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Statistik Schweiz

Migration und Integration – AnalysenDie ausländische Bevölkerung in der Schweiz

Anstieg der ausländischen Wohnbevölkerung

Im Jahr 2010 stieg die ständige und nichtständige ausländische Wohnbevölkerung gegenüber dem Vorjahr um 39'200 (+2,2%) auf 1'837'100 Personen. Zudem arbeiteten 231'900 ausländische Grenzgänger in der Schweiz. Die Zahl der Niedergelassenen stieg nur leicht an, jene der Aufenthalter deutlicher (+5,8%).
Ende 2010 hielten sich 36’100 Personen im Asylprozess in der Schweiz auf (2,0% aller Ausländer). Der Bestand der Asylsuchenden (Ausweis N) sank um 24,5% auf 13’300 Personen. Die Anzahl der vorläufig Aufgenommenen (Ausweis F) stieg um 3,5% und betrug Ende 2010 22’800 Personen.

Mehr Einwanderungen und Auswanderungen

Die langfristigen Einwanderungen stiegen 2010 gegenüber dem Vorjahr um 2800 auf 116'300 Personen (+2,5%). Zusätzlich reisten 108'100 Ausländer ein, die sich weniger als ein Jahr in der Schweiz aufhielten, und zwar 93’000 Kurzaufenthalter (+5,5%), sowie 15’100 Personen im Asylprozess (-0,6%). Die Gesamteinwanderung nahm somit um 7600 auf 224’400 Personen (+3,5%) zu. Zwei Fünftel aller ausländischen Immigranten kamen für einen bewilligten Aufenthalt von weniger als einem Jahr in die Schweiz.
Auf 1000 Einwanderungen entfielen 2010 506 Rückwanderungen. Die Zahl der Auswanderungen der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung stieg auf 70’500 Personen. Der grösste Anteil der Auswanderer verliess die Schweiz nach einer relativ kurzen Anwesenheitsdauer. Zwei Drittel (65,6%) aller 2010 zurückgewanderten Personen reiste nach einem Aufenthalt von weniger als 5 Jahren wieder aus. Der Wanderungssaldo fiel 2010 gegenüber dem Vorjahr auf 69’000 Personen, nachdem er sich im Jahr 2009 auf 79’000 belief.

Ein breites Nationalitätenspektrum

In der ständigen und nichtständigen Wohnbevölkerung verblieb der Anteil der Staatsangehörigen eines aussereuropäischen Landes (276’700 Personen) bei 15%. Der Aufwärtstrend bei den Staatsangehörigen eines EU27-Mitgliedslandes setzte sich weiter fort (+35’600 bzw. +3,4%). Die jährliche Zahl der Einwanderer aus Deutschland hat sich seit dem Inkrafttreten des Freizügigkeitsabkommens mit der EU 2002 mehr als verdoppelt und stieg von 14’100 im Jahr 2001 auf 30’700 im Jahr 2010.
Fast zwei Drittel der Ausländer (62,7% bzw. 1’152’000 Personen) stammen aus einem Mitgliedsland der EU27 und der EFTA. In dieser Beziehung unterscheidet sich die Schweiz von den meisten anderen europäischen Staaten, in denen Personen aus der Türkei und aussereuropäischen Ländern dominieren. Mit 291’700 Personen repräsentierten die Italiener 2010 weiterhin die stärkste Einzelnationalität, gefolgt von den Staatsangehörigen aus Deutschland (278'700 Personen). Die Zahl der Personen aus Serbien, Montenegro, Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien und Kroatien war 2010 erneut rückläufig. Letztes Jahr machten sie weniger als ein Fünftel (17,0%) der ständigen und nichtständigen ausländischen Wohnbevölkerung der Schweiz aus.

Langjähriger Aufenthalt in der Schweiz

Ein Fünftel aller Ausländer (20,9%) ist in der Schweiz geboren und gehört somit zur zweiten oder sogar dritten Ausländergeneration. Dabei gibt es aber beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Nationalitäten. So sind beispielsweise mehr als ein Drittel (37,5%) der italienischen, aber nur 12,3% aller französischen Staatsangehörigen und 9,3% aller deutschen Staatsangehörigen in der Schweiz geboren. Fast zwei Fünftel (37,4%) aller im Ausland Geborenen hält sich seit mindestens 15 Jahren in der Schweiz auf; 14,0% davon seit mindestens 30 Jahren. Fast alle Personen mit einem italienischen oder spanischen Pass (87,3% bzw. 84,9%) besitzen eine zeitlich unbeschränkte Niederlassungsbewilligung.

