Legislaturindikator: Mehrsprachigkeit der Jugendlichen


Auszug aus dem Legislaturziel 9: Unter Berücksichtigung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt sollen die Bestrebungen für die Pflege von gemeinsamen Werten fortgesetzt werden. Dabei spielt der fortwährende Dialog eine zentrale Rolle. Der Bundesrat ist darauf bedacht, die Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften einerseits und den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen andererseits zu fördern. Dafür muss der Zugang zu den Landessprachen und zur Kultur gewährleistet sein.

Bedeutung des Indikators: Die Mehrsprachigkeit ist ein Wesensmerkmal der Schweiz. Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sind als Landessprachen in der Bundesverfassung verankert. Die Förderung der Mehrsprachigkeit sowie der Verständigung und des Austausches zwischen den Sprachgemeinschaften sind zentrale Grundsätze der Schweizer Sprachenpolitik. Kenntnisse in mehr als einer Sprache sind wichtig, um die kulturelle Vielfalt zu leben und den inneren Zusammenhalt des Landes zu stärken. Sprachkenntnisse stellen zudem einen wichtigen Teil des Humankapitals für die schweizerische Wirtschaft dar, in der insbesondere die Landessprachen aber auch die englische Sprache eine wichtige Rolle spielen.
Der Indikator zeigt den Anteil der 15- bis 24-jährigen Wohnbevölkerung, die im Alltag eine, zwei oder mehrere Sprachen spricht. Berücksichtigt werden die Hauptsprachen sowie die zu Hause und bei der Arbeit/an der Ausbildungsstätte gesprochenen Sprachen. Dabei werden auch Sprachen erfasst, die keine Landessprachen sind (z.B. Englisch, Portugiesisch, Albanisch). 

Quantifizierbares Ziel: Die Mehrsprachigkeit ist ein wichtiger Pfeiler der Verständigung zwischen den Kulturen und den Sprachgruppen sowie ein Standortfaktor der Schweizer Wirtschaft. Die Sprachkompetenzen der Bevölkerung, insbesondere der Jugendlichen, nimmt zu. Möglichst viele Auszubildende nehmen zumindest einmal an einem nationalen schulischen Austauschprogramm teil.

Kommentar

Der Anteil der 15- bis 24-jährigen Personen, die üblicherweise mehr als eine Sprache sprechen, hat seit 2010 zugenommen. 2016 waren es 47%. 34% gaben an, üblicherweise zwei Sprachen und 13% drei und mehr Sprachen zu sprechen. Die restlichen 53% der Jugendlichen sprachen nur eine Sprache. Bei der Betrachtung der gesamten Wohnbevölkerung zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Allerdings lag der Anteil der Personen, die üblicherweise zwei und mehr Sprachen sprechen, mit rund 41% etwas tiefer als bei den Jugendlichen. Berücksichtigt wurden die Hauptsprachen und die zu Hause mit den Angehörigen sowie am Arbeitsplatz oder Ausbildungsort gesprochenen Sprachen.

Bei den Sprachen, die bei der Arbeit oder in der Ausbildung gesprochen werden, ist die Situation etwas anders. Hier spricht weniger als ein Viertel der Jugendlichen (22,3% im Jahr 2016) üblicherweise mehr als eine Sprache. Dieser Umstand stellt jedoch die Sprachkompetenzen der Jugendlichen nicht in Frage. Er rührt unter anderem von der Einsprachigkeit bei der Arbeit und in den Ausbildungsstätten her.

Die regelmässige Verwendung der Landessprachen trägt einen wichtigen Teil zum Verständnis zwischen den Sprachregionen bei. 2016 gab mit 14,2% ein Siebtel der Jugendlichen an, üblicherweise mehr als eine Landessprache zu sprechen. Dieser Anteil ist seit 2010 unverändert. In der gesamten Wohnbevölkerung ist eine ähnliche Aufteilung und Entwicklung zu beobachten.

Der Unterschied zwischen den Personen, die regelmässig mehr als eine Sprache sprechen, und denjenigen, die üblicherweise mehr als eine Landessprache sprechen, zeigt die Bedeutung der Einwanderung für die Mehrsprachigkeit der Schweiz.


Tabellen

Methodologie

Der Indikator zeigt den Anteil der 15- bis 24-jährigen ständigen Wohnbevölkerung, die im Alltag eine, zwei, drei oder mehr Sprachen spricht. Für die Berechnung des Indikators werden folgende Fragen aus der Strukturerhebung miteinander kombiniert:

  • Welches ist Ihre Hauptsprache, das heisst die Sprache, in der Sie denken und die Sie am besten beherrschen?
  • Welche Sprache(n) sprechen Sie üblicherweise zu Hause/mit den Angehörigen?
  • Welche Sprache(n) sprechen Sie üblicherweise bei der Arbeit/an der Ausbildungsstätte? (inkl. Arbeitspausen, exkl. die einzelnen Sprachfächer im Unterricht)

Pro Frage können mehrere Sprachen angegeben werden. Berücksichtigt werden alle Sprachen, auch die Nicht-Landessprachen wie zum Beispiel Englisch, Portugiesisch oder Albanisch. Für die Berechnung des Indikators werden die Dialekte mit der Hochsprache gleichgesetzt (z.B. Schweizerdeutsch wird zu Hochdeutsch gezählt).

Die Daten stammen aus der Strukturerhebung, die das Bundesamt für Statistik (BFS) seit 2010 im Rahmen der jährlichen Volkszählung durchführt. Es handelt sich dabei um eine Stichprobenerhebung bei Personen der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren, die in einem Privathaushalt leben.

Definitionen

Wohnbevölkerung, ständige
Zur ständigen Wohnbevölkerung zählen seit dem 31.12.2010 alle schweizerischen Staatsangehörigen mit einem Hauptwohnsitz in der Schweiz; ausländische Staatsangehörige mit einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung für mindestens zwölf Monate (Ausweis B oder C oder EDA-Ausweis [internationale Funktionäre, Diplomaten und deren Familienangehörige]); ausländische Staatsangehörige mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung (Ausweis L) für eine kumulierte Aufenthaltsdauer von mindestens zwölf Monaten; Personen im Asylprozess (Ausweis F oder N) mit einer Gesamtaufenthaltsdauer von mindestens zwölf Monaten.

Quellen

Erhebung

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/monitoring-legislaturplanung/indikatoren/mehrsprachigkeit-jugendliche.html