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Statistik Schweiz

Häusliche Gewalt

Die Revision der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) im Jahr 2009 bedeutet für die statistische Beobachtung der häuslichen Gewalt einen grossen Fortschritt. Zum ersten Mal stehen detaillierte statistische Informationen zu den polizeilich registrierten Straftaten sowie den geschädigten und beschuldigten Personen im häuslichen Bereich zur Verfügung.

Im Jahr 2012 wurde eine erste Publikation zu dieser Thematik mit der fachlichen und finanziellen Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) realisiert:

Viele der Grafiken und Tabellen, welche sich auf dieser Internetseite und den folgenden Unterseiten befinden, wurden aus der Übersichtpublikation Polizeilich registrierte häusliche Gewalt (2012) ausgewählt und aktualisiert. In dieser Publikation finden Sie weitere Informationen und methodische Erläuterungen.

Eine Zusammenfassung der Jahre 2009 bis 2013 ist im folgenden BFS Aktuell verfügbar:


Definition der häuslichen Gewalt

Statistisch gesehen ist die Definition von Gewalt in einem engen sozialen Milieu nicht das Ergebnis gesetzlicher Bestimmungen, sondern leitet sich aus der Beziehung zwischen dem Beschuldigten und dem Geschädigten ab. In diesem Sinne kann häusliche Gewalt nur über konkrete Straftatbestände definiert werden. Für diese Straftatbestände müssen die kantonalen Polizeibehörden erfassen, welche Beziehung zur Tatzeit zwischen beschuldigter und geschädigter Person bestand. Handelt es sich bei der beschuldigten Person um eine(n) aktuelle(n) oder ehemalige(n) Partner(in) oder ein anderes Familienmitglied der geschädigten Person, werden die polizeilich registrierten Straftaten dem häuslichen Bereich zugerechnet.

Folgende Straftaten des Schweizerischen Strafgesetzbuchs werden für die Definition der häuslichen Gewalt berücksichtigt:

Art. 111 Vorsätzliche Tötung
Art. 112 Mord
Art. 113 Totschlag
Art. 115 Verleitung und Beihilfe zum Suizid
Art. 116 Kindestötung
Art. 118 Ziff. 2 Strafbarer Schwangerschaftsabbruch ohne Einverständnis der schwangeren Frau
Art. 122 Schwere Körperverletzung
Art. 123 Einfache Körperverletzung
Art. 124 Verstümmelung weiblicher Genitalien (in Kraft seit 01. Juli 2012)
Art. 126 Tätlichkeiten
Art. 127 Aussetzung
Art. 129 Gefährdung des Lebens
Art. 136 Verabreichung gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder
Art. 173 Üble Nachrede
Art. 174 Verleumdung
Art. 177 Beschimpfung
Art. 179septies Missbrauch einer Fernmeldeanlage
Art. 180 Drohung
Art. 181 Nötigung
Art. 181a Zwangsheirat, erzwungene eingetragene Partnerschaft (in Kraft seit 01.Juli 2013)
Art. 183 Freiheitsberaubung/Entführung
Art. 184 Freiheitsberaubung/Entführung: erschwerende Umstände
Art. 185 Geiselnahme
Art. 187 Sexuelle Handlungen mit Kindern
Art. 188 Sexuelle Handlungen mit Abhängigen
Art. 189 Sexuelle Nötigung
Art. 190 Vergewaltigung
Art. 191 Schändung
Art. 193 Ausnützung einer Notlage
Art. 198 Sexuelle Belästigung
Art. 260bis Strafbare Vorbereitungshandlungen

Für die Registrierung der Beziehung stehen folgende Kategorien zur Verfügung:

Partnerschaft
Ehemalige Partnerschaft
Eltern-Kind-Beziehung (Angriffe der Eltern auf die Kinder oder der Kinder auf die Eltern)
Restliche Familienbeziehung

Polizeilich registrierte Gewaltstraftaten im häuslichen Bereich

Im Jahr 2015 wurden von der Polizei 17‘297 Straftaten im häuslichen Bereich registriert. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2009-2014 bedeutet das eine Zunahme um 10% (+1‘548 Straftaten) (siehe Excel-Tabelle weiter unten). Von 2014 auf 2015 stieg die Anzahl Straftaten um 11% (+1‘647 Straftaten) und nur ein Teil des Anstiegs lässt sich durch eine Änderung im Informationssystem des Kantons Zürichs erklären (siehe Anmerkung 3).

