Einstellungen gegenüber Schwarzen

Die nachstehend präsentierten Zahlen, die im Rahmen eines Vertiefungsmoduls der Erhebung zum Zusammenleben in der Schweiz (ZidS) erfasst wurden, geben Auskunft über die Einstellungen der Bevölkerung der Schweiz gegenüber schwarzen Menschen. Erfasst werden Meinungen, Wahrnehmungen und Stereotype bezüglich dieser Bevölkerungsgruppe. Indirekt zeigen die Zahlen, auf welche Hindernisse Schwarze in der Schweiz stossen können.

Je nach Indikator ändern sich die Einstellungen gegenüber der Gruppe, was insbesondere unterschiedliche methodische Entscheidungen und Herangehensweisen widerspiegelt.

Stereotype: Zwischen Zustimmung und Ablehnung

Basierend auf den Reaktionen auf Stereotype erfasst dieser Indikator, wie schwarze Menschen von der Bevölkerung wahrgenommen werden. Folgende Grafik zeigt zwei mögliche Reaktionen auf bestimmte stereotypische (vorwiegend aus der Kolonialzeit übernommene) Eigenschaften, die den Personen zugeschrieben werden: einerseits die systematische Zustimmung, andererseits die systematische Ablehnung der vorgeschlagenen Eigenschaften.

Der Anteil der Bevölkerung, der findet, dass die Schwarzen zugeschriebenen Eigenschaften zutreffen, variiert je nach deren Art. Die systematische Zustimmung beläuft sich bei den negativen Eigenschaften auf 6%, während sie bei den positiven Eigenschaften 9% beträgt.

Spiegelbildlich zu den Ergebnissen zur Zustimmung werden die negativen Eigenschaften tendenziell häufiger abgelehnt (7%) als die positiven Eigenschaften (5%). 4% der Bevölkerung lehnen sämtliche genannten Eigenschaften ab; diese Personen lehnen Verallgemeinerungen über die Gruppe sowie eine Kategorisierung via Stereotype ab.


Einstellungen zu Kolonialismus und Sklaverei

Obwohl die Schweiz keine Kolonien besass, könnte angenommen werden, dass sich in der Bevölkerung die damit zusammenhängenden Meinungen und Konstrukte trotzdem festsetzen. Die folgenden Zahlen geben gemessen an der Reaktion zu bewusst polemischen Aussagen Auskunft über die Ansichten der Bevölkerung zur Rolle der Schweiz während des Kolonialismus und der Sklaverei.

Fast 70% der Bevölkerung der Schweiz lehnen die Aussage ab, dass schwarze Menschen sich zu oft über die während des Kolonialismus erfahrenen Leiden beklagen. 51% der Bevölkerung sind mit der Aussage nicht einverstanden, dass Rassismus gegenüber Schwarzen weniger ausgeprägt sei, da die Schweiz keine Kolonien besessen hat. Ein Drittel der Bevölkerung fände eine Entschädigung für das Leiden, das schwarzen Menschen mit der Sklaverei zugefügt wurde, angemessen. 61% lehnen hingegen eine finanzielle Entschädigung ab. Die restlichen 8% äussern sich nicht zum Recht auf eine solche Entschädigung.

Einstellungen zu Rassismus

Die folgenden Zahlen informieren gemessen an der Reaktion auf bewusst polemische Aussagen über die Ansichten der Bevölkerung der Schweiz zum Rassismus gegenüber Schwarzen.

