Dienstleistungen für die Bevölkerung

Eine ausreichende Grundversorgung mit im Alltag benötigten Gütern und Dienstleistungen ist für die Lebensqualität von grosser Bedeutung. Die meisten Menschen wünschen dabei, ihre Konsumbedürfnisse mit wenig zeitlichem oder physischem Aufwand decken zu können. Einer­seits lassen verbesserte Verkehrsangebote Distanzen kleiner werden und Online-Dienstleistungen lassen solche gar verschwinden. Anderseits können wirtschaftliche oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen dazu führen, dass sich Wohnorte und Standorte für Leistungserbringer immer weiter entfernen. Je nach Region zeigen sich daher unterschiedliche Erreichbarkeiten wichtiger Dienstleistungen. Besonders für Menschen, welche keinen oder einen erschwerten Zugang zu individuell nutzbaren Verkehrsmitteln haben, sich diese nicht leisten können oder im Umgang mit neuen Kommunikationsmitteln Mühe zeigen, sind nahe gelegene Versorgungsmöglichkeit wichtig. Leichte Erreichbarkeit ist zudem ein wichtiger Faktor für die Standortattraktivität und damit für die Entwicklungschancen einer Region.  

Für die Messung dieses Phänomens eignen sich zwei Methoden: Mit der räumlichen Verteilung von Dienstleistungsbetrieben kann gezeigt werden, welche Bevölkerungsanteile entsprechende Angebote innerhalb ihres Gemeindegebiets in Anspruch nehmen können. Mit der Erreichbarkeit wird die auf dem Strassennetz zurückgelegte Distanz zwischen dem Wohnort und dem Standort des nächstgelegenen Dienstleisters beschrieben. Die Analysen beziehen sich dabei auf rund dreissig stand­ortgebundene, für das tägliche Leben bedeutsame Dienstleistungen.  

Mit der Erhebung 2018 wurde das Angebot um den Bereich der Erreichbarkeit von Freizeitaktivitäten, wie Schwimmbäder und Strände, Zoos, Seeufer und Waldränder, erweitert. Bewohner ländlicher Gebiete haben im Allgemeinen eine längere Zugangsentfernung zu verschiedenen Grundversorgungsleistungen als Bewohner städtischer Gebiete, aber sie können auch einen kürzeren Zugangsweg zu einer natürlichen Umgebung haben, die eine Dienstleistung darstellen kann.

Weiterführende Informationen

Tabellen

Publikationen

Daten

Geodaten: Erreichbarkeit der Dienstleistungen

Geodaten auf Hektarstufe, Methodik

Karten

Methodologie

Analyse der Dienstleistungen für die Bevölkerung - Methodik

Zu den ausgewählten Dienstleistungen zählen markt- und nichtmarktbestimmte, öffentliche und private Dienstleistungen und Infrastruktureinrichtungen, welche die Bevölkerung bei ihren alltäglichen oder gelegentlichen Aktivitäten in Anspruch nimmt. Mit der Erhebung 2018 wurde das Angebot um den Bereich der Erreichbarkeit von Freizeitaktivitäten, wie Schwimmbäder und Strände, Zoos, Seeufer und Waldränder, erweitert.

Um die Statistik der Dienstleistungen für die Bevölkerung zu produzieren werden folgende Basisdaten benutzt:

Dienstleistungen:

  • BFS - Statistik der Unternehmensstruktur STATENT
  • ARE – elektronischer Fahrplan der Schweizerischen Transportunternehmungen (HAFAS); BAV – Didok Liste; ohne Gewichtung mittels Bedienungshäufigkeit

Ab der Erhebung 2018:

  • BFS - Strukturdaten Arztpraxen und ambulante Zentren (MAS)
  • BFS - Schweizerische Museumsstatistik (eMuseum)
  • Swisstopo – topographisches Landschaftsmodell (swissTLM3D)

Bevölkerung: BFS - Statistik der Bevölkerung und der Haushalte STATPOP

Strassennetz: Swisstopo – topographisches Landschaftsmodell (swissTLM3D) 

Abgrenzung der berücksichtigen Dienstleistungen auf Basis der allgemeinen Systematik der wirtschaftszweige NOGA:

