Freiheitsentzug, Strafvollzug – Daten, Indikatoren Überblick: Kommentar
Stabile Verhältnisse im Freiheitsentzug
In der Schweiz sind die Kantone für die Einrichtungen des Freiheitsentzugs zuständig. Um stets aktuelle Daten auf gesamtschweizerischer Ebene zur Verfügung zu haben, führt das BFS jedes Jahr im September eine «Erhebung der Insassenbestände in den Institutionen und Einrichtungen des Freiheitsentzugs» durch. So werden jährlich Informationen zur offiziellen Kapazität der Einrichtungen, zur Art der Haft und zum Profil der Inhaftierten (Verteilung nach Geschlecht, Nationalität, Aufenthaltsstatus usw.) erhoben.
Seit 1999 ging die Anzahl der Einrichtungen des Freiheitsentzugs deutlich – von 145 auf 114 – zurück. Dies stellt einen Gegensatz zur offiziellen Kapazität und zur Inhaftiertenzahl dar, die sehr stabil geblieben sind. Das heisst, dass mehrere kleine Einrichtungen durch grössere Einrichtungen ersetzt wurden.
Die Inhaftierten
2011 waren 6'085 Personen in 113 Einrichtungen des Freiheitsentzugs inhaftiert. 6'660 Plätze wären verfügbar gewesen. Die ausländischen Häftlinge waren mit 71 Prozent in der Mehrzahl, während die Frauen rund 5 Prozent der Insassenpopulation ausmachten. Minderjährige waren lediglich mit 1,4 Prozent vertreten. Von den Inhaftierten befanden sich 28 Prozent in Untersuchungshaft, 63 Prozent im Straf- und Massnahmenvollzug, 6 Prozent waren im Rahmen von Zwangsmassnahmen gemäss Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und 3 Prozent aus anderen Gründen inhaftiert. Mit 78 Insassen pro 100'000 Personen der Wohnbevölkerung liegt die Insassenrate der Schweiz im unteren Drittel der westeuropäischen Länder.
Entwicklung des Strafvollzugs
1984 wurden 70% der Personen im Strafvollzug in den Normalvollzug eingewiesen. 2009 blieben die absoluten Zahlen zwar stabil, der Anteil des Normalvollzugs am gesamten Strafvollzug belief sich jedoch auf 62 Prozent. Dies lässt sich auf die Einführung und Entwicklung der gemeinnützigen Arbeit zurückführen. Den Höchstwert erreichte sie 2007 mit insgesamt 5'619 Fällen. Die gemeinnützige Arbeit nahm seither stark ab (4'039 Fälle im Jahr 2009). Seit 1999 ist der Frauenanteil bei dieser Vollzugsart deutlich angestiegen (von 129 auf 757 Fälle). Der Ausländeranteil hat ebenfalls zugenommen, doch in geringerem Ausmass. Interessanterweise war 1999 die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen weitaus am stärksten vertreten. Zudem gab es grosse Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Im Gegensatz dazu wies 2009 jede Altersgruppe ähnlich hohe Insassenbestände auf.
