Kulturwirtschaft

Die Kultur schafft neben den kulturellen Werten auch ökonomische Werte, beschäftigt Personen, generiert Einkommen. Dies ist Thema der Kulturwirtschaftsstatistik.

Die hier benutzte Definition der Kulturwirtschaft orientiert sich an den Vorgaben von Eurostat. Sie geht von einem eher traditionellen Kulturverständnis aus, erweitert um Sektoren, bei denen die Kreativität zentral ist (z.B. Architektur, Videospiele, Kunsthandwerk, Werbung). Im Gegensatz zur «Creative Economy», die auch die Bereiche IT, Software und Marketing umfasst, liegt hier die Perspektive auf die Kultur im engeren Sinn.

Die Kulturwirtschaft wird gemäss zwei Aspekten untersucht:

  • Kulturbetriebe, d.h. Unternehmen im Kultursektor und ihre Arbeitsstätten und Beschäftigten (Arbeitsstellen)
  • Kulturschaffende im breiteren Sinne, d.h. alle Personen (inkl. Selbständige), die hauptberuflich im Kultursektor arbeiten, plus jene, die einen Kulturberuf hauptberuflich ausserhalb des Kultursektors ausüben.

Kulturschaffende und Corona-Pandemie: Vergleich 2019–2020

Infolge der Covid-19-Pandemie wurde die Statistik der Kulturwirtschaft für den Aspekt der Kulturschaffenden mit neuesten Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) und der Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen (SILC) aktualisiert.

Abnahme der Anzahl Kulturschaffende

2020 wurden im Vergleich zu 2019 –4,7% Erwerbspersonen in der Schweiz zu den Kulturschaffenden gezählt. Dies ist der stärkste Rückgang seit 2010, noch stärker als 2016-2017. Bis 2019 war diese Zahl im Schnitt um 1,3% pro Jahr gewachsen.

Für die erwerbstätigen Kulturschaffenden (also ohne Erwerbslose gemäss ILO) betrug die Abnahme sogar –5,2%, weit höher als bei der gesamten erwerbstätigen Wohnbevölkerung (–0,2%).

Bei den Erwerbstätigen ohne kulturellen Beruf im Kultursektor (z.B. Buchhalter in einem Theater) und bei kulturellen Berufen ausserhalb des Kultursektors (z.B. Grafikerin in einer Bank) war die Abnahme deutlich ausgeprägter mit –6,0% bzw. –7, 8%.

Kulturschaffende 2019 2020 Entwicklung

Erwerbspersonen

312 182

297 640

–4,7%

Erwerbstätige

302 195

286 351

–5,2%

Kultureberufe im Kultursektor

97 061

95 346

–1,8%

Nicht-kulturelle Berufe im Kultursektor

108 638

102 080

–6,0%

Kultureberufe ausserhalb des Kultursektors

96 495

88 925

–7,8%

Quelle: BFS - Statistik der Kulturwirtschaft; SAKE

Mehr erwerbslose Kulturschaffende

Der Anteil der erwerbslosen Kulturschaffenden nach ILO-Definition stieg um 0,6 Prozentpunkte (von 3,2% im Jahr 2019 auf 3,8% im Jahr 2020) und damit stärker als in der gesamten Erwerbsbevölkerung (+0,4 Prozentpunkte; von 4,4% auf 4,8%). Diese Zunahme war bei den kulturellen Berufen ausserhalb des Kultursektors am ausgeprägtesten (+1,0 Prozentpunkte).

Gewisse Gruppen stärker betroffen

Bei den Frauen nahm die Zahl der Kulturschaffenden 2019–2020 eher ab als bei den Männern (–4,8% im Vergleich zu –4,5%) und bei den Schweizer Kulturschaffenden stärker als bei den ausländischen (–4,9% im Vergleich zu –3,7%).

