Legislaturindikator: Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln


Auszug aus dem Legislaturziel 16: Da der zur Verfügung stehende Boden limitiert ist, gilt es, bestehende Siedlungsgebiete zu verdichten und ausserhalb von Siedlungen natürliches Kulturland zu erhalten. Der Bundesrat führt die Handlungsansätze des «Raumkonzepts Schweiz» konsequent weiter, namentlich die erhöhte Ausnutzung bestehender Siedlungsflächen, die Bebauung von Baulücken sowie die Neustrukturierung und Umnutzung von Siedlungs- und Brachflächen. Dadurch wird der Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen vermindert, womit dauerhaft ein möglichst hoher Eigenanteil an der Nahrungsmittelproduktion gewährleistet wird.

Bedeutung des Indikators: Die Landwirtschaft hat laut Verfassung durch eine nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete Produktion einen wesentlichen Beitrag zur sicheren Versorgung der Bevölkerung zu leisten.
Der Indikator zeigt den Anteil der einheimischen landwirtschaftlichen Produktion einschliesslich der mit importierten Futtermitteln produzierten Nahrungsmittel am Gesamtverbrauch an Nahrungsmitteln (Brutto-Selbstversorgungsgrad). Massstab ist die verwertbare Energie. Der Indikator erlaubt keine Aussagen über die Qualität der Nahrungsmittel oder die Art, wie sie produziert werden.

Quantifizierbares ZielDer Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln stabilisiert sich auf dem Mittelwert der Legislaturperiode 2011–2015.

2021 wurden 52 Prozent der in der Schweiz verbrauchten Nahrungsmittel im Inland produziert.
Ab 1990 deckte die einheimische Produktion im Durchschnitt mehr als 60% des Nahrungsmittelverbrauchs ab (gemessen in verwertbarer Energie), wobei dieser Wert seit 2015 unter 60% liegt. 2021 belief sich der Brutto-Selbstversorgungsgrad auf 52%. Der Netto-Selbstversorgungsgrad, der ausschliesslich die mit einheimischen Futtermitteln produzierten Nahrungsmittel berücksichtigt, betrug 45%. Der Abwärtstrend bei der Selbstversorgung ist darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung gewachsen ist und die Nahrungsmittelproduktion in den letzten Jahren eine leicht rückläufige Tendenz aufweist. Die Unterschiede von Jahr zu Jahr sind den witterungsbedingten Schwankungen in der landwirtschaftlichen Produktion zuzuschreiben. Der Brutto-Selbstversorgungsgrad der tierischen Produktion liegt bei 96%. Beim Pflanzenbau bewegt er sich hingegen bei 33%.

Netto-Selbstversorgungsgrad
Der Netto-Selbstversorgungsgrad bei den tierischen Nahrungsmitteln lag 2021 bei 71%. Es konnten also mehr als zwei Drittel des inländischen Konsums tierischer Nahrungsmittel abgedeckt werden, ohne bei der Produktion auf importierte Futtermittel zurückzugreifen. Eine differenzierte Betrachtung der tierischen Produktion zeigt, dass die grössten Unterschiede zwischen Brutto- und Netto-Selbstversorgungsgrad bei Fleisch und Eiern auftreten. Ohne die Verwendung importierter Futtermittel konnten 2021 nicht 84% (brutto) des inländischen Fleischbedarfs gedeckt werden, sondern lediglich 43% (netto). Bei den Eiern betrugen diese Anteile 59% (brutto) und 13% (netto). Weniger starke Unterschiede zeigten sich zum Beispiel bei der Milch, deren Bedarf auch ohne Futtermittelimporte noch zu 97% durch die inländische Produktion gedeckt werden konnte.

Herkunft und Verwendung von Futtermitteln
Die unterschiedlichen Netto-Selbstversorgungsgrade bei Fleisch- und Milchproduktion hängen unter anderem mit den für die Herstellung verwendeten Futtermitteln und deren Herkunft zusammen. Während bei der Milchproduktion hauptsächlich Raufutter wie Gras oder Heu zur Anwendung kommt, wird bei der Fleischproduktion (v.a. Schweine- und Geflügelfleisch) ein grösserer Anteil an Kraftfutter eingesetzt. Raufutter machte 2021 drei Viertel der in der Schweiz verwendeten Futtermittel aus und stammte zu 97% aus dem Inland. Kraftfutter machte 2021 ein Fünftel der verwendeten Futtermittel aus und war zu 37% inländischen Ursprungs.

Umweltschonende Anbaumethoden
Zur Verringerung der Umweltbelastung durch die landwirtschaftliche Produktion kommen verschiedene Produktionsformen zur Anwendung, die vom Bund finanziell unterstützt werden. Dazu gehört der biologische Landbau, bei dem auf die Verwendung von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln verzichtet wird. Im Jahr 2022 wurde eine Fläche von 180 554 ha biologisch bewirtschaftet, wofür der Bund 69 Mio. Franken entrichtete. Eine weitere Produktionsform, die zur Schonung der Umwelt dient, ist der extensive Ackerbau mit stark reduziertem Pflanzenschutzmitteleinsatz. Diese Anbauform für Getreide, Sonnenblumen, Eiweisserbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Raps wurde 2022 auf einer Fläche von 92 017 ha betrieben und vom Bund mit Beiträgen in der Höhe von 37 Mio. Franken unterstützt. Daneben wird auch die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion gefördert, in deren Zentrum eine kraftfutterarme Ernährung der Tiere steht. Für eine Produktionsfläche von 564 755 ha wurden hier Beiträge in der Höhe von 111 Mio. Franken gesprochen.


Tabellen

Methodologie

Der Selbstversorgungsgrad wird definiert als Anteil der einheimischen Nahrungsmittelproduktion am inländischen Gesamtverbrauch. Der Brutto-Selbstversorgungsgrad berücksichtigt auch die einheimische Produktion mit importierten Futtermitteln. Die Produktion und der Verbrauch von Nahrungsmitteln werden in verwertbarer Energie (Terajoules) ausgewiesen.

Die Daten zur Produktion und zum Verbrauch von Nahrungsmitteln werden jährlich vom Schweizer Bauernverband (SBV) erhoben und im statistischen Jahrbuch «Statistische Erhebungen und Schätzungen über Landwirtschaft und Ernährung» sowie auf der Internetseite des SBV publiziert. Die Methode zur Bilanzierung der Nahrungsmittel wurde im Jahr 2008 grundlegend revidiert, was zu einem Bruch in der Zeitreihe führt. Werte nach der alten Berechnungsmethode sind bis 2010 vorhanden, Werte nach der revidierten Methode sind ab 2007 erhältlich.

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

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