Soziale und kulturelle Partizipation

Die aktive oder passive Teilnahme an Vereinstätigkeiten sowie die Möglichkeit, Andere um Hilfe zu bitten, sind insofern Indikatoren der sozialen Integration, als Vereine, in denen sich Personen sozial miteinander vernetzen können, und das einander entgegengebrachte Vertrauen Aufschluss über den sozialen Zusammenhalt geben.

Mitwirkung in Vereinen in der Schweiz

59% der Bevölkerung nehmen an Vereinstätigkeiten teil oder unterstützen sie

Um die Mitwirkung in Vereinen oder deren passive Unterstützung zu beurteilen, wurden telefonisch folgende Fragen gestellt:
Aktive Teilnahme: «Haben Sie in den letzten zwölf Monaten an Aktivitäten von Vereinen, Gesellschaften, Klubs, politischen Parteien oder anderen Gruppen teilgenommen?», falls nein
Passive Unterstützung: «Sind Sie allenfalls Unterstützungsmitglied oder Passivmitglied von Vereinen, Gesellschaften, Klubs, politischen Parteien oder anderen Gruppen?».

2018 wirkte mehr als die Hälfte der Bevölkerung ab 16 Jahren aktiv oder passiv in einem Verein mit.

Schweizer (70,0%) waren häufiger engagiert als Schweizerinnen (62,4%) und wirkten vor allem häufiger aktiv mit (56,5% gegenüber 47,1%).

Die aktive Teilnahme oder die passive Unterstützung steigt mit zunehmendem Bildungsniveau oder Einkommen. Auch die familiäre Situation hat einen Einfluss auf die Teilnahme an Vereinstätigkeiten. Paare (mit oder ohne Kinder) engagieren sich häufiger (47,5% bzw. 52,1%) in Vereinen als Alleinlebende (41,2%) oder Personen, die in einem Einelternhaushalt leben (36,3%).  

In der deutsch- und rätoromanischsprachigen Schweiz wirken anteilsmässig mehr Personen aktiv in Vereinen mit (49,0%) als in der französisch- (39,5%) und der italienischsprachigen Schweiz (39,2%). Ebenso sind Vereinstätigkeiten in dünn besiedelten Regionen stärker verbreitet als in dicht besiedelten Gebieten.

Umgekehrt engagieren sich von materieller Entbehrung betroffene Personen (17,1%), Personen aus Südeuropa (20,0%) und Ausländerinnen (27,5%) am wenigsten in Vereinen.

Europäische Vergleiche

In der Schweiz ist informelle und formelle Freiwilligenarbeit deutlich häufiger als im europäischen Durchschnitt

Das letzte europäische Modul (EU-SILC) zur sozialen Teilhabe wurde 2015 durchgeführt.

Fast die Hälfte (48,2%) der Schweizer Bevölkerung ab 16 Jahren hat sich in den letzten zwölf Monaten für unbezahlte freiwillige Aktivitäten, unabhängig von einer Organisation Zeit genommen, wie z.B. anderen Menschen oder Tieren helfen.
Damit liegt die Schweiz deutlich über dem europäischen Durchschnitt (22,2%).

Freiwilligenarbeit zur Unterstützung von Personen kann unter anderem Kochen für Andere oder die Betreuung von Hilfsbedürftigen sein. Unter Freiwilligenarbeit zur Unterstützung von Tieren wird unter anderem die Pflege wilder oder obdachloser Tiere verstanden.

36,5% der Schweizer Bevölkerung haben in den letzten zwölf Monaten unbezahlte Freiwilligenarbeit im Rahmen einer Organisation, einer Gruppe oder eines Klubs geleistet. Auch hier verzeichnet die Schweiz einen deutlich höheren Anteil als der europäische Durchschnitt (19,3%).

Freiwilligenarbeit (hier im Sinne von formellen Aktivitäten) umfasst selbstbestimmte und unentgeltliche Arbeit für oder über eine Organisation, eine formelle Gruppe oder einen Klub. Hierzu zählt auch die Teilnahme an Sitzungen in Zusammenhang mit solchen Aktivitäten. Unter selbstbestimmter und unentgeltlicher Arbeit sind ehrenamtliche Einsätze für Andere, die Umwelt, Tiere oder die Gemeinschaft im weiten Sinn zu verstehen. Nicht dazu gehören unbezahlte Praktika in gewinnorientierten Unternehmen.

In den meisten europäischen Ländern leisten die Personen ab 16 Jahren anteilsmässig etwas mehr informelle als formelle Freiwilligenarbeit. In unseren Nachbarländern zeigt sich ein unterschiedliches Bild. In Deutschland beteiligen sich 11,4% an informellen und 28,6% an formellen freiwilligen Tätigkeiten. In Österreich (je 28%), Frankreich (je 23%) und Italien (11% bzw. 12%) hingegen halten sich formelle und informelle Freiwilligenarbeit die Waage.

