F+E-Aufwendungen der Privatwirtschaft

Dieser Indikator erlaubt eine detaillierte Beschreibung der F+E-Finanzierung sowie der F+E-Aufwendungen (F+E = Forschung und Entwicklung) der Privatunternehmen in der Schweiz.
Er geht zuerst auf die unterschiedlichen Strategien der Wirtschaftszweige in Sachen F+E ein. Danach vergleicht er die finanziellen Aufwendungen für F+E der Schweizer Privatunternehmen mit den entsprechenden Aufwendungen der Unternehmen in den übrigen OECD-Ländern. Anhand des Indikators lassen sich auch die finanziellen Aufwendungen für F+E im Zeitverlauf beobachten.

Dieser Indikator wird in folgenden Dimensionen gezeigt:

Tabellen

Der oberstehende Link führt zur Excel-Datei, welche alle Tabellen und Grafiken des Indikators enthält.

Methodologie

Erhebung zur Forschung und Entwicklung (F+E) in den Privatunternehmen in der Schweiz, 2017
Die Daten zu den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F+E) in den privaten Unternehmen stammen aus einer Erhebung, die bei Privatunternehmen in der Schweiz mittels Fragebogen durchgeführt wurde. Die Erhebung liefert Angaben zu den finanziellen und personellen Ressourcen, die die Unternehmen im Kalenderjahr 2017 für F+E in der Schweiz und im Ausland aufgewendet haben. Ab 1983 (als die erste Erhebung zusammen mit Vorort – der heutigen economiesuisse – durchgeführt wurde) fand zuerst alle drei Jahre eine Erhebung zu diesem Thema statt. 1992 wurde dann auf einen Vierjahresrhythmus umgestellt.

Erhebung in zwei Etappen

Seit 2008 wird die F+E-Erhebung in der Privatwirtschaft in zwei Etappen durchgeführt. Die erste Etappe – das Screening – dient zur Identifikation der privaten Unternehmen, die in der Schweiz aktiv Forschung und Entwicklung betreiben. Dabei erhalten die Unternehmen einen Fragebogen mit einer einzigen Frage: «Hatte Ihr Unternehmen im laufenden Kalenderjahr Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen getätigt oder geplant, solche zu tätigen?» In der zweiten Etappe, der eigentlichen Erhebung, werden anschliessend nur diejenigen Unternehmen befragt, die diese Frage im Screening bejaht haben.

Populationen der F+E-Erhebung
Die Auswahl der Population der F+E-Erhebung erfolgt ebenfalls in mehreren Etappen. Dabei dient das Betriebs- und Unternehmensregister (BUR) des Bundesamtes für Statistik (BFS) als Grundgesamtheit.

Die Definition der Zielpopulation wird auf der Grundlage der rund 370’000 Unternehmen vorgenommen, die zum Zeitpunkt der Erhebung im BUR eingetragen sind (Grundgesamtheit). Unternehmungen, die bereits in anderen F+E-Erhebungen erfasst werden – beispielsweise Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung oder Hochschulen –, werden als erste von der Zielpopulation ausgeschlossen. Die Mehrheit der verbleibenden Unternehmen gehören Wirtschaftsbereichen wie etwa der Hotellerie oder dem Verkehr an, die kaum F-E betreiben. Sie werden ebenfalls automatisch von der Zielpopulation ausgeschlossen. Von den Unternehmen der restlichen Wirtschaftszweige werden schliesslich nur jene berücksichtigt, die 10 oder mehr Personen beschäftigen. Die einzige Ausnahme von dieser Regel bildet der Wirtschaftszweig «Forschung und Entwicklung», der eine hohe F+E-Intensität aufweist und vollumfänglich befragt wird.

Die Zielpopulation wird anhand der beiden Kriterien Unternehmensgrösse und Wirtschaftszweig in Schichten unterteilt. Der Screening-Fragebogen wird nur an Unternehmen der Zielpopulation gerichtet. Die Unternehmen, die beim Screening angeben, Forschung und Entwicklung zu betreiben, bilden die Referenzpopulation der eigentlichen F+E-Erhebung.