Leichte Zunahme der Geburten bei binationalen Ehepaaren

Die Folgen der zunehmenden Multikulturalität der Bevölkerung zeigen sich auch bei der Entwicklung der Eheschliessungen und Geburten. Im Jahr 2010 wurden in der Schweiz 15'300 Ehen zwischen einem schweizerischen und einem ausländischen Partner geschlossen; jede dritte Eheschliessung (35,4%) war somit eine schweizerisch-ausländische Verbindung. Die Geburtenzahl 2010 stieg gegenüber dem Vorjahr (von 78'300 auf 80'300). Die Zahl der Lebendgeburten mit mindestens einem ausländischen Elternteil (32’000) stieg leicht – und entsprach fast der Hälfte (49%) aller Geburten von verheirateten Frauen. Im Jahr 2010 besass etwas mehr als ein Viertel der in der Schweiz geborenen Kinder eine ausländische Staatsbürgerschaft. Die Hauptgründe dafür lagen im hohen Anteil der Ausländerinnen im Alter zwischen 20 und 44 Jahren (49,1% gegenüber 30,1% bei den Schweizerinnen) und in der höheren Geburtenhäufigkeit der Ausländerinnen (1,9 Kinder je Frau im Gegensatz zu 1,4 bei den Schweizerinnen).

Rückläufige Einbürgerungen

In der Schweiz lässt sich die Entwicklung der Bevölkerung schweizerischer Nationalität durch zwei Faktoren erklären. Der eine ergibt sich 2010 aus einem Geburtenüberschuss von 1800 Personen. Der zweite und wichtigere ist auf die entscheidende Rolle der Einbürgerungen zurückzuführen. 39’300 in der Schweiz wohnhafte Personen erhielten im Jahr 2010 den Schweizer Pass (-4100 bzw. 9,5% weniger als im Vorjahr). Die rohe Einbürgerungsziffer blieb jedoch auch 2010 mit 2,3% auf einem im europäischen Vergleich relativ niedrigen Stand. Trotz den restriktiven Einbürgerungsbestimmungen könnten heute schätzungsweise 862’100 Ausländer mit einer langfristigen Anwesenheitsbewilligung das Schweizer Bürgerrecht erwerben. Auf einzelne Nationalitäten bezogen würde dies z.B. 76,9% aller italienischen, 75,7% der kroatischen, 74,2% der spanischen und 73,0% der Staatsangehörigen aus Bosnien und Herzegowina betreffen. Die Zugehörigkeit zu einem EU-Staat und die zum Teil hohen Anforderungen halten zahlreiche Ausländer vom Erwerb des Schweizer Bürgerrechts ab.

Im internationalen Vergleich

Die Schweiz gehört zu den europäischen Ländern, in der im Verhältnis zur Bevölkerungszahl am meisten Ausländer wohnen. Der Anteil der ständigen und nichtständigen ausländischen Wohnbevölkerung in der Schweiz betrug 2010 23,1%. Wird nur die ständige ausländische Bevölkerung berücksichtigt, reduziert sich dieser Anteil auf 22,4%. Einzig Luxemburg und Liechtenstein weisen noch höhere Anteile auf.

Ein Viertel der Erwerbstätigen sind Ausländer

Im Jahr 2010 waren 1,249 Mio. Ausländer in der Schweiz erwerbstätig, was im Vergleich zu 2005 einer Zunahme um 17,6% entspricht. Da die Zahl der erwerbstätigen Schweizer im selben Zeitraum nur um 5,3% auf 3,339 Mio. anstieg, vergrösserte sich der Ausländeranteil an der erwerbstätigen Bevölkerung von 25,1% auf 27,2%.
Die standardisierte Erwerbstätigenquote (15 Jahre und älter) betrug im 2. Quartal 2010 für die ausländischen Staatsangehörigen 68,6%. Aufgrund des deutlich höheren Rentneranteils in der Schweizer Bevölkerung lag die entsprechende Quote der Einheimischen bei lediglich 63,8%. Bei der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15-64 Jahre) lag die Erwerbstätigenquote der Schweizer (79,8%) indes über derjenigen der Ausländer (75,0%).

Ausländische Erwerbstätige sind jünger und arbeiten seltener Teilzeit

In verschiedener Hinsicht unterscheidet sich die Struktur der ausländischen Erwerbstätigen von derjenigen der Schweizer. So waren die ausländischen Erwerbstätigen im 2. Quartal 2010 in der Regel jünger: 55,2% der Ausländer waren unter 40-jährig (Schweizer: 42,1%). Im Weiteren lag der Frauenanteil bei den Ausländern (39,0%) deutlich unter demjenigen der Schweizer (47,2%).
Teilzeitarbeit ist bei ausländischen Erwerbstätigen weniger verbreitet als bei schweizerischen Arbeitskräften. Im 2. Quartal 2010 arbeiteten 22,9% der ausländischen und 37,5% der schweizerischen Erwerbstätigen Teilzeit. Diese Differenz manifestiert sich insbesondere bei den Frauen (Schweizerinnen: 62,0%; Ausländerinnen: 45,0%). Auf Grund der tieferen Teilzeitquote leisteten die ausländischen Erwerbstätigen einen leicht überproportionalen Anteil am gesamten Arbeitsvolumen (2010: 29,6%). Allerdings existieren grosse branchenspezifische Unterschiede: Im Gastgewerbe beispielsweise haben ausländische Arbeitskräfte über die Hälfte (50,9%) zum Arbeitsvolumen beigetragen. Andererseits wurde in der öffentlichen Verwaltung (9,9%) sowie in der Land- und Forstwirtschaft (10,4%) nur ein kleiner Teil des Arbeitsvolumens von Ausländern erbracht.

