Medienmitteilung

Kulturverhalten in der Schweiz: Wichtigste Ergebnisse 2019 und Vergleich mit 2014 Stabiles Kulturverhalten trotz vermehrter Nutzung von digitalen Angeboten im Jahr 2019

28.12.2020 - Über sieben von zehn Personen frequentierten im Jahr 2019 Monumente, Konzerte oder Museen, zwei Drittel der Bevölkerung hatten eigene künstlerische Aktivitäten als Hobby. Trotz digitalem Umbruch bei den Musikträgern und den E-Books ist zudem eine grosse Stabilität beim privaten Musikhören und beim Bücherlesen zu beobachten. Die Anzahl der Festivalbesuche hat dagegen im Vergleich zum Jahr 2014 um fast 10 Prozentpunkte zugenommen. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der jüngsten Erhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) zum Kulturverhalten in der Schweiz.

Das Kultur- und Freizeitverhalten der Schweizer Wohnbevölkerung wird alle fünf Jahre im Rahmen der thematischen Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur (ESRK) erfragt. Die Daten, die im Jahr 2019 erhoben wurden, erlauben auch Vergleiche mit der ersten Umfrage im Jahr 2014. Die Ergebnisse zeigen somit den Stand und die Trends des Kultur- und Freizeitverhaltens kurz vor Ausbruch der Coronakrise auf.

Kontinuität bei den Kulturbesuchen, Aufwärtstrend bei Denkmälern und Festivals

Im Jahr 2019 besuchten fast drei Viertel der Bevölkerung Denkmäler und historische oder archäologische Stätten (74%), dicht gefolgt von Konzerten (72%) sowie Museen und Ausstellungen (71%). Gut zwei Drittel (67%) gingen ins Kino. Im Vergleich zu 2014 sind die Quoten sehr stabil, und dies trotz steigender Konkurrenz durch digitale Formen der Kulturnutzung. Einen Zuwachs gibt es bei den Denkmälern, von 70% (2014) auf 74% (2019), wobei das europaweite Kulturerbejahr 2018 hier möglicherweise eine Rolle spielte. Noch stärker fällt die Zunahme um fast 10 Prozentpunkte bei den Festivals (Musik, Theater, Film usw.) auf, von 38% auf 47%. Sie betrifft alle Altersgruppen, am stärksten aber die älteren Personen.

Der Besuch von Kulturinstitutionen fällt je nach soziodemografischem Profil unterschiedlich aus. Vor allem beim Ausbildungsniveau lassen sich deutliche Differenzen feststellen: So ist bei den Personen mit einem Tertiärabschluss der Anteil an Besucherinnen und Besuchern von Konzerten aller Art fast doppelt so gross (83%) wie bei jenen mit obligatorischem Schulabschluss (43%). Unterschiede nach Geschlecht gibt es auch, sie sind aber seltener, und auch das Alter ist weniger entscheidend.

Eigene künstlerische Aktivitäten als Hobby weit verbreitet

Wie schon 2014 gingen auch 2019 rund zwei Drittel der Bevölkerung (65%) einer kulturellen Aktivität als «engagierte Amateure» nach, bei einigen Aktivitäten ist sogar eine Zunahme zu beobachten. Immer noch fungiert die Fotografie als meistverbreitete Aktivität (nunmehr 25%), aber auch zeichnen, malen, Skulpturen oder Gravierungen machen (21%), singen (21%) oder ein Instrument spielen (18%) sind weiterhin beliebt. Einen Blog führen, in einem Laientheater spielen oder die Betätigung in den Bereichen Rap oder Street Art kommt dagegen deutlich seltener vor (unter 5%). 

Auch die teilweise mit dem Bildungsstand einhergehende finanzielle Situation spielt eine Rolle: So musizieren in einkommensschwachen Haushalten 11% der Befragten, in finanzstarken sind es rund doppelt so viele (22%). Singen – z.B. in einem Chor – fällt als generationenverbindende Aktivität auf.

Musik hören: grosser Umbruch bei den Tonträgern

Im Bereich Musik wurden 2019 Konzerte mit Pop- oder Rock-Musik am meisten besucht (29%), gefolgt von klassischen Konzerten und der Oper (25%) und von Konzerten mit Schweizer Volksmusik oder Blasmusik (21%). Wie schon 2014 hörten rund 96% der Bevölkerung privat Musik. Bei den hierzu verwendeten Tonträgern springt die Abnahme bei der Nutzung von CDs/DVDs ins Auge: sie ging von 74% im Jahr 2014 auf 53% im Jahr 2019 zurück. Auch bei den MP3-Geräten ist der Trend mit einem Rückgang von 41% auf 23% stark rückläufig. Am meisten wurde 2019 immer noch über Radio oder TV Musik gehört (89%), während 64% auf dem Mobiltelefon (2014: 45%, +19 Prozentpunkte) und 54% über einen Computer Musik hörten.

Bücher lesen: Konstanz trotz Zunahme bei den E-Books

Lesen und Lesehäufigkeit erweisen sich als äusserst stabil über die Zeit. Wie bereits 2014 haben auch 2019 83% der Bevölkerung in den zwölf Monaten vor der Erhebung mindestens ein Buch gelesen, und fast 30% lesen mehr als ein Buch im Monat. Deutlich zugenommen hat hingegen der Anteil der Personen, die E-Books lesen, und zwar um fast 10 Prozentpunkte von gut 15% auf 25%. Das soziodemografische Profil der E-Books-Lesenden hat sich ebenfalls verändert: Wurden 2014 elektronische Bücher eher von Männern gelesen, ist der Geschlechterunterschied 2019 praktisch verschwunden. Ähnliches gilt für die Altersverteilung: fünf Jahre zuvor lasen 30- bis 44-Jährige noch eher elektronisch, heute tun dies alle Personen unter 60 in ungefähr gleichem Ausmass.

Etwas weniger Wunsch nach mehr Kulturbesuchen, vielfältige Hindernisse

Im Jahr 2019 waren 86% der Bevölkerung – also ein etwa gleich hoher Anteil wie 2014 – mit dem Kulturangebot in ihrer Region zufrieden. 53% hätten gerne häufiger Museen, Theater, klassische Konzerte oder Tanzvorstellungen besucht, etwas weniger als noch fünf Jahre zuvor (58%). Befragt nach allfälligen Hindernissen bei Kulturbesuchen, sagte im Jahr 2019 die Hälfte (50%) der Bevölkerung, sie habe nicht genug Zeit, um mehr – oder überhaupt – kulturelle Aktivitäten zu unternehmen, ein Drittel (32%) sah sich wegen fehlender finanzieller Mittel eingeschränkt und 29% gaben fehlendes Interesse an. Rund ein Viertel (26%) fand die Anreise zum Kulturangebot zu lang. 23% sagten aus, sich beim Besuch von Kulturinstitutionen und -anlässen fehl am Platz zu fühlen; dies gilt besonders für Befragte mit geringerem Bildungsabschluss und für solche mit geringeren finanziellen Mitteln.

Zusätzliche Informationen wie Tabellen und Grafiken finden Sie in der nachfolgenden PDF-Datei.


 

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Stabiles Kulturverhalten trotz vermehrter Nutzung von digitalen Angeboten im Jahr 2019
(PDF, 7 paginas, 212 kB)


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Kulturverhalten in der Schweiz: Wichtigste Ergebnisse 2019 und Vergleich mit 2014


 

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