Szenarien für das Bildungssystem – AnalysenSzenarien 2011-2020 für die obligatorische Schule - Lernende: Wichtigste Ergebnisse
Anstieg der Primarschulbestände ab 2013
Gemäss den neuen Szenarien des Bundesamtes für Statistik (BFS) zum Bildungssystem dürfte der seit 2003 anhaltende Rückgang der Schülerbestände in der obligatorischen Schule insgesamt (-40'000 Schülerinnen und Schüler zwischen 2003 und 2010, d.h. -5%) in zwei bis drei Jahren zu Ende gehen. Die Schülerbestände werden anschliessend wieder wachsen und 2020 voraussichtlich um 20'000 höher liegen als 2010 (2010: 720'000).
Auf der Primarstufe dürften die Schülerbestände ab 2013 wieder zulegen und zwischen 2010 und 2020 insgesamt um 7% zunehmen. Auf der Sekundarstufe I ist ab 2018 mit steigenden Schülerbeständen zu rechnen, zwischen 2010 und 2020 allerdings mit einem Rückgang um 2% bis 4%.
Kurzfristig werden die stärksten Zunahmen in der Vorschule erwartet. Auf dieser Stufe dürften die Schülerzahlen zwischen 2010 und 2016 um 8% bis 11% wachsen.
Aktualisierung: 15.6.2011
Deutliche Zunahme der Schülerbestände auf der Vorschulstufe in den kommenden Jahren
Nach einem deutlichen Rückgang der Geburtenzahl zwischen 1992 und 2003 ist wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen, und 2010 werden über 11% mehr Geburten erwartet als 2003. Gemäss dem Referenzszenario zur Bevölkerungsentwicklung 2010-2060 dürfte die Geburtenzahl noch bis 2020 weiter wachsen.
Wird nur die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung betrachtet (Szenario «neutral» für die Vorschulstufe), dürften die Bestände der Vorschule zwischen 2010 und 2016 um 8% zulegen (+11'000 Schülerinnen und Schüler; 2010: schätzungsweise 144'000). Verstärkt wird dieser Anstieg durch die laufenden Reformen auf dieser Stufe. Falls bis dahin in der ganzen Schweiz für alle Kinder ab vier Jahren ein Vorschulbesuch von zwei Jahren eingeführt wird, dürfte die Schülerzahl im betrachteten Zeitraum um +11% (+16'000 Kinder) zunehmen.
Nach 2016 ist die Entwicklung der Bestände auf der Vorschulstufe wesentlich ungewisser, da sie vom tatsächlichen Verlauf bei der zukünftigen Geburtenzahl abhängt (siehe unten). Falls sich die Geburtenzahl und der Migrationssaldo so entwickeln, wie es das Referenzszenario zur Bevölkerungsentwicklung vorsieht, würden 2020 knapp 170'000 Kinder die Vorschule besuchen (Szenario «Konvergenz»). Dies wären 13% mehr als 2010.
Die Vorschulbestände dürften in den nächsten sechs Jahren in praktisch allen Kantonen wachsen, regional sind jedoch sehr unterschiedliche Entwicklungen zu erwarten. Denn diese hängen nicht nur von den äusserst verschiedenen demografischen Entwicklungen in den Kantonen ab, sondern auch davon, ob ein Kanton sich den HarmoS-Zielen bezüglich des Schuleintritts verpflichtet oder nicht (siehe die «Detaillierte Ergebnisse nach Kanton» und die «Hypothesen und Unsicherheiten»).
Wiederanstieg der Schülerbestände an der Primarschule ab 2013
Auf der Primarstufe ist noch bis 2012 mit einem marginalen Rückgang der Schülerzahlen zu rechnen (von 465'000 im Jahr 2010 auf 461'000). Ab 2013 dürften die Schülerzahlen aufgrund der Bevölkerungsentwicklung wieder zunehmen (2012-2020: +8%). Eine Harmonisierung des Schuleintrittalters dürfte die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler auf der Primarstufe während einiger Jahre leicht beeinflussen (+1%, falls die Vereinheitlichung des Eintrittsalters innerhalb von fünf Jahren erfolgt).
Regional gesehen sind 2020 in 17 Kantonen grössere Primarschulbestände zu erwarten als 2010, in 10 Kantonen sogar Zunahmen von mehr als 5% (siehe «Detaillierte Ergebnisse nach Kanton»).
