Einstellungen gegenüber Schwarzen

Im Gegensatz zu anderen Minderheiten, die sich nicht durch bestimmte Körpermerkmale von der Mehrheit unterscheiden, fallen Schwarze durch ihre Hautfarbe in der Gesellschaft auf. Die nachfolgenden Zahlen geben Auskunft über die Einstellungen der Bevölkerung zu dieser Personengruppe. Indirekt zeigen die Zahlen, auf welche Hindernisse Schwarze in der Schweiz stossen können.

Stereotype

Die Prävalenz von Stereotypen über Schwarze ist gering. Positive Stereotype sind häufiger (9%) als negative Stereotype (6%). Spiegelbildlich werden die negativen Eigenschaften tendenziell häufiger abgelehnt (7%) als die positiven Eigenschaften (5%). 4% der Bevölkerung lehnen Verallgemeinerungen über die Gruppe sowie eine Kategorisierung via Stereotype ab.

Einstellungen

Obwohl die Schweiz keine Kolonien besass, werden die Ansichten der Bevölkerung zur Rolle der Schweiz während des Kolonialismus und der Sklaverei untersucht.

Fast 70% der Bevölkerung der Schweiz lehnen die Aussage ab, dass schwarze Menschen sich zu oft über die während des Kolonialismus erfahrenen Leiden beklagen. 51% der Bevölkerung sind mit der Aussage nicht einverstanden, dass Rassismus gegenüber Schwarzen weniger ausgeprägt sei, da die Schweiz keine Kolonien besessen hat. Ein Drittel der Bevölkerung fände eine Entschädigung für das Leiden, das schwarzen Menschen mit der Sklaverei zugefügt wurde, angemessen.

Die Bevölkerung tendiert einerseits dazu, die Diskriminierung gegenüber Schwarzen zu bestätigen und andererseits das Vorhandensein von Rassismus gegenüber Schwarzen in der Schweiz abzulehnen.

76% der Bevölkerung sind der Auffassung, dass Schwarze in der Schweiz grössere Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche haben und 72% bestätigen die Existenz von Diskriminierungen in der Arbeitswelt und deren negative Auswirkungen auf das Arbeitsklima. 43% der Bevölkerung sind nicht der Meinung, dass Rassismus gegenüber Schwarzen ein sekundäres Problem ist, und 45% sind mit der Aussage, dass Schwarze sich zu oft über Diskriminierung beschweren, nicht einverstanden.

Alltagssituationen und rassistisches Verhalten

Anhand von Szenarien aus dem täglichen Leben geben die folgenden Daten Aufschluss darüber, wie die Bevölkerung bestimmte Verhaltensweisen als rassistisch empfindet und inwieweit sie die Definitionen von Rassismus teilt.

Bewegen Sie den Mauszeiger über die Punkte in der unten stehenden interaktiven Grafik, um die Beschreibung der verschiedenen Situationen anzuzeigen.

Alltagssituationen, die "klassische" Formen von Rassismus gegenüber Schwarzen darstellen, werden von der Bevölkerung häufiger als rassistisch erkannt als Situationen, die sich auf "neue" Formen von Rassismus beziehen. Werden sämtliche Situationen zu den klassischen Rassismusformen zusammen betrachtet, beurteilen 45% der Bevölkerung diese Verhaltensweisen systematisch als rassistisch beurteilt. Obwohl im Gegensatz zu den klassischen Formen insgesamt weniger häufig erkannt, werden die neuen Formen von Rassismus gegenüber Schwarzen durchaus von der Mehrheit der Bevölkerung wahrgenommen. 17% der Bevölkerung stufen das Verhalten in sämtlichen untersuchten neuen Situationen als rassistisch ein.

Weiterführende Informationen

Publikationen

Tabellen

Definitionen

Schwarze

Personen, die als Schwarze wahrgenommen werden oder sich selbst als Schwarze bezeichnen. Es ist davon auszugehen, dass es sich im Wesentlichen um Personen afrikanischer Herkunft handelt. Letztere sind gemäss Definition der UNO als Nachkommen der afrikanischen Opfer der Sklaverei zu verstehen, als Afrikanerinnen und Afrikaner sowie deren Nachkommen, die nach der Unabhängigkeit ihres Landes  nach Europa, Kanada oder in den Mittleren Osten ausgewandert sind (ggf. zwecks Arbeitssuche).

Antischwarzer Rassismus

Rassismus gegen Schwarze bezieht sich direkt auf ein sichtbares Merkmal, nämlich die Hautfarbe. Bei dieser Form von Rassismus werden einer Person negative Verhaltens- oder Persönlichkeitseigenschaften aufgrund ihrer äusseren Erscheinung zugeschrieben. Antischwarzer Rassismus wird massgeblich durch die Bilder und Werte getragen, die durch die Sklaverei und den Kolonialismus geprägt wurden. Antischwarzer Rassismus – auf der Interindividuellen Ebene – umfasst Situationen, Handlungen und Ereignisse, bei denen sich als schwarz wahrgenommene oder sich selbst als schwarz bezeichnende Personen aufgrund ihrer Hautfarbe oder anderer phänotypischer Merkmale herabgesetzt, lächerlich gemacht, ausgeschlossen oder auf sonstige Art und Weise diskriminiert fühlen.

"Klassischer" (ursprünglicher) Rassismus

Rassismus, der vorgibt, auf den "natürlichen" Unterschieden aufzubauen, und sich so einer wissenschaftlichen Argumentation bedient.

"Neue Formen" von Rassismus

Kultureller Rassismus, Rassismus ohne Rasse, Neorassismus: Form von Rassismus, der kulturelle oder ethnische Unterschiede ohne Verweis auf angebliche biologische Unterschiede hervorhebt und sie auf essenzialistische Weise naturalisiert.

Perfider, subtiler Rassismus: nicht eindeutig interpretierbare Ausdrucksformen von Rassismus, die sich bisweilen in der (pseudo)positiven Form eines kulturellen Differentialismus zeigen.

Alltäglicher Rassismus: wiederkehrende Fragen oder Handlungen, die einen versteckten rassistischen Charakter haben oder auf Unwissenheit, Unkenntnis oder harmloser Neugier beruhen.

Institutioneller, kontextueller Rassismus: (un)beabsichtigte Ergebnisse der staatlichen Politik bzw. bestimmter Institutionen, die keine Chancengleichheit garantieren und unter Umständen zur Stigmatisierung bzw. zum Ausschluss bestimmter Bevölkerungsgruppen beitragen.

Quellen

Quelle: Erhebung "Diversität": Diskriminierung von Schwarzen in der Schweiz

Ad-hoc Modul : ZidS
Jahr: 2017

Grundgesamtheit: Ständige Wohnbevölkerung von 15 bis 88 Jahren
Ungewichtete Anzahl Personen: n (Total) = 2899

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Demografie und Migration
Espace de l'Europe 10

CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung/migration-integration/zusammenleben-schweiz/schwarze-schweiz.html