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Statistik Schweiz

Lebensstandard, soziale Situation und Armut – Daten, IndikatorenEinkommensverteilung

Die hier vorgestellten Analysen basieren auf dem verfügbaren Äquivalenzeinkommen. Das verfügbare Äquivalenzeinkommen wird berechnet, indem vom Bruttoeinkommen des gesamten Haushalts die obligatorischen Transferausgaben (Sozialversicherungsbeiträge, Steuern, Prämien für die Krankenkassengrundversicherung und regelmässige Transferzahlungen an andere Haushalte wie z.B. Alimente) abgezogen werden und der Restbetrag durch die Äquivalenzgrösse des Haushalts dividiert wird. Dadurch lassen sich die Einkommen von Personen in unterschiedlich grossen Haushalten besser vergleichen. Die Analysen erfolgen somit auf der Personenebene und nicht auf der Haushaltsebene.

Die finanziellen Vorteile von selbst genutztem Wohneigentum oder von Mietobjekten, deren Mietzinsen unter der marktüblichen Miete liegen, werden im verfügbaren Äquivalenzeinkommen durch eine «fiktive Miete» berücksichtigt. Dabei handelt es sich um den Nutzungswert des Objekts nach Abzug der effektiv bezahlten Wohnkosten.

 

Verteilung des verfügbaren Äquivalenzeinkommens

Es gibt verschiedene Arten, die Einkommensverteilung in einer Bevölkerung darzustellen. Ein gebräuchliches Mittel besteht darin, die Personen nach der Höhe ihrer Einkommen zu sortieren und anschliessend die Werte zu ermitteln, die die gesamte Bevölkerung in gleich grosse Tranchen teilen, z.B. in zehn Gruppen, welche je ein Zehntel der Bevölkerung umfassen. Die oberen Randwerte der zehn gleich grossen Einkommensgruppen werden Dezile genannt. In der Excel-Tabelle am Ende dieser Seite sind die Extremwerte (1. und 9. Dezil) sowie der Median des verfügbaren Äquivalenzeinkommens nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen dargestellt. 

Im Jahr 2014 haben 10 Prozent der Personen in der Schweiz ein verfügbares Äquivalenzeinkommen von unter 27'252 Franken pro Jahr. Am anderen Ende der Verteilung stehen jene 10 Prozent der Personen in der Schweiz, die ein verfügbares Äquivalenzeinkommen von über 91'211 Franken pro Jahr aufweisen. Der Median zeigt, dass die Hälfte der in der Schweiz wohnhaften Personen ein Äquivalenzeinkommen von weniger als 49'168 Franken pro Jahr aufweist.

 

Europäischer Vergleich

Der europäische Vergleich basiert auf den Daten von 2014. Da die fiktive Miete noch nicht von allen Ländern berechnet wird, wird sie im verfügbaren Äquivalenzeinkommen nicht berücksichtigt. Das Medianeinkommen wird jeweils in Kaufkraftstandards (KKS) ausgedrückt.

2014 beläuft sich das Medianeinkommen in der Schweiz auf 25'745. Damit liegt der Median des verfügbaren Äquivalenzeinkommens der Schweiz im europäischen Vergleich auf dem dritten Platz hinter Luxemburg (28'271) und Norwegen (27'859). Das mediane verfügbare Äquivalenzeinkommen in der Schweiz ist 2,5 Mal höher als in Portugal (10’125), 1,7 Mal höher als in Italien (15'274), 1,3 Mal höher als in Deutschland (19'299) und Frankreich (19'307), und 1,2 Mal höher als in Österreich (20'925).

 

Median des verfügbaren Äquivalenzeinkommens in Europa (Diagramm)

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Ungleichheit in der Verteilung des verfügbaren Äquivalenzeinkommens: Verhältnis S80/S20 und Gini-Index

 

Europäischer Vergleich

Der europäische Vergleich basiert auf den Daten von 2014, wobei die fiktive Miete im verfügbaren Äquivalenzeinkommen nicht berücksichtigt wird.

