Agglosuisse
Eine neue Agglomerationsdefinition für die Schweiz
Projekthintergrund
Die Agglomerationsdefinition liegt seit über 100 Jahren in der Verantwortung des BFS. Sie hat das Ziel, die städtischen Räume der Schweiz festzulegen und damit vom ländlichen Gebiet abzugrenzen. Datengrundlage war bisher jeweils die eidgenössischen Volkszählungen vom Bundesamt für Statistik (BFS). Grundsätzliche Veränderungen im Raum (zum Beispiel Suburbanisierungsphänomene) führten dazu, dass neben der Verwendung von jeweils aktuellen Daten im Laufe der Zeit auch die Methode angepasst wurde.
Die letzte grundlegende methodische Revision der Definition wurde im Jahre 1980 durchgeführt. In den Jahren 1990 und 2000 gab es nur geringfügige Modifizierungen.
In den letzten Jahren haben verschiedene Partner und Gesprächsteilnehmer aus den Bereichen Politik, Statistik und Wissenschaft neue Erwartungen und Anforderungen an die Definition von Agglomerationen, Metropolen und urbanen bzw. ländlichen Gebieten formuliert. Dies ist insbesondere eine Folge der zunehmenden Urbanisierung und der sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Phänomene, der Erwähnung der Agglomerationen in der Bundesverfassung, in der Neugestaltung des Finanzausgleichs (NFA) sowie der Genehmigung der Agglomerationspolitik durch den Bundesrat im Jahr 2001. Ebenfalls werden die in der Neukonzeption der eidgenössischen Volkszählung vorgeschlagenen Lösungen – Umstellung von einer Vollerhebung auf eine Registererhebung mit ergänzender Stichprobe – Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der in der jetzigen Definition verwendeten Kriterien haben.
Angesichts dieser Rahmenbedingungen hat das BFS, in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Raumentwicklung (ARE), das Projekt Agglosuisse lanciert.
Projektziele
Zwischenergebnisse zum Stand Februar 2012
Es ist gelungen, eine grundsätzlich machbare Variante auf Basis der in der Grundlagenstudie aufgeführten Eckpunkte, unter anderem
- wissenschaftlich fundiert,
- zur Anwendung in der gesamten Schweiz geeignet
- Verwendung von morphologischen und funktionalen Kriterien
- der Politik Orientierung bietend
- und weitere
zu erarbeiten.
Diese neuentwickelte Variante setzt bei den Agglomerationsdefinitionen anderer europäischer Länder an und versucht diese auf die Schweiz anzupassen. Im Vordergrund stehen die Modelle von Frankreich und Österreich. Basierend auf einer Analyse dieser Modelle wurden verschiedene Elemente dieser beiden Länder zu einer neuen Definition zusammengefügt. Anhand eines Dichtekriteriums - Anzahl Beschäftigte und Einwohner pro Fläche - werden in Kombination mit Mindestgrössen (Einwohner und Arbeitsplätze insgesamt) Kernzonen identifiziert. Die Identifizierung der Kernzonen erfolgt rasterbasiert und damit unabhängig von administrativen Grenzen. Dies hat Vorteile, da so vermieden werden kann, dass zum Beispiel fusionierte Gemeinden im ländlichen Raum nicht allein aufgrund ihrer Einwohnerzahl plötzlich als Stadt definiert werden. Ferner erfolgt die Bestimmung potenzieller Agglomerationskerne damit weitgehend objektiv und transparent.
Von der französischen Agglomerationsdefinition wurde die Idee von Satelliten und Nebenkernen übernommen (Polyzentralität). Eine Agglomeration kann demnach Haupt- und Nebenkerne aufweisen. Ebenso wurde das französische Konzept multipolarisierter (auf mehrere Agglomerrationen orientierte) Gemeinden aufgegriffen.
Termine
Es ist vorgesehen, bis Ende 2014 einen berechneten definitiven Perimeter (basiert auf Daten aus dem Erhebungszeitraum 31.12.2010 bis 31.12.2013) vorzulegen. Aufgrund der Abhängigkeit von Daten aus anderen Erhebungen ist dieses zeitliche Ziel aber unter Vorbehalt.
Etappe 1: bis 2008: Projektorganisation und Bedürfnisabklärung
Etappe 2: bis 2012: Methodologische Entwicklungen und Simulation
Etappe 3: bis 2012/13: Stellungnahmeverfahren und Anpassung
Etappe 4: bis 2014: vorraussichtlicher Projektabschluss und Diffusion der Definition
Verantwortung
Bundesamt für Statistik
Abteilung Raum und Umwelt
Sektion Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Raum
Viktor Goebel (032 71 36723); viktor.goebel@bfs.admin.ch
Agglosuisse: erste Arbeitschritte und Studie dazu
| Dokument / Objekt | Titel | Periode | |
|---|---|---|---|
| 3166 KB |
Überarbeitung der Agglomerationsdefinition. Grundlagenstudie zur Bestandesanalyse und Bedürfnisabklärung (be-d-21.03-agglo-02) Ernst Basler + Partner AG |
2007 | |
Mehr über die Agglomerationen und die aktuelle Definition