 2014 20153)
Tötungsdelikt vollendet (Art. 111-113/116)2336
Tötungsdelikt versucht (Art. 111-113/116)3952
Verleitung und Beihilfe zum Selbstmord (Art. 115)20
Schwangerschaftsabbruch ohne Einwilligung der Schwangeren (Art. 118.2)01
Schwere Körperverletzung (Art. 122)7284
Einfache Körperverletzung (Art. 123)1'8791'952
Verstümmelung weiblicher Genitalien (Art. 124)1)00
Tätlichkeiten (Art. 126)4'6325'181
Aussetzung (Art. 127)73
Gefährdung Leben (Art. 129)105119
Verabreichen gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder (Art. 136)98
Üble Nachrede (Art. 173)248243
Verleumdung (Art. 174)222191
Beschimpfung (Art. 177)2'4082'835
Missbrauch einer Fernmeldeanlage (Art. 179septies)594657
Drohung (Art. 180)3'8964'197
Nötigung (Art. 181)630768
Zwangsheirat, erzwungene eingetragene Partnerschaft (Art. 181a)2)210
Freiheitsberaubung und Entführung (Art. 183)113124
Freiheitsberaubung und Entführung: erschwerende Umstände (Art. 184)00
Geiselnahme (Art. 185)01
Sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 187)300348
Sexuelle Handlungen mit Abhängigen (Art. 188)35
Sexuelle Nötigung (Art. 189)200201
Vergewaltigung (Art. 190)180195
Schändung (Art. 191)2618
Ausnützung der Notlage (Art. 193)63
Sexuelle Belästigungen (Art. 198)4860
Strafbare Vorbereitungshandlungen (Art.260 bis)65
Total15'65017'297

1) Verstümmelung weiblicher Genitalien (Art. 124 StGB) in Kraft seit 01. Juli 2012.
2) Zwangsheirat, erzwungene eingetragene Partnerschaft (Art. 181a StGB) in Kraft seit 01.Juli 2013.
3) Der starke Anstieg der Straftaten häuslicher Gewalt im Jahr 2015 ist zu ca. 40 Prozent auf eine Veränderung im Informationssystem des Kantons Zürich zurückzuführen. Anders als bei den anderen Kantonen ist die Geschädigten-Beschuldigten-Beziehung im Kanton Zürich erst seit Mai 2015 zu einem Pflichtfeld bei der Rapportierung von Straftaten geworden, welche für die häusliche Gewalt berücksichtigt werden.

Dokument / Objekt Titel Periode
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(je-d-19.02.05.01.04)
Bundesamt für Statistik BFS
2009-2015

Anteil häuslicher Gewalt an der polizeilich registrierten Gewalt

Da die allgemeine Gewaltdefinition der PKS sich nicht mit derjenigen der häuslichen Gewalt deckt, kann der Anteil der häuslichen Gewalt an der polizeilich registrierten Gewalt nur auf Grundlage der im häuslichen Bereich berücksichtigten Straftaten angegeben werden. Im Jahr 2015 lag der Anteil bei 40%.

Häusliche Gewalt: Anteil häuslicher Gewalt an der polizeilich registrierten Gewalt (Diagramm)

Dokument / Objekt Titel Periode
Häusliche Gewalt: Anteil häuslicher Gewalt an der polizeilich registrierten Gewalt (Diagramm). Download (). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 122 KB   Häusliche Gewalt: Anteil häuslicher Gewalt an der polizeilich registrierten Gewalt (Diagramm)
(gr-d-19.02.05.01.03)
Bundesamt für Statistik BFS
2015
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(je-d-19.02.05.01.03)
Bundesamt für Statistik BFS
2009-2015

Polizeilich registrierte Gewaltstraftaten im häuslichen Bereich mit Mehrfachbegehung

In Fällen, wo die gleiche Person von derselben Täterschaft zu mehreren Zeitpunkten auf die gleiche Art wiederholt geschädigt wird, ohne dass eine separate Registrierung erfolgt, ersetzt der Vermerk mehrfach den exakten Zählfaktor.

