MONET – Bildungsstand der Bevölkerung


Bedeutung des Indikators

Für eine Nachhaltige Entwicklung ist die Erhaltung des Humankapitals von zentraler Bedeutung (Prinzip 7a). Einer der Grundsätze der Nachhaltigen Entwicklung besagt, dass die ökonomische Leistungsfähigkeit der Gesellschaft und ihr Produktiv-, Sozial- und Humankapital zumindest erhalten wird (Prinzip 10a). Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine stete Anpassung von Kompetenzen und Wissen in einem Prozess des lebenslangen Lernens (Prinzip 7c). Anderenfalls besteht die Gefahr der Entwertung dieses Humankapitals und der Verminderung der Chancen der Erwerbsbevölkerung auf dem Arbeitsmarkt. Lebenslanges Lernen erfordert eine Ausstattung an Grundkompetenzen, welche die Basis für den künftigen Aus- und Weiterbildungsverlauf bilden. Das Ausbildungsniveau eines Individuums deutet auf dessen Kapazität hin, Kompetenzen und Wissen im späteren Leben zu erwerben, zu aktualisieren und weiterzuentwickeln. Im Sinne der Nachhaltigen Entwicklung wird deshalb eine Zunahme des Anteils der Bevölkerung mit einem Abschluss der Sekundarstufe II oder Tertiärstufe angestrebt.

Der Indikator zeigt den Anteil der 25-64-jährigen ständigen Wohnbevölkerung mit einem Abschluss der Sekundarstufe II oder Tertiärstufe.

Relevante Prinzipien der Nachhaltigen Entwicklung: 7a Entwicklung des Humankapitals, 7c Förderung der Lernfähigkeit, 10a Förderung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Kommentar

Der Anteil der Schweizer Bevölkerung im Alter von 25-64 Jahren mit einem Abschluss der Sekundarstufe II oder Tertiärstufe bleibt seit 2011 konstant und erreichte 2017 einen Stand von 87,8%. Immer mehr Personen erwerben einen Tertiärabschluss: 2017 lag dieser Anteil bei 42,6%. Im Gegenzug sind die Abschlüsse auf Sekundarstufe II, die unter den 25- bis 64-Jährigen das meistverbreitete Bildungsniveau darstellt, zwischen 2011 und 2017 um rund 10% zurückgegangen.

Der Anteil der Bevölkerung mit einem Abschluss auf der Sekundarstufe I (also ohne postobligatorischen Bildungsabschluss) hat in den vergangenen Jahren stetig abgenommen und beträgt nunmehr 12,2%. Das Ziel der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren ist, dass mindestens 95% der 25-Jährigen bis 2020 ein Diplom der Sekundarstufe II erlangt haben (bzw. höchstens 5% nur einen Abschluss der Sekundarstufe I besitzen).

Mit zunehmendem Alter zeigen sich zwischen den Geschlechtern Unterschiede beim Bildungsstand: Während in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen kein signifikanter Unterschied zwischen Frauen und Männern besteht, haben 65-jährige und ältere Männer 1,3-mal häufiger eine postobligatorische Ausbildung absolviert als die gleichaltrigen Frauen.

Im internationalen Vergleich zeichnet sich die Schweiz durch einen hohen Bildungsstand der Bevölkerung aus. Der Anteil der Schweizer Bevölkerung mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II oder Tertiärstufe lag 2017 über dem OECD-Durchschnitt (78,2%).

Synthese

Bemerkung: Aufgrund des Bruches in der Zeitreihe werden für die Berechnung nur die Daten ab 2010 verwendet. 


Tabellen

Methodologie

Der Indikator zeigt den Anteil der Bevölkerung im Alter von 25-64 Jahren, der eine Ausbildung auf Sekundarstufe II oder Tertiärstufe hat. Die Daten des Indikators entstammen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des BFS. Diese wurde von 1991 bis 2009 jährlich durchgeführt, seit 2010 erfolgt die SAKE als vierteljährliche Erhebung und basiert auf einem überarbeiteten Fragebogen. Aus diesem Grund weist der Indikator einen Bruch in der Zeitreihe auf.

Die Bestimmung der höchsten absolvierten Ausbildung erfolgt gemäss einer dreistufigen Skala, die den europäischen ISCED-Standards (International Standard Classification of Education) entspricht und internationale Vergleiche ermöglicht. Die Skala gliedert sich in folgende Stufen:

  • Ohne nachobligatorische Schule (ISCED 0-2)
  • Sekundarstufe II (ISCED 3-4)
  • Tertiärstufe (ISCED 5-6)
Internationale Vergleichbarkeit

Der Indikator gehört zu den Indikatoren von Eurostat zum Thema «Bildung und Weiterbildung»

Publikationen

Definitionen

Sekundarstufe II
Die Sekundarstufe II setzt die Ausbildung nach der obligatorischen Basisausbildung fort. Sie beginnt ca. 9 Jahre nach Beginn der Primarschule (etwa 16. Lebensjahr) und umfasst berufsorientierte und allgemeinbildende Ausbildungsgänge. Die Ausbildungen dauern in der Regel 2-4 Jahre und schliessen mit einer Maturität, einem Diplom, einem eidgenössischen Fähigkeitsausweis oder einem eidgenössischen Berufsattest ab. Abschlüsse der Sekundarstufe II berechtigen mit Ausnahme des Berufsattests zu einer Ausbildung auf der Tertiärstufe. Das eidgenössische Berufsattest gewährt den Zugang zu einer 3- oder 4-jährigen beruflichen Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis.

Tertiärstufe
Auf der Tertiärstufe wird zwischen der höheren Berufsbildung und der Hochschulausbildung unterschieden. Im Bereich der höheren Berufsbildung besteht eine Vielfalt von Ausbildungswegen. Sie bereiten auf rund 460 Abschlüsse vor. Von Bund oder Kantonen anerkannte Abschlüsse sind: Fachausweise der eidgenössischen Berufsprüfungen und Diplome von höheren Fachprüfungen und höheren Fachschulen. Sie setzen eine abgeschlossene Ausbildung auf der Sekundarstufe II und für die Berufs- und höheren Fachprüfungen auch einige Jahre Berufspraxis voraus.
Der Hochschulbereich umfasst die universitären Hochschulen (d.h. die kantonalen Universitäten und die Eidgenössischen Technischen Hochschulen), die Fachhochschulen, die pädagogischen Hochschulen sowie weitere ganz oder teilweise öffentlich finanzierte Institutionen des Hochschulbereichs (z.B. das Eidg. Hochschulinstitut für Berufsbildung oder das Institut Kurt Bösch). Die Ausbildungen werden mit einem Bachelor, Master oder Doktorat (nur an universitären Hochschulen) abgeschlossen.

Quellen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/nachhaltige-entwicklung/monet/alle-nach-themen/bildung-kultur/bildungsstand-bevoelkerung.html