Atlas über das Leben nach 50
Die Karte zeigt auf
- Violett, 25% der Varianz: Inseln mit starker Alterung (grosser Anteil 80-Jähriger und Älterer) ab 1970.
- Gelb-braun, 21% der Varianz: sich ab 1980 verjüngende (wachsender Anteil Junger) periurbane Gürtel mit weniger Älteren im Jahr 2000.
- Grün, 21% der Varianz: alpine und voralpine Korridore und Ränder des Mittellandes mit wenig 50- bis 64-jährigen Arbeitslosen, umfangreicherer junger Bevölkerung ab 1980, wenig mobilen, eigentumsorientierten Älteren mit vornehmlich schweizerischer Nationalität.
- Blau, 11% der Varianz: Berggebiete der Zentral- und Nordschweiz mit wenigen alleine lebenden 80-Jährigen und Älteren, von denen 25% in einem Pflegeheim untergebracht sind.
Detaillierte Kommentare
- Eine "ausgeprägte Alterung" (violett), d.h. ein verhältnismässig grosser Anteil Personen ab 80 Jahren, tritt in den Zentren der meisten grossen Städte auf; ausserdem ist sie entweder zerstreut in Bergregionen, an abgelegenen und von den Jungen verlassenen Orten (wie im Tessin oder im Jura) oder aber in Bezirken, welche für Pensionierte attraktiv sind (zumindest für jene mit genügend grossem Einkommen) sowie an touristischen Orten (wie die Bezirke von Locarno, Lugano, Thun, Interlaken, St. Gallen, Appenzell) anzutreffen. Grund für die bereits lange andauernde Alterung dieser Bezirke kann also sowohl die Isolation in Berggebieten als auch die städtische Zentralität sein, mit Ausnahme von Genf, wo eine Familienpolitik (in erster Linie durch die Miete gesteuert) die Alterung gebremst hat. In den Jahren 1980 und 1990 (Volkszählungen, bei denen gesamthaft eine schwache Zunahme verzeichnet wurde) verstärkt eine relative Absenz (in %) von Jungen unter 20 Jahren die mithin bereits länger bestehende Alterung in dieser ersten Reihe von Bezirken.
- Eine "Verjüngung" (gelb) kann allgemein sowohl im Flachland als auch in Berggebieten rund um städtische Zentren ausgemacht werden. Massiv ist diese Verjüngung jedoch in der Genferseeregion sowie im Kanton Thurgau. Diese zweite Hauptkomponente widerspiegelt einen demografischen Wachstumsschub in den periurbanen Gebieten durch die Einwanderung nach 1980 (allgemeines Bevölkerungswachstum und insbesondere Zunahme der Jungen während den letzten 20 Jahren) sowie einen grossen Anteil an Jungen in den Jahren 1990 und 2000.
- Eine "demografische Stabilität" (grün) gibt es ausserhalb der periurbanen Zonen, in weiten alpinen (Wallis oder Engadin) und voralpinen Korridoren, am Rande des Flachlandes, in den touristischen Bezirken und den teilweise ländlichen Gebieten der Kantone Bern, Luzern, Freiburg-Nord, Jura-Süd, Solothurn, Aargau. Die dritte Hauptkomponente zeigt eine sozioökonomische Dynamik gepaart mit einer demografischen Stabilität. Begünstigt durch preiswerte Wohnungen sowie eine tiefe Arbeitslosenquote bei den Männern in der letzten Phase ihrer Erwerbstätigkeit (50 bis 64 Jahre), werden diese Randzonen von einer gewissen Anzahl wenig mobiler älterer Personen (die im Jahr 2000 an ihrem Geburtsort wohnten), von wenig Ausländerinnen und Ausländern zwischen 65 und 79 Jahren sowie von einem grossen Anteil an Eigentümern unter den Personen ab 50 Jahren bewohnt.
- Schliesslich macht die Analyse Bezirke der Deutschschweiz und der urbanen Teile der Kantone Freiburg und Wallis aus, die als "institutionalisierte" Räume (blau) qualifiziert werden können. Die Politik zur Betreuung der Hochbetagten spaltet das Land. Die vierte Hauptkomponente stellt die französischsprachige Schweiz der Zentral- und Nordwestschweiz gegenüber, wo der Anteil der Personen in sozialmedizinischen Institutionen grösser und die Zahl der 80-Jährigen, die alleine leben, deutlich kleiner ist.
Die beschriebenen Komponenten gliedern die Schweiz nach Altersschwerpunkten; sie gehorchen dabei einer Zentrum-Peripherie-Logik: Alterung der Zentren, Verjüngung des Umlandes der Zentren, Stabilität der Randzonen sowie ein Restgebiet mit der Tendenz, dass Hochbetagte mehrheitlich in Institutionen und weniger alleine leben. Diese beiden Merkmale unterscheiden die Deutschschweiz und die lateinische Schweiz in Bezug auf die Sozialpolitik. Dieselbe Logik (von den urbanen Zentren zu den Zwischengebieten) ist auch in einer ganzen Reihe von Gradienten zu finden, bei welchen die geografischen Gegebenheiten, die kulturellen Merkmale und die besonderen lokalen Fälle unterschieden werden.
Zuletzt aktualisiert am: 29.01.2010
