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Statistik Schweiz

Verschuldung und Bezug zum GeldVerschuldung der Privathaushalte und Bezug zum Geld

Einleitung

Die nachfolgend publizierten Ergebnisse beziehen sich auf das Modul «Verschuldung», das Bestandteil der Erhebung SILC 2013 ist (Statistics on Income and Living Conditions). Sie beschreiben die Verschuldungssituation von Personen in Schweizer Privathaushalten im Jahr 2013. Erfasst wird einzig das Vorhandensein von Schulden, ohne Berücksichtigung des Betrags.

Es wurden sechs verschiedene Schuldenarten definiert:

Vier Kreditarten:

1. Fahrzeug-Leasing

2. Kleinkredite/Konsumkredite

3. Ratenzahlungen

4. Verschuldung bei Familie oder Freunden, die nicht im selben Haushalt leben

Zwei weitere Schuldenarten:

5. Zahlungsrückstände

6. Kontoüberziehungen oder unbezahlte Kreditkartenrechnungen

Hypotheken für den Hauptwohnsitz oder eine Zweitwohnung werden nicht berücksichtigt.

Parallel dazu werden zudem folgende Themenbereiche abgedeckt:

  • Vorliegen von Betreibungen oder Verlustscheinen
  • Besitz von Kreditkarten
  • Subjektive Beurteilung des Bezugs zum Geld

Bei den nachfolgenden Ergebnissen wurden die auf individueller Ebene erhobenen Schulden auf alle Haushaltsmitglieder verteilt. Somit wird jeweils der prozentuale Anteil der Bevölkerung angegeben, der in einem Haushalt mit einer bestimmten oder mehreren Schuldenart(en) lebt. Die Ergebnisse zur subjektiven Beurteilung des Umgangs mit Geld werden für die Bevölkerung ab 16 Jahren auf individueller Ebene geliefert.

 

Art und Kumulierung von Schulden: 40 Prozent der Bevölkerung leben in einem Haushalt mit mindestens einer Art von Schulden, 8 Prozent in einem Haushalt mit mindestens drei verschiedenen Schuldenarten

2013 sind Zahlungsrückstände die häufigste Art von Schulden in der Schweiz. Nahezu 18 Prozent der Bevölkerung leben in einem Haushalt mit mindestens einem Zahlungsrückstand.

Die geläufigsten Kredite sind Fahrzeug-Leasings und Kleinkredite/Konsumkredite. 15,5 Prozent der Bevölkerung leben in einem Haushalt mit mindestens einem geleasten Fahrzeug und 10,5 Prozent in einem Haushalt mit mindestens einem Kleinkredit/Konsumkredit.

Rund vier von zehn Personen (39,4%) leben in einem Haushalt mit mindestens einer Verschuldung (Leasing, Kleinkredit/Konsumkredit, Ratenzahlung, Verschuldung bei Familie oder Freunden, die nicht im selben Haushalt leben, Zahlungsrückstand, Kontoüberziehung oder unbezahlte Kreditkartenrechnung). 18,5 Prozent leben in einem Haushalt mit mindestens zwei Schuldenarten und 7,7 Prozent in einem Haushalt mit mindestens drei.

36,3 Prozent der Personen, die in einem Haushalt mit Kredit (Leasing, Kleinkredit/Konsumkredit, Ratenzahlung, Verschuldung bei Familie oder Freunden) leben, weisen mindestens einen Zahlungsrückstand auf und 19,0 Prozent mindestens eine Kontoüberziehung oder unbezahlte Kreditkartenrechnung. Bei den Personen, die in einem Haushalt ohne Kredit leben, weisen nur 9,0 Prozent mindestens einen Zahlungsrückstand und 4,5 Prozent mindestens eine Kontoüberziehung oder unbezahlte Kreditkartenrechnung auf.

 

Anteil der Bevölkerung mit Schulden (Diagramm)

Die Bevölkerungsgruppen, die am häufigsten in einem Haushalt mit mindestens drei Schuldenarten leben, sind von materieller Entbehrung betroffene Personen (36,4%), Arbeitslose (16,8%), Ausländerinnen und Ausländer (13,6%), Personen zwischen 18 und 24 Jahren (12,9%), Familien mit einem Kind (12,9%) und in der französischen (12,9%) oder italienischen Schweiz (12,3%) wohnhafte Personen.

