Einkommen, Verbrauch und Vermögen AnalysenVerschuldung
Einleitung
Das Modul der Erhebung SILC 2008 behandelt das Thema Verschuldung mit einer Reihe spezifischer, europaweit koordinierter Fragen. Die entsprechenden Variablen wurden auf der Haushaltsebene erhoben. Eurostat bietet eine Zusammenfassung der Ergebnisse für sämtliche teilnehmenden Länder. In der Folge präsentieren wir für die Schweiz die vertieften Ergebnisse zu den Bereichen Kredite und Darlehen sowie Zahlungsrückstände. Darüber hinaus werden die Gründe für fehlende Kreditverträge der Haushalte erläutert. Die Ergebnisse sind auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Zudem werden die Kredit- und Darlehensverbindlichkeiten des Haushalts sowie die Zahlungsrückstände und die Gründe, weshalb Haushalte keinen Kreditvertrag abgeschlossen haben, auf die einzelnen Haushaltsmitglieder verteilt.
In der Schweiz lebt ein Fünftel der Bevölkerung mit laufenden Krediten
Im Jahr 2008 leben 18,2% der Schweizer Wohnbevölkerung bzw. 1'340'000 Personen mit Verbindlichkeiten. Diese setzen sich zusammen aus mindestens einem Konsumkredit oder -darlehen, einer Hypothek für einen Zweitwohnsitz oder einer Verbindlichkeit im Zusammenhang mit dem Schritt in die Selbstständigkeit. Die Hypotheken für den Hauptwohnsitz sind nicht berücksichtigt.
14,1% der Bevölkerung leben in einem Haushalt, der mindestens einen Konsumkredit aufgenommen hat. Die Gesamtverbindlichkeiten betragen bei der Hälfte dieser Haushalte über 10'000 Franken.
Am häufigsten verbreitet sind Kreditschulden für Fahrzeugleasings: Mehr als 10% der Bevölkerung leben in Haushalten, die mindestens ein Fahrzeugleasing am Laufen haben. Anschliessend folgen Kredite für Wohnaccessoirs wie Möbel oder Haushaltsapparate wie beispielsweise Tiefkühlschränke, Fernseher oder Computer. Solche Kreditschulden betreffen rund 2,5% der Bevölkerung.
Personen in der französischen und italienischen Schweiz nehmen häufiger Kredite in Anspruch als jene in der Deutschschweiz. Während rund 25% der Bevölkerung in der französischen und italienischen Schweiz eine Kreditverbindlichkeit eingehen, sind es in der Deutschschweiz 15,4%.
Im europäischen Vergleich weist die Schweiz einen niedrigen Anteil von Personen mit Kredit- oder Darlehensverbindlichkeiten auf
Europaweit leben durchschnittlich 28,2% der Bevölkerung in Haushalten mit Kredit- oder Darlehensverbindlichkeiten aus anderen Gründen als der Hypothekarschuld auf dem Hauptwohnsitz.
Die Schweiz gehört mit 18,2% zu den Ländern mit dem niedrigsten Anteil an Personen, die in Haushalten mit Kredit- oder Darlehensverbindlichkeiten leben. Lediglich Malta und die Niederlande weisen noch geringere Quoten auf. Österreich (18,8%) und Italien (18,1%) verzeichnen ähnliche Werte wie die Schweiz, während Deutschland (26%) und Frankreich (42,8%) deutlich darüber liegen.
Bevölkerungsgruppen mit hoher Kredit- und Darlehensverbindlichkeit
Aus soziodemografischer Sicht sind Personen unter 50 Jahren, Familien mit Kindern sowie ausländische Staatsangehörige am häufigsten von Krediten oder Darlehen betroffen.
Ein Viertel (24%) der Kinder im Alter von 0-17 Jahren, 23% der jungen Erwachsenen im Alter von 18-24 Jahren und 24% der 25- bis 49-Jährigen leben in Haushalten mit Kredit- oder Darlehensverbindlichkeiten. In absoluten Zahlen entspricht dies 345'000 Kindern, 141'000 Personen im Alter von 18-24 Jahren und 653'000 der 25- bis 49-Jährigen. Demgegenüber leben lediglich 1,8% der Personen ab 65 Jahren sowie 13% der 50- bis 64-Jährigen in einem von Krediten oder Darlehen betroffenen Haushalt.
Während 24% der Personen in Haushalten mit mindestens einem Kind einen Kredit oder ein Darlehen aufgenommen haben, sind es nur 13% der Personen in Haushalten ohne Kinder. Die höchste Kredit- und Darlehensquoten verzeichnen Personen in Ein-Eltern-Haushalten (25,5%) und Personen in Paarhaushalten mit nur einem Kind (26,5%).
Ausländerinnen und Ausländer leben häufiger in Haushalten mit Kredit- oder Darlehensverbindlichkeiten (30,6%). Dies gilt in besonderem Masse für Personen aus dem aussereuropäischen Raum (35,2%).
Mieterinnen und Mieter nehmen häufiger Kredite oder Darlehen in Anspruch (ohne Hypotheken auf dem Hauptwohnsitz) als Personen mit Wohneigentum (21,5% gegenüber 14,4%). Obschon die Unterschiede in der Inanspruchnahme von Krediten oder Darlehen nach Einkommensgruppen statistisch nicht signifikant sind, fällt auf, dass der Anteil der Personen in Haushalten mit Kredit- und Darlehensverbindlichkeit in der einkommensstärksten (16,6% der Personen mit verfügbarem Äquivalenzeinkommen von 68'780.- Fr. und mehr) und der einkommensschwächsten Gruppe (16,8% der Personen mit verfügbarem Äquivalenzeinkommen von weniger als 30'634.- Fr.) vergleichbar ist, während die Gruppe im Zentrum der Einkommensverteilung deutlich häufiger Kredite und Darlehen aufnimmt: 21,9% der Personen im mittleren Einkommensbereich leben in von Krediten und Darlehen betroffenen Haushalten.
