Politik

Das Vertrauen in die Schweizer Institutionen, das politische Interesse, die Häufigkeit der Teilnahme an eidgenössischen Abstimmungen, die politische Position und die Meinung zur Chancengleichheit zwischen der schweizerischen und der ausländischen Bevölkerung, die in der Schweiz lebt, gelten als Indikatoren der Lebensbedingungen sowie der Integration und des sozialen Zusammenhalts.

Grosses Vertrauen in die Polizei, das Rechtssystem und das politische System

Im Jahr 2018, ist das Vertrauen der Bevölkerung ab 16 Jahren in die Schweizer Institutionen (Polizei, Rechtssystem, politisches System) insgesamt hoch. 67,0% der Bevölkerung haben grosses Vertrauen (8 bis 10 auf einer Skala von 0 für «überhaupt kein Vertrauen» bis 10 für «voll und ganzes Vertrauen») in die Polizei. In Bezug auf das Rechtssystem sind es 54,2%, in Bezug auf das politische System 45,9%.

Frauen haben seltener grosses Vertrauen in die drei genannten Institutionen als Männer und Schweizerinnen und Schweizer seltener als ausländische Staatsangehörige. Lediglich 38,5% der Schweizerinnen haben nach eigenen Angaben grosses Vertrauen in das politische System der Schweiz.

Das Vertrauen in die Polizei nimmt mit dem Alter deutlich zu. Das Einkommen und das Bildungsniveau beeinflussen das Vertrauen in die Polizei nur geringfügig. Personen mit hohem Einkommen sowie solche mit Tertiärausbildung haben mehr Vertrauen in das politische System und in das Rechtssystem als die übrige Bevölkerung.

Bei Personen in schwierigen finanziellen Verhältnissen wie beispielsweise armutsgefährdeten oder von materieller Entbehrung betroffenen Personen ist das Vertrauen in die Schweizer Institutionen hingegen weniger hoch.

Massiv geringeres politisches Interesse und deutlich tiefere Teilnahme an eidgenössischen Abstimmungen bei sozioökonomisch benachteiligten Personen

2018 interessieren sich 31,1% der ständigen Wohnbevölkerung ab 16 Jahren stark (8 bis 10 auf einer Skala von 0 für «überhaupt nicht interessiert» bis 10 für «sehr fest interessiert») für Politik. 66,2% der Personen mit Schweizer Nationalität ab 18 Jahren nehmen nach eigenen Angaben an mindestens acht von zehn eidgenössischen Abstimmungen teil.

Das politische Interesse und die Teilnahme an eidgenössischen Abstimmungen steigen bei Personen über 50 Jahren stark an und sind bei Männern deutlich grösser als bei Frauen, was besonders auf das politische Interesse zutrifft. 38,9% der Männer interessieren sich stark für Politik, bei den Frauen sind es 23,5%. Gleichzeitig nehmen 69,7% der Männer und 62,9% Frauen an mindestens acht von zehn Abstimmungen teil. Beim politischen Interesse ist der Geschlechterunterschied somit deutlich ausgeprägter als bei der Teilnahme an eidgenössischen Abstimmungen.

Der Anteil der Personen, die nach eigener Aussage an mindestens acht von zehn eidgenössischen Abstimmungen teilnehmen oder politisch stark interessiert sind, erhöht sich mit dem Bildungsniveau oder dem Einkommen. Bei finanziell schlecht gestellten Personen (armutsgefährdete oder von materieller Entbehrung betroffene Personen) sinkt die Teilnahme an eidgenössischen Abstimmungen stärker als das politische Interesse. So sind beispielsweise von materieller Entbehrung betroffene Personen 1,3-mal weniger an Politik interessiert und sie nehmen 1,4-mal weniger häufig an eidgenössischen Abstimmungen teil als die übrige Bevölkerung.

Politische Position weniger von der wirtschaftlichen Situation beeinflusst als von Alter und Geschlecht

Insgesamt positionieren sich 10,9% der Bevölkerung ab 16 Jahren politisch ganz links (Werte von 0 bis 2 auf einer Skala von 0 für «ganz links» bis 10 für «ganz rechts», 5 entspricht «in der Mitte»), 11,7% ganz rechts (8 bis 10 von 10) und 36,4% in der Mitte. Mit einem Gesamtdurchschnitt von 5,0 steht die Schweizer Bevölkerung politisch eindeutig in der Mitte.

Alter und Geschlecht haben einen grossen Einfluss auf die politische Position. Junge Menschen und Frauen neigen dazu, sich eher links zu positionieren. Das Gleiche gilt für Personen in dicht besiedelten Gebieten gegenüber solchen in dünn besiedelten Regionen.

Das Bildungsniveau, das Einkommen, die Armutsgefährdung und das Risiko materieller Entbehrung beeinflussen die politische Position kaum. Personen mit einer Tertiärausbildung stehen politisch weniger häufig in der Mitte, dafür häufiger links.

Nahezu drei von vier Personen sind für Chancengleichheit zwischen der schweizerischen und der ausländischen Personen, die in der Schweiz lebt

Bei der Frage «Sind Sie dafür, dass die Ausländer in der Schweiz die gleichen Chancen haben sollten wie die Schweizer oder dafür, dass die Schweizer bessere Chancen haben sollten?» sind 71,3% der Befragten ab 16 Jahren der Meinung, dass alle gleiche Chancen haben sollten. Lediglich 23,3% finden, dass Schweizer Staatsangehörige bessere Chancen haben sollten und 5,4% hatten dazu keine Meinung.

Bei den 18- bis 24-Jährigen sprechen sich rund 80% für gleiche Chancen für die ausländische und schweizerische Bevölkerung aus. Mit dem Alter nimmt dieser Anteil ab. Bei Personen ab 75 Jahren beträgt er 60,7%.

Ausländerinnen und Ausländer sind insgesamt eher für Chancengleichheit als Schweizerinnen und Schweizer (76,0% gegenüber 69,8%). Bei den ausländischen Staatsangehörigen befürworten 80,6% der Personen aus Nord- und Westeuropa und 75,9% der Personen aus Südeuropa die Chancengleichheit.

Die Bevölkerung in dicht besiedelten Gebieten ist gegenüber einer Schweiz mit Chancengleichheit positiver eingestellt als jene in dünn besiedelten Regionen (74,9% gegenüber 67,3%).

Je höher das Bildungsniveau oder je höher das Einkommen, desto eher befürworten Personen eine Schweiz, in der die schweizerische und ausländische Bevölkerung, die in der Schweiz lebt, die gleichen Chancen haben sollen. Armutsgefährdete (69,0%) oder von materieller Entbehrung betroffene Personen (66,6%) sprechen sich etwas weniger häufig für Chancengleichheit aus.

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