Bücher und Bibliotheken

Das Buch muss sich immer mehr gegen neue Medien wie das Internet behaupten. Es stellt sich die Frage, welchen Stellenwert die Bevölkerung heute dem Lesen von Büchern im Vergleich zu anderen Medienaktivitäten beimisst. Liest man heutzutage noch Bücher?

Ein Grossteil der Bevölkerung liest Bücher: Über 80% der befragten Personen gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens ein Buch – auf Papier oder in digitaler Form – gelesen zu haben. Im Vergleich mit verschiedenen Medienaktivitäten steht das Lesen von Büchern an dritter Stelle.

Was das Lesen von Büchern betrifft, positioniert sich die Schweiz im Vergleich mit ihren Nachbarländern auf Augenhöhe mit Deutschland (79%), aber vor Österreich und Frankreich (je 73%) sowie deutlich vor Italien (56%). In Schweden (90%) und in den Niederlanden (86%) werden europaweit am meisten Bücher gelesen (Europäische Kommission, 2013).

Bücher: mehr als 80% der Bevölkerung lesen sie, knapp 30% sind sogar Bücherwürmer

Das Lesen von Büchern, in welcher Form auch immer (Papier oder digital), ist nicht nur weit verbreitet (83%), sondern auch eine recht häufig ausgeübte Tätigkeit. Der Anteil der Befragten, die im Verlauf des Jahres nur eine Handvoll Bücher gelesen haben, ist klein. Rund sechs von zehn Personen haben mehr als drei Bücher gelesen, und knapp 30% der Bevölkerung haben im Schnitt sogar mehr als ein Buch pro Monat gelesen.

Bücher werden häufiger zu privaten Zwecken als im Zusammenhang mit der Ausbildung oder der beruflichen Tätigkeit gelesen.

Das Lesen von Büchern ist in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen weit verbreitet. Vor allem Frauen, Schweizer Staatsangehörige sowie Personen mit Tertiärabschluss lesen viel. Auch bei der Lesehäufigkeit gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede: 34% der Frauen sind Leseratten (13 und mehr Bücher pro Jahr), während dies nur bei 22% der Männer der Fall ist. Unter den 15- bis 29-Jährigen lesen mehr Leute Bücher als in den anderen Altersgruppen. Zudem werden in der Deutschschweiz etwas mehr Bücher gelesen als in der italienischsprachigen Schweiz. Personen mit hohem Ausbildungsniveau sowie Schweizer Staatsangehörige lesen besonders viel.

E-Books: knapp ein Fünftel der Bücherleserinnen und -leser liest digital

E-Books werden in der Schweiz von einem recht kleinen Nutzerkreis gelesen. 15% der Bevölkerung haben im Verlauf des Jahres unabhängig vom Lesezweck mindestens ein Buch in digitaler Form gelesen. Ausgehend von den 83%, die Bücher lesen, entspricht dies knapp einem Fünftel der Bücherleserinnen und -leser, die Bücher zumindest gelegentlich in Form eines E-Books lesen.

Die verfügbaren Zahlen zeigen, dass der Anteil von E-Books-Lesenden in der Schweiz niedriger ist als in bestimmten europäischen Ländern. Gemäss einer in Deutschland durchgeführten Studie werden E-Books von 24% der deutschen Bevölkerung gelesen (Bitkom, 2016). Dieser Anteil hat sich in den letzten Jahren kaum verändert. In Frankreich haben 21% der Personen mindestens ein Buch in digitaler Form gelesen (SOFIA/SNE/SGDL, 2017). Die Niederlande weisen eine hohe Anzahl E-Book-Leserinnen und -Leser auf : Der Anteil stieg von 20% im Jahr 2012 auf 35% im Jahr 2014, seither ist er jedoch stabil geblieben (Stichting Lezen, 2016).

Nur wenige Personen lesen ausschliesslich E-Books

E-Books haben sich nur bei einer Minderheit durchgesetzt, werden von dieser aber häufig genutzt. Mindestens 50% der E-Book-Leserinnen und -Leser haben unabhängig vom Lesezweck mindestens die Hälfte der Bücher oder sogar sämtliche Bücher in digitaler Form gelesen. Bei der Leserschaft, die für die Arbeit oder für Ausbildungszwecke auf E-Books zurückgreift, gaben 60% an, einen Grossteil der Bücher bzw. alle Werke in digitaler Form gelesen zu haben. Der Bevölkerungsanteil, der alle Bücher in digitaler Form liest, ist jedoch beschränkt: gemessen an der Gesamtbevölkerung liegt er für beide Lesezwecke bei rund 2%.

