Legislaturindikator: Aussenhandelsverflechtung


Auszug aus dem Legislaturziel 4Die Schweiz zeichnet sich als mittelgrosse, offene Volkswirtschaft durch eine ausgeprägte internationale Orientierung aus. Gleichzeitig verfügt sie über einen relativ kleinen Binnenmarkt. Der internationale Handel mit Gütern und Dienstleistungen sowie die grenzüberschreitenden Investitionstätigkeiten sind die Lebensadern der Schweizer Wirtschaft. Der Bundesrat will daher weiterhin den Zugang zu ausländischen Märkten verbessern und Handelshemmnisse abbauen.

Bedeutung des Indikators: Für die Schweiz als Land mit einem begrenzten Binnenmarkt ist die Einbindung in den internationalen Handel von zentraler Bedeutung für den Erhalt und die Förderung des Wohlstands. Ausländische Märkte sind als Absatzmöglichkeit wie auch für den Bezug von Gütern und Dienstleistungen von Bedeutung.
Der Indikator zeigt den Mittelwert aus Importen und Exporten von Waren und Dienstleistungen im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt der Schweiz. Er bildet die Aussenhandelsverflechtung der Schweizer Wirtschaft ab und gibt einen Hinweis auf deren Öffnungsgrad. Der Indikator erlaubt keine Aussage über die Handelsbilanz der Schweiz.

Quantifizierbares Ziel: Die Aussenhandelsverflechtung der Schweizer Wirtschaft bleibt stabil oder nimmt gegenüber dem Durchschnittswert der Legislaturperiode 2015–2019 zu. Das Handelsvolumen zwischen der Schweiz und der EU steigt gegenüber der vorherigen Legislaturperiode.

Kommentar

Die Aussenhandelsverflechtung der Schweiz ist seit 1995 insgesamt angestiegen, wobei konjunkturbedingte Schwankungen im Zeitverlauf zu verzeichnen waren. Zu Beginn des neuen Jahrtausends setzte eine rückläufige Entwicklung ein, ab 2003 stieg der Mittelwert aus Importen und Exporten im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP) wieder an. Nach der Finanzkrise 2008 war das Durchschnittsvolumen von Importen und Exporten im Verhältnis zum BIP wiederum rückläufig. 2017 überschritt die Aussenhandelsverflechtung die 50%-Marke und lag 2019 bei 52%, bevor sie 2020 im Zuge der Covid-19-Pandemie auf 47,8% sank. Von besonderer Bedeutung für den Schweizer Aussenhandel mit Waren ist die Europäische Union (EU). Innerhalb der EU zählen Deutschland, Italien und Frankreich zu den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz.

Der nominale Wert der exportierten Waren ist ungefähr zweimal so gross wie jener der exportierten Dienstleistungen. Während dieses Verhältnis bei den Exporten seit 1995 relativ konstant geblieben ist, hat es sich bei den Importen zugunsten der Dienstleistungen verändert: Bis 2008 lagen die Warenimporte um das Zweieinhalbfache höher als die Dienstleistungsimporte, danach glich sich das Verhältnis vorübergehend demjenigen der Exporte an und hat anschliessend weiter abgenommen.

Ungefähr drei Viertel der gesamten Wertschöpfung der Bruttoexporte der Schweiz wurden 2016 im Inland generiert; der verbleibende Anteil der Wertschöpfung wird als Vorleistung aus dem Ausland importiert. Bei den Dienstleistungsexporten liegt der Anteil der inländischen Wertschöpfung in der Regel höher als bei den Warenexporten, da Dienstleistungen typischerweise weniger handelbar sind und entsprechend bei den Waren die Vorleistungsimporte eine grössere Rolle spielen.

Die wirtschaftliche Verflechtung mit dem Ausland ist nicht nur durch den internationalen Austausch von Waren und Dienstleistungen gekennzeichnet, sondern auch durch den grenzüberschreitenden Einsatz von Kapital. Dazu gehören beispielsweise die Direktinvestitionen: Im Jahr 2019 hielten in der Schweiz ansässige Investoren einen Kapitalbestand von rund 1445 Milliarden Franken im Ausland. Umgekehrt werden auch aus dem Ausland Investitionen in der Schweiz getätigt: Der Bestand der ausländischen Direktinvestitionen in der Schweiz lag im Jahr 2019 bei 1370 Milliarden Franken. Die Bestände der Direktinvestitionen im In- und Ausland haben im Zeitverlauf zugenommen. Einer Veränderung dieser Bestände können neben Kapitaltransaktionen auch schwankende Wechselkurse zu Grunde liegen.


Tabellen

Methodologie

Die vom Indikator ausgewiesene Aussenhandelsverflechtung entspricht dem Mittelwert aus Importen und Exporten von Waren und Dienstleistungen, dividiert durch das Bruttoinlandprodukt (BIP), jeweils zu laufenden Preisen.

Als Importe und Exporte gelten gemäss Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung (VGR) Güter, bei denen ein Eigentumsübergang zwischen Gebietsansässigen und Gebietsfremden stattfindet. Importe von Dienstleistungen beinhalten alle Dienste, die von Gebietsfremden für Gebietsansässige erbracht werden, beziehungsweise umgekehrt im Falle von Exporten.

In Importen und Exporten enthalten sind Waren, Fracht, Versicherungen, Transport, Reisen, Lizenzgebühren sowie andere Dienstleistungen in der Kommunikation, im Bau, der Banken, im Informationsbereich und im Handel.

Im Indikator nicht berücksichtigt wird das Nichtwährungsgold, das in der Privatwirtschaft als Wertreserve der Exporte und Importe von Waren gehalten wird. Hingegen wird das in der Industrie verwendete Nichtwährungsgold nicht abgezogen. Als Nichtwährungsgold gilt sämtliches Gold, das von den Behörden nicht als Bestandteil der Währungsreserven (Währungsgold) gehalten wird, unabhängig davon, ob es als Wertreserve in der Privatwirtschaft oder zu sonstigen (industriellen) Zwecken gehalten wird.

Die Daten zum BIP sowie zu Importen und Exporten von Waren und Dienstleistungen werden im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) vom Bundesamt für Statistik (BFS) jährlich publiziert. Beim Aussenhandel mit Waren und Dienstleistungen stützt sich die VGR hauptsächlich auf die Aussenhandelsstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung sowie auf die Zahlungsbilanz der Schweizerischen Nationalbank.

Definitionen

Quellen

Erhebung

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/monitoring-legislaturplanung/indikatoren/aussenhandelsverflechtung.html