MONET – Erwerbslosenquote gemäss ILO


Bedeutung des Indikators

Bei der Deckung der über die Grundbedürfnisse hinaus gehenden materiellen und immateriellen Bedürfnisse soll den Individuen ein angemessener Spielraum eingeräumt werden (Prinzip 2a). Im wirtschaftlichen System muss es daher möglich sein, dass Personen, die eine Erwerbstätigkeit ausüben möchten, eine sinnstiftende Arbeit finden, mit der sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können (Prinzipien 2c und 13). In den Industrieländern ist die Erwerbslosigkeit eine der Hauptursachen für prekäre Lebensumstände. Hohe Erwerbslosigkeit könnte auch zu sozialen Unruhen führen. Deshalb dürfen sich die Rahmenbedingungen des wirtschaftlichen Systems nur so schnell beziehungsweise langsam verändern, dass sie den sozialen Frieden nicht gefährden (Prinzip 11b). Eine Abnahme der Erwerbslosenquote ist daher für die Nachhaltige Entwicklung positiv.

Der Indikator zeigt den Anteil der Erwerbslosen gemäss dem Internationalen Arbeitsamt (ILO) an der Erwerbsbevölkerung im 2. Quartal.

Relevante Prinzipien der Nachhaltigen Entwicklung : 2a Bedürfnisdeckung, 2c Armutsbekämpfung, 11b Sozialverträgliche Veränderungsgeschwindigkeit, 13 Sinnstiftende und existenzsichernde Beschäftigung.

Kommentar

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Erwerbslosigkeit in der Schweiz während langer Zeit auf einem sehr tiefen Niveau von meist unter einem Prozent. In den 1990er-Jahren stieg sie infolge der Rezession und den Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt an. Die Fluktuationen auf dem Arbeitsmarkt konnten nicht mehr wie in früheren Jahren durch die Zulassung bzw. Entlassung ausländischer Arbeitskräfte ausgeglichen werden. 1997 belief sich die Erwerbslosenquote gemäss ILO auf 4,1% und ging dann bis 2001 dank anziehender Konjunktur auf 2,5% zurück. Im neuen Jahrtausend nahm sie wieder zu und erreichte 2005 4,4%. Danach bewegte sie sich bis 2018 bei rund 4%.

Die Unterbeschäftigungsquote, das heisst der Anteil der Erwerbspersonen, die gerne mehr als ihr derzeitiges Arbeitspensum gearbeitet hätten, belief sich 2018 auf 7,3%. Aus der Unterbeschäftigungsquote und der Erwerbslosenquote gemäss ILO zusammen ergibt sich der Anteil der Erwerbstätigen, die von einem Arbeitsmangel betroffen sind. Die Erwerbslosgenquote gemäss ILO wie auch die Unterbeschäftigungsquote der Frauen ist höher als jene der Männer.

Im Vergleich mit den Ländern der Europäischen Union weist die Schweiz eine der niedrigsten Erwerbslosenquoten gemäss ILO auf.

Synthese


Tabellen

Methodologie

Der Indikator zeigt den Anteil der Erwerbslosen gemäss ILO an der Erwerbsbevölkerung (Erwerbstätige und Erwerbslose gemäss ILO) ab 15 Jahren. Die Daten stammen aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des Bundesamts für Statistik.

Internationale Vergleichbarkeit

Der Indikator der Erwerbslosenquote gemäss ILO ist international vergleichbar. Er ist Teil des Indikatorensystems der Nachhaltigen Entwicklung von Eurostat (Total unemployment rate).

Definitionen

Erwerbslose gemäss ILO (ILO = International Labour Organization)
Als Erwerbslose gemäss ILO gelten Personen im Alter von 15-74 Jahren, die

  • in der Referenzwoche nicht erwerbstätig waren und
  • die in den vier vorangegangenen Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben und
  • die für die Aufnahme einer Tätigkeit verfügbar wären.

Diese Definition entspricht den Empfehlungen des Internationalen Arbeitsamtes und der OECD sowie den Definitionen von EUROSTAT.

Erwerbspersonen
Als Erwerbspersonen gelten die erwerbstätigen und die erwerbslosen (gemäss ILO) Personen zusammen. Erwerbstätige sind Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die während der Referenzwoche mindestens eine Stunde gegen Entlöhnung gearbeitet haben, oder trotz zeitweiliger Abwesenheit von ihrem Arbeitsplatz (wegen Krankheit, Ferien, Mutterschaftsurlaub, Militärdienst usw.) weiterhin eine Arbeitsstelle als Selbständigerwerbende oder Arbeitnehmende hatten, oder unentgeltlich im Familienbetrieb mitgearbeitet haben. Als Erwerbslose gemäss ILO gelten Personen im Alter von 15–74 Jahren, die in der Referenzwoche nicht erwerbstätig waren und die in den vier vorangegangenen Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben und die für die Aufnahme einer Tätigkeit verfügbar wären.

Unterbeschäftigte
Als Unterbeschäftigte gelten erwerbstätige Personen:

  • die normalerweise eine kürzere Arbeitszeit als 90% der betriebsüblichen Arbeitszeit (vgl. Definition der Normalarbeitsstunden) aufweisen und
  • die mehr arbeiten möchten und
  • die innerhalb von drei Monaten für eine Arbeit mit erhöhtem Pensum verfügbar wären.

Quellen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/nachhaltige-entwicklung/monet/alle-nach-themen/arbeit/erwerbslosenquote.html