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Statistik Schweiz

Szenarien für das Bildungssystem – AnalysenSzenarien 2011-2020 für die obligatorische Schule - Lehrkräfte: Wichtigste Ergebnisse

Grosse kantonale Unterschiede bei den Pensionierungen

Gemäss den neuen Szenarien des Bundesamtes für Statistik (BFS) für das Bildungssystem dürfte die Zahl der Pensionierungen bei den Lehrkräften der obligatorischen Schule in den nächsten Jahren weiterhin ansteigen (für die Primarstufe +30% Austritte im Jahr 2016 gegenüber 2010). Auf der Primarstufe wird der Höhepunkt der Austritte gegen 2016-2017 erreicht sein. Eine ähnliche, wenn auch schwächere Tendenz wird auf der Sekundarstufe I erwartet, wo bis 2015 ebenfalls mit einem Anstieg der Pensionierungen zu rechnen ist (+11% zwischen 2010 und 2015). Auf beiden Stufen zeichnen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Kantonen ab.

Auf der Primarstufe dürften aufgrund wieder ansteigender Schülerbestände und zunehmender Pensionierungen bis 2019 voraussichtlich immer mehr neue Lehrkräfte rekrutiert werden. Auf der Sekundarstufe I könnte hingegen die Abnahme der Schülerzahlen bis 2015 die Auswirkungen der vermehrten Pensionierungen auf den Rekrutierungsbedarf ausgleichen.

Aktualisierung: 15.6.2011

Deutlicher Anstieg der Pensionierungen

In den letzten Jahren ist der Anteil älterer Lehrkräfte auf der Primarschulstufe deutlich gewachsen. Während 1998 die Lehrkräfte im Alter von 50 und mehr Jahren noch 20% des Lehrkörpers stellten, erreicht dieser Anteil derzeit mit 35% einen Höchststand. Ab 2012-2013 wird er sich voraussichtlich verringern und gegen 2018 unter 30% sinken. Die Zahl der Pensionierungen dürfte in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Während 2006 auf der Primarstufe jährlich rund 850 Lehrkräfte pensioniert wurden, dürfte diese Zahl im Jahr 2010 auf 1200 und im Jahr 2016 auf rund 1500 ansteigen (+30% gegenüber 2010). Demnach würden in fünf Jahren jährlich rund 3,4% der Lehrkräfte pensioniert (gegenüber 2,9% im Jahr 2010). Dieser Anteil dürfte in der Folge bis 2020 auf 3,0% zurückgehen.

Ähnlich verläuft die Entwicklung voraussichtlich auf der Sekundarstufe I. Der Anteil der Lehrkräfte im Alter von 50 und mehr Jahren dürfte nach einem Höchststand von 35% im Jahr 2009 seit 2010 zurückzugehen. Für 2020 wird ein Anteil von 31% erwartet. Der Anstieg bei den Pensionierungen wird auf der Sekundarstufe I voraussichtlich schwächer ausfallen als auf der Primarstufe. Von 1200 prognostizierten Austritten im Jahr 2010 dürfte die Anzahl Pensionierungen in vier Jahren auf einen Höchststand von rund 1300 klettern (+11% zwischen 2010 und 2015). Nach 2015 wird die Zahl der Pensionierungen voraussichtlich leicht zurückgehen und gegen 2020 wieder den heutigen Stand erreichen. Mit rund 3,9% der Lehrkräfte der Sekundarstufe I, die jährlich pensioniert werden, dürfte der Höchststand bei der Personalfluktuation gegen 2014 erreicht sein. Auch hier zeichnet sich anschliessend ein Rückgang ab (3,4% im Jahr 2020).

Entwicklung der Austritte von über 55-jährigen Lehrern

Entwicklung der Pensionierungen auf kantonaler Ebene

Aktuell sehen die Alterspyramiden der Lehrkräfte je nach Kanton sehr unterschiedlich aus. Der Anteil der Lehrkräfte im Alter von 50 und mehr Jahren auf der Primarstufe dürfte 2010 zwischen rund 25% in Kantonen wie Zug oder Basel-Stadt und 40% in Kantonen wie Solothurn oder Tessin und sogar 52% im Kanton Jura liegen. Diese Anteile dürften in den nächsten Jahren zurückgehen und in vielen Kantonen bis 2020 unter 30% sinken.