F+E-Branchen
Im Betriebs- und Unternehmensregister (BUR) sind die Unternehmen nach Branchen gemäss der Allgemeinen Systematik der Wirtschaftszweige (NOGA) gegliedert. Die hier vorgestellte Erhebung basiert auf der NOGA 2008. Im Schweizer Wirtschaftsgeflecht ist der Anteil der Kleinunternehmen, die über weniger als 10 Mitarbeitende verfügen und damit aus der Zielpopulation der Erhebung fallen (ausgenommen die Branche «Forschung und Entwicklung»), sehr hoch. Sowohl aufgrund dieses Umstands als auch wegen der niedrigen Antwortquote in gewissen Branchen ist eine Publikation der Ergebnisse auf der Stufe der NOGA-Wirtschaftszweige nicht möglich. Aus diesem Grund wurden sie in zehn Kategorien von Branchen, die F+E betreiben, zusammengefasst. Diese zehn F+E-Branchen sind:

  •  Nahrungsmittel
  •  Chemie
  •  Pharma
  •  Metall
  •  Maschinen
  •  Hochtechnologieinstrumente
  •  IKT*-Herstellung
  •  IKT*-Dienstleistungen
  •  Forschung und Entwicklung
  •  Andere

* IKT: Informations- und Kommunikationstechnologien.

Unterscheidung zwischen «F+E-Wirtschaftszweig» und «F+E-Empfängerbranche»
In der Statistik werden Unternehmen aufgrund ihrer Haupttätigkeit in verschiedene Wirtschaftszweige gegliedert. Im Bereich F+E wird diese Aufschlüsselung der Einheiten seit einigen Jahren immer komplexer. In den meisten Fällen ist die Situation einfach: Die Unternehmen führen die F+E auf eigene Rechnung innerhalb ihres Haupttätigkeitsfeldes durch. Konkret heisst dies, dass ein Unternehmen, das Forschung betreibt, das Produkt dieser Forschung selber verwendet. Der F+E-Produzent ist somit zugleich auch F+E-Empfänger.

In anderen, immer zahlreicher werdenden Fällen stimmen Produzent und Empfänger jedoch nicht mehr überein. Die häufigsten Fälle sind die folgenden:
1.      Das Unternehmen, das F+E auf eigene Rechnung durchführt, ist in mehreren Wirtschaftsbereichen tätig.
2.      Das Unternehmen führt F+E für andere Unternehmen durch (meist für Unternehmen derselben Unternehmensgruppe), wobei diese Einheiten in anderen Wirtschaftszweigen tätig sind.

Bei beiden Fällen liegt keine direkte Übereinstimmung zwischen Produktions- und Empfängerbranche mehr vor. Ein Beispiel: Eine multinationale Unternehmensgruppe, die hauptsächlich in der Lebensmittelindustrie tätig ist, vereinigt sämtliche F+E-Aktivitäten bei einer einzigen Unternehmenseinheit. Da diese Einheit selbst keine Lebensmittel produziert, kann sie nicht der Hauptbranche der Unternehmensgruppe angehören. Gemäss Klassifikation der Wirtschaftszweige fällt ihre Tätigkeit entweder unter die Branche Unternehmensberatung oder Dienstleistungen für Unternehmen oder unter die Branche «Forschung und Entwicklung». In beiden Fällen stimmt das Tätigkeitsfeld nicht mehr mit der Haupterwerbstätigkeit – der Lebensmittelindustrie – überein.

Um die Unternehmen ihren jeweiligen Branchen korrekt zuteilen zu können und dabei eine wirtschaftlich angemessene Auslegung der Ergebnisse zu garantieren, hat das BFS entschieden, den Fragebogen ab 2012 um folgende Frage zu ergänzen:

«In welchem Wirtschaftszweig bzw. welchen Wirtschaftszweigen wird das Ergebnis der F+E, die vom Unternehmen durchgeführt wird, verwendet?»

