MONET – Schuldenquote der öffentlichen Haushalte


Bedeutung des Indikators

Eine hohe Verschuldung belastet gegenwärtige und zukünftige Generationen, indem Zinszahlungen beträchtliche finanzielle Mittel binden. Eine Verschuldung der öffentlichen Haushalte ist aus Sicht der Nachhaltigen Entwicklung nur in dem Mass gestattet, das die Erfüllung zentraler Staatsaufgaben und die Bedürfnisdeckung zukünftiger Generationen nicht gefährdet (Prinzip 10d). Im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung wird daher eine Abnahme der Schuldenquote angestrebt.

Der Indikator zeigt den Anteil der öffentlichen Bruttoschulden (Sektor Staat) im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP). Er beschreibt die Schuldenlast im Vergleich zum wirtschaftlichen Leistungspotential.

Relevante Prinzipien der Nachhaltigen Entwicklung: 10d Langfristige Ausrichtung der öffentlichen Finanzen.

Kommentar

Die Schuldenquote der öffentlichen Haushalte hat während der 1990er-Jahren zugenommen, ihren Höchststand erreichte sie 1998 mit einem Wert von 48,9% des BIP. Sie hat sich in der Folge stabilisiert und sinkt tendenziell seit 2003. Im Jahr 2017 betrug sie 29,5%, was einem Bruttoschuldenbetrag von rund 200 Milliarden Franken entspricht.

Auf Bundesebene hat die 2003 eingeführte Schuldenbremse zur Reduktion der Verschuldung beigetragen. In der Mehrzahl der Kantone bestehen analog zur Schuldenbremse ebenfalls Budgetbeschränkungsregeln durch verschiedenartige Regelbindungen. Diese tragen dazu bei, dass die Schuldenquote seit 2003 auch in den Kantonen und Gemeinden kontinuierlich gesenkt werden konnte.

Auf Staatsebene besitzt die Schweiz im OECD-Vergleich eine relativ tiefe Schuldenquote.

Synthese


Tabellen

Methodologie

Dieser Indikator zeigt die konsolidierten Bruttoschulden der öffentlichen Haushalte (Bund, Kantone, Gemeinden, öffentliche Sozialversicherungen) in Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Die Daten zum Bruttoinlandprodukt werden jährlich im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Bundesamts für Statistik erhoben. Die Werte vor 1995 wurden durch das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO berechnet. Für diese Daten wurde ein Vertrauensintervall von 95% berechnet.

Der Bund und zahlreiche Kantone verfügen über einen Mechanismus, gemäss dem über einen Konjunkturzyklus hinweg die Ausgaben nicht grösser als die Einnahmen sein dürfen (Schuldenbremse). Damit wird eine Stabilisierung der absoluten Verschuldung angestrebt, was bei einer wachsenden Wirtschaft zu einer Abnahme der Schuldenquote führt.

Da sich die optimale Höhe der Schuldenquote wissenschaftlich nicht bestimmen lässt, kann die Politik Toleranzgrenzen vorgeben. Die EU setzt mit den Maastrichter-Kriterien eine verbindliche Messlatte für alle öffentlichen Gemeinwesen eines Staates: Gemäss diesen Kriterien darf der Anteil der öffentlichen Schulden am nominalen Bruttoinlandprodukt 60% nicht übersteigen.

Die Statistik der öffentlichen Finanzen der Schweiz, kurz Finanzstatistik genannt, gibt einen Gesamtüberblick über die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage der öffentlichen Haushalte der Schweiz. Sie wird jährlich von der Eidgenössischen Finanzverwaltung für die öffentlichen Haushalte (Bund, Kantone, Gemeinden, öffentliche Sozialversicherungen) in detaillierter Form sowie für den konsolidierten Sektor Staat in aggregierter Form erstellt. Die Finanzstatistik basiert auf Erhebungen der Staatsrechnungen des Bundes, sämtlicher Kantone sowie der Jahresrechnungen von gut 900 Gemeinden. Dabei werden alle Städte und Kantonshauptorte sowie pro Kanton zufällig bestimmte Stichprobengemeinden erhoben. Für die fehlenden Gemeinden pro Kanton werden Schätzungen und Hochrechnungen gemacht. Zudem werden die öffentlichen Sozialversicherungen (AHV, IV, EO, ALV, Familienzulagen in der Landwirtschaft, Mutterschaftsversicherung Genf) einbezogen. Für die Finanzstatistik gilt das Bruttoprinzip, d. h. die Einnahmen und Ausgaben werden getrennt ausgewiesen.

Internationale Vergleichbarkeit

Die Bruttoschuldenquote wird in Anlehnung an die Kriterien von Maastricht erhoben. Sie ist deshalb mit denjenigen der EU-Länder vergleichbar.

Definitionen

Bruttoinlandprodukt (BIP)
Das BIP ist ein Mass für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft im Laufe eines Jahres. Es misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen, soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden - also die sog. Wertschöpfung. Das BIP wird in jeweiligen Preisen und in konstanten Preisen eines bestimmten Jahres errechnet. In konstanten Preisen wird die reale Wirtschaftsentwicklung im Zeitablauf frei von Preiseinflüssen dargestellt.

Bruttoschulden
Die öffentlichen Bruttoschulden umfassen laufende Verpflichtungen, kurz-, mittel- und langfristige Schulden sowie Verpflichtungen für Sonderrechnungen (Pensionskasse des Bundes, die Eidgenössischen Technischen Hochschulen ETH und der Fonds für Eisenbahn-Grossprojekte) des Sektors Staats.

Quellen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/nachhaltige-entwicklung/monet/alle-nach-themen/wirtschaftssystem/schuldenquote-oeffentliche-haushalte.html