Rückgang der Schülerzahlen auf der Sekundarstufe I bis 2016
Die Schülerbestände der Sekundarstufe I haben im Jahr 2005 (mit 265'000 Schülerinnen und Schülern) ihren Höhepunkt erreicht und sind seither um rund 11'000 zurückgegangen (-4% zwischen 2005 und 2010). Bis 2016 wird eine Abnahme um weitere 6% erwartet (-15'000 gegenüber 2010). Ab 2017 werden die Bestände voraussichtlich wieder wachsen (+3% bis +4% zwischen 2016 und 2020). Mit Ausnahme der Kantone Zürich, Waadt, Genf und Basel-Stadt werden zwischen 2010 und 2020 vermutlich alle Kantone einen Rückgang der Bestände verzeichnen. In 13 Kantonen dürften die Schülerzahlen um mehr als 10% abnehmen (siehe «Detaillierte Ergebnisse nach Kanton»).
Die Zahl der Abgängerinnen und Abgänger der obligatorischen Schule ist von 1992 bis 2007 stetig gestiegen. 2009 war erstmals eine deutliche Abnahme zu verzeichnen, und dieser Abwärtstrend dürfte in den kommenden Jahren anhalten. 2011 dürfte diese Zahl gegenüber 2010 um 0,5% zurückgehen, bis 2018 um 7% (2018: 75'000 Abgängerinnen und Abgänger, 2010: 81'000). Auch hier bestehen erhebliche regionale Unterschiede: In Kantonen wie Zürich, Waadt, Genf, Zug und Basel-Stadt zeigt der Trend bei der Schulabgängerzahl für den Zeitraum 2010-2020 leicht nach oben, während in 15 Kantonen Abnahmen von mehr als 10% prognostiziert werden (siehe «Detaillierte Ergebnisse nach Kanton»).

Genauigkeit der Szenarien für die Schülerzahl an der obligatorischen Schule
Erwartete Unsicherheiten im Vergleich mit allen vorangehenden Szenarien
Die durchschnittliche Unsicherheit, die bisher bei den Szenarien für die obligatorische Schule als Ganzes beobachtet wurde, beträgt nach einem Jahr 0,2% und nach sechs Jahren 0,8%. Auf den einzelnen Stufen belief sich die Abweichung gegenüber den effektiven Beständen nach sechs Jahren beim Szenario «neutral» auf 0,5% für die Primarstufe, auf 1,3% für die Sekundarstufe I, auf 1,7% für die Jugendlichen am Ende des 9. Schuljahres und auf 5% für die Vorschule (siehe auch «Hypothesen und Unsicherheiten»).
Aus den Bevölkerungsszenarien abgeleitete Unsicherheiten
Die Berücksichtigung nicht nur des Referenzszenarios, sondern weiterer Bevölkerungsszenarien liefert Anhaltspunkte zum Ausmass der möglichen Unsicherheiten der Szenarien für die obligatorische Schule. Dazu wurden neben den Hypothesen für die Entwicklung an der obligatorischen Schule auch Varianten berechnet, die auf den Bevölkerungsszenarien «Hoch» (BR-00-2010) und «Tief» (CR-00-2010) beruhen. Die Auswirkungen auf die Ergebnisse sind bedeutend und viel grösser als die festgestellten Unsicherheiten zwischen den bisherigen Prognosen und den entsprechenden Beobachtungen (siehe oben). Dabei sind die mittelfristigen Schülerbestände der Vorschule und der Primarschule sehr stark abhängig von den Hypothesen zur Geburtenzahl, die bei den Szenarien «Hoch» und «Tief» weit auseinander liegen (der Einfluss der Hypothese zur Geburtenzahl ist mittelfristig wesentlich grösser als derjenige der Hypothesen zur Migration).
Bei der Variante «neutral» + Bevölkerungsszenario «tief» könnten sich die Vorschulbestände bis 2020 gegenüber 2010 insgesamt um 5% verringern. Bei der Variante «neutral» + Bevölkerungsszenario «hoch» wäre dagegen im gleichen Zeitraum ein Anstieg um 22% möglich. Für die Primarstufe reicht die Bandbreite der möglichen Entwicklung bei den genannten Szenarien von -1% bis 13%. Deutlich geringer dürfte der Einfluss für die Sekundarstufe I sein (rund 2%-3%), da die künftige Entwicklung der Geburtenziffer für die Bestände dieser Stufe im Zeitraum 2010-2020 keine Rolle spielt.
Weiterführende Informationen
Auskunft: Jacques Babel, Sektion Bildungssystem, Tel: +41 32 71 36381
Zuletzt aktualisiert am: 29.09.2011