 

Dokument / Objekt Titel Periode
Vorhandensein und Häufung von Schuldenarten, nach verschiedenen soziodemographischen Merkmalen. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 159 KB   Vorhandensein und Häufung von Schuldenarten, nach verschiedenen soziodemographischen Merkmalen
(je-d-20.02.04.01)
Bundesamt für Statistik BFS
2013

Wichtigster Grund für Konsumkredite: Nahezu 20 Prozent der Bevölkerung leben in einem Haushalt mit mindestens einem auf Kredit gekauften Fahrzeug

2013 leben 31,8 Prozent der Bevölkerung in einem Haushalt mit mindestens einem Kredit (Leasing, Kleinkredit/Konsumkredit, Ratenzahlung, Verschuldung bei Familie oder Freunden). Der häufigste Grund ist der Erwerb eines Fahrzeugs durch Leasing, Kreditaufnahme oder mit Hilfe eines Darlehens von Bekannten. 18,4 Prozent der Bevölkerung leben in einem Haushalt mit mindestens einem auf Kredit gekauften Fahrzeug.

Weitere Gründe für eine Kreditaufnahme sind der Erwerb von Einrichtungsgegenständen, wie beispielsweise Mobiliar (6,9%), sowie die Bezahlung anderer Schulden oder Rechnungen (3,2%).

 

Anteil der Bevölkerung mit mindestens einem Kredit (ohne Hypotheken) (Diagramm)

Personen aus Südeuropa, Familien mit einem oder zwei Kindern und Personen zwischen 25 und 49 Jahren leben am häufigsten in einem Haushalt mit mindestens einem geleasten oder auf Kredit gekauften Fahrzeug. Auffallend ist zudem, dass in der französischen und in der italienischen Schweiz fast doppelt so viele Personen in einem Haushalt mit mindestens einem geleasten oder auf Kredit gekauften Fahrzeug leben wie in der Deutschschweiz (15,2% in der deutschen und rätoromanischen Schweiz gegenüber 25,9% in der französischen und 29,0% in der italienischen Schweiz). Hingegen leben nur gerade 2,4 Prozent der Personen ab 65 Jahren in einem Haushalt mit einem geleasten oder auf Kredit gekauften Fahrzeug. Arbeitslose weisen fast viermal häufiger eine Kreditverbindlichkeit auf als die Gesamtbevölkerung, wobei diese Kredite vor allem aufgrund finanzieller Schwierigkeiten aufgenommen wurden (7,0% gegenüber 1,8%).

 

Dokument / Objekt Titel Periode
Vorhandensein von Krediten und Hauptgründe der Kreditaufnahme, nach verschiedenen soziodemographischen Merkmalen. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 224 KB   Vorhandensein von Krediten und Hauptgründe der Kreditaufnahme, nach verschiedenen soziodemographischen Merkmalen
(je-d-20.02.04.02)
Bundesamt für Statistik BFS
2013

Zahlungsrückstände: 1 von 10 Personen lebt in einem Haushalt, der in den letzten 12 Monaten Steuerschulden hatte

Im 2013 gehören Steuerschulden weiterhin zu den häufigsten Zahlungsrückständen: Dies gilt für 10,3 Prozent der Bevölkerung (2008: 9,0%). 6,4 Prozent der Bevölkerung leben in einem Haushalt, der mindestens einmal die Krankenkassenprämien nicht rechtzeitig bezahlen konnte. 4,1 Prozent der Bevölkerung lebten in einem Haushalt mit mindestens einem Zahlungsrückstand für Telekommunikationsrechnungen und 3,1 Prozent in einem Haushalt, der Rechnungen für Wasser, Gas, Strom oder Heizung nicht fristgerecht begleichen konnte.

Insgesamt lebt fast eine von fünf Personen (17,7%) in einem Haushalt, der mindestens eine Art von Zahlungsrückstand aufweist, 8,1 Prozent in einem Haushalt mit mindestens zwei Arten von Zahlungsrückständen. Einelternfamilien, armutsgefährdete Personen und Personen aus dem aussereuropäischen Raum kumulieren doppelt so häufig zwei Arten von Zahlungsrückständen als die Gesamtbevölkerung. Steuerrückstände sind bei Arbeitslosen und Personen mit aussereuropäischer Nationalität am häufigsten. Steuerschulden sind zudem in der französischen Schweiz verbreiteter als in der Deutschschweiz und kommen bei jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren öfter vor als bei Personen ab 65 Jahren.