  • Ernährung: Lebensmittelgeschäfte 471101 bis 471105, 471901, 471902, 472100 bis 472902 (ohne Geschäfte mit Tabakwaren 472600); Bäckereien, Tea-rooms 472401, 472402
  • Restaurants, Cafés : 561001, 561002, 563001, 551001
  • Öffentliche Dienstleistungen: Öffentliche Verwaltung 841100; Öffentliche Sicherheit, Ordnung 842400 
  • Gesundheit: Arztpraxen – ab der Erhebung 2018: siehe unten – Erhebungen 2011 und 2015: 862100, 862200; Zahnarztpraxen 862300; Allgemeinspitäler 861001 (in dieser Analyse konzentrieren wir uns auf die allgemeinmedizinischen Leistungen für die Mehrheit der Bevölkerung); Alters- und Pflegeheime 873001 und 871000; Apotheken 477300
  • Bildung : Obligatorische Schulen 851000 bis 853101; Schulen, Sekundarstufe II 853102 bis 853200; Bildungsinstitutionen, Tertiärstufe 854201 bis 854203 (diese Gruppierung kann andere Einheiten als die Institutionen selbst enthalten)
  • Garagen, Tankstellen: 452001, 452002, 454000, 473000 
  • Banken : 641902 à 641905, 641911, 641912
  • Freizeit, Kultur: Buchhandlungen 476100; Kioske 476201; Kinos 591400; Bibliotheken 910100; Museen, historische Stätte – ab der Erhebung 2018: siehe unten – Erhebungen 2011 und 2015: 910200, 910300; Konzertsäle, Theater 900400; Fitness, Sportanlagen 931100, 931200, 931300
  • Coiffeursalons : 960201

Abgrenzung der berücksichtigen Dienstleistungen ab der Erhebung 2018 aufgrund anderer Quellen als der STATENT:

  • Arztpraxen und ambulante Zentren (Quelle : BFS - MAS): Wir betrachten die Arztpraxen und ambulante Zentren in ihrer Gesamtheit und nach den Kategorien Fachmedizin und Grundversorgung. Die Arztpraxen und ambulante Zentren der Grundversorgung entsprechen allen Standorten deren Haupttätigkeitsgebiet die medizinische Grundversorgung ist. Die Leistungen werden in der Regel angeboten von Ärztinnen und Ärzten mit Facharzttiteln in Allgemeiner Innerer Medizin, Kinder- und Jugendmedizin oder praktische Ärztin/praktischer Arzt. Die Arztpraxen und ambulante Zentren der Fachmedizin entsprechen allen Standorten deren Haupttätigkeitsgebiet die Fachmedizin ist. Das Haupttätigkeitsgebiet ist die Fachmedizin (z. B. Gynäkologie und Geburtshilfe, Psychiatrie, Pneumologie, Ophthalmologie, Dermatologie), wenn das Leistungsangebot des Standorts bestimmt werden kann, und wenn am Standort kein Leistungsangebot der Grundversorgung besteht.
  • Museen (Quelle : BFS – Schweizerische Museumsstatistik) ; Wir betrachten alle Museen in der Schweiz, unabhängig von ihrer Grösse oder Besucherzahl. Museen, die im betroffenen Jahr geschlossen waren, werden nicht berücksichtigt.
  • Waldränder: Swisstopo – topografisches Landschaftsmodell (swissTLM3D), Feature Class TLM_Bodenbedeckung, Objektart Wald; Wälder grösser als 5ha
  • Seeufer: Swisstopo – topografisches Landschaftsmodell (swissTLM3D), Feature Class TLM_Bodenbedeckung,  Objektart Stehende Gewaesser; Seen grösser als 5 ha
  • Zoologische Gärten: Swisstopo – topografisches Landschaftsmodell (swissTLM3D), Feature Class TLM_Freizeitareal, Objektart Zooareal
  • Schwimmbäder, Strände: Swisstopo – topografisches Landschaftsmodell (swissTLM3D), Feature Class TLM_Freizeitareal, Objektart Schwimmbadareal

Die räumliche Verteilung der Dienstleistungen wird durch Betriebedichten (im Verhältnis mit der Bevölkerung) sowie durch den Anteil der versorgten Gemeinden analysiert.