Lohn- und Positionsunterschiede auch zwischen Ausländern

Was die ausgeübten Berufe betrifft, so sind nicht nur zwischen Schweizern und Ausländern, sondern je nach Staatsangehörigkeit auch unter den Ausländern deutliche Unterschiede festzustellen. Im 2. Quartal 2011 waren 51,5% der Deutschen und 50,6% der Franzosen als Führungskräfte oder in akademischen Berufen tätig. Bei den Schweizer Erwerbstätigen waren es 31,3%. Dagegen üben Arbeitskräfte aus Portugal (26,9%) sowie aus Italien (22,0%) zu einem beträchtlichen Anteil handwerkliche Berufe aus. Bei Franzosen (6,1%) sowie bei den Schweizer Erwerbstätigen (12,5%) ist der entsprechende Anteil deutlich tiefer.
Das Lohnniveau der ausländischen Arbeitskräfte variiert je nach Aufenthaltskategorie erheblich: Der Bruttomonatslohn betrug im 2010 bei den Kurzaufenthalter/innen (Ausweis L) 4692 Franken, bei den Aufenthalter/innen (Ausweis B) 5449 Franken und bei den Niedergelassenen (Ausweis C) 5447 Franken, während er bei den Grenzgänger/innen (Ausweis G) bei 5784 Franken lag. Zum Vergleich: Der Lohn der schweizerischen Arbeitnehmenden belief sich auf 6217 Franken.

Deutlich höhere Arbeitslosigkeit bei Ausländern als bei Schweizern

Ausländische Arbeitskräfte bekommen die Auswirkungen wirtschaftlich schwieriger Situationen deutlicher zu spüren als ihre Schweizer Kollegen. Im 2. Quartal 2010 waren in der Schweiz 79’400 Personen ausländischer Nationalität erwerbslos. Die Erwerbslosenquote der ausländischen Erwerbsbevölkerung betrug 7,5% und lag somit deutlich über jener der Schweizer (3,2%). Bei vielen Ausländern kumuliert sich das Risiko, arbeitslos zu werden: Sie sind oft wenig qualifiziert und arbeiten häufiger in Branchen, die besonders vom Konjunkturverlauf abhängen.

Ausländer überdurchschnittlich von Armut betroffen

Ausländische Staatsangehörige sind bedeutend öfter von Armut betroffen als Schweizer und auch öfter Working Poor. Diese Situation ist zu einem Grossteil darauf zurückzuführen, dass der Anteil an Personen ohne nachobligatorische Ausbildung bei Ausländern überproportional hoch ist. Darüber hinaus sind sie häufiger in Branchen mit allgemein niedrigem Lohnniveau tätig, nicht selten in atypischen Arbeitsverhältnissen.

Unterschiedliche Beteiligung ausländischer Jugendlicher in nachobligatorischen Ausbildungen

Nach der obligatorischen Schule ist die Berufslehre die wichtigste Bildungsform für die ausländischen Jugendlichen. Der Anteil an Jugendlichen, die aus neueren Einwanderungsländern stammen (ehemaliges Jugoslawien, Türkei und Portugal) ist in Maturitätsschulen vergleichsweise tief, dafür in An- und Vorlehren vergleichsweise hoch. Deutlich höher als bei den schweizerischen Jugendlichen ist bei den ausländischen auch der Anteil an frühzeitigen Schulabgängern. Von den gut 20% ausländischen Studierenden an den Hochschulen sind drei Viertel extra für das Studium in die Schweiz gekommen. Es absolvieren also nur wenige Ausländer, die die Schule in der Schweiz besucht haben, hier auch ein Hochschulstudium.

Hospitalisierungsraten zwischen Ausländern und Schweizern unterschiedlich

Die durchschnittlichen Kosten für schweizerische und ausländische Spitalpatienten sind etwa gleich. Hingegen erkranken Schweizer und Ausländer an einzelnen Pathologien in ganz unterschiedlichem Ausmass. Auch die altersbedingten Unterschiede variieren zwischen Schweizern und Ausländern.

 

Eine Auswahl der aktuellsten Tabellen steht auf dieser Seite bereit. Alle detaillierten Tabellen sind im Statistischen Lexikon verfügbar.

 

Zuletzt aktualisiert am: 09.12.2011
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