Die Armutsgefährdung hat keinen Einfluss auf das Vorkommen von Kredit- oder Darlehensverbindlichkeiten, hingegen zeigt sich, dass Personen, die materieller Entbehrung ausgesetzt sind, deutlich stärker betroffen sind (32,7%) als jene, bei denen dies nicht der Fall ist (17,3%).
Nahezu 8% der Bevölkerung leben in einem Haushalt mit erheblichen Kontoüberzügen oder Zahlungsrückständen
Das Vorhandensein von Krediten oder Darlehen ist nicht zwingend gleichbedeutend mit finanziellen Schwierigkeiten. Das Vorhandensein von Kontoüberzügen und Zahlungsrückständen in Gesamthöhe von zwei Dritteln des totalen verfügbaren monatlichen Haushaltseinkommens ist hingegen als kritisch einzustufen.
Im Jahr 2008 sind 7,7% der Bevölkerung bzw. nahezu 570’000 Personen in der Schweiz von einem solchen kritischen Überschuldungsvolumen betroffen. 3,3 % oder 240'000 Personen weisen sowohl einen erheblichen Kontoüberzug oder Zahlungsrückstand als auch eine Kredit- oder Darlehensverbindlichkeit auf.
Europaweit betrachtet sind 9,3% der Bevölkerung mit kritischen Kontoüberzügen oder Zahlungsrückständen konfrontiert. Die Schweiz liegt mit 7,7% unter dem europäischen Mittel. Kontoüberzüge und Zahlungsrückstände sind hier jedoch stärker verbreitet als in Frankreich (7,2%), Belgien (6,2%), Italien (5,8%), Spanien (3,1%) und Schweden (1,1%). Deutlich häufiger mit diesem Problem konfrontiert sind Österreich und Deutschland, wo 13,5% bzw.18,9% der Personen in Haushalten mit kritischen Zahlungsrückständen leben.
Gründe, weshalb Haushalte keinen Kredit in Anspruch nehmen
Die Befragten konnten mehrere Gründe angeben, weshalb sie keinen Kredit aufgenommen haben (ohne Berücksichtigung der Hypotheken auf dem Hauptwohnsitz).
Die Mehrheit der schweizerischen Wohnbevölkerung hat keinen Kredit, weil sie es aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht nötig hat, Geld auszuleihen (70,4%). Die Hälfte derjenigen, die es nicht nötig haben, Geld auszuleihen, könnte dies im Bedarfsfall bei Freunden oder bei der Familie tun.
37,1% der Bevölkerung leben in Haushalten, die bei Freunden oder bei der Familie Geld ausleihen können. Unter den Personen, die keine Verbindlichkeiten bei einem Kreditinstitut haben, aber nach eigenen Angaben auf die Aufnahme von Geld angewiesen sind, haben zwei Drittel die Möglichkeit, dies bei Freunden oder bei der Familie zu tun.
Die übrigen angeführten Gründe, weshalb trotz entsprechendem Bedarf kein Kredit aufgenommen wurde, lassen sich in drei Gruppen einteilen: eine grundsätzlich ablehnende Einstellung gegenüber Krediten (2,9% der Bevölkerung), ein Verzicht des Haushalts aus finanziellen Gründen (3,3% der Bevölkerung) und die Verweigerung von Krediten durch die Kreditinstitute.
In der zweiten Gruppe finden sich Personen, deren Haushalte aus finanziellen Gründen auf einen Kreditantrag verzichten, weil sie entweder davon ausgehen, dass sie die Schuld nicht zurückzahlen könnten (2,7% der Bevölkerung), oder weil sie denken, dass ihr Kreditantrag abgelehnt würde (1,7% der Bevölkerung). Die dritte Gruppe umfasst Personen in Haushalten, die einen abschlägigen Bescheid eines Kreditinstitutes erhalten haben (0,7% der Schweizer Wohnbevölkerung haben einen Kreditantrag gestellt, der abgelehnt wurde und 0,2% der Bevölkerung haben einen Kredit aufgenommen, der ihnen jedoch gekündigt worden ist).
Auffallend ist, dass die Selbstbeschränkung aufgrund zukünftig erwarteter finanzieller Schwierigkeiten im Falle einer Kreditaufnahme verbreiteter ist als die Kreditverweigerung durch ein Bank- oder Kreditinstitut. Aus soziodemografischer Sicht handelt es sich bei den Personen, die am ehesten von sich aus auf einen Kredit verzichten, weil sie denken, dass der Haushalt die Schuld nicht zurückzahlen könnte oder der Kreditantrag von der Bank abgelehnt würde, um ausländische Staatsangehörige, Erwerbslose und Personen im niedrigsten Einkommenssegment, die armutsgefährdet oder mit materieller Entbehrung konfrontiert sind.
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Gründe, warum der Haushalt keinen Konsumkredit hat, nach verschiedenen soziodemographischen Merkmalen (je-d-20.02.02.04) Bundesamt für Statistik BFS |
2008 | |
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Zuletzt aktualisiert am: 23.08.2011


