Subjektives Wohlbefinden und Lebensbedingungen

Prekäre Lebenssituationen

Werden die Indikatoren für ungünstige Lebensumstände zusammengefasst, zeigen sich grosse Unterschiede zwischen den verschiedenen Haushaltstypen. Einelternhaushalte sind besonders benachteiligt; nicht nur in Bezug auf die finanzielle Situation, prekäre Wohnverhältnisse und materielle Entbehrungen, sondern auch durch Unzufriedenheit mit ihren persönlichen Beziehungen oder ihrem jetzigen Leben.

2017 waren in der Schweiz 20,8% der Bevölkerung nicht in der Lage, innerhalb eines Monats eine unerwartete Ausgabe von 2500 Franken zu tätigen. Mit einem Anteil von 47,8% waren Einelternhaushalte bei Weitem am häufigsten betroffen, gefolgt von 25,4% der alleinlebenden Personen unter 65 Jahren und 22,8% der Paare mit Kindern. Kinderlose Paare unter 65 Jahren waren lediglich zu 12,2% betroffen.

Mehr als ein Viertel (27,1%) der Einelternhaushalte gaben an, nur knapp über die Runden zu kommen. Dasselbe Problem hatten 12,8% der alleinlebenden Personen unter 65 Jahren und 14,1% der Paare mit Kindern. Nur 5,7% der Paare ohne Kinder waren davon betroffen. Insgesamt lebten 12,0% der Schweizer Bevölkerung in einem Haushalt, der Schwierigkeiten hat, über die Runden zu kommen.

Neben einer schwierigen finanziellen Lage hatten Personen, die in Einelternhaushalten lebten, häufiger Probleme mit der Wohnsituation wie zum Beispiel zu viel Feuchtigkeit oder Lärm durch Verkehr oder Nachbarn. Alleinlebende Personen unter 65 Jahren sahen sich mit ähnlichen Schwierigkeiten konfrontiert. Ein Fünftel von ihnen beklagte sich über Lärmprobleme, gegenüber fast einem Sechstel der Paare mit oder ohne Kinder.

Personen, die in Einelternhaushalten lebten, gaben darüber hinaus doppelt so oft an, nicht in der Lage zu sein, eine Woche Ferien pro Jahr weg von zu Hause zu finanzieren, als alleinlebende Personen und Paare mit Kind(ern) (23,5% gegenüber 10,5% bzw. 8,9%). Bei den Paaren unter 65 Jahren waren es lediglich 4,3%.

Was das subjektive Wohlbefinden betrifft, waren Personen ab 16 Jahren in einem Einelternhaushalt weniger zufrieden mit ihrem jetzigen Leben oder ihren persönlichen Beziehungen als Paare mit Kindern.

Obwohl die finanzielle Situation von alleinlebenden Personen unter 65 Jahren weniger schwierig war als diejenige von Einelternhaushalten, zeigten sie sich mit ihren persönlichen Beziehungen und ihrem jetzigen Leben ähnlich unzufrieden. Ein Fünftel der Alleinlebenden war mit den persönlichen Beziehungen nicht oder nur mässig zufrieden (Wert von 0–7 von 10); in Bezug auf das jetzige Leben war es nahezu die Hälfte (45,7%). Als Paar (mit oder ohne Kinder) zusammenzuleben, scheint in Bezug auf das subjektive Wohlbefinden entscheidend zu sein.

Die Schweiz im europäischen Vergleich

In der Schweiz zeigten sich fast zwei von fünf Personen sehr zufrieden mit ihrem jetzigen Leben, in Europa (EU-28) nur eine Person von fünf.

Ein Vergleich mit unseren Nachbarländern zeigt, dass die Bevölkerung in der Schweiz (38,5%) und Österreich (37,9%) am häufigsten über eine hohe Lebenszufriedenheit berichtete (Deutschland: 25,0%, Frankreich: 16,2%, Italien: 14,4%). Am anderen Ende der Skala verzeichnete Italien mit knapp 23 Prozent den grössten Anteil der Bevölkerung mit einer niedrigen Lebenszufriedenheit (Frankreich: 19,3%, Deutschland: 19,2%, Österreich: 12,9%, Schweiz: 8,0%).

In der Schweiz gaben knapp drei von fünf Personen an, sehr zufrieden mit ihren persönlichen Beziehungen zu sein. In Europa waren es fast zwei von fünf Personen.

Der Vergleich mit unseren Nachbarländern zeigt, dass die Bevölkerung im Jahr 2013 in Österreich (59,2%) und der Schweiz (57,6%) häufiger sehr zufrieden mit ihren persönlichen Beziehungen war als in Deutschland (45,0%), Frankreich (34,2%) und Italien (22,1%). Deutschland verzeichnete mit fast 15 Prozent den grössten Anteil der Bevölkerung mit einer niedrigen Zufriedenheit (Schweiz: 3,0%).

Das durchschnittliche Vertrauen in Institutionen lag in der Schweiz bei 7 von 10. In Europa lag der Durchschnittswert bei 4,7.

Die Schweiz gehörte zu den Ländern, in denen das Vertrauen in Institutionen (Politik, Polizei und Justiz) relativ hoch ist (Finnland und Dänemark: 7,1, Schweiz: 7,0, Schweden: 6,5). Auch im Vergleich zu den Nachbarländern verzeichnete die Schweiz höhere Vertrauenswerte (Deutschland: 5,5, Frankreich: 4,4 und Italien: 3,8).

Beschreibung Prozentsatz Quelle
Anteil der Personen ab 16 Jahren, die mit ihrem jetzigen Leben sehr zufrieden sind (9 oder 10 auf einer Skala von 0 bis 10) Schweiz: 38,5%
EU: 21,7%
Österreich: 37,9%
Deutschland: 25,0%
Frankreich: 16,1%
Italien: 14,2%
SILC 2013
Anteil der Personen ab 16 Jahren, die mit ihren persönlichen Beziehungen sehr zufrieden sind (9 oder 10 auf einer Skala von 0 bis 10) Schweiz: 57,6%
EU: 39,2%
Österreich: 59,2%
Deutschland: 45,0%
Frankreich: 34,0%
Italien: 22,5%
SILC 2013
Durchschnittliches Vertrauen in Institutionen wie die Justiz und Polizei (auf einer Skala von 0 [überhaupt kein Vertrauen] bis 10 [vollständiges Vertrauen]) Schweiz: 7,0
EU: 4,7
Österreich: 5,9
Deutschland: 5,5
Frankreich: 4,4
Italien: 3,8
SILC 2013

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Grundlagen und Erhebungen

In diesem Thema

Subjektives Wohlbefinden in der Schweiz und in Europa

Subjektive Bewertung der Lebensqualität in der Schweiz und in Europa nach verschiedenen Bereichen wie des jetzigen Lebens oder der vorhandenen Freizeit

Subjektive Bewertung der finanziellen Situation

Subjektive Bewertung der finanziellen Situation des Haushalts in der Schweiz und in Europa

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