MONET – Anteil der Frauen im Nationalrat und in den Kantonsparlamenten


Bedeutung des Indikators

Die Gleichstellung der Geschlechter ist als Ausdruck von Chancen- und Rechtsgleichheit ein zentrales Anliegen der Nachhaltigen Entwicklung (Prinzip 4). Eine angemessene Vertretung von Frauen in politischen Organen fördert den Einbezug der Geschlechterperspektiven in politische Entscheidungen, was für die Realisierung der Gleichstellung zwischen Frau und Mann von grosser Bedeutung ist. Der Frauenanteil in Parlamenten ist diesbezüglich ein Anzeichen für die Bereitschaft der Gesellschaft, sich von Frauen vertreten zu lassen und sie an politischen Entscheidungen und politischer Macht zu beteiligen (Prinzip 5b). Im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung wird daher eine Erhöhung des Anteils Frauen in Parlamenten angestrebt.

Der Indikator zeigt den Frauenanteil im Nationalrat und in kantonalen Parlamenten. Er repräsentiert eine der politischen Partizipationsmöglichkeiten für Frauen.

Relevante Prinzipien der Nachhaltigen Entwicklung: 4a Diskriminierungsverbot, 4b Chancengleichheit und Verteilungsgerechtigkeit, 4c Integration Benachteiligter, 5b Soziale und politische Partizipation.

Kommentar

Im Jahr 1971 konnten Schweizer Bürgerinnen auf Bundesebene erstmals das Stimm- und Wahlrecht (aktiv sowie passiv) ausüben. Bei den Nationalratswahlen im selben Jahr waren 5,0% aller gewählten Personen Frauen. Seither ist der Frauenanteil im Nationalrat insgesamt angestiegen: Bei den letzten Wahlen im Herbst 2015 wurden 32,0% der Sitze an Frauen vergeben. Auf kantonaler Ebene hat eine ähnliche Entwicklung stattgefunden. Im Zeitraum von 1975 bis 2015 ist der Anteil von Frauen in Kantonsparlamenten von 6,2% auf 25,9% angestiegen. Ab 2007 verlief diese Entwicklung jedoch stagnierend. Auf nationaler wie kantonaler Ebene hat sich der Anteil weiblicher Parlamentsmitglieder seit 1971/1975 somit mehr als vervierfacht.

Ebenfalls zugenommen hat der Anteil Frauen auf nationalen Wahllisten. Die statistischen Wahlchancen von Frauen liegen tendenziell immer noch tiefer als jene der Männer. Im Laufe der Zeit hat jedoch eine Angleichung stattgefunden.

Von den 28 EU-Ländern hatten Schweden (43,6%), Finnland (41,5%) und Spanien (41,1%) 2015 die höchsten Frauenanteile in Parlamenten auf nationaler Ebene. Italien (31,0%), Österreich (30,6%) und das Vereinigte Königreich (29,4%) folgten direkt hinter der Schweiz.  

Synthese

Bemerkung: Synthese der beobachteten Entwicklungen des Nationalrats (NR) und der Kantonsparlamente (KP). Die Veränderung in Prozent von jeder Variable wird in einen Einzelwert zusammengefasst (-1 für eine negative Entwicklung, 0 für keine wesentliche Veränderung, +1 für eine positive Entwicklung). Die Einzelwerte werden anschliessend addiert und das Resultat ergibt die gesamte Entwicklungsrichtung des Indikators.


Tabellen

Methodologie

Der Indikator zeigt den Frauenanteil im Nationalrat und in kantonalen Parlamenten. Die verwendeten Daten der Anteile der Frauen im Nationalrat und in den Kantonsparlamenten entstammen der Statistik der Wahlen und Abstimmung des Bundesamts für Statistik.

Für die Nationalratswahlen wird der Stand am Wahltag angezeigt. Für die kantonalen Parlamentswahlen werden für jeden Kanton die jeweils aktuellsten Wahlergebnisse vor den Nationalratswahlen verwendet (Ausnahmen: 2011: Stand 13. November (die kantonalen Wahlen in Fribourg fanden kurz nach den Nationalratswahlen statt; 2015: Stand 18. Oktober 2015). Der ausgewiesene Frauenanteil in Kantonsparlamenten besteht aus den aggregierten Werten aller berücksichtigten Kantone: Er ergibt sich aus den von Frauen besetzten Sitzen aller Kantonsparlamente sowie der gesamten Anzahl zu vergebender Sitze in allen Kantonen. Appenzell Ausserrhoden (AR) führte das Frauenstimmrecht 1989 ein, Appenzell Innerrhoden (AI) 1990. Aus diesem Grund sind die beiden Appenzeller Kantone erst ab 1991 im Indikator berücksichtigt. Für 1971 werden keine Werte ausgewiesen, da nur ein kleiner Teil der Kantone zu diesem Zeitpunkt bereits das Frauenstimm- und Wahlrecht eingeführt hatte.