Die Erreichbarkeiten wurden auf der Basis des Schweizer Strassennetzes gemessen. Massgebend war die Distanz zwischen dem Zentrum jeder bewohnten Hektare und dem Standort des nächstgelegenen Dienstleisters. Die Distanz wurde durch die Wohnbevölkerung gewichtet. Das Schienennetz und die Verkehrsverbindungen über ausländisches Territorium wurden wegen methodischen Gründen nicht berücksichtigt.

Der Zielpunkt ist der geokodierte Standort für die Dienstleistungen basierend auf die STATENT- und MAS-Daten, auf die schweizerische Museumstatistik, und auf die Daten zu ÖV-Haltestellen. Für die zoologischen Gärten und die Schwimmbäder und Strände wurden die geometrischen Schwerpunkte dieser Flächen als Zielpunkte verwendet. Die Seeufer werden als Punktdatensatz aller Randpunkte der Seen, mit ca. 100m Abstand zwischen zwei Randpunkten, aufbereitet. Für die Waldränder werden die Waldpolygone durch Beseitigung von «Löchern» grösser als 5ha und «Mergen» von Polygonen, welche näher als 30m beieinanderliegen, vereinfacht. Schliesslich werden die Waldränder ebenfalls als Punktdatensatz aufbereitet, wobei die Schnittpunkte aller Strassen und Wege (Feature Class «TLM_Strasse») mit den Rändern den vereinfachten Waldpolygonen verwendet werden. 

Grenzen der Analysen

Die STATENT basiert auf der allgemeinen Systematik der Wirtschaftszweige NOGA 2008 und die Betriebe werden auf Basis ihrer Hauptaktivität kodiert. Die Grundgesamtheit der STATENT umfasst die Betriebe, die der AHV-Beitragspflicht unterstehen (Unselbstständig-und Selbstständigerwerbende mit einem Jahreseinkommen von mindestens Fr.2300.-). Gewisse Dienstleister, insbesondere im Kulturbereich (z. B. Kinos, Bibliotheken), erreichen diese Schwelle möglicherweise nicht und werden folglich nicht betrachtet. Ebenso bleiben Nebenaktivitäten unberücksichtigt. Unterschiede zu anderen amtlichen Statistiken sind nicht ausgeschlossen.

Die Analyse berücksichtigt nur den Standort von Dienstleistern, jedoch weder die Attraktivität oder sonstige Qualitätsmerkmale des Angebots noch die tatsächliche Inanspruchnahme. Hauslieferdienste sowie Online-Dienste bleiben unberücksichtigt, ebenso der schriftliche oder elektronische Verkehr mit Banken oder Verwaltungsstellen. Solche Verteilkanäle gewinnen zunehmend an Bedeutung.  

Die Analysen auf der Basis des Perimeters Gemeinden können als erste Annäherung an das Thema regionale Disparitäten betrachtet werden, denn es bestehen diverse methodische Hürden:

  • Ob ein bestimmtes Angebot in einer Gemeinde vorzufinden ist, hängt nicht zuletzt auch von der Grösse des Gemeindeperimeters ab. Gerade in fusionierten Gemeinden, beispielsweise in einer der drei Glarner Grossgemeinden, in den Gemeinden Val d’Anniviers oder Val de Travers, ist die Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Service vorzufinden viel grösser als in einer Kleingemeinde.
  • Das Fehlen eines Dienstleistungsangebots in einer Gemeinde braucht nicht zu bedeuten, dass dieses schlecht erreichbar ist. Ein solches könnte sich unweit der nahe gelegenen Gemeindegrenze befinden.
  • Einzelne Dienstleistungen unterliegen kantonal unterschiedlich gestalteten Vorschriften. Beispielsweise dürfen Ärzte in einigen Kantonen selber Medikamente abgeben, so dass dort tendenziell auch weniger Apotheken vorzufinden sind.

Grundlagen und Erhebungen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz
Tel.
+41 58 463 62 91

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/raeumliche-analysen/dienstleistungen-bevoelkerung.html