MONET – Öffentliche Entwicklungshilfe


Bedeutung des Indikators

Beim Abbau von Ungleichheiten auf globaler Ebene kommt der Entwicklungszusammenarbeit eine zentrale Rolle zu (Prinzip 6a). Sie dient zur Unterstützung der Entwicklungs- und Transitionsländer und soll zu einer erfolgreichen Armutsbekämpfung in diesen Ländern beitragen. Im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung wird deshalb eine Zunahme der öffentlichen Entwicklungshilfe angestrebt.

Der Indikator zeigt, wieviel Geld die Schweiz für die Entwicklungszusammenarbeit ausgibt. Die Hilfeleistungen werden dabei ins Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (BNE) der Schweiz gesetzt. Der Indikator erlaubt keine Aussage zur Wirksamkeit der getätigten Ausgaben. Er bezieht sich zudem nur auf die öffentlichen Entwicklungsgelder und vernachlässigt somit das Engagement der Nichtregierungsorganisationen (private Hilfswerke) und der Privatwirtschaft (zum Beispiel in Form von Direktinvestitionen).

Relevante Prinzipien der Nachhaltigen Entwicklung: 6a Entwicklungszusammenarbeit.

Kommentar

Der Anteil der öffentlichen Entwicklungshilfe (APD) am Bruttonationaleinkommen (BNE) stagnierte während der 1990er-Jahre (Ausnahme 1992: Ausserordentliche Entschuldungsmassnahmen Im Rahmen des Jubiläums 700 Jahre Eidgenossenschaft und Beitritt der Schweiz zu den Bretton-Woods-Institutionen) und ist Anfang der 2000er-Jahre bis 2016 graduell gestiegen. 2017 betrug die Quote der öffentlichen Entwicklungshilfe 0,45%. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Quote gesunken (2016: 0,53%), da 2017 das Bruttonationaleinkommen zugenommen hat, während das APD-Volumen zurückgegangen ist.

Diese Abnahme ist hauptsächlich auf die gesunkenen Asylkosten zurückzuführen, welche der APD angerechnet werden. Die Quote der öffentlichen Entwicklungshilfe ohne Berücksichtigung der Asylkosten ist zwischen 2016 und 2017 von 0,43% auf 0,41% gesunken. Grund dafür war eine Reduktion der Zahlungskredite für die internationale Zusammenarbeit.

Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz unter den ersten zehn Ländern des Entwicklungshilfeausschusses der OECD (DAC). Schweden (1,01%), Luxemburg (1,0%) und Norwegen (0,99%) haben 2017 im Verhältnis zum BNE am meisten für Entwicklungshilfe ausgegeben.

Synthese


Tabellen

Methodologie

Dieser Indikator zeigt den Anteil der öffentlichen Entwicklungshilfe am Bruttonationaleinkommen zu Marktpreisen. Als Bezugsgrösse wird anstelle des Bruttoinlandprodukts das Bruttonationaleinkommen verwendet, um internationale Vergleiche zu ermöglichen.

Die APD der Schweiz umfasst im Wesentlichen die Ausgaben der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und des Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), der zwei Bundesstellen, die mit der Ausführung des Bundesgesetzes über die internationale Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe beauftragt sind. Weitere Bundesämter sowie 25 Kantone und rund 200 Gemeinden beteiligen sich ebenfalls an der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz. Das Bruttonationaleinkommen (BNE) wird vom Bundesamt für Statistik (BFS) im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung berechnet. Der Indikator wird jährlich von der DEZA publiziert.

Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung wurde 2014 gemäß dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010) revidiert. Aufgrund dieser Revision wurde die ganze Zeitreihe des Indikators neu berechnet. Die Werte des Indikators bis und mit dem Jahr 2012 sind im Durchschnitt um 0,02% tiefer, da die Revision einen Anstieg des BNE zur Folge hatte. Das DAC/OECD hat entschieden, dass die Zahlen der Vergangenheit nicht angepasst werden. Die DEZA hat deshalb die Zeitreihe nicht vollständig zurückgerechnet. Bis und mit dem Jahr 2012 verwendet die DEZA das BNE gemäß ESVG 1995 und ab 2013 jenes gemäß ESVG 2010. Die hier vom BFS publizierten Daten für die Jahre 1990-2012 weichen daher leicht von jenen der DEZA ab.

Internationale Vergleichbarkeit

Die Werte werden gemäß von der OECD festgelegten Standards berechnet und sind seit 2013 international vergleichbar.

Definitionen

Bruttonationaleinkommen
Das Bruttonationaleinkommen (BNE) setzt sich zusammen aus den Primäreinkommen (Einkommen aus Arbeit und Kapital), welches die gebietsansässigen Einheiten erhalten. Das BNE entspricht der Summe des BIP und des Saldos der vom Ausland erhaltenen und ans Ausland bezahlten Primäreinkommen.

Entwicklungshilfe
Die OECD definiert die öffentliche Entwicklungshilfe (APD) als Leistungen, die 1. von öffentlichen Organen (Bund, Kantone, Gemeinden) stammen; 2. vorrangig auf die Erleichterung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Empfängerländer abzielen, 3. zu Vorzugskonditionen gewährt werden (Schenkungen und Darlehen zu günstigen Konditionen); 4. bestimmt sind für Entwicklungsländer und -regionen sowie multilaterale Organisationen, die auf der OECD-Liste aufgeführt sind. Bilaterale Hilfe ist die Hilfe von einem Partner zu einem anderen, unabhängig davon, ob der Geber oder Empfänger ein Staat, eine national oder international koordinierte Gruppe von Hilfswerken ist. Multilaterale Hilfe meint die gemeinsamen Anstrengungen internationaler Institutionen wie der Weltbank oder der UNO zugunsten eines oder mehrerer Staaten. Die private Entwicklungshilfe in der Schweiz besteht aus Spenden schweizerischer Hilfswerke und anderer gemeinnütziger Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen für Projekte und Programme in Entwicklungsländern.

Quellen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/nachhaltige-entwicklung/monet/alle-nach-themen/internationale-zusammenarbeit/oeffentliche-entwicklungshilfe.html