Anhand mehrerer Aussagen über Diskriminierung und Rassismus wurden die Ansichten der Bevölkerung der Schweiz gegenüber Schwarzen gemessen. Daraus ergeben sich zwei Trends: zum einen die Bestätigung der Diskriminierung gegenüber Schwarzen und zum anderen die Tendenz, das Vorhandensein von Rassismus gegenüber Schwarzen in der Schweiz zu relativieren. 76% der Bevölkerung sind der Auffassung, dass Schwarze in der Schweiz grössere Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche haben. 72% bestätigen die Existenz von Diskriminierungen in der Arbeitswelt und deren negative Auswirkungen auf das Arbeitsklima. Demgegenüber sind 43% der Bevölkerung nicht der Meinung, dass Rassismus gegenüber Schwarzen in der Schweiz ein sekundäres Problem ist, und 45% sind mit der Aussage, dass Schwarze sich zu oft über Diskriminierung beschweren, nicht einverstanden. Umgekehrt ist die Mehrheit (51%) der Ansicht, dass Rassismus gegenüber Schwarzen ein Randproblem darstellt und 45% sind der Meinung, dass schwarze Menschen sich zu häufig beklagen.

Alltagssituationen und rassistisches Verhalten

Anhand von kleinen Szenarien aus dem täglichen Leben oder spezifischen Situationen sollen die folgenden Daten Aufschluss darüber geben, wie die Bevölkerung bestimmte Ausdrücke oder Verhaltensweisen als rassistisch empfindet und inwieweit die Bevölkerung die Definitionen von Rassismus teilt.

Bewegen Sie den Mauszeiger über die Punkte in der unten stehenden interaktiven Grafik, um die Beschreibung der verschiedenen Situationen anzuzeigen.

Generell werden Alltagssituationen, die "klassische" Formen von Rassismus darstellen, von der Bevölkerung häufiger als rassistisch eingestuft als Situationen, die sich auf "neue" Formen von Rassismus beziehen (siehe Definitionen der Formen von Rassismus im Reiter 'Definitionen' weiter unten). Eine Beleidigung im Bus, die Verweigerung der Versorgung durch eine schwarze Pflegeperson, die Nichtbeachtung einer schwarzen Person durch das Verkaufspersonal in einem Geschäft sowie die Bemerkungen über die Intelligenz einer schwarzen Arbeitskollegin werden von mehr als 70% der Bevölkerung als rassistisch wahrgenommen. Einzig die Situation, in der die Polizei ohne ersichtlichen Grund einen Schwarzen kontrolliert, grenzt sich von den restlichen Verhaltensweisen ab und wird seltener als rassistisch empfunden (66%). Werden sämtliche Situationen zu den untersuchten "klassischen" Rassismusformen zusammen betrachtet, werden die Verhaltensweisen von 45% der Bevölkerung systematisch als rassistisch beurteilt.

Obwohl im Gegensatz zu den klassischen Formen insgesamt weniger häufig erkannt, werden die neuen Formen von Rassismus gegenüber Schwarzen durchaus von der Mehrheit der Bevölkerung wahrgenommen. Dass einem schwarzen Menschen eine Kaderstelle aus Angst, dass er vom Team nicht akzeptiert wird, verweigert wird oder dass einem Schüler trotz guter Noten von einer weiteren Ausbildung abgeraten wird, empfinden 68% der Bevölkerung als rassistisches Verhalten. Ebenso betrachten 51% der Bevölkerung die Situation, in der ein schwarzer Soldat in der Uniform der Schweizer Armee ständig erklären muss, warum er Militärdienst leistet, als rassistisch. Dass eine in der Schweiz geborene und ausgebildete Pflegerin immer wieder nach ihrer Herkunft gefragt wird, empfinden 34% der Bevölkerung als rassistisch. 17% der Bevölkerung stufen das Verhalten in sämtlichen untersuchten "neuen" Situationen als rassistisch ein.

Folgende interaktive Grafik liefert detaillierte Informationen zur Erkennung von Rassismus gegenüber Schwarzen in bestimmten Alltagssituationen. Die Ergebnisse geben Aufschluss über das je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedliche  Erkennen von Rassismus gegenüber Schwarzen. Die Grafik zeigt beispielsweise, dass die Wahrnehmung von rassistischem Verhalten – unabhängig von der jeweiligen Form – je nach Alter und Geschlecht variiert.