 

Anteil der Bevölkerung mit mindestens einem Steuerrückstand (Diagramm)

Dokument / Objekt Titel Periode
Zahlungsrückstände, nach verschiedenen soziodemographischen Merkmalen. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 402 KB   Zahlungsrückstände, nach verschiedenen soziodemographischen Merkmalen
(je-d-20.02.04.03)
Bundesamt für Statistik BFS
2013

Kontoüberziehungen (Bank oder Post) und unbezahlte Kreditkartenrechnungen: Personen ab 65 Jahren sind am wenigsten betroffen

7,0 Prozent der Bevölkerung leben in einem Haushalt mit mindestens einer Kontoüberziehung und 3,8 Prozent in einem Haushalt mit mindestens einer unbezahlten oder zu spät bezahlten Kreditkartenrechnung in den letzten drei Monaten (ohne Berücksichtigung vergessener Rechnungen). Insgesamt leben 9,0 Prozent der Bevölkerung in einem Haushalt, in dem das Konto mindestens einmal überzogen oder mindestens eine Kreditkartenrechnung nicht fristgerecht bezahlt wurde. Personen ab 65 Jahren und solche mit einem hohen verfügbaren Äquivalenzeinkommen (oberstes Quintil) sind von diesen beiden Schuldenarten am wenigsten betroffen.

Am häufigsten sind Kontoüberziehungen bei Personen, die in einem Haushalt mit mindestens einem Kredit leben (14,9%) und die von materieller Entbehrung betroffen sind (26,9%). Am stärksten von unbezahlten Kreditkartenrechnungen betroffen sind Einelternfamilien (10,3%), armutsgefährdete Personen (11,3%) und Personen, die von materieller Entbehrung betroffen sind (24,6%). Anzumerken ist, dass diese Schuldenarten die französische und italienische Schweiz deutlich stärker betreffen als die deutschsprachige und rätoromanische Region.

 

Dokument / Objekt Titel Periode
Kontoüberziehung (Bank oder Post)  oder unbezahlte Kreditkartenrechnung, nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 447 KB   Kontoüberziehung (Bank oder Post) oder unbezahlte Kreditkartenrechnung, nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen
(je-d-20.02.04.04)
Bundesamt für Statistik BFS
2013

Betreibungen und Verlustscheine: 1 von 20 Personen lebt in einem Haushalt mit mindestens einer Betreibung in den letzten 12 Monaten

2013 leben 4,7 Prozent der Bevölkerung in einem Haushalt, in dem mindestens ein Mitglied ab 18 Jahren in den letzten 12 Monaten persönlich betrieben wurde. 3,2 Prozent der Personen wohnen in einem Haushalt, in dem ein Mitglied mindestens einen Verlustschein zu seinen Lasten hat. Insgesamt leben 6,1 Prozent der Bevölkerung in einem Haushalt mit mindestens einer Betreibung oder einem Verlustschein in den letzten 12 Monaten.

Personen ab 65 Jahren, Wohneigentümerinnen und -eigentümer sowie Personen mit einem hohen Bildungsniveau oder einem hohen verfügbaren Äquivalenzeinkommen leben rund zweimal weniger häufig in einem Haushalt mit Betreibungen oder Verlustscheinen als die Gesamtbevölkerung. Am meisten betroffen sind Personen in einem Haushalt mit einem oder mehreren Krediten, Arbeitslose, Personen mit einem tiefen Einkommen oder die armutsgefährdet sind, Personen in einem Haushalt, der von materieller Entbehrung betroffen ist, und schliesslich die Bewohnerinnen und Bewohner der  französischen Schweiz.