Bei den Pensionierungen präsentiert sich das Bild ebenfalls uneinheitlich. Hier liegt die Bandbreite des durchschnittlichen Anteils von Pensionierungen am Lehrkörper in den nächsten fünf Jahren zwischen knapp über 2% in Zug und Basel und mehr als 4% in den Kantonen Solothurn, Tessin, Wallis und Neuenburg und sogar bei über 5% im Kanton Jura. Für den Zeitraum 2016-2020 sind ähnliche Werte zu erwarten.

Auf der Sekundarstufe I bestehen grosse kantonale Unterschiede. Hier reicht der Anteil von Lehrkräften im Alter von 50 oder mehr Jahren von weniger als 30% in den Kantonen Freiburg, Appenzell-Ausserrhoden und Genf bis zu Werten von gegen 40% in den Kantonen Uri und Basel-Stadt. Ebenso wie auf der Primarstufe dürften diese Anteile in den kommenden Jahren in vielen Kantonen zurückgehen. In zehn Kantonen wird der Anteil der Pensionierungen in den nächsten fünf Jahren bei über 4% liegen.

Primarstufe – Durchschnittliche jährliche Austrittsrate verursacht durch die Pensionierungen

Sekundarstufe I – Durchschnittliche jährliche Austrittsrate verursacht durch die Pensionierungen

Welche Auswirkungen haben die vermehrten Austritte auf den Bedarf an neuen Lehrkräften?

Die Prognosen zur Zahl der Pensionierungen und zur Entwicklung der Altersstruktur sind zwar robust, es ist jedoch schwierig vorherzusehen, wie sich die Pensionierungen auf die Rekrutierung neuer Lehrkräfte auswirken werden. Zahlreiche Mechanismen könnten eine Rolle spielen, namentlich die Entwicklung der Betreuungsquote, allfällige Änderungen bei den Pensen der Lehrkräfte oder mögliche Auswirkungen laufender Reformen in der obligatorischen Schule auf die Lektionenzahl der Schülerinnen und Schüler. Angesichts dieser zahlreichen Unbekannten und zur Berücksichtigung der möglichen Bandbreite an Entwicklungen werden hier verschiedene Modelle mit einfachen Hypothesen berücksichtigt. Das Szenario «neutral» geht davon aus, dass die Betreuungsquote (ausgedrückt als Gesamtpensum) in den nächsten Jahren unverändert bleibt. Die Simulation «leichte Inelastizität zwischen Lehrkräfte- und Schülerbestand» geht davon aus, dass sich das Gesamtpensum nur teilweise an die Schülerbestände anpasst. Die Simulation «tiefere Fluktuationsrate» geht davon aus, dass die gemessene Fluktuationsrate leicht zu hoch sein könnte und zeigt, wie sich eine etwas tiefere Fluktuationsrate der unter 55-Jährigen auf die Rekrutierung auswirken würde. Schliesslich vermittelt die Simulation «konstante Nachfrage» eine Vorstellung davon, wie viele Lehrkräfte rekrutiert werden müssten, wenn das Gesamtpensum in den nächsten Jahren gleich bliebe (und somit unabhängig von der Schülerzahl wäre).

Ausser bei der Simulation «konstante Nachfrage» bewirkt die erwartetet Zunahme der Schülerbestände ab 2013 auf der Primarstufe (siehe Wichtigste Ergebnisse für die Schülerinnen und Schüler) einen Anstieg der Rekrutierung, der zum grösseren Bedarf aufgrund vermehrter Pensionierungen auf dieser Stufe hinzu käme. Gemäss Szenario «neutral» dürfte die jährliche Rekrutierung neuer Lehrkräfte demnach zwischen 2010 und 2016 um 1500 zunehmen. Diese Zahl muss mit der aktuellen Rekrutierung in Bezug gesetzt werden, die bei rund 3750 Lehrkräften liegen dürfte. Darin sind auch die wiedereinsteigenden oder neu in einem anderen Kanton unterrichtenden Lehrkräfte berücksichtigt. Sie entspricht somit einer Zunahme bei der Rekrutierung neuer Lehrkräfte um 40%. Auf der Sekundarstufe I dürfte die sinkende Schülerzahl die zunehmende Zahl der Pensionierungen bis 2015 kompensieren. Angesichts des erwarteten Wiederanstiegs der Schülerzahlen ist in der Folge voraussichtlich eine zusätzliche Rekrutierung von 1000 Lehrkräften pro Jahr erforderlich (im Vergleich zu den derzeit schätzungsweise 4000 Eintritten).

