Was ist eigentlich der HVPI?

Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI)

Die Berechnungsmethoden und Erfassungsbereiche der nationalen Konsumentenpreisindizes können sich von einem Land zum andern deutlich unterscheiden, was einen internationalen Vergleich der Teuerung sehr schwierig macht. Aus diesem Grund haben die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) einen Indikator eingeführt, der anhand einer harmonisierten Methode berechnet wird und mit dessen Hilfe sich die Teuerung international vergleichen lässt.

Die Harmonisierung der Preisindizes erfolgte schrittweise. Der 1991 unterzeichnete Vertrag von Maastricht hat die Voraussetzungen für eine Harmonisierung der Konsumentenpreisindizes geschaffen. Im Laufe der Jahre haben neue Verordnungen den rechtlichen Rahmen des HVPI vervollständigt. Diese Verordnungen legen in Form von Mindestanforderungen rechtlich bindende Normen fest. Sie erlauben jedoch den Einsatz unterschiedlicher Lösungen für Harmonisierungsprobleme, solange die HVPI der verschiedenen Länder vergleichbar bleiben.

Heute wird der gesetzliche Rahmen des HVPI durch 18 Verordnungen gebildet.

Der harmonisierte Verbraucherpreisindex misst die Preisentwicklung der in der Schweiz konsumierten Waren und Dienstleistungen. Massgebend sind die Konsumausgaben durch private und kollektive Haushalte, unabhängig von ihrem Wohnsitzland. Der HVPI gibt an, in welchem Umfang die Konsumentinnen und Konsumenten bei Preisveränderungen die Ausgaben erhöhen oder senken müssen, um das Verbrauchsvolumen konstant halten zu können.

Anwendungen

Der harmonisierte Verbraucherpreisindex der Schweiz, der ab 2008 gemäss den Normen der Europäischen Union publiziert wird, ergänzt die Palette der in der Schweiz verfügbaren Wirtschaftsindikatoren. Der HVPI ist eines der Module, welche die Grundinformationen im LIK vervollständigen.

Der HVPI ermöglicht einen Vergleich der Teuerung in den Mitgliedstaaten der EU sowie Norwegen und Island. Ursprünglich diente er jedoch vor allem als Konvergenzkriterium der Preisstabilität für die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion (EWU). Der HVPI erlaubt die Berechnung verschiedener aggregierter Indizes auf europäischer Ebene – der bekannteste davon ist der Verbraucherpreisindex der Europäischen Währungsunion. Dieser Index gilt als wichtigstes Steuerungsinstrument in der Währungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Euro-Zone.

Konsumausgaben der privaten Haushalte

Der Erfassungsbereich des HVPI wird durch die Konsumausgaben der privaten Haushalte definiert, die durch die vierstelligen Kategorien und Unterkategorien der COICOP-Klassifikation erfasst werden.

Zur Berechnung des HVPI werden deshalb die Ausgaben berücksichtigt,

  • die durch die Haushaltsmitglieder ungeachtet ihrer Nationalität oder ihres Wohnsitzstatus 
  • im Wirtschaftsgebiet des Landes 
  • für Waren und Dienstleistungen zur direkten Befriedigung der Verbraucherbedürfnisse getätigt werden.

Ausgeschlossen vom Konsum der privaten Haushalte sind: Sozialtransfers wie beispielsweise direkte Steuern, Sozialversicherungsbeiträge wie etwa Prämien für die berufliche Vorsorge, der Anteil der Zahlungen, den die Haushalte im Schadensfall von privaten Versicherungen zurückerhalten, sowie Alimente und Unterhaltszahlungen. Zudem fliessen nichtmonetäre Transaktionen wie die imputierten Mieten nach dem Prinzip der Mietäquivalenz nicht in den HVPI ein.