 

Dokument / Objekt Titel Periode
Betreibungen oder Verlustscheine, nach verschiedenen soziodemographischen Merkmalen. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 620 KB   Betreibungen oder Verlustscheine, nach verschiedenen soziodemographischen Merkmalen
(je-d-20.02.04.05)
Bundesamt für Statistik BFS
2013

Kreditkarten: 1 von 3 Personen lebt in einem Haushalt ohne Kreditkarte

32,6 Prozent der Bevölkerung leben in einem Haushalt, in dem keines der Mitglieder eine Kreditkarte besitzt. Ein Drittel der Personen lebt in einem Haushalt mit durchschnittlich weniger als einer Kreditkarte pro erwachsener Person, während 27,9 Prozent in einem Haushalt mit durchschnittlich einer Kreditkarte pro erwachsener Person leben. Nur 6,3 Prozent der Bevölkerung leben in einem Haushalt mit mehr als einer Kreditkarte pro erwachsener Person. Personen ab 65 Jahren (59,9%), insbesondere diejenigen, die alleine wohnen (73,5%), leben doppelt so häufig in einem Haushalt ohne Kreditkarte. Personen mit tiefem Einkommen, einem niedrigen Bildungsniveau, armutsgefährdete Personen oder solche, die von materieller Entbehrung betroffen sind, leben ebenfalls öfter in Haushalten ohne Kreditkarte.

 

Anteil der Bevölkerung ohne Kreditkarte (Diagramm)

Dokument / Objekt Titel Periode
Durchschnittliche Anzahl Kreditkarten pro Erwachsener im Haushalt, nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 829 KB   Durchschnittliche Anzahl Kreditkarten pro Erwachsener im Haushalt, nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen
(je-d-20.02.04.06)
Bundesamt für Statistik BFS
2013

Subjektive Beurteilung des Umgangs mit Geld

Eine Mehrheit der Bevölkerung ab 16 Jahren gibt an, ihr Budget, ihren Konsum oder ihren Umgang mit Geld unter Kontrolle zu haben. Allerdings sagen auch 9,1 Prozent, sie fänden es sehr schwierig, ihr Budget im Griff zu behalten.

Mehr als 9 von 10 Personen (92,2%) sind klar der Ansicht, dass man das Geld zuerst verdienen sollte, bevor man es ausgibt, oder dass es ihnen besonders unangenehm ist oder wäre, Schulden zu haben (87,4%). Nur 8,2 Prozent sind mit der Aussage, dass sie sich manchmal etwas gönnen, was sie unbedingt haben möchten, auch wenn sie es sich eigentlich nicht leisten könnten, absolut einverstanden.

Während es der Mehrheit der Bevölkerung wichtig ist, das eigene Budget und Kaufverhalten unter Kontrolle zu haben, sind nur 4 von 10 Personen (38,9%) absolut mit der Aussage einverstanden, sie würden versuchen, so viel wie möglich zu sparen.

Fast die Hälfte (49,7%) der Personen ab 16 Jahren gibt an, sich nie spontan etwas von einem gewissen Wert zu kaufen (ab 100 Franken), während 39,9 Prozent dies mindestens einmal und 10,5 Prozent mehrmals pro Monat tun.

 

Anteil der Bevölkerung, der ein- oder mehrmals pro Monat spontan etwas kauft (Diagramm)

Die subjektive Beurteilung des Umgangs mit Geld unterscheidet sich je nachdem, ob der Haushalt über Kredite verfügt oder nicht. Nur 52,2 Prozent der Personen ab 16 Jahren, die mindestens einen Kredit im Haushalt haben, sind der Ansicht, es sei einfach, ihr Budget im Griff zu behalten, während es in Haushalten ohne Kredit 69,8 Prozent sind. Personen ab 65 Jahren geben am häufigsten an, ihr Budget im Griff zu haben (74,8%). Für diese Altersgruppe erweist es sich zudem als am wenigsten wichtig, «so viel wie möglich zu sparen». So erklären sich zwar 21,2 Prozent der Personen ab 65 Jahren überhaupt nicht mit der Aussage einverstanden, sie würden versuchen, so viel wie möglich zu sparen, während es bei den 18- bis 64-Jährigen 10,5 Prozent sind. Dennoch sind Personen ab 65 Jahren die sparsamsten, denn 64,4 Prozent unter ihnen sagen, sie würden sich nie spontan etwas von einem gewissen Wert kaufen, gegenüber 46,0 Prozent bei den 18- bis 64-Jährigen.

