Sekundarstufe II: Abschlussquote

Auf der Sekundarstufe II qualifizieren sich die Jugendlichen nach der obligatorischen Schule zum ersten Mal. Eine abgeschlossene Ausbildung auf der Sekundarstufe II öffnet also nicht nur den Zugang zur nächsten Bildungsstufe. Sie bereitet junge Erwachsene ebenfalls darauf vor, als qualifizierte Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt einzutreten. Ein Abschluss auf der Sekundarstufe II wird heutzutage als minimale Voraussetzung für einen erfolgreichen Eintritt in das Erwerbsleben betrachtet.

Die Quote der Erstabschlüsse auf der Sekundarstufe II dient der Beurteilung, inwiefern die Schweiz eines der gemeinsamen politischen Ziele im Bildungsbereich erreicht, das vom Bund, den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt festgelegt wurde: 95% aller 25-Jährigen verfügen über einen Abschluss der Sekundarstufe II.  

Tabellen


Methodologie

Berechnungsmethode

Mittlere Nettoquote über 3 Jahre
Ab 2015, die Quote der Erstabschlüsse auf der Sekundarstufe II misst den Anteil der obligatorischen Schule ausgetretenen Jugendlichen bis zum 25. Altersjahr, die in der Schweiz einen Erstabschluss auf der Sekundarstufe II erworben haben in der Referenzbevölkerung.

Die Abschlussquote wird als Nettoquote ausgewiesen und stellt den Anteil von Personen einer synthetischen Alterskohorte dar, die einen Abschluss erwirbt. Netto-Abschlussquoten bleiben unbeeinflusst von Änderungen des Umfangs der entsprechenden Bevölkerungsgruppe oder des typischen Abschlussalters. Sie werden berechnet, indem man für jeden einzelnen Altersjahrgang die Zahl der Zertifizierten durch die entsprechende Bevölkerung dividiert und diese Quoten über alle Altersjahrgänge aufsummiert.

Für eine bessere Stabilität der Ergebnisse wird ein Dreijahresdurschnitt berechnet. Die Quote für das Jahr X entspricht folglich dem Durchschnitt der für die Jahre X-1, X und X+1 erhaltenen Werte.

Bei der Berechnung werden die folgenden Abschlüsse berücksichtigt:

  • Berufliche Grundbildung: die eidgenössischen Fähigkeitszeugnisse und Berufsatteste gemäss der Statistik der beruflichen Grundbildung (SBG);
  • Allgemeinbildende Ausbildungen: die gymnasialen Maturitäten, die Fachmittelschulausweise (FMS-Ausweise) und die Abschlüsse der internationalen Schulen in der Schweiz gemäss der Statistik der Bildungsabschlüsse (SBA).

Da die Quote nur die Erstabschlüsse auf der Sekundarstufe II betrifft, werden Abschlüsse, die einer zweiten Zertifizierung entsprechen (Berufsmaturität, Fachmaturität, Abschlüsse von Passerellenlehrgängen zur Tertiärstufe), sowie auch Zweit- oder nach einer Erfassung auf der Tertiärstufe erworbene Abschlüsse nicht einbezogen. Eine Person, die in die Tertiärstufe eintritt, nachdem sie als Lernend(r) auf der Sekundarstufe II erfasst worden ist, gilt jedoch als zertifiziert, selbst wenn ihr Abschluss auf der Sekundarstufe II nicht erfasst worden ist.

Die Referenzbevölkerung besteht aus allen Personen, die im Alter des Beendens der obligatorischen Schule in der Schweiz wohnten. Ausgenommen sind Grenzgängerinnen und Grenzgänger sowie Personen, die im Zuge der jüngsten Zuwanderung nach beendeter obligatorischer Schulzeit in die Schweiz gekommen sind. Jugendliche, die das Land vor dem Erwerb eines Abschlusses auf der Sekundarstufe II verlassen haben, werden ebenfalls nicht berücksichtigt. Diese Auswahl gewährleistet die Kohärenz zwischen dem Zähler (zertifizierte Personen) und dem Nenner (Referenzbevölkerung).

Ausserdem werden bei der Abschlussquote nur Personen bis zu einem Alter von 25 Jahren betrachtet. Dies ist zum einen mit dem oben erwähnten Ziel von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt zu erklären, das sich explizit auf diese Altersgruppe bezieht. Zum anderen lässt sich anhand der verfügbaren Daten für ältere Personen nicht bestimmen, ob die von ihnen erworbenen Abschlüsse Erstabschlüsse sind oder nicht.

