Internationale Ergebnisse der GRSS

Gefälle zwischen Ost und West

Die Regierungen und Sozialversicherungen der europäischen Länder schützen ihre Bevölkerung mit unterschiedlichen Sozialleistungen. Die Sozialausgaben der Länder variieren unter anderem je nach Wohlstand, Gesundheitszustand und Struktur der Bevölkerung. Die Länder mit den höchsten Sozialausgaben sind in Nord- und Westeuropa zu finden. In den osteuropäischen Ländern sind die Sozialausgaben tiefer.

2017 beliefen sich die Sozialausgaben der Schweiz auf 20 668 Franken pro Kopf und gehörten damit im internationalen Vergleich zur Spitzengruppe. Im Verhältnis zum BIP platziert sich die Schweiz mit einem Anteil von 26,1% dagegen im Mittelfeld (vgl. Karte).

Reiche Länder haben ein stärkeres System der sozialen Sicherheit

Wie aus der nachfolgenden Grafik hervorgeht, sind die Sozialausgaben in Ländern mit einem hohen BIP (z.B. in Dänemark) in der Regel höher als in Ländern mit einem tieferen BIP (z.B. Nordmazedonien). Die Schweiz ist das drittwohlhabendste Land Europas (BIP pro Kopf: 79 000 Fr.). Ihre Sozialausgaben in Prozent des BIP (26,1%) liegen dagegen eher im Mittelfeld der Europäischen Union (EU28-Durchschnitt: 26,8%).

Sozialausgaben pro Einwohnerinnen und Einwohner steigen fast in allen Ländern

In der Schweiz steigen die Sozialausgaben pro Kopf (zu konstanten Preisen) sowohl kurzfristig (z.B. +1,2% zwischen 2016 und 2017) als auch mittelfristig an (z.B. +2,4% pro Jahr zwischen 2008 und 2017). Auch in den meisten europäischen Ländern ist eine Zunahme der Sozialausgaben zu beobachten (vgl. nachfolgende Grafik). 

In Griechenland gehen die Sozialausgaben zurück: Infolge von Sparmassnahmen verringerten sich die Ausgaben im Bereich Gesundheitsversorgung zwischen 2008 und 2017 um 38%. In Ungarn nahmen die Sozialausgaben in dieser Zeitspanne ebenfalls ab, vor allem in den Bereichen Invalidität und Arbeitslosigkeit. 

Wirtschaftsentwicklung und Sozialausgaben

In den betrachteten europäischen Ländern wuchsen die Sozialausgaben zwischen 1995 und 2017 schneller als die Wirtschaft (BIP). Einzige Ausnahme bilden Schweden und Irland: Hier gingen die Sozialausgaben in Prozent des BIP um 3,5 bzw. 3,1 Prozentpunkte zurück. In der Schweiz nahmen die Sozialausgaben in Prozent des BIP um 5,7 Prozentpunkte zu (von 20,4% auf 26,1%). Lediglich Griechenland und Italien verbuchten einen noch stärkeren Anstieg im Verhältnis zum BIP (6,4 bzw. 5,7 Prozentpunkte).

In den meisten osteuropäischen Ländern liegen ab dem Jahr 2000 Daten vor. Zwischen 2000 und 2017 blieb in diesen Ländern der Anteil der Sozialausgaben am BIP im Kontext eines wirtschaftlichen Aufholprozesses stabil bei durchschnittlich 18%.

Leistungen hauptsächlich für Alter und Gesundheit

Die zahlreichen Leistungen des Systems der sozialen Sicherheit in der Schweiz und in den anderen Ländern werden anhand des Risikos oder Bedürfnisses, das sie abdecken sollen, in sogenannte «Funktionen der sozialen Sicherheit» eingeteilt.

Das Alter ist aus finanzieller Sicht ein wichtiger Interventionsbereich des Systems der sozialen Sicherheit. Dies gilt sowohl für die Schweiz (11,1% des BIP) als auch für die meisten anderen europäischen Länder (Durchschnitt EU28: 10,8% des BIP). Im Allgemeinen gilt: Je grösser der Anteil der älteren Menschen an der Bevölkerung, desto höher fallen diese Ausgaben aus.

An zweiter Stelle stehen die Sozialausgaben im Gesundheitsbereich. In der Schweiz werden 8,3% des BIP für Leistungen in diesem Bereich ausgerichtet, in Deutschland sind es 10,0%, in Frankreich 9,1% und in Italien 6,5%.

Danach folgen die Ausgaben für Familien/Kinder (EU18: 2,3% des BIP), für Invalidität (2,0%) und für Hinterlassene (1,4%). In der Schweiz sind die Leistungen für Invalidität (2,1% des BIP) höher als jene für Familien/Kinder (1,6%).

Auf Arbeitslosigkeit, soziale Ausgrenzung und Wohnbeihilfen entfallen sowohl in der Schweiz als auch in der EU BIP-Anteile von höchstens 1%. Dank der guten Konjunktur von 2017 sind die Sozialleistungen für die Arbeitslosigkeit in Europa tief.

Soziale Sicherheit wird durch Steuern und Sozialbeiträge finanziert

Die Ausgaben für die soziale Sicherheit werden aus verschiedenen Quellen finanziert («Einnahmen»). Die wichtigsten Quellen sind die Sozialbeiträge und die Beiträge der öffentlichen Hand.

In der Schweiz stammen 65% der Einnahmen aus Sozialbeiträgen der Arbeitgeber und der versicherten Personen. Auf letztere, insbesondere auf die Arbeitnehmenden, entfallen 36%, auf die Arbeitgeber 29%. Zum Vergleich: In der EU belaufen sich die Anteile dieser beiden Quellen auf 20% bzw. 35%.

Die zweite wichtige Finanzierungsquelle sind die Beiträge der öffentlichen Hand. In der Schweiz machen sie 24% der Einnahmen aus. Dieser Anteil ist im internationalen Vergleich relativ klein: Lediglich in vier Ländern ist das Gewicht der Beiträge der öffentlichen Hand geringer (Polen: 18%, Estland, Niederlande und Lettland: je 23%).

Eine nicht vernachlässigbare Finanzierungsquelle sind in der Schweiz die Vermögenserträge. Auf sie entfallen 11% der Einnahmen der sozialen Sicherheit. Sie werden hauptsächlich auf dem Finanz- und Immobilienmarkt generiert, insbesondere von den Pensionskassen. Lediglich in vier europäischen Ländern ist der Anteil der Vermögenserträge höher als in der Schweiz: In den Niederlanden mit 16%, in Island mit 14%, in Polen mit 13% und im Vereinigten Königreich mit 12%.

Weiterführende Informationen

Tabellen

Grafiken

Daten

Karten

Andere Statistiken zu den Finanzen der sozialen Sicherheit

Grundlagen und Erhebungen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Sozialanalysen
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/soziale-sicherheit/gesamtrechnung-sozialen-sicherheit/internationale-resultate.html