Anteil Straftaten mit Mehrfachbegehung in %
2015 
Tötungsdelikt vollendet (Art. 111-113/116)0.0
Tötungsdelikt versucht (Art. 111-113/116)0.0
Verleitung und Beihilfe zum Selbstmord (Art. 115)-
Schwangerschaftsabbruch ohne Einwilligung der Schwangeren (Art. 118.2)0.0
Schwere Körperverletzung (Art. 122)9.5
Einfache Körperverletzung (Art. 123)15.0
Verstümmelung weiblicher Genitalien (Art. 124)1)-
Tätlichkeiten (Art. 126)46.8
Aussetzung (Art. 127)0.0
Gefährdung Leben (Art. 129)9.2
Verabreichen gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder (Art. 136)0.0
Üble Nachrede (Art. 173)10.7
Verleumdung (Art. 174)6.3
Beschimpfung (Art. 177)28.2
Missbrauch einer Fernmeldeanlage (Art. 179septies)26.3
Drohung (Art. 180)26.1
Nötigung (Art. 181)21.6
Zwangsheirat, erzwungene eingetragene Partnerschaft (Art. 181a)2)10.0
Freiheitsberaubung und Entführung (Art. 183)14.5
Freiheitsberaubung und Entführung: erschwerende Umstände (Art. 184)-
Geiselnahme (Art. 185)0.0
Sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 187)26.7
Sexuelle Handlungen mit Abhängigen (Art. 188)0.0
Sexuelle Nötigung (Art. 189)39.8
Vergewaltigung (Art. 190)29.2
Schändung (Art. 191)5.6
Ausnützung der Notlage (Art. 193)0.0
Sexuelle Belästigungen (Art. 198)16.7
Strafbare Vorbereitungshandlungen (Art.260 bis)0.0
Total30.5

1) Verstümmelung weiblicher Genitalien (Art. 124 StGB) in Kraft seit 01. Juli 2012.
2) Zwangsheirat, erzwungene eingetragene Partnerschaft (Art. 181a StGB) in Kraft seit 01.Juli 2013.

Dokument / Objekt Titel Periode
Häusliche Gewalt: Polizeilich registrierte Gewaltstraftaten mit über Mehrfachflag registrierter Mehrfachbegehung. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 40 KB   Häusliche Gewalt: Polizeilich registrierte Gewaltstraftaten mit über Mehrfachflag registrierter Mehrfachbegehung
(je-d-19.02.05.01.05)
Bundesamt für Statistik BFS
2009-2015

Beziehung zwischen geschädigter und beschuldigter Person

Die folgende Grafik zeigt, dass sich im Jahr 2015 50% der häuslichen Gewaltstraftaten in einer bestehenden und 29% in einer ehemaligen Partnerschaft ereignet haben. Die Verteilung auf die unterschiedlichen Beziehungen ist je nach Straftat unterschiedlich (siehe Excel-Datei weiter unten).

Häusliche Gewalt: Polizeilich registrierte Gewaltstraftaten nach Beziehung (Diagramm)

Dokument / Objekt Titel Periode
Häusliche Gewalt: Polizeilich registrierte Gewaltstraftaten nach Beziehung (Diagramm). Download (). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 97 KB   Häusliche Gewalt: Polizeilich registrierte Gewaltstraftaten nach Beziehung (Diagramm)
(gr-d-19.02.05.01.33)
Bundesamt für Statistik BFS
2015
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(je-d-19.02.05.01.06)
Bundesamt für Statistik BFS
2009-2015

Verteilung der geschädigten und beschuldigten Personen

Die folgenden vier Diagramme zeigen die Verteilung der geschädigten und beschuldigten Personen nach Geschlecht und pro Beziehungsart. Die Kombination beschuldigter Mann-geschädigte Frau kommt am häufigsten vor. In der bestehenden und ehemaligen Partnerschaft macht diese Kombination 76% bzw. 79% aus, in der Eltern-Kind-Beziehung und der Beziehung innerhalb der restlichen Familie sind es 44% bzw. 41%.

