Medienmitteilung

Sozialhilfebeziehende in der Schweiz im Jahr 2021 Weniger Neuzugänge führten im zweiten Pandemiejahr 2021 zur Abnahme der Sozialhilfequote auf 3,1%

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2022: Rückgang der Sozialhilfequote auf 2,9%

20.12.2022 - Im Jahr 2021 haben in der Schweiz 265 100 Personen mindestens einmal eine finanzielle Leistung der wirtschaftlichen Sozialhilfe erhalten. Die Sozialhilfequote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1%. Dieser Rückgang ging einher mit einer tieferen Anzahl an Neueintritten. Damit waren die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Sozialhilfe wie auch im Vorjahr gering. Dies sind einige Ergebnisse der Sozialhilfestatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS).

2021 waren 6900 Personen weniger auf Sozialhilfe angewiesen als 2020, was einer Abnahme von 2,5% entspricht. Diese wirkt sich auf die Sozialhilfequote aus, also den Anteil aller sozialhilfebeziehenden Personen an der ständigen Wohnbevölkerung: sie sinkt auf 3,1%. Trotz der weitreichenden Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf Wirtschaft, Arbeitsmarkt und soziale Sicherheit ist im Jahr 2021 kein Anstieg der Anzahl der unterstützten Personen oder des Sozialhilferisikos zu beobachten.

Rückgang der Anzahl neu eröffneter Sozialhilfedossiers

Die Resultate zeigen, dass die Abnahme der Sozialhilfequote im Jahr 2021 vor allem auf den klaren Rückgang bei den Neueintritten zurückzuführen ist. In allen Monaten des Jahres ist ein deutlicher Rückgang zu erkennen. Insgesamt wurden 2021 39 600 neue Sozialhilfedossiers eröffnet, das sind 5300 Dossiers weniger als im Vorjahr. Dies ist der tiefste Wert der letzten zehn Jahre.

Diese Entwicklung ist im Lichte der Erholung des Arbeitsmarktes im Jahr 2021 und der im gleichen Jahr weiterhin wirksamen Massnahmen zur Eindämmung der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zu sehen. Die Arbeitsmarktsituation verbesserte sich seit Mitte des Jahres zusehends und zeigte sich insbesondere im Rückgang der Arbeitslosenquoten auf das Vorpandemieniveau. Die Massnahmen von Bund und Kantonen umfassten im zweiten Pandemiejahr unter anderem eine Verlängerung und Ausweitung der Kurzarbeitsentschädigung, zusätzliche Taggelder bei der Arbeitslosenentschädigung sowie Entschädigungen bei Erwerbsausfällen.

Risikogruppen bleiben unverändert

Kinder und Jugendliche (0–17 Jahre) haben mit 5,0% im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen weiterhin die höchste Sozialhilfequote. Dies liegt daran, dass Familienhaushalte häufiger auf die Unterstützung der Sozialhilfe angewiesen sind als Haushalte ohne Kinder. Auch Ausländerinnen und Ausländer weisen ein markant höheres Sozialhilferisiko auf als Schweizerinnen und Schweizer. Die Sozialhilfequote der ausländischen Bevölkerung betrug 2021 6,1%, während die Quote der Schweizerinnen und Schweizer im selben Jahr bei 2,0% lag. Scheidungen bewirken eine Erhöhung des Sozialhilferisikos: 4,8% aller Geschiedenen waren 2021 auf Sozialhilfe angewiesen. Die Abnahme der Sozialhilfequote im Jahr 2021 ist in den meisten soziodemografischen Gruppen zu erkennen.

48,9% der Personen in der Sozialhilfe verfügten 2021 lediglich über einen obligatorischen Schulabschluss, 43,5% hatten eine Berufsausbildung (Sek II). In der Gesamtbevölkerung lagen die entsprechenden Anteile bei 15,0% bzw. 40,8%. Dabei zeigen sich gegenläufige Tendenzen: Während in der Sozialhilfe der Anteil der Personen ohne Berufsausbildung zunimmt, nimmt dieser in der Gesamtbevölkerung ab. Dies bedeutet: Das Risiko eines Sozialhilfebezugs konzentriert sich zunehmend bei Personen ohne nachobligatorische Schulbildung.

Sozialhilfequote nahm in 15 Kantonen ab

Im Vergleich zum Vorjahr sank die Sozialhilfequote im Jahr 2021 in 15 Kantonen, in acht Kantonen blieb sie unverändert und in drei Kantonen verzeichnete sie einen Anstieg. Generell lässt sich feststellen, dass in Kantonen mit einer sinkenden Sozialhilfequote die Anzahl der neu eröffneten Dossiers deutlich tiefer lag als jene der abgeschlossenen Dossiers. In diesen Kantonen hat die Anzahl neu eröffneter Dossiers im Vergleich zum Vorjahr mit durchschnittlich –15,8% überdurchschnittlich stark abgenommen. Auf Ebene Schweiz betrug dieser Wert –10,7%.

Deutlicher Rückgang der Sozialhilfebeziehenden im Asyl- und Flüchtlingsbereich

Trotz Zunahme der Asylgesuche (2021: 14 900, +35,2% im Vergleich zum Vorjahr) ist die Anzahl der von der Sozialhilfe unterstützten Personen im Asylbereich im Jahr 2021 weiter zurückgegangen (–12,3%) und kam bei 30 300 Personen zu liegen. Auch die Sozialhilfequote im Asylbereich sank auf 78,4% (2020: 83,2%). Die Abnahme dürfte damit zusammenhängen, dass der Anstieg bei den Asylgesuchen mehrheitlich in der zweiten Jahreshälfte erfolgte. In der Sozialhilfestatistik im Asylbereich werden Asylsuchende gezählt, nachdem sie aus den Bundesasylzentrum auf die Kantone verteilt werden, was in der Regel innerhalb von 140 Tagen erfolgt.

Im Flüchtlingsbereich betrug die Sozialhilfequote im Jahr 2021 82,1% und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert (2020: 84,2%). Hingegen ist die Anzahl der Unterstützten um 19,8% zurückgegangen auf 23 200 Personen. Ursache dafür ist einerseits die in den Jahren 2020 und 2021 gesunkene Anzahl Sozialhilfebeziehender im Asylbereich. Andererseits wurden viele Personen aus den personenreichen Kohorten von Asylsuchenden der Jahre 2014 und 2015 als Flüchtlinge anerkannt, die nun Aufenthaltsdauern von fünf und mehr Jahren aufweisen. Da für diese Personengruppe keine Globalpauschalen des Bundes abgegolten werden, geht sie vollständig in die finanzielle Zuständigkeit der Kantone und Gemeinden über und wird in der Statistik der wirtschaftlichen Sozialhilfe ausgewiesen. Diese «Statistikübergänge» trugen 2021 deutlich zum Rückgang der Anzahl der Sozialhilfebeziehenden im Flüchtlingsbereich bei.

In der wirtschaftlichen Sozialhilfe zeigte sich dies in der Zunahme genau dieser Personengruppe sowie bei der Zunahme der vorläufig aufgenommenen Ausländerinnen und Ausländer mit mehr als sieben Jahren Aufenthalt in der Schweiz. Letztere wurden zuvor in der Statistik der Sozialhilfe im Asylbereich ausgewiesen. Insgesamt ist ihre Anzahl zwischen 2020 und 2021 um 19,7% gestiegen (Zunahme im Vorjahr: 20,8%). 

Zusätzliche Informationen finden Sie in der nachfolgenden PDF-Datei.


 

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