Personen ausländischer Nationalität, Personen ohne nachobligatorische Ausbildung und Personen in Haushalten mit einem tiefen Einkommen geben am seltensten an, ihr Budget im Griff zu haben. Dies scheint sich nicht in erster Linie auf ihr Kaufverhalten zurückführen zu lassen. Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau oder einem tiefen Einkommen sowie solche, die von materieller Entbehrung betroffen sind oder armutsgefährdet sind, erklären nämlich deutlich häufiger, nie spontan etwas von einem gewissen Wert zu kaufen. Weiter ist zu beobachten, dass die Befragten ihr Budget einfacher im Griff behalten, weniger stark versuchen, möglichst viel zu sparen, und sich häufiger spontan etwas von einem gewissen Wert (ab 100 Franken) leisten, je mehr sie verdienen. Personen mit einem tiefen Einkommen ist es tendenziell eher unangenehm, Schulden zu haben, als solchen mit einem hohen Einkommen. Dies lässt sich vielleicht teilweise dadurch erklären, dass Personen mit tiefem Einkommen stärker mit der Schuldenproblematik konfrontiert sind. So leben 25,3 Prozent von ihnen in einem Haushalt mit mindestens zwei Schuldenarten, während es bei Personen mit den höchsten Einkommen nur gerade 8,5 Prozent sind.

43,2 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren geben an, nicht zu wissen, wie hoch der Zinssatz von Kleinkrediten ist. Jede zweite Personen (51,9%) kennt zudem den Zinssatz für unbezahlte Kreditkartenrechnungen nicht. 30 Prozent aller Befragten (einschliesslich derjenigen, die es nicht wissen) schätzen den Zinssatz zu tief ein, nämlich unter 9 Prozent, was dem Zinssatz der Kreditkarten von Grossverteilern entspricht. Zur Erinnerung: Die klassischen Kreditkarten werden mit einem Zinssatz nahe am gesetzlich erlaubten Maximum von 15,0 Prozent angeboten. Der Anteil der Befragten, der den Zinssatz von Kleinkrediten oder Kreditkarten ihren eigenen Angaben zufolge nicht kennt, ist am höchsten bei den Jüngsten (16 bis 17 Jahre) und Ältesten (ab 65 Jahren, insbesondere alleinstehende Personen), bei Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau, Personen, die in einem Haushalt mit einem tiefen Einkommen leben (unterstes Quintil) oder die von materieller Entbehrung betroffen sind. Ebenfalls besonders hoch ist dieser Anteil in der italienischen und französischen Schweiz. Bezüglich der Kenntnisse des Zinssatzes für unbezahlte Kreditkartenrechnungen zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen den Geschlechtern. Frauen geben häufiger an, diesen Zinssatz nicht zu kennen, während Männer mehr dazu neigen, ihn zu unterschätzen.

 

Dokument / Objekt Titel Periode
Subjektive Bewertung der Einstellung zu Geld, nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 1197 KB   Subjektive Bewertung der Einstellung zu Geld, nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen
(je-d-20.02.04.07)
Bundesamt für Statistik BFS
2013

Methode des Moduls Verschuldung 2013

Um die hiesigen politischen Erwartungen zu dieser Thematik zu erfüllen, wurde 2013 ein ausschliesslich auf die Schweiz bezogenes Modul «Verschuldung» in die Erhebung SILC aufgenommen. Bei der Erhebung 2013 wurden die meisten Fragen zur Verschuldung allen Haushaltsmitgliedern ab 18 Jahren direkt gestellt. Das Ziel der individuellen Befragung bestand darin, fehlerhafte Antworten und vor allem fehlende Angaben zu minimieren und eine Individualisierung gewisser Analysen zu ermöglichen.

Die Fragen zur Verschuldung wurden daher in den ausgewählten Haushalten allen Personen ab 18 Jahren einzeln gestellt. Alle Befragten konnten angeben, ob sie persönlich Schulden haben (Leasing, Kleinkredit/ Konsumkredit, Ratenzahlung, Verschuldung bei Familie oder Freunden, die nicht im selben Haushalt leben, Zahlungsrückstand, Kontoüberziehung oder unbezahlte Kreditkartenrechnung). Für jede Kreditart, ausser für das Fahrzeug-Leasing, konnte zudem der Hauptgrund für die Kreditaufnahme angegeben werden. Diese Gründe betreffen Waren und Dienstleistungen, die mit dem Kredit finanziert werden. Zu den Krediten für den Erwerb eines Fahrzeuges gehören Leasings, aber auch Kleinkredite, Ratenzahlungen oder Darlehen bei Bekannten, die spezifisch für den Erwerb eines Fahrzeugs aufgenommen wurden.