Häusliche Gewalt: Verteilung der geschädigten und beschuldigten Personen nach Geschlecht und pro Beziehungsart (Diagramm)

Dokument / Objekt Titel Periode
Häusliche Gewalt: Verteilung der geschädigten und beschuldigten Personen nach Geschlecht und pro Beziehungsart (Diagramm). Download (). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 114 KB   Häusliche Gewalt: Verteilung der geschädigten und beschuldigten Personen nach Geschlecht und pro Beziehungsart (Diagramm)
(gr-d-19.02.05.01.42)
Bundesamt für Statistik BFS
2015
Häusliche Gewalt: Verteilung der geschädigten und beschuldigten Personen nach Geschlecht und pro Beziehungsart. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 39 KB   Häusliche Gewalt: Verteilung der geschädigten und beschuldigten Personen nach Geschlecht und pro Beziehungsart
(je-d-19.02.05.01.35)
Bundesamt für Statistik BFS
2009-2015

 

Tatzeitpunkt

Der Tatzeitpunkt beinhaltet den Tatbegehungstag sowie die Tatbegehungsuhrzeit. Die Verteilung der Straftaten aus den Jahren 2009 bis 2015 auf die Wochentage zeigt, dass häusliche Gewaltstraftaten am häufigsten am Wochenende begangen werden. Was die Tatbegehungsuhrzeit betrifft, ist ein Anstieg der Straftaten ab den frühen Morgenstunden erkennbar, der seinen Höhepunkt gegen 19-20 Uhr erreicht. Am höchsten belastet sind die Abendzeiten am Sonntag.

Häusliche Gewalt: Verteilung der Gewaltstraftaten nach Wochentag (Diagramm)

Häusliche Gewalt: Mittlere Anzahl Gewaltstraftaten nach Tageszeit der Straftatbegehung (Diagramm)

Dokument / Objekt Titel Periode
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(gr-d-19.02.05.01.34)
Bundesamt für Statistik BFS
2009-2015
Häusliche Gewalt: Mittlere Anzahl Gewaltstraftaten nach Tageszeit der Straftatbegehung (Diagramm). Download (). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 112 KB   Häusliche Gewalt: Mittlere Anzahl Gewaltstraftaten nach Tageszeit der Straftatbegehung (Diagramm)
(gr-d-19.02.05.01.35)
Bundesamt für Statistik BFS
2009-2015

Tatörtlichkeit

Die Tatörtlichkeit wird in privaten und öffentlichen Raum unterteilt. Unter privatem Raum werden ausschliesslich die eigenen vier Wände, das heisst die für andere nicht zugänglichen Privaträume von Personen verstanden. In der Partnerschaft und in der Eltern-Kind-Beziehung ereignen sich Gewaltstraftaten meistens in den eigenen vier Wänden, während dieser Anteil in der ehemaligen Partnerschaft und in der restlichen Familie deutlich geringer ist.

Häusliche Gewalt: Tatörtlichkeit nach Bereich (Diagramm)

Dokument / Objekt Titel Periode
Häusliche Gewalt: Tatörtlichkeit nach Bereich (Diagramm). Download (). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 100 KB   Häusliche Gewalt: Tatörtlichkeit nach Bereich (Diagramm)
(gr-d-19.02.05.01.36)
Bundesamt für Statistik BFS
2009-2015
Dokument / Objekt Titel Periode
Strafgesetzbuch (StGB): Straftaten häusliche Gewalt und geschädigte Personen. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 715 KB   Strafgesetzbuch (StGB): Straftaten häusliche Gewalt und geschädigte Personen
(su-d-19.02.05.01.06_7000)
Bundesamt für Statistik BFS
2009-2015
Strafgesetzbuch (StGB): Straftaten häusliche Gewalt und beschuldigte Personen. Download (XLS). Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. 683 KB   Strafgesetzbuch (StGB): Straftaten häusliche Gewalt und beschuldigte Personen
(su-d-19.02.05.01.05_7000)
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2009-2015
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