Legislaturindikator: Fiskalquote der öffentlichen Haushalte


Auszug aus dem Legislaturziel 2: Die Steuerordnung ist gesellschafts-, wirtschafts- und umweltverträglich auszugestalten und dabei insbesondere auf die Grundsätze der Gerechtigkeit, der Effizienz, der Standortattraktivität und der Einfachheit auszurichten.

Bedeutung des Indikators: Eine niedrige Steuerbelastung trägt zur Standortattraktivität bei und ist daher aus wirtschaftlicher Sicht erwünscht. Die Standortqualität hängt allerdings von vielen Faktoren ab, so auch von den rechtlichen Rahmenbedingungen, vom sozialen Frieden und von der Qualifikation potentieller Arbeitskräfte. Aus der Fiskalquote lassen sich keine direkten Rückschlüsse auf die finanzielle Situation der privaten Haushalte ziehen. Dafür müsste die Steuerbelastung zu den Leistungen, welche die Bürgerinnen und Bürger vom Staat erhalten, in Bezug gesetzt werden.
Die Fiskalquote ist die Summe aller Steuern und öffentlichen Abgaben von Bund, Kantonen, Gemeinden sowie für öffentlichen Sozialversicherungen im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt zu laufenden Preisen. Die Quote ist somit ein Mass für die aggregierte Belastung durch Fiskalabgaben.

Quantifizierbares Ziel: Zur Erhaltung bzw. Steigerung der Standortattraktivität stabilisiert oder verringert sich die Fiskalquote gegenüber 2014 (Fiskalquote [Staat]: 27,0%).

Kommentar

Die Fiskalquote ist insgesamt relativ stabil und oszilliert seit 2001 um die 27%. 2017 ist die Fiskalquote mit 28,5% des BIP höher als im Vorjahr. Im internationalen Vergleich fällt die Fiskalquote der Schweiz tief aus. Im Vergleich mit OECD-Ländern, welche einen ähnlichen Entwicklungsstand aufweisen wie die Schweiz, weisen nur die USA eine tiefere Fiskalquote aus. Bei internationalen Vergleichen ist darauf zu achten, dass die Beiträge im Bereich der beruflichen Vorsorge (Pensionskassenbeiträge) und die Prämien für die in der Schweiz obligatorische Krankenversicherung nicht berücksichtigt werden. Diese Abgaben werden in vielen Staaten über das Steuersystem finanziert.

Mit den Fiskaleinnahmen wird ein grosser Teil der staatlichen Aktivitäten und Ausgaben finanziert. Die Staatsquote, das heisst die Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte im Verhältnis zum BIP, stieg in den 1990er Jahren an und erreichte 2002 mit 34,7% ihren Höchstwert. 2017 betrug die Staatsquote 32,9% des BIP und lag somit auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr (33,0%). Im Vergleich mit anderen OECD-Ländern weist die Schweiz eine der tiefsten Staatsquoten auf.

Die Steuerbelastungen sind je nach Kanton unterschiedlich hoch: Die tiefsten Werte des Steuerausschöpfungsindexes sind im Referenzjahr 2018 in den Zentralschweizer Kantonen Schwyz, Zug und Nidwalden zu verzeichnen, wobei Schwyz den kleinsten Indexwert aufweist. Den höchsten Wert weist der Kanton Genf aus, gefolgt von Waadt und Jura.


Tabellen

Methodologie

Die Fiskalquote in Prozent des Bruttoinlandprodukts zu laufenden Preisen in der Schweiz umfasst sämtliche Steuern und öffentlichen Abgaben von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie die Sozialversicherungsabgaben. Diese setzen sich aus den Beiträgen der Arbeitnehmer und -geber an die öffentlichen Sozialversicherungen zusammen (AHV, IV, EO, ALV, Familienzulagen in der Landwirtschaft sowie Mutterschaftsversicherung des Kantons Genf). Nicht enthalten sind somit Gebühren- und Zinseinnahmen sowie sonstige weitere Einnahmen des Staates wie z.B. Bussen. Auch die Beiträge an die Krankenkassen, Unfallversicherungen und Pensionskassen werden trotz Obligatorium nicht berücksichtigt, da diese Unternehmen nicht zum Sektor Staat gehören.

Bei der Berechnung der Fiskalquote stützt sich die Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV) auf die Zahlen der Finanzstatistik, welche gemäss dem internationalen Finanzstatistikstandard des Internationalen Währungsfonds (IWF) ermittelt werden. Diese entsprechen den von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) veröffentlichten Fiskaleinnahmen. Dadurch ist die Vergleichbarkeit mit den Fiskalquoten anderer Länder sichergestellt. Die Fiskalquote wird jährlich publiziert.

Definitionen

Bruttoinlandprodukt (BIP)
Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist die Referenzgrösse zur Messung der wirtschaftlichen Leistung. Es ergibt sich aus der Summe der durch die ansässigen Wirtschaftsakteure erbrachten Wertschöpfung, zusätzlich der Steuern und abzüglich der Gütersubventionen. Das BIP wird zu laufenden Preisen sowie zu Preisen des Vorjahres berechnet. Das Wirtschaftswachstum wird durch die Veränderungsrate zu Preisen des Vorjahres ausgedrückt

Fiskalquote gemäss IWF und OECD
Fiskaleinnahmen in % des BIP. Die Fiskalquote umfasst die Steuern und die Sozialversicherungsabgaben gemäss den Definitionen des finanzstatistischen Standards des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die gleichen fachlichen Abgrenzungen verwendet auch die OECD, benutzt jedoch eine geringfügig andere Unterteilung der Steuerkategorien.

Steuerausschöpfungsindex
Der Steuerausschöpfungsindex ist ein Abbild der gesamten Steuerbelastung in einem Kanton. Er gibt Aufschluss über die gesamte Fiskalbelastung des Ressourcenpotenzials und zeigt damit, wie stark die steuerlich ausschöpfbare Wertschöpfung (Einkommen, Gewinne und Vermögenszuwachs) der Steuerpflichtigen (natürliche und juristische Personen) effektiv durch Steuern der Kantone und Gemeinden belastet wird und somit nicht mehr für die private Verwendung zur Verfügung steht.

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

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https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/monitoring-legislaturplanung/indikatoren/fiskalquote.html