Legislaturindikator: Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln


Auszug aus dem Legislaturziel 16: Da der zur Verfügung stehende Boden limitiert ist, gilt es, bestehende Siedlungsgebiete zu verdichten und ausserhalb von Siedlungen natürliches Kulturland zu erhalten. Der Bundesrat führt die Handlungsansätze des «Raumkonzepts Schweiz» konsequent weiter, namentlich die erhöhte Ausnutzung bestehender Siedlungsflächen, die Bebauung von Baulücken sowie die Neustrukturierung und Umnutzung von Siedlungs- und Brachflächen. Dadurch wird der Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen vermindert, womit dauerhaft ein möglichst hoher Eigenanteil an der Nahrungsmittelproduktion gewährleistet wird.

Bedeutung des Indikators: Die Landwirtschaft hat laut Verfassung durch eine nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete Produktion einen wesentlichen Beitrag zur sicheren Versorgung der Bevölkerung zu leisten.
Der Indikator zeigt den Anteil der einheimischen landwirtschaftlichen Produktion einschliesslich der mit importierten Futtermitteln produzierten Nahrungsmittel am Gesamtverbrauch an Nahrungsmitteln (Brutto-Selbstversorgungsgrad). Massstab ist die verwertbare Energie. Der Indikator erlaubt keine Aussagen über die Qualität der Nahrungsmittel oder die Art, wie sie produziert werden.

Quantifizierbares ZielDer Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln stabilisiert sich auf dem Mittelwert der Legislaturperiode 2011–2015.

Kommentar

Ab 1990 deckte die einheimische Produktion im Durchschnitt mehr als 60% des Nahrungsmittelverbrauchs ab (gemessen in verwertbarer Energie). 2019 belief sich der Brutto-Selbstversorgungsgrad auf 57%. Der Netto-Selbstversorgungsgrad, der ausschliesslich die mit einheimischen Futtermitteln produzierten Nahrungsmittel berücksichtigt, betrug 49%. Der Abwärtstrend bei der Selbstversorgung ist darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung schneller gewachsen ist als die Nahrungsmittelproduktion. Die Unterschiede von Jahr zu Jahr sind den witterungsbedingten Schwankungen in der landwirtschaftlichen Produktion zuzuschreiben. Der Brutto-Selbstversorgungsgrad der tierischen Produktion liegt bei nahezu 100%. Beim Pflanzenbau bewegt er sich hingegen bei 40%.

Der Netto-Selbstversorgungsgrad bei den tierischen Nahrungsmitteln lag 2019 bei 74%. Es konnten also drei Viertel des inländischen Konsums tierischer Nahrungsmittel abgedeckt werden, ohne bei der Produktion auf importierte Futtermittel zurückzugreifen. Eine differenzierte Betrachtung der tierischen Produktion zeigt, dass die grössten Unterschiede zwischen Brutto- und Netto-Selbstversorgungsgrad bei Fleisch und Eiern auftreten. Ohne die Verwendung importierter Futtermittel konnten 2019 nicht 84% (brutto) des inländischen Fleischbedarfs gedeckt werden, sondern lediglich 46% (netto). Bei den Eiern betrugen diese Anteile 56% (brutto) und 14% (netto). Weniger starke Unterschiede zeigten sich zum Beispiel bei der Milch, deren Bedarf auch ohne Futtermittelimporte noch zu beinahe 100% durch die inländische Produktion gedeckt werden konnte.

Die unterschiedlichen Netto-Selbstversorgungsgrade bei Fleisch- und Milchproduktion hängen unter anderem mit den für die Herstellung verwendeten Futtermitteln und deren Herkunft zusammen. Während bei der Milchproduktion hauptsächlich Raufutter wie Gras oder Heu zur Anwendung kommt, wird bei der Fleischproduktion (v.a. Schweine- und Geflügelfleisch) ein grösserer Anteil an Kraftfutter eingesetzt. Raufutter machte 2019 drei Viertel der in der Schweiz verwendeten Futtermittel aus und stammte zu 97% aus dem Inland. Kraftfutter machte 2019 ein Fünftel der verwendeten Futtermittel aus und war zu 40% inländischen Ursprungs.

Zur Verringerung der Umweltbelastung durch die landwirtschaftliche Produktion kommen verschiedene Produktionsformen zur Anwendung, die vom Bund finanziell unterstützt werden. Dazu gehört der biologische Landbau, bei dem auf die Verwendung von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln verzichtet wird. Im Jahr 2019 wurde eine Fläche von 165 085 ha biologisch bewirtschaftet, wofür der Bund 60 Mio. Franken entrichtete. Eine weitere Produktionsform, die zur Schonung der Umwelt dient, ist der extensive Ackerbau mit stark reduziertem Pflanzenschutzmitteleinsatz. Diese Anbauform für Getreide, Sonnenblumen, Eiweisserbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Raps wurde 2019 auf einer Fläche von 86 242 ha betrieben und vom Bund mit Beiträgen in der Höhe von 34,5 Mio. Franken unterstützt. Daneben wird auch die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion gefördert, in deren Zentrum eine kraftfutterarme Ernährung der Tiere steht. Für eine Produktionsfläche von 564 457 ha wurden hier Beiträge in der Höhe von 111,7 Mio. Franken gesprochen.


Tabellen

Methodologie

Der Selbstversorgungsgrad wird definiert als Anteil der einheimischen Nahrungsmittelproduktion am inländischen Gesamtverbrauch. Der Brutto-Selbstversorgungsgrad berücksichtigt auch die einheimische Produktion mit importierten Futtermitteln. Die Produktion und der Verbrauch von Nahrungsmitteln werden in verwertbarer Energie (Terajoules) ausgewiesen.

Die Daten zur Produktion und zum Verbrauch von Nahrungsmitteln werden jährlich vom Schweizer Bauernverband (SBV) erhoben und im statistischen Jahrbuch «Statistische Erhebungen und Schätzungen über Landwirtschaft und Ernährung» sowie auf der Internetseite des SBV publiziert. Die Methode zur Bilanzierung der Nahrungsmittel wurde im Jahr 2008 grundlegend revidiert, was zu einem Bruch in der Zeitreihe führt. Werte nach der alten Berechnungsmethode sind bis 2010 vorhanden, Werte nach der revidierten Methode sind ab 2007 erhältlich.

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Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

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