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Statistik Schweiz

Unbezahlte Arbeit

Thematischer Überblick

Enorme volkswirtschaftliche Bedeutung der unbezahlten Arbeit
Heute ist es üblich, neben der eigentlichen Hausarbeit und den Arbeiten im Zusammenhang mit der Kindererziehung und -betreuung auch freiwillige und ehrenamtliche Tätigkeiten (z.B. eine Vereinstätigkeit) sowie informelle unbezahlte Arbeiten (z.B. Hilfeleistungen an betreuungsbedürftige Eltern) unter dem Oberbegriff "Unbezahlte Arbeit" zusammenzufassen. Die unbezahlte Arbeit stellt im Gegensatz zur Erwerbsarbeit einen bisher wenig erforschten und statistisch bedeutend schlechter erfassten Lebensbereich dar. Aktuelle Studien belegen aber eindeutig, dass die privaten Haushalte, die Vereine und die anderen Institutionen der so genannten Zivilgesellschaft in der Schweiz mindestens so wichtige Produktions- und Dienstleistungsstandorte darstellen wie die drei offiziellen Wirtschaftssektoren insgesamt (vgl. Original Frauen- und Gleichstellungsatlas, Seiten 74 und 76). Mit Abstand am meisten gearbeitet wird dabei in den privaten Haushalten und in den Familien. Die ehrenamtlichen und freiwilligen Tätigkeiten sind zwar für das gesellschaftliche Zusammenleben ebenfalls unverzichtbar. Hinsichtlich des investierten Arbeitsvolumens kommt den ehrenamtlichen und freiwilligen Tätigkeiten im Vergleich zu den Haus- und Familienarbeiten jedoch nur eine untergeordnete Bedeutung zu.
Trotz dieser eindeutigen statistischen Resultate gelten das Heim und die Familie in der öffentlichen Meinung nach wie vor einseitig nur als Orte der Erholung vom Arbeitsalltag, als Orte der familiären Geborgenheit und des Konsums. Diese Reduktion der privaten Haushalte auf die Erholungsfunktion stellt eine krasse Verkennung ihrer enormen volkswirtschaftlichen Bedeutung dar. Sie ist die Folge einer überholten aber immer noch weit verbreiteten Annahme in der Wirtschaftstheorie und -politik, wonach in den privaten Haushalten nur konsumiert, nicht jedoch produziert und gearbeitet werde. Für die Frauen, welche die unbezahlten Haus- und Familienarbeiten auch heute noch zum allergrössten Teil leisten, erwachsen daraus viele Nachteile. So werden etwa die Qualifikationen, die durch Haus- und Familienarbeit erworben werden, im Erwerbsleben viel zu wenig berücksichtigt und der Beitrag an den gesamtwirtschaftlichen Wohlstand, den Frauen mit unbezahlter Haus- und Familienarbeit leisten, schlägt sich nach wie vor nicht in entsprechenden Leistungen der Sozialversicherungen nieder. Nicht zuletzt aus diesen Gründen sind in der Schweiz viel mehr Frauen als Männer von Armut betroffen.

Methodische Hinweise und Aufbau des Kapitels "Unbezahlte Arbeit"
Im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) erhebt das BFS in einem regelmässigen Rhythmus Angaben über die unbezahlte Arbeit. Bisher war dies in den Jahren 1997, 2000 und 2004 der Fall. Die SAKE unterscheidet drei grosse Teilbereiche der unbezahlten Arbeit: 1) Haus- und Familienarbeit im eigenen Haushalt, inkl. Kinderbetreuung, 2) ehrenamtliche und freiwillige Tätigkeiten in Organisationen, Institutionen, Vereinen, etc. sowie 3) nicht institutionalisierte Arbeit ausserhalb des eigenen Haushaltes, z.B. Nachbarschaftshilfe oder Verwandtschaftshilfe. Detaillierte Angaben zu den Befragungsmethoden Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. und den Ergebnissen der SAKE Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet. sind auf dem Internetportal des BFS erhältlich.
Die Frage nach dem zeitlichen Aufwand für die unbezahlte Arbeit wurde erstmals im Jahre 2000 einer genauen Analyse unterzogen. Erste Ergebnisse dazu sind in der Studie "Fortschritte und Stagnation in der Gleichstellung der Geschlechter 1970-2000 Externe Seite. Inhalt wird in neuem Fenster geöffnet.", Seiten 43-45 enthalten. Nachfolgend werden Resultate der SAKE 2000 und 2004 präsentiert. Fokussiert wird auf die beiden Aspekte "Hauptverantwortung für die Haus- und Familienarbeit" sowie "Zeitaufwand für die Haus- und Familienarbeit". Kartographisch dargestellt werden die Ergebnisse für die sieben Grossregionen der Schweiz. Die Grossregionen stellen die unterste regionale Ebene dar, für welche die SAKE - eine telefonische Stichprobenerhebung bei knapp 20'000 Personen - repräsentative Ergebnisse liefert.
Zuletzt aktualisiert am: 29.01.2010
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