Dimensionen

Entwicklung
Die veröffentlichten Werte der Quoten können aus zwei Hauptgründen im Nachhinein revidiert werden. Zum einen können die Erhebungen rückwirkend korrigiert werden, z.B. wenn nachträglich Lücken aufgedeckt werden. Zum anderen kann die Beobachtung der Bildungsverläufe nachträglich zeigen, dass eine Zertifizierung der Sekundarstufe II erteilt wurde, obwohl sie nicht erfasst wurde. Typischerweise deutet ein Eintritt in eine Hochschule in der Regel darauf hin, dass ein Abschluss der Sekundarstufe II erworben wurde, auch wenn er aus dem einen oder anderen Grund nicht erhoben wurde. Diese beiden Phänomene bewirken, dass die Werte der zu einem bestimmten Zeitpunkt veröffentlichten Quoten leicht revidiert werden können, wenn neue Daten verfügbar werden. So wurden die Quote der Erstabschlüsse auf der Sekundarstufe II und die Maturitätsquote für das Jahr 2015, die im Januar 2018 veröffentlichten wurden, im November 2018 um 0,2% bzw. 0,1% nach oben revidiert

Nationalität
Der Migrationsstatus, der in diesem Indikator verwendet wird, ist eine vereinfachte Version der « Typologie der Bevölkerung nach Migrationsstatus », wie sie vom BFS definiert wurde. Er basiert auf der aktuellen Staatsangehörigkeit und dem Geburtsort der Personen, ohne den Geburtsort der Eltern zu berücksichtigen, da diese Information in den genutzten Daten nicht vorhanden ist.

Kanton
Das Kriterium für den kantonalen Vergleich ist der Wohnkanton, d.h. der Kanton, in dem die Schüler/innen und Studenten/innen ihren gesetzlichen Wohnsitz haben.

Die Kantone Basel-Stadt (BS) und Basel-Landschaft (BL) haben eine Schulreform umgesetzt, die dazu geführt hat, dass die Zahl der im Jahr 2017 erteilten gymnasialen Maturitätszeugnisse um rund ein Drittel (BS) oder auf fast Null (BL) gesunken ist. Um zu vermeiden, dass diese Reform die Quote der Erstabschlüsse auf der Sekundarstufe II und die Maturitätsquote künstlich reduziert, wurde die Verleihung solcher Titel auf der Grundlage des durchschnittlichen Erfolgs der fünf vorangegangenen Lernendenkohorten aus den gymnasialen Maturitätsschulen dieser Kantone geschätzt. Dadurch konnte verhindert werden, dass die Quoten durch ein Phänomen beeinflusst werden, das nicht eine Entwicklung der Qualifikation der Schweizer Bevölkerung, sondern eine Veränderung der Organisation des Bildungssystems widerspiegelt. (PS: Da es sich bei den veröffentlichten Quoten um Dreijahresmittelwerte handelt, fliessen die im Jahr 2017 erteilten Abschlüsse in die Berechnung der Ergebnisse der Jahre 2016, 2017 und 2018 ein.)

Für kleinere Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel kleine Kantone, ist es möglich, dass Nettoquoten 100% übersteigen können. Auch können die Resultate zwischen den Jahren grösseren Veränderungen ausgesetzt sein.

Andere Eigenschaften des Indikators

Die Methode, die das BFS bis 2012 zur Schätzung der Quote der Erstabschlüsse auf der Sekundarstufe II anwendete, entsprach der damals noch beschränkten Qualität der verfügbaren Daten. Die Berechnungen stützten sich auf ein typisches Alter beim Abschluss anstatt auf das tatschliche Alter, die Bevölkerung im Zähler und im Nenner stimmten nur annähernd überein und anhand der verfügbaren Daten konnten Doppelzählungen nicht korrekt identifiziert werden. Dank der Einführung des einheitlichen Identifikators (AHVN13) in den Personenregistern von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie der Modernisierung der Bildungsstatistiken können die Quoten nun ohne Doppelzählungen auf verschiedenen Stufen und nach unterschiedlichen Kriterien berechnet werden. Aus all diesen Gründen können die in diesem Indikator dargestellten Werte nicht mit den bisherigen Ergebnissen verglichen werden, deshalb hat der Indikator noch keine Zeitreihe.

Der Vorteil der Nettoquote, die zur Berechnung des Indikators verwendet wird, liegt darin, dass sie nicht von demografischen Veränderungen beeinflusst ist. Sie reagiert hingegen auf strukturelle Veränderungen im Bildungssystem wie beispielsweise eine Verlängerung oder Verkürzung der Ausbildungsdauer, die zu unter- oder überschätzten Quoten führen kann.

Periodizität

Jährlich

Nächste Aktualisierung

Oktober 2019

Definitionen

Links

Quellen

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