationsnummer, die es erlaubt, Geschädigte mehrerer Straftaten als ein und dieselbe Person zu identifizieren. So kann nach sogenannter Echtzählung ausgewertet werden, d.h. jede Person wird pro Jahr nur einmal gezählt. Bei Fällen schwerster physischer Gewalt ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Polizei von der Straftat erfährt. Dadurch spielt das Anzeigeverhalten in diesen Fällen eine geringere Rolle. Die Fallzahlen sind jedoch klein und somit anfällig für Schwankungen. Das Anzeigeverhalten spielt hingegen eine grössere Rolle bei Formen minderschwerer physischer Gewalt sowie bei psychischer Gewalt (wie Drohungen, Erpressungen).

Die Daten werden jährlich im Rahmen der Polizeilichen Kriminalstatistik erhoben und vom Bundesamt für Statistik in Zusammenarbeit mit der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren publiziert.

Quellen

Erhebung

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/monitoring-legislaturplanung/indikatoren/haeusliche-gewalt.html