Dank dieser Zusatzfrage können die Daten nun aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln präsentiert werden:
-  «nach Wirtschaftszweig». Dieser Ansatz zeigt, welchem Wirtschaftszweig das Unternehmen, das F+E durchführt, angehört.
-  «nach Empfängerbranche». Dieser Ansatz zeigt, in welchem Wirtschaftszweig die durchgeführte F+E verwendet wird.

Methodische Unterschiede zu den früheren F+E-Erhebungen in den Unternehmen
Population:
Seit 2008 wird die Referenzpopulation auf der Basis eines Screenings zusammengestellt, wodurch eine gezieltere Auswahl der Teilnehmenden an der F+E-Erhebung gewährleistet ist. Ebenfalls seit 2008 ist die Zielpopulation grösser als im Jahr 2000 und insbesondere 2004, als die Branche «Andere» anlässlich der Definition des Stichprobenrahmens gestrichen worden war.

Klassifizierung nach NOGA: Bis 2008 wurden die Unternehmen nach Branchen gemäss der Allgemeinen Systematik der Wirtschaftszweige (NOGA 2002) gegliedert. Um einen Vergleich zwischen den Erhebungen zu ermöglichen, wurden die Ergebnisse je Branche von 1996 und 2000 rückwirkend der NOGA 2002 angepasst (retropoliert). Die F+E-Erhebung 2012 basiert neu auf der NOGA 2008. Damit die Entwicklung der einzelnen Branchen verfolgt werden kann, wurden die Ergebnisse der vorangehenden F+E-Erhebungen rückwirkend auf die NOGA 2008 umgerechnet. Dies hat bei den Ergebnissen der einzelnen F+E-Branchen zu gewissen Abweichungen gegenüber den Daten geführt, die basierend auf der NOGA 2002 publiziert worden waren.

Banken und Versicherungen: Seit 2000 nehmen die Banken nicht mehr an der F+E-Erhebung teil. Die meisten befragten Versicherungsunternehmen haben Daten zur Verfügung gestellt. 2008 und 2012 lieferten jedoch zu wenige Versicherungsunternehmen Daten, als dass Ergebnisse für diese Branche hätten veröffentlicht werden können.

Neue Technologien: Daten zur biotechnologischen Forschung werden seit 2000 erhoben, jene zur nanotechnologischen Forschung seit 2004. 2008 und 2012 wurden zudem Daten zur Softwareforschung erhoben.

Online-Erhebung: 2008 wurde erstmals eine Online-Version der Erhebung zur Verfügung gestellt. Die Unternehmen können somit zwischen dem Ausfüllen der klassischen Papierversion oder der Beantwortung des Fragebogens via Internet wählen.

Seit 2000 erhalten sämtliche Grossunternehmen (100 Mitarbeitende und mehr) einen Fragebogen.

Zusammensetzung der F+E-Branchen (Regruppierung der NOGA-Branchen)

Name der Abteilung NOGA 2008

NOGA 2008-Branchen

1. Nahrungsmittel

10, 11, 12

Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln

10

Getränkeherstellung

11

Tabakverarbeitung

12

2. Chemie

19, 20, 22

Kokerei und Mineralölverarbeitung

19

Herstellung von chemischen Erzeugnissen

20

Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren

22

3. Pharma

21

Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen

21

4. Metall

24, 25

Metallerzeugung und -bearbeitung

24

Herstellung von Metallerzeugnissen

25

5. Maschinen

27, 28, 29, 30 (ohne 303)

Herstellung von elektrischen Ausrüstungen

27

Maschinenbau

28

Herstellung von Automobilen und Automobilteilen

29

Sonstiger Fahrzeugbau
Ohne : Luft- und Raumfahrzeugbau

30 (ohne 303)

6. Hochtechnologieinstrumente

265, 267, 303

Herstellung von Mess-, Kontroll-, Navigations- u. ä. Instrumenten und Vorrichtungen; Herstellung von Uhren

