MONET – Weibliche Opfer von schweren Gewaltdelikten


Bedeutung des Indikators

Aus Sicht der Nachhaltigen Entwicklung hat jedes Mitglied einer Gesellschaft das Recht auf ein menschenwürdiges Leben (Prinzip 1a). Auch die physische Sicherheit des Menschen gehört zu den Grundbedürfnissen, deren Deckung zu gewährleisten ist (Prinzip 2a) und die Chancengleichheit für alle Mitglieder einer Gesellschaft muss garantiert sein (Prinzip 4b). Die Anzahl weiblicher Opfer von schweren Gewaltdelikten ist ein Gradmesser für die Gewährung dieser Rechte und Bedürfnisse. Im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung wird eine Abnahme der Anzahl weiblicher Opfer von schweren Gewaltdelikten angestrebt.

Der Indikator zeigt die weiblichen Opfer vollendeter, schwerer Gewaltdelikte (Tötungsdelikte, schwere Körperverletzung, Verstümmelung weiblicher Genitalien, schwerer Raub, Geiselnahme und, Vergewaltigung), die der Polizei zur Kenntnis gelangt sind.

Relevante Prinzipien der Nachhaltigen Entwicklung: 1a Gewährleistung der Menschenrechte, 2a Bedürfnisdeckung, 4b Chancengleichheit und Verteilungsgerechtigkeit.

Kommentar

Zwischen 2009 und 2017 hat die Anzahl weiblicher Opfer von vollendeten schweren Gewaltdelikten, die der Polizei zur Kenntnis gelangt sind, von 706 auf 638 abgenommen. Diese Abnahme ist vor allem durch einen Rückgang bei den Opfer von Vergewaltigungen und schweren Körperverletzungen zu erklären.

2017 waren von allen weiblichen Opfern schwerer Gewaltdelikte 84,0% Opfer von Vergewaltigung, 12,2% Opfer von schweren Körperverletzungen, 3,1% Opfer von Tötungsdelikten, 1,1% Opfer von Geiselnahmen und 0,5% Opfer von schwerem Raub. Fälle von Verstümmelung weiblicher Genitalien wurden im Beobachtungszeitraum zwar keine gemeldet. Möglicherweise ist ein wesentlicher Teil der Straftaten in dieser Kategorie jedoch nicht erfasst.

Synthese


Tabellen

Methodologie

Der Indikator zeigt die Anzahl weiblicher Opfer vollendeter schwerer Gewaltdelikte, die der Polizei zur Kenntnis gelangt sind. Eine Straftat gilt als "vollendet", wenn die Tat, die sie charakterisiert, vollständig durchgeführt wurde. Der Indikator erfasst daher nicht die Versuche. Für die Berechnung des Indikators werden folgende Delikte gemäss Strafgesetzbuch (StGB) berücksichtigt: Tötungsdelikte (Art. 111-113/116 StBG), schwere Körperverletzung (Art. 122 StBG), Verstümmelung weiblicher Genitalien (Art. 124 StBG, in Kraft seit 1. Juli 2012), Raub (mit schwerer Körperverletzung oder grausamer Behandlung) (Art.140 Ziff.4 StBG), Geiselnahme (Art. 185 StBG) und Vergewaltigung (Art. 190 StBG). Jede geschädigte Person erhält eine eindeutige Identifikationsnummer, die es erlaubt, Geschädigte mehrerer Straftaten als ein und dieselbe Person zu identifizieren. Dementsprechend kann nach sogenannter Echtzählung ausgewertet werden, das heisst jede Person wird nur einmal pro Jahr gezählt.

Die Daten werden jährlich im Rahmen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erhoben und vom Bundesamt für Statistik zusammen mit dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement und der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren publiziert.  

Internationale Vergleichbarkeit

Indikatoren zu Straftaten sind für den Ländervergleich nur beschränkt geeignet, da das Spektrum der abgedeckten strafbaren Handlungen, die Definition der Straftaten (gemäss nationalen Strafgesetzbüchern), die Erhebungsmethoden und die Datenqualität je nach Land unterschiedlich sind. Auch ist die Bereitschaft der Bevölkerung, Straftaten anzuzeigen ist unterschiedlich. Der Indikator ist daher primär auf die Beobachtung der Entwicklung in der Schweiz ausgelegt.

Publikationen

Quellen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/nachhaltige-entwicklung/monet/dimension-gleichstellung/weibliche-opfer-schwerer-gewaltdelikte.html