Medienmitteilung

Unbezahlte Arbeit im Jahr 2020 Frauen leisteten 50% mehr Haus- und Familienarbeit als Männer im Jahr 2020 - aber Männer legen zu

20.05.2021 - Die zeitliche Gesamtbelastung für bezahlte und unbezahlte Arbeit betrug im Jahr 2020 sowohl bei Frauen als auch bei Männern ab 15 Jahren rund 46 Stunden pro Woche. Frauen wendeten durchwegs mehr Zeit für Haus- und Familienarbeit auf (28,7 Std. pro Woche gegenüber 19,1 Std.). Umgekehrt setzten Männer im Durchschnitt mehr Zeit für bezahlte Erwerbsarbeit ein (25,3 Std. pro Woche gegenüber 15,8 Std.). Seit 2010 nimmt der Zeitaufwand der Männer für Haus- und Familienarbeit jedoch stetig zu und ihre Erwerbsarbeitszeit nimmt ab. Dies sind einige Ergebnisse der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS).

Männer ab 15 Jahren investierten im Jahr 2020 19,1 Stunden pro Woche in Haus- und Familienarbeit. Seit 2010 ist dieser Wert konstant gestiegen (2010: 16,2 Std.; 2016: 17,9 Std.). Bei Frauen lag der Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit im Jahr 2020 mit 28,7 Std. pro Woche hingegen nur wenig höher als 2010 (27,9 Std.) und 2016 (28,1Std.).

Hausarbeiten bleiben mehrheitlich Frauensache

Was die Hausarbeit betrifft, so wurde 2020 nach wie vor am meisten Zeit für die Mahlzeitenzubereitung aufgewendet (Frauen 7,8 Std., Männer 4,5 Std. pro Woche). Dahinter folgt der Zeitaufwand für Putzen (Frauen 4,5 Std., Männer 2,1 Std. pro Woche). In die Einkäufe investierten Frauen 2,1 Stunden und Männer 1,9 Stunden pro Woche, für Waschen und Bügeln setzten Frauen 2,0 Stunden pro Woche ein, die Männer 0,6 Stunden. 

Für Pflanzen, Garten und Haustiere setzten Frauen 2,6 Stunden pro Woche ein, Männer ihrerseits 1,9 Stunden. Für handwerklichen Arbeiten hingegen investierten Männer mehr Zeit als Frauen (1,6 Std. gegenüber 1,0 Std.). Bei den administrativen Arbeiten war das Verhältnis mehr oder weniger ausgeglichen (Männer: 1,4 Std., Frauen: 1,3 Std. pro Woche).

Seit 2010 steigt der Zeitaufwand der Männer im Vergleich zu demjenigen der Frauen besonders deutlich bei der Mahlzeitenzubereitung inklusive Abwaschen (+1,7 Std. pro Woche) sowie in etwas geringerem Masse beim Putzen und Aufräumen (+0,5 Std. pro Woche).

Hohe Arbeitsbelastung für Eltern mit Kindern im Haushalt

Zusammengenommen betrug die bezahlte Erwerbsarbeit und die unbezahlte Haus-, Familien- und Freiwilligenarbeit für Mütter in Paarhaushalten mit jüngstem Kind unter 15 Jahren im Jahr 2020 durchschnittlich 69,7 Stunden pro Woche (Haus- und Familienarbeit: 52,3 Stunden; Erwerbsarbeit: 16,1 Stunden; institutionalisierte und informelle Freiwilligenarbeit: 1,3 Stunden). 

Väter in derselben Familiensituation hatten eine Arbeitsbelastung von 68,1 Stunden pro Woche. Davon machte die Erwerbsarbeit 35,4 Stunden aus, die Haus- und Familienarbeit 31,7 Stunden und die Freiwilligenarbeit 1,0 Stunde.

Alleinlebende Mütter mit jüngstem Kind unter 15 Jahren wendeten 68,4 Stunden pro Woche für die gesamte bezahlte und unbezahlte Arbeit auf: 46,7 Stunden pro Woche für die Haus- und Familienarbeit, 20,4 Stunden für die Erwerbsarbeit und 1,3 Stunden für Freiwilligenarbeit. 

