Szenarien für das Bildungssystem – AnalysenSzenarien 2010-2060 zum Bildungsniveau der Bevölkerung: Hypothesen und Unsicherheiten
Modellierung
Wir verwenden die gleiche Modellierung wie in den Szenarien 2009-2018 zum Bildungsniveau. Das heisst konkret:
- Die Modellierung erfolgt nach dem Multi-State-Modell, das für alle Altersklassen, Geschlechter und Nationalitäten Wahrscheinlichkeiten für den Übergang auf eine andere Bildungsstufe integriert. Diese Modellierung ist eng mit den Bevölkerungsszenarien gekoppelt und bezieht Einwanderung, Auswanderung und Einbürgerungen vollumfassend mit ein.
- Die Übergangsquoten basieren direkt auf den Ergebnissen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE), um heikle Verknüpfungen von Daten zur Anzahl neu Neudiplomierter («Ströme») und zum Bildungsniveau («Bestand») aus mehreren Quellen zu vermeiden.
Drei Grundszenarien
Die zukünftige Entwicklung des Bildungsniveaus wird mit drei stark differenzierten Szenarien abgedeckt. Dabei zeigt sich, dass gewisse Tendenzen entscheidend von der gewählten Hypothese abhängen, während andere äusserst robust sind, weil sie zu einem grossen Teil mit der schrittweisen Erneuerung von generell wenig gebildeten Generationen durch Generationen zusammenhängen, in denen ein Studium auf Tertiärstufe häufig ist.
Das hohe Szenario
Das hohe Szenario geht von Folgendem aus:
- Die steigende Zahl der Übergänge zur Tertiärstufe (Hochschulen oder höhere Berufsausbildung) könnte sowohl durch das «Upgrading» von Bildungswegen – das heisst durch die Verschiebung von der Sekundarstufe II zur Tertiärstufe – bedingt sein, als auch durch eine zunehmende Tendenz, die Ausbildung weiterzuführen und eine Hochschule oder eine höhere Berufsbildung zu absolvieren.
- Das Bildungsniveau der zuwandernden Bevölkerung nimmt weiter zu, wobei der Anteil der Personen mit einem Abschluss auf Tertiärstufe von heute 60% langfristig auf knapp über 70% steigt.
- Das Szenario umfasst eine hohe Hypothese für die aktuellen Übergangsquoten zur Tertiärstufe für ausländische Staatsangehörige und erwartet, dass sich die Wahrscheinlichkeit, einen Abschluss der Sekundarstufe II oder der Tertiärstufe zu erwerben, für schweizerische und ausländische Personen zunehmend angleicht.
Dieses Szenario ist mit dem hohen Bevölkerungsszenario B-00-2010 als Grundszenario gekoppelt.
Das mittlere Szenario
Das mittlere Szenario geht von deutlich bescheideneren Hypothesen aus, die relativ nahe am Status quo sind. Es rechnet namentlich damit, dass der «Upgrading»-Prozess, dank dem zahlreiche Bildungswege in den Bereichen Unterricht, Gesundheit, Sozialwesen und Kunst von der Sekundarstufe II zur Tertiärstufe verschoben worden sind, in der Schweiz abgeschlossen wird. Das mittlere Szenario trifft die Hypothese, dass der Trend zum Studium in den nächsten 10 Jahren nur noch moderat zunehmen und dann stabil bleiben wird. Im Vergleich mit den 10-jährigen Szenarien für das Bildungssystem entspricht dieses Szenario weitgehend dem neutralen Szenario 2010-2019.
Dieses Szenario ist mit dem mittleren Bevölkerungsszenario A-00-2010 als Grundszenario gekoppelt.
Das tiefe Szenario
Bei der Festlegung der Basisniveaus der Übergangsquoten zur Tertiärstufe berücksichtigt das tiefe Szenario zunächst die Unsicherheit, die mit der tatsächlichen Aussagekraft der Anzahl Neudiplomierter gemäss SAKE verbunden ist.
Die Hypothesen sind die folgenden:
- Die Wahrscheinlichkeit, die Tertiärstufe zu erreichen, verringert sich im Vergleich zu den Basisniveaus der andern Szenarien für jedes Alter um 25% (siehe die Szenarien 2009-2018).
- Sehr geringer Rückgang der Wahrscheinlichkeit, einen Abschluss der Sekundarstufe II zu erlangen, und langsamer Rückgang der Wahrscheinlichkeit, einen Abschluss der Tertiärstufe zu erwerben.
- Tiefe Hypothese für die Wahrscheinlichkeit der ausländischen Wohnbevölkerung, einen Tertiärabschluss zu erwerben.
- Rückgang des Bildungsniveaus der zuwandernden Bevölkerung (für die Tertiärstufe von 60% auf letztlich etwas weniger als 45%, also eine Rückkehr zu den gegen Ende der 90-er Jahre beobachteten Werten).
Dieses Szenario ist mit dem tiefen Bevölkerungsszenario C-00-2010 als Grundszenario gekoppelt.
Es werden Hypothesen zu den Personen in Ausbildung formuliert.
Detaillierte Informationen zu den Hypothesen sind hier unten verfügbar.
| Dokument / Objekt | Titel | Periode | |
|---|---|---|---|
| 69 KB |
Hypothesen 2010-2060 zur Bildung der Bevölkerung (be-d-15.01.03-sce-2010-2060) Bundesamt für Statistik BFS |
2010-2060 | |
Vergleich zwischen den Beobachtungen 2009 und den Szenarien 2009-2018
Revision
Wenn man die aktuellen Szenarien mit den Ergebnissen der Szenarien 2009–2018 vergleicht, so zeigen sich beim mittleren Szenario nur geringfügige Abweichungen (der prognostizierte Anteil der Personen mit Tertiärausbildung in der gesamten 25- bis 64-jährigen Bevölkerung im Jahr 2018 unterscheidet sich um weniger als 0,7 Prozentpunkte). In Bezug auf die ausländische Bevölkerung ist die Abweichung leicht grösser, da die Übergangsquote zur Tertiärstufe nach unten korrigiert wurde (der Anteil der ausländischen Personen mit Tertiärausbildung ist demnach bis 2018 um 2 Prozentpunkte tiefer als in den Szenarien 2009–2018). Schliesslich sei erwähnt, dass die hier ermittelten Bildungsniveaus für die kommenden zehn Jahre äusserst nahe bei den Vorausschätzungen 2010-2020 des Cedefop (2010)
liegen, die das Zentrum auf der Basis sehr unterschiedlicher Prognosemodelle erstellt hat.
Weiterführende Informationen
- Wichtigste Ergebnisse
- Detaillierte Ergebnisse
- Publikation: Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2010-2060
- Publikation: Künftige Entwicklung des Bildungsniveaus der Bevölkerung in der Schweiz (Szenarien 2009-2018)
- Publikation: Szenarien 2011-2020 für die Hochschulen und die Personen mit Hochschulabschluss in der Bevölkerung
Auskunft
Jacques Babel, BFS, Sektion Bildungssystem, Tel: +41 32 71 36381