265

Herstellung von optischen und fotografischen Instrumenten und Geräten

267

Luft- und Raumfahrzeugbau

303

7. IKT - Fabrikation

26 (ohne 265 267)

Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen
Ohne : Herstellung von Mess-, Kontroll-, Navigations- u. ä. Instrumenten und Vorrichtungen; Herstellung von Uhren;  Herstellung von optischen und fotografischen Instrumenten und Geräten

26 (ohne 265 267)

8. IKT - Dienstleistungen

465, 582, 61, 62, 631, 951

Grosshandel mit Geräten der Informations- und Kommunikationstechnik

465

Verlegen von Software

582

Telekommunikation

61

Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie

62

Datenverarbeitung, Hosting und damit verbundene Tätigkeiten; Webportale

631

Reparatur von Datenverarbeitungs- und Telekommunikationsgeräten

951

9. Forschung und Entwicklung

72

Forschung und Entwicklung

72

10. Andere
Die Branche "Andere" umfasst alle Wirtschaftszweige, bei denen F+E nur marginal oder in unbedeutender Weise betrieben wird.

5-9, 13-18, 23, 31, 32, 35-42, 53, 58 (ohne 582), 59-60, 69-71, 73, 75

Kohlenbergbau; Gewinnung von Erdöl und Erdgas ; Erzbergbau; Gewinnung von Steinen und Erden, sonstiger Bergbau; Erbringung von Dienstleistungen für den Bergbau und für die Gewinnung von Steinen und Erden

5-9

Herstellung von Textilien; Herstellung von Bekleidung; Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen; Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel); Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus;
Herstellung von Druckerzeugnissen; Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bild- und Datenträgern

13-18

Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden

23

Herstellung von Möbeln

31

Herstellung von sonstigen Waren

32

Energieversorgung; Wasserversorgung; Abwasserentsorgung; Sammlung, Behandlung und Beseitigung von Abfällen; Rückgewinnung; Beseitigung von Umweltverschmutzungen und sonstige Entsorgung ; Hochbau; Tiefbau

35-42

Post-, Kurier- und Expressdienste

53

Verlagswesen
Ohne: Verlegen von Software

58 (ohne 582)

Herstellung, Verleih und Vertrieb von Filmen und Fernsehprogrammen; Kinos; Tonstudios und Verlegen von Musik; Rundfunkveranstalter

59-60

Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung; Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben; Unternehmensberatung; Architektur- und Ingenieurbüros; technische, physikalische und chemische Untersuchung

69-71

Werbung und Marktforschung

73

Veterinärwesen

75

 Ausgeschlossene Wirtschaftszweigen

33 43 45 46 (ohne 465) 47 49-52 55-56 63 (ohne 631) 66 68 74 77-82 84-94 95 (ohne 951) 96-99

Befragte Unternehmen
Aktive Unternehmen L13.
Ohne Unternehmen L17 und L18, die kein Personal beschäftigen (BETOT = 0).
Ohne öffentliche Unternehmen (E27), ausgenommen «Die Post» (inbegriffen).
Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigten (BETOT ≥ 0), ausser für die Branche 72 (Forschung und Entwicklung).
Für die Branche 72: Unternehmen ab BETOT = 1.

Hinweis
In der Praxis sind die Abgrenzung und die Bemessung der F+E nicht ganz unproblematisch. So werden die finanziellen Ressourcen, und vor allem die für F+E aufgewendete Arbeitszeit, sehr oft geschätzt. Daher sollten die aufgeführten Daten als Grössenordnungen betrachtet werden, die als solche aber zuverlässig sind.

Definitionen

Publikationen

Quellen

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Wirtschaftsstrukur und -analysen
Espace de l'Europe 10
CH-2010 Neuchâtel
Schweiz
Tel.
+41 58 463 62 99

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/bildung-wissenschaft/technologie/indikatorsystem/zugang-indikatoren/w-t-input/f-e-aufwendungen-privatwirtschaft.html