Auch die aktive Bürgerschaft ist in der Schweiz deutlich stärker verbreitet als im europäischen Durchschnitt

In der Schweiz engagiert sich über ein Viertel der Bevölkerung im Sinne der folgenden Frage aktiv als Bürgerin oder Bürger: «Sind Sie in den letzten zwölf Monaten an einer von diesen Aktivitäten beteiligt gewesen: Tätigkeiten von politischen Parteien oder von einer Interessengruppe, öffentliche Konsultation, Informationsgespräch, friedlicher Protest, Unterschreiben einer Initiative, eines Referendum oder Petition, Beteiligung an einer Demo, Brief an einen Politiker oder an die Medien richten?» Nicht berücksichtigt wird die Teilnahme an Abstimmungen.

12,8% der europäischen Bevölkerung sind aktive Bürgerinnen oder Bürger gemäss der genannten Definition. Am stärksten verbreitet ist die aktive Bürgerschaft in Schweden (31,3%), gefolgt von der Schweiz (26,9%) und den Niederlanden (25,3%). Bei unseren Nachbarländern weist nur Frankreich mit 24,8% einen hohen Anteil an aktiven Bürgerinnen und Bürgern auf. In Deutschland beträgt er 13,9%, in Österreich 11,9% und in Italien 6,3%.

Hilfe von Anderen in der Schweiz

Im Jahr 2018 wurden die nicht-materielle und die materielle Hilfe von Anderen getrennt erfasst. 94,2% der Personen ab 16 Jahren gaben an, dass sie um nicht-materielle Hilfe von Anderen bitten könnten, gegenüber 84,8%, die um materielle Hilfe bitten könnten. Diese Differenz ist bei älteren Personen, insbesondere bei den Alleinlebenden (92,4% für die nicht-materielle Hilfe gegenüber 77,1% für die materielle Hilfe), Personen ausländischer Nationalität (91,5% gegenüber 75,2%), Personen ohne nachobligatorischer Ausbildung (90,7% gegenüber 73,6%) oder denjenigen, die materieller Entbehrung ausgesetzt sind (89,0% gegenüber 61,8%), noch ausgeprägter.

Im Jahr 2017 können mehr als neun von zehn Personen können bei Bedarf jemanden um moralische, materielle oder finanzielle Hilfe bitten

Um die Hilfe von Anderen zu beurteilen, wurde 2017 telefonisch folgende Frage gestellt:
«Haben Sie Verwandte, Freunde oder Nachbarn, wo Sie um Hilfe bitten können?»

94,7% der Bevölkerung ab 16 Jahren könnte, dass sie falls nötig Hilfe von Anderen erhalten. Bei den 18- bis 24-Jährigen beträgt dieser Anteil sogar 97,8%.  

Bei den Schweizerinnen und Schweizern sind die Anteile mit 97,2% bzw. 96,4% ausgeglichen. Am häufigsten gaben Personen mit einer höheren Ausbildung, mit den höchsten Einkommen und solche in dünn besiedelten Gebieten an, dass sie Andere um Hilfe bitten können.

Die tiefsten Anteile verzeichnen Armutsgefährdete oder von materieller Entbehrung betroffene Personen, Niedrigverdienende, ausländische Staatsangehörige und Personen in dicht besiedelten Gebieten.

Europäische Vergleiche

Die Bevölkerung in der Schweiz kann Andere etwa gleich häufig um Hilfe bitten wie der europäische Durchschnitt

Die europäischen Daten beziehen sich auf das Jahr 2015. Das europäische Konzept deckt sich mit dem Schweizer Konzept.

2015 lag der Anteil der Personen ab 16 Jahren, die Andere um Hilfe bitten können, im europäischen Durchschnitt bei 94,1%. Die Schweiz liegt mit 95,7% knapp über dem europäischen Durchschnitt. Mit einer Bandbreite von 86,8% bis 98,1% zeigen sich zwischen den einzelnen Ländern nur geringfügige Unterschiede. Zuoberst auf der Rangliste stehen Tschechien, Finnland und die Slowakei, zuunterst Italien, Luxemburg und Nordmazedonien. In unseren Nachbarländern betragen die Anteile 96,7% in Deutschland, 95,8% in Österreich und 93,1% in Frankreich. Personen in einkommensschwachen Haushalten haben in den meisten europäischen Ländern grössere Mühe, bei Bedarf Hilfe zu erhalten.

Weiterführende Informationen

Tabellen

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Medienmitteilungen

Grundlagen und Erhebungen

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