Der Gini-Index (auch Gini-Koeffizient) ist ein weiterer synthetischer Indikator für Ungleichheit (Lohn, Einkommen, Lebensstandard etc.). Sein Wert variiert zwischen 0 und 100 (oder 0 und 1).
Bei absoluter Gleichverteilung beträgt der Index 0. Bei völliger Ungleichheit, wenn also alle Einkommen ausser einem Null sind, sprich nur eine Person das komplette Einkommen erhält, beträgt der Index 100. Je höher der Gini-Index, desto grösser die Ungleichheit.

Gemäss den Resultaten von 2014, liegt die Schweiz (ohne Berücksichtigung der fiktiven Miete) im europäischen Vergleich mit 29,5 in Bezug auf die Ungleichheit in der Verteilung des verfügbaren Äquivalenzeinkommens im Durchschnitt. Bei unseren Nachbarn variiert der Gini-Index zwischen 27,6(Österreich), 29,2 (Frankreich), 30,7 (Deutschland) und 32,4 (Italien). In der Europäischen Union beträgt der Gini-Index im Durchschnitt 30,9.

Die Ungleichheit in der Einkommensverteilung kann anhand verschiedener Indikatoren gemessen werden. Das Verhältnis S80/S20 misst die relative Ungleichheit in der Verteilung einer Grösse (Lohn, Einkommen, Lebensstandard etc.). Bei der Verteilung der Einkommen setzt der Indikator S80/S20 das gesamte Einkommen der reichsten 20 Prozent der Bevölkerung ins Verhältnis zum gesamten Einkommen der ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung. Je höher diese Zahl ist, desto ungleicher ist die Einkommensverteilung.

Für das Jahr 2014 ergibt das Verhältnis S80/S20 (ohne Berücksichtigung der fiktiven Miete), dass in der Schweiz die Summe der Einkommen der reichsten 20 Prozent 4,4 Mal so hoch ist wie jene der ärmsten 20 Prozent. In Europa variiert dieser Indikator zwischen 3,1 (Island) und 9,8 (Serbien; EU-28: 5,2). In den Nachbarländern der Schweiz beläuft sich das Verhältnis S80/S20 auf 4,1 (Österreich), 4,3 (Frankreich), 5,1 (Deutschland) und 5,8 (Italien). Die ausgeprägtesten Ungleichheiten der Einkommensverteilung weisen Serbien, Rumänien und die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien auf. In Island, Norwegen und der Tschechischen Republik waren die Ungleichheiten am geringsten.

 

Verhältnis S80/S20 des verfügbaren Äquivalenzeinkommens in Europa (Diagramm)

Datenbank Eurostat Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet.

Tabelle am 25.04.2016 aktualisiert.

 

Dokument / Objekt Titel Periode
Verteilung des verfügbaren Äquivalenzeinkommens und das Quintilverhältnis S80/S20, nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 2451 KB   Verteilung des verfügbaren Äquivalenzeinkommens und das Quintilverhältnis S80/S20, nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen
(je-d-20.03.01.20)
Bundesamt für Statistik BFS
2007-2014
Median des verfügbaren Äquivalenzeinkommens in Europa (Diagramm). Download (). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 70 KB   Median des verfügbaren Äquivalenzeinkommens in Europa (Diagramm)
(gr-d-20.03.01-minc)
Bundesamt für Statistik BFS
2014
Verhältnis S80/S20 des verfügbaren Äquivalenzeinkommens in Europa (Diagramm). Download (). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 72 KB   Verhältnis S80/S20 des verfügbaren Äquivalenzeinkommens in Europa (Diagramm)
(gr-d-20.03.01-s2080)
Bundesamt für Statistik BFS
2014

Länderliste und Beitrittsstatus (Stand: November 2014)

