MONET – Entbehrungen von Pflegeleistungen aus finanziellen Gründen


Bedeutung des Indikators

Eine wichtige Herausforderung der Nachhaltigen Entwicklung ist die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu decken (Prinzip 2a) und die Gesundheit der Menschen zu schützen und zu fördern (Prinzip 2b). In einer nachhaltigen Gesellschaft soll somit jeder Mensch Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Dabei gilt es, die Chancengleichheit zu gewährleisten (Prinzip 4b). Verschiedene Hindernisse können jedoch den Zugang zur Gesundheitsversorgung erschweren. Insbesondere die finanziellen Verhältnisse sind ein limitierender Faktor bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Die Entbehrungen von zahnärztlichen Behandlungen spielen hierbei insofern eine besondere Rolle, als diese Art von Leistungen im Gegensatz zur medizinischen Grundversorgung in den meisten Fällen nicht von den Krankenkassen übernommen wird. Im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung soll der armutsgefährdeten Bevölkerung, der aus finanziellen Gründen keinen Zugang zu notwendigen medizinischen oder zahnmedizinischen Leistungen hat, gesenkt werden.

Der Indikator zeigt den Anteil der armutsgefährdeten Bevölkerung ab 16 Jahren, der aus finanziellen Gründen keinen Zugang zu notwendigen medizinischen oder zahnmedizinischen Leistungen hat.

Relevante Prinzipien der Nachhaltigen Entwicklung: 2a Bedürfnisdeckung, 2b Gesundheitsförderung, 4b Chancengleichheit und Verteilungsgerechtigkeit.

Kommentar

Zwischen 2007 und 2013 ist der Anteil der armutsgefährdeten Wohnbevölkerung ab 16 Jahren, der aus finanziellen Gründen keinen Zugang zu notwendigen medizinischen oder zahnmedizinischen Leistungen hat, von 8,4% auf 13,1% gestiegen. In 2016 betrug dieser Anteil 8,2%. Allgemein wird vor allem auf zahnärztliche Untersuchungen verzichtet. In diesem Zeitraum ist die Armutsgefärdungsquote stabil geblieben. Es ist zu beachten, dass die Werte der Jahre 2014 und 2015 aufgrund von Brüchen in der Zeitreihe nicht mit den Werten der vorhergehenden Jahre verglichen werden können. 

Demgegenüber fällt der Anteil der Gesamtbevölkerung, der keinen Zugang zu notwendigen medizinischen oder zahnmedizinischen Leistungen hat, geringer aus: Er bewegt sich seit 2007 um 5%. Wie auch bei der armutsgefährdeten Bevölkerung wird dabei primär auf zahnärztliche Untersuchungen verzichtet.  

Synthese

Bemerkung: Beurteilung des Indikators bis 2013 aufgrund des Unterbruchs der Zeitreihe im 2014 und 2015. Die beobachtete Entwicklung, die sich innerhalb des Vertrauensintervalls befindet, ist statistisch nicht signifikant und die Beurteilung daher unverändert. 


Tabellen

Methodologie

Der Indikator zeigt den Anteil der armutsgefährdeten Bevölkerung ab 16 Jahren, der aus finanziellen Gründen keinen Zugang zu medizinischen oder zahnmedizinischen Leistungen hat. Für diese Daten wurde ein Vertrauensintervall von 95% berechnet.

Internationale Vergleichbarkeit

Der Indikator ist international nicht direkt vergleichbar, da er die Kategorien «Entbehrungen in Bezug auf notwendige ärztliche Leistungen» und «Entbehrungen in Bezug auf notwendige zahnärztliche Leistungen» kombiniert betrachtet. International werden ärztliche und zahnärztliche Untersuchungen getrennt ausgewiesen.

Definitionen

Armutsgefährdung
Von Armutsgefährdung betroffen sind Personen, die in einem Haushalt leben, dessen finanzielle Ressourcen weniger als 60% des verfügbaren Medianäquivalenzeinkommens betragen. Der Median teilt die Bevölkerung in zwei Hälften: Das Einkommen der einen Hälfte liegt unter, jenes der anderen Hälfte über dem Medianwert.

Verfügbare Einkommen
Das verfügbare Einkommen entspricht dem gesamten Bruttoeinkommen eines Haushalts abzüglich Sozialversicherungsbeiträge, Steuern, obligatorische Krankenkassenprämien und regelmässige Transferzahlungen an andere Haushalte. Unter Einbezug der Äquivalenzskala wird der Haushaltsgrösse Rechnung getragen (z.B. 2,1 für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren).
Die Daten stammen aus der Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC) des Bundesamts für Statistik. Die befragten Personen geben an, ob sie auf eine Behandlung oder Kontrolle bei einem Arzt oder Zahnarzt trotz Bedarf verzichtet haben, und aus welchem Grund der Verzicht erfolgt ist. Personen die aus finanziellen Gründen sowohl auf eine ärztliche wie auch auf eine zahnärztliche Untersuchung verzichtet haben, werden zusammengefasst und nur einfach gezählt.

Quellen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/nachhaltige-entwicklung/monet/alle-nach-themen/gesundheit/verzicht-pflegeleistungen-finanzielle-gruende.html