Die Antwortverweigerung durch manche Haushaltsmitglieder beim individuellen Fragebogen führte zu Antwortausfällen, weshalb der Haushaltsfragebogen um einige Fragen aus dem individuellen Teil ergänzt wurde. Dieser wird von einer Person stellvertretend für den ganzen Haushalt beantwortet. Die Fragen betrafen verschiedene Schuldenarten zu Lasten der anderen Haushaltsmitglieder, wobei nicht nachgefragt wurde, welche Waren oder Dienstleistungen damit gekauft wurden.

Nach der Konsolidierung der individuellen Antworten auf Haushaltsebene wurden die vorhandenen Schulden auf alle Haushaltsmitglieder verteilt. Wir sprechen daher von einem Prozentsatz von Personen, der in einem Haushalt mit einer bestimmten oder mehreren Schuldenart(en) lebt.

 

Definitionen im Modul Verschuldung 2013

  • Schulden: Unter Schulden versteht man eine breite Palette von Verbindlichkeiten, die mindestens ein Mitglied des Haushaltes eingegangen ist (Leasing, Kleinkredit/Konsumkredit, Ratenzahlung, Verschuldung bei Familie oder Freunden, Zahlungsrückstand, Kontoüberziehung (Bank oder Post), unbezahlte Kreditkartenrechnung während der letzten drei Monate).
    Hypotheken für den Hauptwohnsitz oder eine Zweitwohnung werden nicht berücksichtigt.
  • Kredit: Zu Krediten gehören Leasings, Klein- oder Konsumkredite, Ratenzahlung und Darlehen bei Familien oder Freunden, die nicht im selben Haushalt leben. Für jede Art von Kredit konnte der Hauptgrund für die Kreditaufnahme angegeben werden. Diese Gründe betreffen Waren und Dienstleistungen, die durch den Kredit finanziert werden.
  • Verschuldung: Als verschuldet gilt jede Person, die in einem Haushalt mit mindestens einer Art von Schulden im weiteren Sinne des Wortes lebt. Eine kumulierte Verschuldung liegt vor, wenn ein Haushalt mehrere Schuldenarten ausweist: Kredite, Zahlungsrückstände, Kontoüberziehungen oder unbezahlte Kreditkartenrechnungen.
  • Wichtigster Grund für Kreditaufnahmen: Für jede Kreditart wurde der wichtigste Grund für die Kreditaufnahme angegeben, je nach Waren oder Dienstleistungen, die durch den Kredit finanziert wurden. Die wichtigsten erhobenen Gründe sind: Erwerb oder Finanzierung eines Fahrzeugs, Erwerb von Einrichtungsgegenständen (z.B. Mobiliar), Ferien oder Freizeitaktivitäten, persönliche Ausrüstung und Gegenstände (z.B. elektronische Geräte oder Computer, Sportartikel oder Musikinstrumente, Kleidung oder Schmuck), Ausbildung eines Erwachsenen, Ausbildung oder Betreuung der Kinder, Unternehmensgründung oder Finanzierung eines Geschäfts, Rückzahlung bestehender Schulden oder Bezahlung anderer Rechnungen, Bewältigung allgemeiner finanzieller Schwierigkeiten oder andere Gründe, die nicht klassifizierbar sind.
  • Zahlungsrückstand: Zahlungsrückstände sind Rechnungen, die in den letzten 12 Monaten aus finanziellen Gründen nicht fristgerecht bezahlt werden konnten. Zahlungsrückstände, welche Krankenkassenprämien, nicht-immobilienbezogene Darlehen, Steuern, Telekommunikationsrechnungen, Unterhaltszahlungen und andere Rechnungen betreffen, wurden im individuellen Fragebogen erhoben (alle Haushaltsmitglieder ab 16 Jahren). Fragen zu Zahlungsrückständen im Zusammenhang mit der Wohnung (Miete, Hypothekarzinsen, laufende Rechnungen für Wasser, Gas, Strom oder Heizung) wurden im Haushaltsfragebogen gestellt (den jeweils eine Person stellvertretend für alle Haushaltsmitglieder beantwortet).
  • Kontoüberziehung oder unbezahlte Kreditkartenrechnung: Kontoüberziehungen betreffen Bank- oder Postkonten, die zum Zeitpunkt der individuellen Befragung im Minus waren. Unbezahlte Kreditkartenrechnungen sind Rechnungen für Kredit- oder Kundenkarten der befragten Person, die während der letzten 3 Monate aus finanziellen Gründen nicht fristgerecht beglichen werden konnten.
  • Betreibung und Verlustschein: Betreibungen beziehen sich auf Betreibungsverfahren, die in den letzten 12 Monaten gegen die befragte Person gelaufen sind. Verlustscheine sind jene, die persönlich zu Lasten der befragten Person gehen. Der individuelle Fragebogen enthält zudem eine ergänzende Frage zu Betreibungen und Verlustscheinen bei anderen Haushaltsmitgliedern. Wie die Schulden wurden auch die Betreibungen und Verlustscheine auf alle Haushaltsmitglieder verteilt.