  • EU-28 = AT=Österreich, BE=Belgien, BG=Bulgarien, CY=Zypern, CZ=Tschechische Rep., DE=Deutschland, DK=Dänemark, EE=Estland, EL=Griechenland, ES=Spanien, FI=Finnland, FR=Frankreich, HR=Kroatien, HU=Ungarn, IR=Irland, IT=Italien, LT=Litauen, LU=Luxemburg, LV=Lettland, MT=Malta, NL=Niederlande, PL=Polen, PT=Portugal, RO=Rumänien, SE=Schweden, SI=Slowenien, SK=Slowakei, UK=Ver. Königreich.  
  • «Alte» Mitgliedstaaten (EU-15) = AT=Österreich, BE=Belgien, DE=Deutschland, DK=Dänemark, EL=Griechenland, ES=Spanien, FI=Finnland, FR=Frankreich, IR=Irland, IT=Italien, LU=Luxemburg, NL=Niederlande, PT=Portugal, SE=Schweden, UK=Ver. Königreich.
  • Neue Mitgliedstaaten (NMS-12) = BG=Bulgarien, CY=Zypern, CZ=Tschechische Rep., EE=Estland, HU=Ungarn, LT=Litauen, LV=Lettland, MT=Malta, PL=Polen, RO=Rumänien, SI=Slowenien, SK=Slowakei.
  • Euroraum = AT=Österreich, BE=Belgien, CY=Zypern, DE=Deutschland, EE=Estland, EL=Griechenland, ES=Spanien, FI=Finnland, FR=Frankreich, IR=Irland, IT=Italien, LU=Luxemburg, NL=Niederlande, PT=Portugal, SE=Schweden, SI=Slowenien, SK=Slowakei.

 

Definitionen

Bruttoeinkommen: Das Bruttohaushaltseinkommen fasst alle Einkommen sämtlicher Mitglieder eines Privathaushalts zusammen (Einkommen aus unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, Renten und Sozialtransfers, Vermögenserträge usw.). Um den finanziellen Vorteilen bei selbst genutztem Wohneigentum oder Mietobjekten, deren Mietzinsen unter dem marktüblichen Preis liegen, Rechnung zu tragen, wird zum Bruttoeinkommen der betreffenden Haushalte ein um die effektiven Wohnkosten reduzierter Betrag addiert («fiktive Miete»), der dem Nutzungswert des Objekts entspricht. Die in der Befragung SILC 2014 erhobenen Einkommensdaten beziehen sich auf das Jahr 2013.

Verfügbares Einkommen: Das verfügbare Einkommen wird berechnet, indem man vom Bruttoeinkommen die obligatorischen Ausgaben, d.h. Sozialversicherungsbeiträge, Steuern, Krankenkassenprämien für die Grundversicherung, Alimente und andere zu leistende Unterhaltsbeiträge abzieht.

Verfügbares Äquivalenzeinkommen: Das verfügbare Äquivalenzeinkommen wird ausgehend vom verfügbaren Haushaltseinkommen berechnet. Dabei wird die Haushaltsgrösse über die Äquivalenzskala des Haushalts berücksichtigt. Um die Skaleneffekte zu berücksichtigen (eine vierköpfige Familie muss nicht vier Mal so viel ausgeben wie eine Einzelperson, um denselben Lebensstandard zu erreichen), werden die Personen im Haushalt gewichtet: Die älteste Person mit 1,0, Personen von 14 Jahren und mehr mit 0,5 und mit 0,3 jedes Kind unter 14 Jahren (Werte entsprechen der neuen OECD-Äquivalenzskala). Die äquivalente Haushaltsgrösse entspricht der Summe der Personengewichte.

Kaufkraftstandard (KKS): Der KKS ist eine Währungseinheit, die von Land zu Land unterschiedliche Preisniveaus beseitigt. Er ermöglicht es, in allen Ländern gleich viele Güter und Dienstleistungen zu kaufen. Somit können mit dieser Währung die wirtschaftlichen Indikatoren verschiedener Länder verglichen werden.

Verhältnis S80/S20: Das Verhältnis S80/S20 bzw. die Quote S80/S20 gibt das Verhältnis des gesamten Einkommens der reichsten 20 Prozent zu jenem der ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung an. Sie ist ein Mass der Ungleichheit bei der Einkommensverteilung in einer bestimmten Gesellschaft. Je höher das Verhältnis S80/S20, desto grösser ist die Ungleichheit bei der Verteilung. Eine Quote von 4 beispielsweise sagt aus, dass die Einkommen der wohlhabendsten Personen zusammengenommen viermal höher sind als jene der am schlechtesten gestellten Personen. 

 

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