Digitale Kriminalität

Einleitung

Die digitale Kriminalität (auch Cyberkriminalität genannt) umfasst alle sogenannten "digitalen" Straftaten, die im Wesentlichen den Straftaten entsprechen, die in den Telekommunikationsnetzen und insbesondere im Internet, begangen werden. In der polizeilichen Kriminalstatistik werden Straftaten der digitalen Kriminalität anhand der Tatvorgehen (Modus Operandi) identifiziert. Es handelt sich folglich nicht um neue Straftatbestände, die in der PKS erfasst wurden, sondern um die Identifizierung von Straftaten mit einer digitalen Komponente.

Methodik

Die digitale Kriminalität wird anhand der Kombination «Straftat – Tatvorgehen» ermittelt. Das untenstehende Schema ermöglicht der Polizei die Auswahl der richtigen Straftat(en) in Bezug auf das angetroffene Phänomen. Einige Phänomene sind sehr ähnlich, und es ist wichtig, nicht nur das korrekte «Straftat – Tatvorgehen»-Paar zu erfassen, sondern vor allem den Hauptmodus zu wählen, der der im Fall angetroffenen Situation tatsächlich entspricht.

Die digitale Kriminalität umfasst derzeit 33 verschiedene Tatvorgehen, die in fünf grosse Bereiche gegliedert werden:

  • Cyber-Wirtschaftskriminalität (24 Tatvorgehen)
  • Cyber-Sexualdelikte (vier Tatvorgehen)
  • Cyber-Rufschädigung und unlauteres Verhalten (drei Tatvorgehen)
  • Darknet (ein Tatvorgehen)
  • Anderes (ein Tatvorgehen)

Sobald ein Tatvorgehen bestimmt wurde, reduziert sich folglich die Auswahl der möglichen Straftaten. Im Strafgesetzbuch (StGB) sind lediglich 28 Straftaten relevant. Weitere Gesetze, die in den nachfolgend aufgeführten Ergebnissen noch nicht berücksichtigt wurden, können ebenfalls betroffen sein, so z.B. das BetmG oder Bundesnebengesetze wie das Waffengesetz (WG), das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) oder das Markenschutzgesetz (MSchG).

Kennzahlen 2021

 

 

Total

 

 

davon mit einem Modus Operandi der digitalen Kriminalität

Anteil

 

 

Total

83 891

30 351

36,2%

Betrug (Art. 146)

22 597

17 232

76,3%

Geldwäscherei (Art. 305bis)

3 600

2 952

82,0%

Betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage (Art. 147)

8 127

2 780

34,2%

Pornografie (Art. 197)

2 834

2 407

84,9%

Erpressung (Art. 156)

1 514

987

65,2%

Unbefugte Datenbeschaffung (Art. 143)

988

713

72,2%

Datenbeschädigung (Art. 144bis)

756

686

90,7%

Unbefugtes Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem (Art. 143bis)

805

551

68,4%

Urkundenfälschung (Art. 251)

4 298

462

10,7%

Üble Nachrede (Art. 173)

1 815

337

18,6%

Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte (Art. 179quater)

844

269

31,9%

Verleumdung (Art. 174)

1 382

221

16,0%

Beschimpfung (Art. 177)

12 459

186

1,5%

Nötigung (Art. 181)

2 888

128

4,4%

Drohung (Art. 180)

10 860

124

1,1%

Unbefugtes Beschaffen von Personendaten
(Art. 179novies)

166

94

56,6%

Missbrauch einer Fernmeldeanlage (Art. 179septies)

1 541

88

5,7%

Sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 187)

1 278

84

6,6%

Übrige Straftaten gegen das StGB

5 139

50

1,0%

Stand der Datenbank: 17.02.2022
Quelle: BFS - Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2021

 

Straftaten

Aufklärungsrate

Total digitale Kriminalität

30 351

36,4%

Cyber Wirtschaftskriminalität

26 671

29,8%

davon Cyberbetrug

20 691

31,3%

Cyber Sexualdelikte

2 572

92,9%

Cyber Rufschädigung und unlauteres Verhalten

1 103

65,2%

Darknet

1

100,0%

Andere (Data Leaking)

4

25,0%

Stand der Datenbank: 17.02.2022
Quelle: BFS - Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2021

Weiterführende Informationen

Tabellen

Publikationen

Medienmitteilungen

Grenzen der Interpretation

Die ersten Zahlen zur digitalen Kriminalität sind unabhängig von der angewendeten Methode mit Vorsicht zu interpretieren. Nicht alle digitalen Straftaten werden angezeigt, auch wenn sie von der geschädigten Person oder Firma korrekt als solche erkannt wurden. Man spricht hier von der sogenannten «Dunkelziffer». Weiter ist die Liste der Tatvorgehen nicht abschliessend und wird fortlaufend ergänzt, weil neue Phänomene auftauchen können oder Phänomene, die derzeit noch fehlen, hinzugefügt werden (z.B. Gewaltdarstellungen im Zusammenhang mit Art. 135 StGB).

Die Einordnung der Straftaten mit nicht offensichtlichen Tatvorgehen und die Häufigkeit, mit der sie der Polizei gemeldet werden, deuten darauf hin, dass die Statistik nicht alle Fälle umfasst.

Grundlagen und Erhebungen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Kriminalität und Strafrecht
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/kriminalitaet-strafrecht/polizei/digitale-kriminalitaet.html