Legislaturindikator: Erweiterte digitale Kompetenzen


Auszug aus dem Legislaturziel 5: Die Geschwindigkeit, mit der die Digitalisierung voranschreitet, führt zu einem zunehmenden Bedarf an digitalen Fähigkeiten […].

Bedeutung des Indikators: Der digitale Wandel führt zu tiefgreifenden Veränderungen im beruflichen und privaten Alltag. Damit sich die Bevölkerung an die neue Situation anpassen kann, braucht sie entsprechende Kompetenzen. Durch den Kompetenzerwerb kann die Teilhabe aller Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz an politischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Prozessen, die sich digital abspielen, sichergestellt werden. Eine Stärkung der digitalen Befähigung erlaubt es den Menschen zudem, sich in einem digitalen Umfeld eigenverantwortlich zu verhalten und die Konsequenzen ihres Handelns abzuschätzen.
Der Indikator zeigt den Anteil der Gesamtbevölkerung im Alter von 15 bis 88 Jahren, deren digitale Kompetenzen über die Grundkompetenzen hinausgehen.

Quantifizierbares ZielDie digitalen Kompetenzen der Schweizer Bevölkerung sollen gestärkt werden, damit sie die Chancen der Digitalisierung umfassend nutzen kann.

Kommentar

Im Jahr 2019 verfügten 46% der Bevölkerung der Schweiz über digitale Kompetenzen, die über die Grundkompetenzen hinausgehen. Dabei lassen sich altersspezifische Unterschiede beobachten: Je höher das Alter, desto geringer fällt der Bevölkerungsanteil mit erweiterten digitalen Kompetenzen aus. Im Vergleich zu 2017 hat dieser Anteil in der Gesamtbevölkerung um sechs Prozentpunkte zugenommen.
Die digitalen Kompetenzen werden in den Bereichen Informationsbeschaffung, Kommunikation, Problemlösung und der Verwendung von Software zur Erstellung und Bearbeitung digitaler Inhalte gemessen. Bei der Schweizer Bevölkerung am stärksten ausgeprägt sind die erweiterten Kompetenzen im Bereich der Informationsbeschaffung.

Ein wichtiger Faktor für die Ausprägung der digitalen Kompetenzen ist der Bildungsstand. Je tiefer der Bildungsstand einer Person ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie nur über geringe Kompetenzen verfügt. So wiesen 2019 42% der Personen im Alter von 15 bis 88 Jahren, die lediglich die obligatorische Schule abgeschlossen haben, geringe digitale Kompetenzen auf. Bei den Personen mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II betrug dieser Anteil 26% und bei den Personen mit einem Abschluss auf Tertiärstufe 8%.

Digitale Kompetenzen sind unter anderem in der Berufswelt von Bedeutung, die sich Im Zuge der Digitalisierung grundlegend verändert. Eine Möglichkeit, diesen Veränderungen zu begegnen, ist die Teilnahme an nichtformalen Weiterbildungsaktivitäten, das heisst ausserhalb des regulären Bildungssystems. Im Bereich Informatik besuchten 2016 rund 10% der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren eine solche Weiterbildungsveranstaltung. Dazu gehören beispielsweise Kurse, Seminare und Privatunterricht, aber auch Ausbildungen am Arbeitsplatz.

Gemessen an den erweiterten digitalen Kompetenzen der Bevölkerung im Alter von 16 bis 74 Jahren befand sich die Schweiz im Jahr 2019 im Vergleich mit den europäischen Ländern mit einem Anteil von 49% an fünfter Stelle. Damit lag der Anteil der Bevölkerung mit digitalen Kompetenzen, die über die Grundkompetenzen hinausgehen, auf dem gleichen Niveau wie in Dänemark und dem Vereinigten Königreich. An erster Stelle stand Island (62%), gefolgt von Norwegen (51%), den Niederlanden und Finnland (beide 50%).


Tabellen

Methodologie

Die digitalen Kompetenzen werden anhand eines auf europäischer Ebene entwickelten Referenzrahmens gemessen. Für vier Kompetenzbereiche wurden Indikatoren festgelegt, die sich nach der Anzahl der Online-Aktivitäten oder der spezifischen Aktivitäten der Internetnutzerinnen und -nutzer richten. Es wird davon ausgegangen, dass Personen, die eine Aktivität ausgeführt haben, über die nötigen Kompetenzen dazu verfügen. Aus den Ergebnissen zu den einzelnen Feldern ergibt sich ein Indikator für allgemeine digitale Kompetenzen.

Mithilfe dieses Referenzrahmens kann ermittelt werden, ob eine Person über keine Kompetenzen, Grundkompetenzen oder erweiterte Kompetenzen verfügt. Als erweitert gelten Kompetenzen, die über die Grundkompetenzen hinausgehen.

Die vier Kompetenzbereiche umfassen folgende Aktivitäten:

1. Informationsbeschaffung: Informationen in digitaler Form suchen, beschaffen, speichern und strukturieren

2. Kommunikation: Kontakte herstellen, Informationen austauschen, mithilfe von digitalen Instrumenten zusammenarbeiten und sich an Netzwerken oder Online-Gemeinschaften beteiligen

3. Problemlösung: Bedürfnisse erkennen und benötigte digitale Ressourcen ermitteln, geeignete digitale Instrumente auswählen und technische Probleme lösen

4. Verwendung von Software zur Erstellung und Bearbeitung digitaler Inhalte: digitale Inhalte wie Texte und Videos erstellen und bearbeiten sowie in einer Programmiersprache Codes schreiben.

Die Daten zu den digitalen Kompetenzen der Bevölkerung werden vom Bundesamt für Statistik (BFS) im Rahmen der Omnibus-Befragung zur Internetnutzung erhoben. Diese Befragung wird seit 2017 alle zwei Jahre durchgeführt. Der Indikator ist für die Altersgruppe der 16-74-Jährigen international vergleichbar.

Quellen

Erhebung

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/monitoring-legislaturplanung/indikatoren/digitale-kompetenzen.html