 

Vergleiche gegenüber 2008

2008 enthielt die Erhebung SILC über die Einkommen und Lebensbedingungen in der Schweiz ein Modul zur Verschuldung mit europaweit koordinierten Fragen. Die Ergebnisse 2008 sind hier verfügbar [Link].

Die Fragen zur Verschuldung, die 2008 gestellt wurden, betrafen im Wesentlichen Kredite bei Bank- oder Finanzinstituten. Sie wurden nur einer Person des Haushalts gestellt, die stellvertretend für alle Haushaltsmitglieder antwortete («Haushalt-Proxy»). Dabei gab die befragte Person im Haushaltsfragebogen anhand einer einzigen Frage an, ob der Haushalt Schulden hatte oder nicht. Wenn die befragte Person bestätigte, dass in ihrem Haushalt mindestens eine Art von Schulden vorhanden war, konnte sie mehrere Waren oder Dienstleistungen angeben, die auf Kredit gekauft wurden.

2013 wurden Leasings, Kleinkredite/Konsumkredite, Ratenzahlungen oder die Verschuldung bei Familie oder Freunden auf individueller Ebene erhoben. Ausserdem wurden die meisten Fragen zur Verschuldung allen Haushaltsmitgliedern ab 18 Jahren einzeln gestellt. Durch die im Jahr 2013 umgesetzten Änderungen sollten fehlerhafte Antworten und vor allem fehlende Angaben minimiert und eine Individualisierung gewisser Analysen ermöglicht werden.

Aufgrund dieser methodischen Unterschiede können die Ergebnisse des Moduls Verschuldung 2013, die auf einer ausführlicheren individuellen Befragung basieren, nicht mit den Ergebnissen von 2008 verglichen werden.

Um den Einfluss der individuellen Befragung im Vergleich zur «Proxy-Haushalt»-Befragung messen zu können, wurden die meisten Fragen, die 2008 auf Haushaltsebene gestellt wurden, in die Befragung von 2013 übernommen.

Im Vergleich zur «Haushalt-Proxy»-Befragung von 2008 erhöhte die ausführlichere individuelle Befragung von 2013 den Prozentsatz von Personen, die in einem Haushalt mit mindestens einem Kredit leben, deutlich. Ihr Anteil belief sich gemäss den Ergebnissen von 2008 auf 18,2 Prozent. Stellt man die gleichen «Haushalt-Proxy»-Fragen 2013 aus methodischen Gründen nochmals, erhält man ein ähnliches Ergebnis von 19,8 Prozent. Berechnet man hingegen das Vorhandensein von mindestens einem Kredit im Haushalt anhand der Antworten auf die ausführlicheren individuellen Fragen, leben 2013 31,8 Prozent der Bevölkerung respektive 2,44 Millionen Menschen in einem Haushalt mit mindestens einem Kredit.

Die Hypothese der fehlenden Angaben aufgrund des weniger detaillierten «Proxy Haushalt»-Fragebogens von 2008 bestätigt sich damit. Der höhere Anteil von Personen, die in einem Haushalt mit mindestens einer Art von Schulden leben, ist vor allem auf die neue Erhebungsmethode zurückzuführen, die auf eine ausführlichere individuelle Befragung basiert.

