Internationale Ergebnisse der GRSS

Gefälle zwischen Ost und West

Die Regierungen und Sozialversicherungen der europäischen Länder schützen ihre Bevölkerung mit unterschiedlichen Sozialleistungen. Die Sozialausgaben der Länder variieren unter anderem je nach Wohlstand, Gesundheitszustand und Struktur der Bevölkerung. Die Länder mit den höchsten Sozialausgaben sind in Nord- und Westeuropa zu finden. In den osteuropäischen Ländern sind die Sozialausgaben tiefer.

2018 beliefen sich die Sozialausgaben der Schweiz auf 20 795 Franken pro Kopf und gehörten damit im internationalen Vergleich zur Spitzengruppe. Im Verhältnis zum BIP platziert sich die Schweiz mit einem Anteil von 24,6% dagegen im Mittelfeld (vgl. Karte).

Reiche Länder haben ein stärkeres System der sozialen Sicherheit

Wie aus der nachfolgenden Grafik hervorgeht, sind die Sozialausgaben in Ländern mit einem hohen BIP (z.B. in Dänemark) in der Regel höher als in Ländern mit einem tieferen BIP (z.B. Nordmazedonien). Die Schweiz ist das drittwohlhabendste Land Europas (BIP pro Kopf: 85 000 Fr.). Ihre Sozialausgaben in Prozent des BIP (24,6%) liegen dagegen eher im Mittelfeld der Europäischen Union (EU28-Durchschnitt: 26,5%).

Sozialausgaben pro Einwohnerinnen und Einwohner steigen fast in allen Ländern

Auch in den meisten europäischen Ländern haben die Sozialausgaben zugenommen (vgl. nachfolgende Grafik). In der Schweiz sind die Sozialausgaben pro Kopf (und zu konstanten Preisen) zwischen 2009 und 2018 um durchschnittlich 1,6% pro Jahr gestiegen.

In Griechenland waren die Sozialausgaben zwischen 2010 und 2014 im Rahmen der Sparmassnahmen, die besonders die Gesundheitsversorgung und die Invalidenleistungen trafen, stark rückläufig (–20%). Sie haben sich seither aber stabilisiert.

Wirtschaftsentwicklung und Sozialausgaben

In 16 der 23 Länder, für die vollständige Zeitreihen vorliegen, sind die Sozialausgaben zwischen 1995 und 2018 schneller gewachsen als die wirtschaftliche Tätigkeit (BIP). In der Schweiz zum Beispiel erhöhte sich der Anteil der Sozialausgaben am BIP um 4,8 Prozentpunkte. Griechenland und Island verbuchten unter anderem einen noch stärkeren Anstieg im Verhältnis zum BIP (+6,5 bzw. +5,6 Prozentpunkte).

In den restlichen sieben Ländern ging der Anteil der Sozialausgaben am BIP hingegen zurück. In Schweden und Irland verringerte er sich um 3,8 Prozentpunkte.

In den meisten osteuropäischen Ländern liegen ab dem Jahr 2000 Daten vor. Zwischen 2000 und 2018 blieb in diesen Ländern der Anteil der Sozialausgaben am BIP im Kontext eines wirtschaftlichen Aufholprozesses stabil bei durchschnittlich 18%.

Leistungen hauptsächlich für Alter und Gesundheit

Die zahlreichen Leistungen des Systems der sozialen Sicherheit in der Schweiz und in den anderen Ländern werden anhand des Risikos oder Bedürfnisses, das sie abdecken sollen, in sogenannte «Funktionen der sozialen Sicherheit» eingeteilt.

Das Alter ist aus finanzieller Sicht ein wichtiger Interventionsbereich des Systems der sozialen Sicherheit. Dies gilt sowohl für die Schweiz (10,6% des BIP) als auch für die meisten anderen europäischen Länder (Durchschnitt EU28: 10,8% des BIP). Im Allgemeinen gilt: Je grösser der Anteil der älteren Menschen an der Bevölkerung, desto höher fallen diese Ausgaben aus.

An zweiter Stelle stehen die Sozialausgaben im Gesundheitsbereich. In der Schweiz werden 7,8% des BIP für Leistungen in diesem Bereich ausgerichtet, in Deutschland sind es 10,1%, in Frankreich 9,0% und in Italien 6,4%.

Danach folgen die Ausgaben für Familien/Kinder (EU18: 2,2% des BIP), für Invalidität (2,0%) und für Hinterlassene (1,4%). In der Schweiz sind die Leistungen für Invalidität (2,0% des BIP) höher als jene für Familien/Kinder (1,5%).

Auf Arbeitslosigkeit, soziale Ausgrenzung und Wohnbeihilfen entfallen sowohl in der Schweiz als auch in der EU BIP-Anteile von höchstens 1%. Dank der guten Konjunktur von 2018 sind die Sozialleistungen für die Arbeitslosigkeit in Europa tief.

Soziale Sicherheit wird durch Steuern und Sozialbeiträge finanziert

Die Ausgaben für die soziale Sicherheit werden aus verschiedenen Quellen finanziert («Einnahmen»). Die wichtigsten Quellen sind die Sozialbeiträge und die Beiträge der öffentlichen Hand.

In der Schweiz stammen 67% der Einnahmen aus Sozialbeiträgen der Arbeitgeber und der versicherten Personen. Auf letztere, insbesondere auf die Arbeitnehmenden, entfallen 37%, auf die Arbeitgeber 30%. Zum Vergleich: In der EU belaufen sich die Anteile dieser beiden Quellen auf 20% bzw. 35%.

Die zweite wichtige Finanzierungsquelle sind die Beiträge der öffentlichen Hand. In der Schweiz machen sie 23% der Einnahmen aus. Dieser Anteil ist im internationalen Vergleich relativ klein: Lediglich in vier Ländern ist das Gewicht der Beiträge der öffentlichen Hand geringer (zum Beispiel in Polen: 18%).

Eine nicht vernachlässigbare Finanzierungsquelle sind in der Schweiz die Vermögenserträge. Auf sie entfallen 10% der Einnahmen der sozialen Sicherheit. Sie werden hauptsächlich auf dem Finanz- und Immobilienmarkt generiert, insbesondere von den Pensionskassen. Lediglich in drei europäischen Ländern ist der Anteil der Vermögenserträge höher als in der Schweiz: zum Beispiel in den Niederlanden mit 15%.

Weiterführende Informationen

Tabellen

Grafiken

Daten

Karten

Andere Statistiken zu den Finanzen der sozialen Sicherheit

Grundlagen und Erhebungen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Sozialhilfe
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

info.social@bfs.admin.ch

Tel.
+41 58 461 44 44

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/soziale-sicherheit/gesamtrechnung-sozialen-sicherheit/internationale-resultate.html