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Statistik Schweiz

Atlas über das Leben nach 50

In den verschiedenen Kapiteln sind einige tiefe Gräben zum Vorschein gekommen, geokulturelle Gradienten, welche die schweizerische Realität kennzeichnen. Sie werden an dieser Stelle nach ihrer Wichtigkeit geordnet beschrieben.
  • Ein Gradient "urbanes Zentrum - Peripherie" (urbane Zentren versus Umland) ist am stärksten, insbesondere was den - im Zentrum geringen - Anteil der Jungen sowie den - im Gegenteil dazu im Zentrum hohen - Anteil der ausländischen Bevölkerung, der Erwerbstätigkeit der Frauen oder der Bildung betrifft (im Bildungsbereich wird zwischen reichen agglomerationsnahen Regionen und dem Rest der Schweiz, und nicht unbedingt zwischen Agglomerationszentren und deren Peripherien unterschieden).
  • In Genf wurde anhand eines Indikators für die anfällige Gesundheit ein lokaler Gradient "Stadtzentrum - Peripherie" festgestellt: Das Auftreten von Hüftfrakturen ist in den am dichtesten besiedelten Quartieren des Stadtzentrums, wo die Medianeinkommen am tiefsten sind, höher als in den finanziell besser gestellten Vororten. Man findet hier die beiden ersten Hauptkomponenten.
  • Dieser Gradient gleicht dem herkömmlichen "Dualismus Stadt - Land": In den Agglomerationen sind mehr Kinderlosigkeit, weniger Grossfamilien, mehr allein Lebende, ein kleinerer Anteil an Haushalten betagter Paare zu beobachten. Dies trifft insbesondere auf die städtischen Zentren Zürich und Genferseeregion zu, die sich noch immer in Bezug auf späte Mutterschaft und Untervertretung der Grossfamilien (vgl. Karten) unterscheiden.
  • Des Weiteren gibt es einen Gradienten "Mittelland - Bergrandgebiete" (Tessin, Jura, Graubünden), insbesondere in Bezug auf den Anteil Betagter sowie auf die Mobilität. Die marginalsten Regionen, die durch die dritte Hauptkomponente charakterisiert werden, sind von einer relativ geringen Mobilität geprägt.
  • Und schliesslich einen Gradienten "Nord - Süd": Im Norden gibt es weniger späte Mutterschaften, mehr Haushalte mit betagten Paaren, aber auch Zonen mit allein lebenden Hochbetagten, die scheinbar schon lange bestehen und im Süd-Jura sowie in Solothurn und Basel-Land auftreten. In Bezug auf die Wohnung ist bekannt, dass Ältere im Norden des Landes öfter Eigentümer sind und über mehr Zimmer pro Person verfügen.
  • Ein Gradient "lateinische Schweiz - Deutschschweiz" charakterisiert die Arbeitslosenquote der Älteren, die in der französischen Schweiz höher ist, sowie das Alleinleben, das in der lateinischen Schweiz häufiger vorkommt. Ein selber Gradient wird hinsichtlich eines Gesundheitsverhaltens hervorgehoben; Deutschschweizerinnen und -schweizer üben in ihrer Freizeit mehr körperliche Aktivitäten aus. Dies könnte auf kulturelle Unterschiede oder auf eine abweichende Politik im Bereich der Gesundheitsförderung zurückzuführen sein. Das Tessin unterscheidet sich durch gegensätzliche Merkmale; einerseits eine grosse Kinderlosigkeit, verbreitete Ehelosigkeit und wenig Grossfamilien, andererseits weniger allein Lebende, häufigeres Zusammenleben mit Kindern nach 50 Jahren (trotz eins geringen Anteils an Grossfamilien). Zusammen mit dem Folgenden widerspiegelt sich hierin die vierte Hauptkomponente.
  • Ein Gradient "Zentral- und Ostschweiz - übrige Schweiz" betrifft die Politik der Betreuung von Hochbetagten. Ältere Personen richten sich in der Zentral- und Ostschweiz früher und zahlreicher in einem geschützten Umfeld ein. In der übrigen Schweiz wird das zuhause Wohnen von Personen, die ihre Selbständigkeit verloren haben, mittels verschiedener Aktionsmittel gefördert. Die meisten geburtenstarken Regionen (grosse Haushalte, Nachkommenschaft von drei oder mehr Kindern) sind in der Zentral- und Ostschweiz zu finden.
  • Ein Gradient "Zentrum der Schweiz - übrige Schweiz" im Zusammenhang mit der ausländischen Bevölkerung, die bereits beim Gradienten Zentrum (wo sie stärker vorhanden ist) - Peripherie erwähnt wurde. Auf Bundesebene ist die ausländische Bevölkerung im Zentrum des Landes jedoch weniger stark vertreten als in der übrigen Schweiz. Karten: Körperliche Betätigung, Über 79-jährige Bewohner, Durchschnittsalter.
  • Ein "religiöser" Gradient (welcher sich teilweise mit dem vorangehenden Gradienten deckt): In den katholischen Regionen wohnen die Älteren ab 50 Jahren häufiger mit erwachsenen Kindern zusammen, und die Verwitwung tritt tendenziell früher ein. Die reformierten Westschweizer Kantone sind stark geprägt von der frühen Mutterschaft und von einem Rückgang der grossen Haushalte.
Zuletzt aktualisiert am: 29.01.2010
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