Dem Frauenstimm- und Wahlrecht in Bundesangelegenheiten wurde im Rahmen der eidgenössischen Volksabstimmung vom 7. Februar 1971 zugestimmt. Auf Kantonsebene wurde das Stimm- und Wahlrecht für Frauen zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingeführt. Vereinzelt stimmten Kantone diesem Anliegen bereits vor 1971 zu, oder ermächtigten aber ihre Gemeinden zur Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts. Gleichzeitig mit der eidgenössischen Volksabstimmung 1971 sprachen sich die Stimmberechtigen in vier Kantonen für das Stimm- und Wahlrecht auf Kantonsebene aus. Im selben Jahr folgten fünf weitere Kantone, im Folgejahr (1972) deren sechs. Als letzter Kanton wurde AI1990 per Bundesgerichtsentscheid zur Einführung des kantonalen Stimm- und Wahlrechts für Frauen verpflichtet.

Parlamente auf kommunaler Ebene werden vom Indikator nicht abgebildet, da nicht alle Gemeinden über ein solches verfügen und in der Statistik nur statistische Städte bzw. vor 2015 nur Gemeinden mit mehr als 10'000 Einwohnerinnen und Einwohnern erfasst werden.  

Internationale Vergleichbarkeit

Für die meisten Länder ist der Frauenanteil im nationalen Parlament bekannt. Vergleiche hierzu werden beispielsweise von der UNO oder der Interparlamentarischen Union (IPU) angestellt.  

Definitionen

Parlament (Bund)
In der Schweiz gilt – nach dem Vorbild der USA – das so genannte Zweikammersystem. Der Nationalrat repräsentiert das Volk; der Ständerat die Kantone. Die beiden Räte sind gleichberechtigt; sie tagen jeweils gleichzeitig, aber getrennt. Zur «Vereinigten Bundesversammlung» treten sie nur für Wahlen und ausserordentliche Geschäfte zusammen.

Der Nationalrat besteht aus 200 Mitgliedern und wird alle vier Jahre neu gewählt. Gemäss Artikel 149 der Bundesverfassung bildet jeder Kanton einen Wahlkreis. Je nach Grösse der Wohnbevölkerung haben die Wahlkreise mehr oder weniger Sitze im Nationalrat zugute. Jedem Wahlkreis steht jedoch mindestens einer zu; in Kantonen mit nur einem Sitz wird nach dem Majorzsystem gewählt (UR, OW, NW, GL, AI und seit 2003 AR). In den 20 Kantonen mit zwei oder mehr Sitzen erfolgt die Sitzverteilung nach dem Proporzsystem.

Der Ständerat besteht aus 46 Mitgliedern. Gemäss Artikel 150 der Bundesverfassung ist jeder Kanton mit zwei Mitgliedern vertreten; die Halbkantone (OW, NW, BS, BL, AI und AR) mit je einem. Die Wahl in den Ständerat untersteht kantonalem Recht und erfolgt somit nicht einheitlich. Mit Ausnahme der Kantone Jura und – seit 2011 – Neuenburg bestimmen alle Kantone ihre Ständerätinnen und Ständerate nach dem Majorzsystem. Nur in Appenzell Innerrhoden wird die Abordnung in den Ständerat an der Landsgemeinde gewählt und zwar ein halbes Jahr vor den Nationalratswahlen. Alle anderen Kantone führen die Ständeratswahlen inzwischen gleichzeitig wie die Nationalratswahlen durch.

Parlamente (Kantone)
Die Parlamente in den Kantonen bestehen aus 49 (AI) bis 180 Mitgliedern (ZH), wobei in Appenzell Innerrhoden die Sitzzahl entsprechend der Bevölkerungszahl variiert. Die Abgeordneten werden in 18 Kantonen nach dem Proporzsystem bestimmt; in Appenzell Innerrhoden und in Graubünden nach dem Majorzsystem. In diesen beiden Kantonen werden einige oder alle Mandate an Gemeinde- oder Bezirksversammlungen vergeben. Gemischte Systeme von Proporz und Majorz bestehen in Uri, Schwyz, Zug, Basel-Stadt, Schaffhausen und Appenzell Ausserrhoden. Die Wahlen erfolgen in mehreren Wahlkreisen, ausser im Tessin und in Genf, wo der Kanton den einzigen Wahlkreis darstellt. Die Legislaturperiode dauert vier Jahre, ausser in Freiburg und Waadt (5 Jahre).

Links

Quellen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/nachhaltige-entwicklung/monet/alle-nach-themen/sozialer-zusammenhalt/anteil-frauen-nationalrat-kantonsparlamente.html