Unterschiedliche Entwicklung bei Müttern und Vätern seit 2010

Zwischen 2010 und 2020 hat nach Geschlecht betrachtet bei den Paarhaushalten mit jüngstem Kind unter 15 Jahren eine unterschiedliche Entwicklung stattgefunden. Väter haben deutlich mehr in die Haus- und Familienarbeit investiert (+5,2 Std. pro Woche), während Mütter in diesem Zeitraum «nur» 1,2 Stunden mehr dafür aufgewendet haben. Zwischen 2010 und 2020 ist bei den Müttern zudem eine Zunahme der Erwerbsarbeit von 2,7 Stunden zu verzeichnen (2010: 13,4 Std., 2020: 16,1 Std.); bei den Vätern hingegen ging diese um 4,2 Stunden zurück (2010: 39,6 Std., 2020: 34,4 Std.). 

Für Hausarbeiten wendeten Mütter mit Partner und jüngstem Kind unter 15 Jahren aber immer noch fast doppelt so viel Zeit auf wie die Väter (30,2 Std. gegenüber 17,0 Std. pro Woche im Jahr 2020). Bei der Kinderbetreuung investierten Mütter rund die Hälfte mehr Zeit als die Väter (22,3 Std. gegenüber 14,7 Std. pro Woche).  

Unbezahlte Arbeit im Rentenalter bleibt bedeutend 

Bei den 65- bis 74-Jährigen Frauen betrug die zeitliche Gesamtbelastung durch bezahlte und unbezahlte Arbeit im Jahr 2020 31,5 Stunden pro Woche, bei den gleichaltrigen Männern 27,1 Stunden. Die Haus- und Familienarbeit macht in dieser Altersgruppe bei Frauen und Männern den grössten Teil aus: Frauen wendeten dafür 26,5 Stunden pro Woche auf, Männer 19,6 Stunden. 

Der durchschnittliche Zeitaufwand für bezahlte Arbeit nimmt mit dem Pensionierungsalter stark ab. Hingegen leisten Personen zwischen 65 und 74 Jahren den höchsten Zeitaufwand für Freiwilligenarbeit. So setzten Frauen im Jahr 2020 3,4 Stunden pro Woche für Freiwilligenarbeit ein, Männer 2,6 Stunden (Durchschnittswert der gesamten Altersgruppe – freiwillig engagierte und nicht engagierte Personen). 75-Jährige und ältere Frauen wendeten insgesamt 22,6 Std. pro Woche auf für unbezahlte und bezahlte Arbeit, Männer dieser Altersgruppe 19,7 Stunden. 

Gut vier von zehn Personen übernehmen Freiwilligenarbeit

2020 führten 41,0% der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren mindestens eine unbezahlte Freiwilligenarbeit aus (institutionalisierte und/oder informelle) und setzten dafür im Durchschnitt 4,1 Stunden pro Woche ein. 2016 lagen diese Werte bei 42,7%, respektive 4,3 Stunden. Längere Zeitvergleiche bei der Freiwilligenarbeit sind nur bedingt möglich.

Die institutionalisierte Freiwilligenarbeit in Vereinen und Organisationen war 2020 aufgrund der Covid-19-bedingten Schutzmassnahmen für die Bevölkerung relativ stark eingeschränkt. Dies zeigt sich vor allem bei Sport- und Kulturvereinen, wo ein Rückgang von 6,2% respektive 4,5% im Jahr 2016 auf 5,0% respektive 3,5% im Jahr 2020 festzustellen ist. Alles in allem engagierten sich im vergangenen Jahr 15,9% der ständigen Bevölkerung ab 15 Jahren für Vereine oder Organisationen, 2016 waren es noch 19,5% gewesen.

Einen Anstieg zu verzeichnen gab es dagegen bei informellen Freiwilligenarbeiten wie Nachbarschaftshilfe, Kinderbetreuung, Dienstleistungen oder Pflege und Betreuung von Verwandten und Bekannten, die nicht im selben Haushalt leben. So leisteten im Jahr 2020 32,5% der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren solche Dienste gegenüber 31,7% im Jahr 2016. Verglichen mit 2016 nahmen die informellen Hilfeleistungen der mittleren Altersgruppen (25- bis 64-Jährige) zu, bei den Personen ab 65 Jahren gingen sie jedoch zurück. Letzteres steht in Zusammenhang mit der Einschränkung von Kontakten und der Mobilität allgemein als Schutzmassnahme vor Covid-19 besonders für ältere Bevölkerungsgruppen.

Zusätzliche Informationen wie Tabellen und Grafiken finden Sie im nachfolgenden PDF.


 

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