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Schweizerische Arbeitskräfteerhebung im 2. Quartal 2020: Arbeitsangebot 2. Quartal 2020: Erwerbstätigenzahl sinkt um 1,6%, Erwerbslosenquote gemäss ILO steigt auf 4,6%

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2. Quartal 2021: Erwerbstätigenzahl steigt um 0,5%, Erwerbslosenquote gemäss ILO erhöht sich auf 5,0%

20.08.2020 - Die Zahl der Erwerbstätigen in der Schweiz ist zwischen dem 2. Quartal 2019 und dem 2. Quartal 2020 um 1,6% gesunken (–82 000). Darüber hinaus ist bei der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit pro Erwerbstätige ein Rückgang um 9,5% zu verzeichnen. Im gleichen Zeitraum stieg die Erwerbslosenquote gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) von 4,2% auf 4,6% in der Schweiz und von 6,6% auf 6,9% in der EU. Dies geht aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) hervor.

In der Schweiz waren im 2. Quartal 2020 insgesamt 5,017 Millionen Personen erwerbstätig, das sind 1,6% weniger als im 2. Quartal 2019 (5,099 Millionen; Personen mit Kurzarbeit gelten als Erwerbstätige). Seit 1993 ist dies das erste Mal, dass die Anzahl der Erwerbstätigen so stark sank. Die Zahl der erwerbstätigen Männer reduzierte sich um –1,5%, jene der erwerbstätigen Frauen um –1,7%. In Vollzeitäquivalenten (VZÄ) betrug die Abnahme im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal minus 1,2% (Männer: –0,4%; Frauen: –2,4%). Saisonbereinigt ging die Erwerbstätigenzahl und die Anzahl VZÄ zwischen dem 1. Quartal 2020 und dem 2. Quartal 2020 um –2,5% bzw. –2,2% zurück.

Schweizerische und ausländische Arbeitskräfte

Zwischen dem 2. Quartal 2019 und dem 2. Quartal 2020 verringerte sich die Zahl der schweizerischen Erwerbstätigen um –2,4% und jene der ausländischen Erwerbstätigen stieg um 0,2% an. Die Entwicklung der ausländischen Erwerbstätigen variiert je nach Aufenthaltsstatus. Am deutlichsten sank die Zahl der Erwerbstätigen mit Kurzaufenthaltsbewilligung (Ausweis L, seit weniger als zwölf Monaten in der Schweiz; –16,2%). Bei den Personen mit einer Aufenthaltsbewilligung gab es einen Rückgang um –3,6% (Ausweis B oder L, seit mindestens zwölf Monaten in der Schweiz).  Hingegen ist eine Zunahme zu verzeichnen für Personen mit einer Niederlassungsbewilligung (Ausweis C: +2,3%) sowie für Grenzgängerinnen und Grenzgänger (Ausweis G: +3,6%). Bei Letzteren ist ein Teil dieses Anstiegs auf einen technischen Effekt zurückzuführen (vgl. methodischer Anhang). 

Erwerbslosigkeit in der Schweiz und in Europa

Im 2. Quartal 2020 waren in der Schweiz gemäss Definition des ILO 223 000 Personen erwerbslos. Das sind 17 000 mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil der Erwerbslosen an der Erwerbsbevölkerung lag bei 4,6% und damit höher als im entsprechenden Vorjahresquartal (4,2%). Saisonbereinigt nahm die Erwerbslosenquote gegenüber dem vorangehenden Quartal um 0,5 Prozentpunkte von 4,2% auf 4,8% zu. Zwischen dem 2. Quartal 2019 und dem 2. Quartal 2020 stieg die Erwerbslosenquote sowohl in der Europäischen Union (EU: von 6,6% auf 6,9%) als auch in der Eurozone (EZ19: von 7,4% auf 7,6%).

Jugenderwerbslosigkeit

In der Schweiz erhöhte sich die Jugenderwerbslosenquote (15- bis 24-Jährige) gemäss ILO zwischen dem 2. Quartal 2019 und dem 2. Quartal 2020 von 6,2% auf 8,4%. Im selben Zeitraum nahm die Jugenderwerbslosenquote sowohl in der Europäischen Union (EU: von 14,9% auf 16,4%) als auch in der Eurozone (EZ19: von 15,4% auf 16,7%) zu. 

Erwerbslosigkeit nach verschiedenen Merkmalen

Ein Anstieg der Erwerbslosenquote von 3,9% auf 4,8% zeigt sich für die Männer, bei den Frauen blieb sie stabil bei 4,4%. Bei Personen ohne nachobligatorische Ausbildung nahm sie stark zu (von 6,7% auf 8,6%), bei Personen mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II etwas weniger von 4,4% auf 4,8% und bei Personen mit einem Abschluss auf Tertiärstufe blieb sie unverändert bei 3,1%. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Erwerbslosenquote bei den Schweizerinnen und Schweizern von 3,0% auf 3,4% und bei den Ausländerinnen und Ausländern von 7,3% auf 7,6%. Im 2. Quartal 2020 lag die Erwerbslosenquote gemäss ILO bei den EU-/EFTA-/UK-Staatsangehörigen bei 6,3% und bei den Staatsangehörigen aus Drittländern bei 10,9%. 

Mehr Nichterwerbspersonen, die verfügbar wären, aber nicht aktiv Arbeit suchen

Unter den 2,4 Millionen Nichterwerbspersonen waren im 2. Quartal 2020 225 000 Personen für eine Stelle verfügbar, jedoch nicht auf Arbeitssuche. Diese Personen gelten gemäss ILO-Definition nicht als erwerblos. Verglichen mit dem 2. Quartal 2019 hat diese Gruppe sehr stark zugenommen (+56 000 Personen, bzw. +32,8%), was u.a. den beachtlichen Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen bei gleichzeitig eher moderatem Anstieg der Erwerbslosen erklärt. 

Geschätzte Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Arbeitszeit 

Die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung wurden bis am 11. Mai 2020 verlängert, anschliessend wurden die Tätigkeiten schrittweise wieder aufgenommen. Im 2. Quartal 2020 sank die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit pro erwerbstätige Person daher im Vergleich zum Vorjahresquartal um 9,5%. Bei den Selbstständigerwerbenden (–13,9%) war dieser Rückgang ausgeprägter als bei den Arbeitnehmenden (–9,1%). Wäre die durchschnittliche Anzahl Ferientage in diesem Zeitraum nicht um die Hälfte zurückgegangen (–52,6%), wäre die Abnahme der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit noch höher ausgefallen.

Das BFS wird im September 2020 detailliertere Analysen des Arbeitsmarktes im Zusammenhang mit der Pandemie veröffentlichen.

Zusätzliche Informationen in Form von Tabellen und Grafiken finden Sie in der nachfolgenden PDF-Datei.


 

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2. Quartal 2020: Erwerbstätigenzahl sinkt um 1,6%, Erwerbslosenquote gemäss ILO steigt auf 4,6%
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Swiss Labour Force Survey in 2nd quarter 2020: labour supply


 

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