Die wichtigsten Gründe für die Aufnahme eines Kredits, die 2013 gegenüber 2008 am stärksten zugenommen haben, sind der Erwerb eines Fahrzeugs auf Kredit oder mit Leasing (18,4% gegenüber 10,3% 2008) sowie der Kauf von Einrichtungsgegenständen auf Kredit (6,9% gegenüber 2,5%). Würde man nur vom Haushaltsfragebogen ausgehen, läge dieser letzte Prozentsatz 2013 bei 2,3 Prozent. Der Anstieg des Anteils von Personen, die in einem Haushalt mit einem geleasten oder auf Kredit gekauften Fahrzeug leben, lässt sich teilweise durch den Rückgang der Zinssätze in den vergangenen Jahren erklären. Wir können jedoch den Einfluss der Befragungsart nicht aufzeigen, weil der Erwerb eines Fahrzeugs auf Kredit oder das Fahrzeug-Leasing im Haushaltsfragebogen 2013 nicht erhoben wurden. Ein Vergleich zwischen den verschiedenen Quellen ist daher nicht möglich.

 

Verschuldung: Vergleich SILC 2008 und SILC 2013 nach Erhebungsmethoden (Diagramm)

Im Gegensatz zu den anderen Dimensionen der Verschuldung werden die Zahlungsrückstände jährlich erhoben. Bis 2012 wurden sämtliche Zahlungsrückstände im Haushaltsfragebogen erhoben. Seit 2013 werden alle Haushaltsmitglieder ab 16 Jahren einzeln dazu befragt, mit Ausnahme von Zahlungsrückständen im Zusammenhang mit der Wohnung. Hingegen wurden die Zahlungsrückstände 2013 im Haushaltsfragebogen nicht doppelt erhoben (wie dies für die Kredite der Fall war). Deshalb lässt sich der Einfluss der vorgenommenen Änderungen in der Befragungsmethode nicht von allfälligen Veränderungen in der Bevölkerung zwischen 2008 und 2013 differenzieren. Betrachtet man die im Haushaltsfragebogen erhobenen Zahlungsrückstände im Zusammenhang mit der Wohnung, so ist der Anteil der Personen, die in einem solchen Haushalt leben, relativ stabil geblieben oder gar leicht gesunken. 2013 leben wie im 2008, 2,7 Prozent der Bevölkerung in einem Haushalt mit einem oder mehreren Zahlungsrückständen für Miete oder Hypothekarzinsen. 3,1 Prozent wohnen in einem Haushalt mit Zahlungsrückständen für laufende Rechnungen für Wasser, Gas, Strom oder Heizung, gegenüber 4,7 Prozent im Jahr 2008.

Das Konzept der kritischen Kontoüberziehung oder Verschuldung wurde von Eurostat im Kontext der internationalen Vergleichbarkeit entwickelt. In der Erhebung SILC 2013 wird dieser Aspekt nicht wiedergegeben. Hingegen haben wir für 2013 den Prozentsatz der Personen erfasst, die in einem Haushalt mit mehreren Schuldenarten leben (Leasing, Kleinkredit/Konsumkredit, Ratenzahlung, Verschuldung bei Familie oder Freunden, die nicht im selben Haushalt leben, Zahlungsrückstand, Kontoüberziehung (Bank oder Post) oder unbezahlte Kreditkartenrechnung).

 

Internationale Vergleiche

Da das Modul Verschuldung 2013 nur in der Schweiz erhoben wurde, ist ein internationaler Vergleich nicht möglich. Trotz der oben erwähnten Probleme im Zusammenhang mit der Erhebungsmethode 2008 (Eurostat-Standard) sind die für 2008 verfügbaren internationalen Vergleiche nach wie vor gültig [Link]. Da die meisten Länder einen Fragebogen des Typs «Haushalt-Proxy» verwendet haben, können die Ergebnisse verschiedener Länder verglichen werden. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass für alle Länder ein hohes Risiko besteht, das Phänomen der Verschuldung zu unterschätzen.

 

Kontakt: 
Dominique Aubert (Tel: +41 58 / 463.64.92; Dominique.Aubert@bfs.admin.ch)
Charlotte den Hollander (Tel: +41 58 / 463.60.43; charlotte.den-hollander@bfs.admin.ch)
 

 

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