Preiserhebung

Der HVPI wird monatlich vom BFS berechnet. Monatlich werden rund 70'000 Preise direkt durch das BFS oder das beauftragte Marktforschungsinstitut erhoben. Die Erhebung findet direkt in den Verkaufsstellen, per Telefon, Internet oder via Korrespondenzweg in den ersten zwei Wochen des Monats statt. Anfang des Folgemonats liegen die Ergebnisse jeweils vor.

Erfasst werden die im Inland bezahlten, effektiven Verkaufspreise (inkl. MWSt, Gebühren oder allfälligen Aktionspreisen und Rabatten).

Warenkorb

Der HVPI misst die Preisentwicklung anhand des sogenannten Warenkorbes, welcher die wichtigsten von den privaten und kollektiven Haushalten konsumierten Waren und Dienstleistungen beinhaltet. Der Warenkorb ist entsprechend den 12 wichtigsten Ausgabenkategorien der Haushalte unterteilt und gewichtet.

Die erfassten Preise der Waren und Dienstleistungen werden für die Indexberechnung mit den Preisen der gleichen Produkte zum Basiszeitpunkt verglichen. Die so gemessene Preisentwicklung fliesst entsprechend dem Gewicht im Warenkorb als Teilindex in den HVPI ein. Der HVPI besteht aus 94 solchen gewichteten Teilindizes und ihren Aggregaten.

Da der Erfassungsbereich des HVPI gemäss dem Inlandkonzept definiert ist, ist es nicht möglich, für die Gewichtung nur auf der Haushaltsbudgeterhebung (HABE) abzustellen, wie dies beim LIK der Fall ist. Die untenstehende Grafik zeigt die für den Schweizer HVPI verwendeten Quellen.

Grundlagen für die Gewichtung

Unterschied zwischen LIK und HVPI

Auch wenn die Unterschiede zwischen HVPI und LIK begrenzt sind, gibt es dennoch gewisse Differenzen zwischen diesen beiden Indikatoren:

  • Der geografische und demografische Erfassungsbereich. Der HVPI erfasst alle Ausgaben, die durch die in der Schweiz wohnhafte Bevölkerung und durch die Besucher im Wirtschaftsgebiet der Schweiz getätigt werden. Demgegenüber deckt der LIK die Ausgaben ab, welche die Personen mit Schweizer Wohnsitz im Wirtschaftsgebiet der Schweiz oder im Ausland tätigen. Überdies berücksichtigt der LIK ausschliesslich die Ausgaben der privaten Haushalte, während der HVPI die Konsumausgaben sowohl der privaten als auch der Kollektivhaushalte umfasst.
  • Die Behandlung von selbstgenutztem Wohneigentum. Die unterstellten Preise für selbstgenutztes Wohneigentum sind momentan vom HVPI ausgeschlossen. Der LIK hingegen erfasst sie.
  • Die Aufnahme von Dienstleistungspreisen. Gemäss den europäischen Normen müssen die Preise für Dienstleistungen entsprechend dem Nutzungsprinzip in dem Monat in den Index einfliessen, in dem deren Konsum beginnen kann. Demgegenüber behandelt der LIK die Preise für Dienstleistungen nach dem Erwerbsprinzip: Die Preise fliessen in den Index des Monats ein, in dem sie bezahlt werden. Dieser methodische Unterschied betrifft insbesondere die Preise für Pauschalreisen sowie Flugtarife. Die Verwendung dieser beiden unterschiedlichen Prinzipien für die Aufnahme von Dienstleistungspreisen führt dazu, dass sich die betroffenen Teilindizes in LIK und HVPI nicht gleich verhalten.
  • Private Konsumausgaben für proportional zum Transaktionswert verrechnete Finanzdienstleistungen. Auf Grund der Normen für den HVPI ist wird eine grössere Anzahl Finanzdienstleistungen im HVPI berücksichtigt als dies für den LIK der Fall ist. 
  • Basisjahr: Basisjahr des HVPI ist 2015 = 100. Diese Basis gilt für die HVPI aller Länder, die einen HVPI publizieren. Für den LIK hingegen gilt aktuell die Basis Dezember 2015 = 100.

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