Kulturschaffende mit Vollzeitpensen (–3,1%) waren etwas weniger betroffen als solche mit Teilzeitpensen (–6,3% bei einer 50–89%-Anstellung und –8,5% bei einer weniger als 50%-Anstellung). Kulturschaffende mit einer Betriebszugehörigkeit von 1 Jahr oder weniger (–15,2%) waren stärker von dieser Abnahme betroffen als solche mit einer längeren Betriebszugehörigkeit (–3,4%).

Einen sehr starken Rückgang verzeichneten Selbständigerwerbende mit einem kulturellen Beruf ausserhalb des Kultursektors (–17,2%).

Regionale Unterschiede

Im urbanen Raum ging die Zahl der Erwerbspersonen unter den Kulturschaffenden um –4,4% zurück, in den ländlichen Gemeinden fast dreimal mehr (–12,4%).

Gewisse Grossregionen wie das Tessin, die Ostschweiz oder die Zentralschweiz waren stärker betroffen als die Nordwestschweiz (+0,3%) oder als Zürich (+3,6%), jener Grossregion, in der die Zahl der Kulturschaffenden in den Jahren 2010–2019 bei Weitem am stärksten angestiegen war (+20,9%).

Kulturschaffende
(Erbwerbspersonen)
2019 2020 Entwicklung

Genferseeregion

60 361

56 602

–6,2%

Espace Mittelland

56 343

52 811

–6,3%

Nordwestschweiz

41 004

41 143

+0,3%

Zürich

74 553

77 252

+3,6%

Ostschweiz

35 983

31 339

–12,9%

Zentralschweiz

30 677

26 690

–13,0%

Tessin

13 262

11 803

–11,0%

Quelle: BFS - Statistik der Kulturwirtschaft; SAKE

Pessimistischere subjektive Einschätzung der Kulturschaffenden während des Lockdowns

Die im Frühling 2020 vom BFS durchgeführte Erhebung zu den Lebensbedingungen in der Schweiz (SILC) erlaubt es, ein Bild der subjektiven Einschätzung der Kulturschaffenden vor und während der ersten Corona-Welle zu zeichnen.

Der Anteil der Kulturschaffenden, die finanziell schwierig über die Runden kamen, ist in der Befragung von 5,9% (vor dem Lockdown) auf 12,1% (während des Lockdowns) gestiegen – in der gesamten Erwerbsbevölkerung stieg der Wert von 10,0% auf 11,3%. Der Anteil der Personen, die ihre Arbeitsplatzsicherheit sehr hoch einschätzten, ist bei den Kulturschaffenden stärker gesunken als bei der gesamten Erwerbsbevölkerung, und zwar von 57,1% (vor dem Lockdown) auf 43,9% (während des Lockdowns).

Diese zur Covid-Pandemie aufbereiteten experimentellen Ergebnisse der SILC-Erhebung sind Schätzungen. Nicht zuletzt wegen der beschränkten Stichprobengrösse sind sie mit der nötigen Vorsicht zu interpretieren. Insbesondere lässt sich aus den präsentierten Resultaten kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den diskutierten Anteilen vor und während des Lockdowns ableiten.

Tabelle mit den Daten zur subjektiven Einschätzung:

Zur SILC-Seite auf BFS-experimentelle Statistiken

Das Wichtigste in Kürze

Unternehmen

Kulturbetriebe (2018) Kulturwirtschaft

Anteil an der Gesamtwirtschaft

Unternehmen

63 639

10,5%
Arbeitsstätten

66 122

9,6%
Beschäftigte

234 494

4,5%
Vollzeitäquivalente (VZÄ)

161 433

3,9%
Wertschöpfung (in Franken)

15,2 Mrd.

2,1%
Quellen: BFS - Statistik der Kulturwirtschaft; STATENT, WS

Personen

Kulturschaffende (2020) Kulturwirtschaft

Gesamtwirtschaft

Erwerbspersonen

297 640

6,1%
Arbeitslose gemäss ILO 3,8% 4,8%
Anteil Frauen 50% 47%
Durchschnittsalter 43,5 42,0
Anteil Tertiärabschlüsse 57% 43%
Anteil ausländische Kulturschaffende 20% 27%
Quelle: BFS - Statistik der Kulturwirtschaft; SAKE

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