Die nachfolgende Tabelle zeigt, dass die Ergebnisse zur Rekrutierung stark von den verwendeten Hypothesen abhängen, aber auch, dass sämtliche Modelle einen Anstieg der Rekrutierung in Aussicht stellen. Das Wachstum der Rekrutierung auf der Primarstufe könnte demnach zwischen 2010 und 2020 in einer Bandbreite von +33% - im Falle einer gewissen Inelastizität zwischen Lehrkräfte- und Schülerbestand - bis zu +50% - im Falle einer leichten Überschätzung der aktuellen Fluktuationsraten - liegen. Schliesslich würde bei der Simulation «konstante Nachfrage» die Rekrutierung zwischen 2010 und 2020 um lediglich 9% zunehmen. Auf der Sekundarstufe I wird mit einer ähnlichen Entwicklung gerechnet. Hier liegen die erwarteten Wachstumsraten zwischen 14% und 21% (+5% bei der Simulation «konstante Nachfrage»).

Entwicklung ds Bedarfs an Lehrkräfte-Eintritten

Austritte und Einstellungen von Lehrkräften gemäss den verschiedenen Modellen

 Jährliche Anzahl Austritte von über 55-jährigen LehrkräftenTotal jährliche Anzahl AustritteSchätzung des jährlichen Bedarfs von Anstellungen von neuen Lehrkräften
 201020202010202020102020
Primarstufe      
Szenario «neutral»115014504000495037505350
Simulation «leichte Inelastizität zwischen Lehrkräfte- und Schülerbestand»115014504050490039005200
Simulation «tiefere Fluktuationsrate»115014503300415030504550
Simulation «konstante Nachfrage»120014504200470043504750
Sekundarstufe I      
Szenario «neutral»120012504150445040504800
Simulation «leichte Inelastizität zwischen Lehrkräfte- und Schülerbestand»120012504200450041504750
Simulation «tiefere Fluktuationsrate»120012503450375034004100
Simulation «konstante Nachfrage»120012504250455044004600

Revision

Die Szenarien 2011-2020 sagen sehr ähnliche Entwicklungen vorher wie die vorangehenden Szenarien. Bei den absoluten Zahlen bestehen dagegen Unterschiede zu den letztjährigen Werten, dies vor allem aus folgenden Gründen: Lehrkräfte mit Hauptleistungen auf nicht zuteilbaren Studienstufen wurden im Modell anders behandelt und das durchschnittliche Pensum neu eintretender Lehrkräfte wurde niedriger geschätzt. Diese beiden Änderungen haben einen Einfluss auf das Grundniveau, auf die präsentierten Entwicklungen dagegen kaum.

Definitionen und Abkürzungen

Schulstufe: Je nach aktueller kantonaler Abgrenzung.

Eintritts- oder Austrittströme: Anzahl Lehrkräfte, die jährlich ins Unterrichtswesen ein- oder austreten. Diese Werte schliessen auch Wiedereinstiege (bzw. vorübergehende Austritte) sowie Kantons- oder Stufenwechsel ein. 

Pensionierungen: Anhand der Lehrkräftestatistik können die Gründe für die Austritte aus dem Unterrichtswesen nicht festgelegt werden. Die reelle Anzahl Pensionierungen ist demnach nicht direkt messbar. Die Analyse der Fluktuationsrate zeigt, dass Letztere ab 55 Jahren deutlich ansteigt. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass die meisten Austritte nach dem Alter von 55 Jahren definitive Austritte aus dem Unterrichtswesen sind. Aus Gründen der Lesefreundlichkeit werden hier alle Austritte aus dem Unterrichtswesen im Alter von 55 oder mehr Jahren «Pensionierungen» genannt.

Weiterführende Informationen

Zuletzt aktualisiert am: 29.09.2011
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