Weiterführende Informationen

Tabellen

Definitionen

Schwarze

Personen, die als Schwarze wahrgenommen werden oder sich selbst als Schwarze bezeichnen. Es ist davon auszugehen, dass es sich im Wesentlichen um Personen afrikanischer Herkunft handelt. Letztere sind gemäss Definition der UNO als Nachkommen der afrikanischen Opfer der Sklaverei zu verstehen, als Afrikanerinnen und Afrikaner sowie deren Nachkommen, die nach der Unabhängigkeit ihres Landes  nach Europa, Kanada oder in den Mittleren Osten ausgewandert sind (ggf. zwecks Arbeitssuche).

 Rassismus, Antischwarzer Rassismus

Unter Rassismus versteht man eine Ideologie, in der Personen auf Basis von realen oder imaginären Unterschieden (wie Ethnie, Nationalität, Religion usw.) in verschiedene Gruppen mit als unveränderbar betrachteten Eigenschaften eingeteilt werden. Die Verfechter von Rassismus weisen den Personen als Vorwand für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe eine gemeinsame pseudo-biologische oder kulturelle Herkunft zu. Eine rassistische Haltung muss nicht (unbedingt) auf einer ausdrücklichen Ideologie beruhen, sie kann auch auf diffusen biologistischen Annahmen aufbauen.

Rassismus gegen Schwarze bezieht sich direkt auf ein sichtbares Merkmal, nämlich die Hautfarbe. Bei dieser Form von Rassismus werden einer Person negative Verhaltens- oder Persönlichkeitseigenschaften aufgrund ihrer äusseren Erscheinung zugeschrieben. Antischwarzer Rassismus wird massgeblich durch die Bilder und Werte getragen, die durch die Sklaverei und den Kolonialismus geprägt wurden. Antischwarzer Rassismus – auf der Interindividuellen Ebene – umfasst Situationen, Handlungen und Ereignisse, bei denen sich als schwarz wahrgenommene oder sich selbst als schwarz bezeichnende Personen aufgrund ihrer Hautfarbe oder anderer phänotypischer Merkmale herabgesetzt, lächerlich gemacht, ausgeschlossen oder auf sonstige Art und Weise (in der Öffentlichkeit oder im Privatleben) diskriminiert fühlen.

"Klassischer" (ursprünglicher) Rassismus

Rassismus, der vorgibt, auf den "natürlichen" Unterschieden aufzubauen, und sich so einer wissenschaftlichen Argumentation bedient.

"Neue Formen" von Rassismus

Kultureller Rassismus, Rassismus ohne Rasse, Neorassismus: Form von Rassismus, der kulturelle oder ethnische Unterschiede ohne Verweis auf angebliche biologische Unterschiede hervorhebt und sie auf essenzialistische Weise naturalisiert.

Perfider, subtiler Rassismus: nicht eindeutig interpretierbare Ausdrucksformen von Rassismus, die sich bisweilen in der (pseudo)positiven Form eines kulturellen Differentialismus zeigen.

Alltäglicher Rassismus: wiederkehrende Fragen oder Handlungen, die einen versteckten rassistischen Charakter haben oder auf Unwissenheit, Unkenntnis oder harmloser Neugier beruhen.

Institutioneller, kontextueller Rassismus: (un)beabsichtigte Ergebnisse der staatlichen Politik bzw. bestimmter Institutionen, die keine Chancengleichheit garantieren und unter Umständen zur Stigmatisierung bzw. zum Ausschluss bestimmter Bevölkerungsgruppen beitragen.

Quellen

Quelle: Erhebung "Diversität": Diskriminierung von Schwarzen in der Schweiz

Ad-hoc Modul : ZidS
Jahr: 2017

Grundgesamtheit: Ständige Wohnbevölkerung von 15 bis 88 Jahren
Ungewichtete Anzahl Personen: n (Total) = 2899

Kontakt

Bundesamt für Statistik Sektion Demografie und Migration
Espace de l'Europe 10

CH-2010 Neuchâtel
Schweiz

Kontakt

https://www.bfs.admin.ch/content/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung/migration-integration/zusammenleben-schweiz/schwarze-schweiz.html