Anteil Bücher, die von E-Book-Leserinnen und -Lesern in digitaler Form gelesen werden, nach Zweck, 2014
für private Zwecke gelesene E-Books in % Vertrauensintervall in %
Anteil E-Book-Leserinnen und -Leser der Gesamtbevölkerung, die ...
... weniger als die Hälfte der Bücher als E-Book lesen 5,7 +/–0,4
... mindestens die Hälfte der Bücher als E-Book lesen  3,8 +/–0,3
... alle Bücher als E-Book lesen  2,2 +/–0,3
Leserinnen und Leser, die keine E-Books zu diesem Zweck lesen 88,3 +/–0,6
Total 100,0  
     
für die Ausbildung oder Arbeit gelesene E-Books in % Vertrauensintervall in %
Anteil E-Book-Leserinnen und -Leser der Gesamtbevölkerung, die ...
... weniger als die Hälfte der Bücher als E-Book lesen 2,5 +/–0,3
... mindestens die Hälfte der Bücher als E-Book lesen 1,9 +/–0,2
... alle Bücher als E-Book lesen 1,7  +/–0,2
Leserinnen und Leser, die keine E-Books zu diesem Zweck lesen  94,0 +/–0,4
Total 100,0  
Quelle: BFS – Statistik des Kulturverhaltens (ESRK)
© BFS 2017

Lesen von Comics : Romands, männlich, jung

In der Romandie werden Comics regelrecht verschlungen: Ein Drittel der Bevölkerung dieser Region hat im Verlauf des Jahres mindestens einen Comic gelesen. Damit stehen die Romands gegenüber den anderen Sprachregionen mit grossem Abstand an der Spitze. Diese regionale Besonderheit lässt sich dadurch erklären, dass die Affinität für Comics im frankophonen Raum seit jeher besonders ausgeprägt ist. Zum Vergleich: In Frankreich lesen gemäss der letzten nationalen Studie 29% der Bevölkerung Comics (Donnat, 2009).

Comics sind vor allem bei Männern beliebt. Während 25% der Männer Comics lesen, sind es bei den Frauen nur 16%. Ein weiterer deutlicher Unterschied ist beim Alter festzustellen. Knapp 30% der 15- bis 29-Jährigen lesen Comics. Der Anteil der Comic-Lesenden nimmt mit zunehmendem Alter schrittweise ab. Bei den befragten Personen ab 75 Jahren beläuft er sich nur noch auf 5%. Comics werden mitunter als triviale Unterhaltung wahrgenommen, werden aber häufiger von Personen mit Tertiärabschluss gelesen. Mehr als ein Viertel von ihnen liest Comics.

Bibliotheksbesuche: im Mittelfeld zwischen Theater und Festival

Bibliotheken spielen eine zentrale Rolle für den Erhalt und die Vermittlung von Wissen in Form von Büchern und anderen Medien. Sie haben sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Ort der Freizeitgestaltung, der kulturellen Begegnungen und des Austausches entwickelt.

Bibliotheken und Mediotheken liegen mit einem Besucheranteil von 44% im Mittelfeld. Bibliotheks- und Mediotheksbesuche stehen in der Rangliste zwar zwischen den Theater- und Festivalbesuchen jeglicher Art, aber relativ deutlich hinter den drei am häufigsten ausgeübten Aktivitäten (Besuch von Museen, Ausstellungen oder Galerien; Besuch von Konzerten und anderen Musikanlässen; Besuch von Denkmälern oder historischen Stätten).

Bibliotheken und Mediotheken werden in der Schweiz zwar nicht so oft besucht wie andere Einrichtungen, aber deutlich mehr als im EU-Durchschnitt (31%). Die Schweiz übertrifft bei den Bibliotheksbesuchen ihre Nachbarländer Frankreich (33%), Deutschland (23%), Österreich (22%) und Italien (24%). Sie liegt jedoch weit hinter den nordeuropäischen Ländern, insbesondere hinter Dänemark (63%) und Schweden, wo drei Viertel der Bevölkerung (74%) in Bibliotheken gehen (Europäische Kommission, 2013).

Bibliotheken werden sehr fleissig besucht

Bibliotheken und Mediotheken werden relativ häufig besucht und ihr Angebot wird auch intensiv genutzt. Knapp die Hälfte der Besucherinnen und Besucher sucht diese Einrichtungen unabhängig vom Besuchszweck häufig auf (sieben Mal pro Jahr und mehr). Gemäss der BFS-Statistik des Kulturverhaltens werden Bibliotheken und Mediotheken häufiger besucht als andere Einrichtungen wie beispielsweise Kinos (ein Drittel des Publikums hat hier eine hohe Besuchshäufigkeit) oder Denkmäler und historische Stätten (ein Viertel).

Fast die Hälfte der Frauen hat im Verlauf des Jahres eine Bibliothek oder Mediothek aufgesucht, bei Männern waren es 40%. Der Besuch dieser Einrichtungen hängt auch stark mit dem Ausbildungsniveau zusammen: 56% der Personen mit Tertiärabschluss sind in eine Bibliothek gegangen, bei den Personen mit einer Ausbildung auf Sekundarstufe I oder II waren es weniger als 40%. Junge besuchen generell häufiger eine Bibliothek. Zwei Drittel der 15- bis 29-Jährigen waren im Verlauf des Jahres in einer Bibliothek, während bei den höheren Altersgruppen nur rund 50% oder weniger das Angebot nutzten.

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