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Statistik Schweiz

Die Geschichte des Jahrbuchs

Faksimile aus dem Nationalratsprotokoll (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Faksimile des handschriftlichen Nationalratsprotokolls vom 29. Juni 1887
«Sodann gibt Herr Curti dem Wunsche Ausdruck, dass das statistische Büreau zu Herausgabe eines statistischen Jahrbuches veranlasst werden möchte.»
Dieser Wunsch von Nationalrat Theodor Curti - geäussert am 29. Juni 1887 bei der nationalrätlichen Behandlung des Geschäftsberichtes des Eidgenössischen Departementes des Innern - steht am Anfang.
Die Antwort auf Nationalrat Curtis Anregung war zustimmender Art; der Bundesrat erklärte sich bereit, «die Durchführung dieser verdankenswerthen Anregung in's Auge zu fassen». Er behielt sich aber vor, die Herausgabe zu verschieben, um die Resultate der Volkszählung von 1888 im ersten Jahrbuch aufnehmen zu können (was dann aber nur teilweise möglich war).
Dies gab dem «statistischen Büreau» des eidgenösssichen Departements des Innern die Möglichkeit, die konzeptionellen Arbeiten etwas breiter zu diskutieren. So legte der Direktor des «statistischen Büreaus», Dr. Guillaume, an der Konferenz schweizerischer Statistiker vom 22. Juli 1889 in Aarau die Vorstellungen zum geplanten statistischen Jahrbuch in Form von sechs Thesen vor. Die erste These umschrieb kurz den Zweck des geplanten Werkes: «... die hauptsächlichsten Ergebnisse der Statistik der Schweiz (Bund und Kantone) in kurzen leichtverständlichen Übersichten und, soweit es möglich ist, in vergleichbaren Jahresreihen zur allgemeinen Kenntnis zu bringen».
Als Vorbilder erwähnte er das Jahrbuch Finnlands (ein zweisprachiges, dünn gehaltenes Taschenbuch) und dasjenige des Deutschen Reiches (ein etwas umfangreicherer und mit farbigen Karten ausgestatteter Band). Die Thesen wurden nach kurzer Diskussion angenommen, namentlich auch diejenige, die für die weitere gemeinschaftliche Arbeit eine spezielle Konferenz eidgenössischer und kantonaler Delegierter vorsah. Dies erwies sich jedoch als unnötig; die Daten konnten aus verschiedenen periodischen Publikationen zusammengestellt werden, und an der Konferenz schweizerischer Statistiker vom 18. Oktober 1890 in Bern legte Guillaume den Kapitelaufbau und bereits ein Musterkapitel zur Vernehmlassung vor.

«geeignet, rasche Verbreitung und Beliebtheit zu erlangen»
Ein halbes Jahr später, am 8. April 1891, war es dann soweit: das erste statistische Jahrbuch der Schweiz, 270 Seiten stark, wurde dem Publikum übergeben. Die Reaktionen scheinen positiv gewesen zu sein, der bundesrätliche Geschäftsbericht für 1891 vermeldet trocken: «Diese erstmalige Publikation ... scheint den Anforderungen, die an eine solche Veröffentlichung gerichtet worden sind, entsprochen zu haben.»

Ein Jahr später, zur zweiten, um 100 Seiten umfangreicheren Ausgabe tönte es schon enthusiastischer: «... immerhin aber scheint diese Publikation vor allen anderen geeignet, in der ganzen gebildeten Bevölkerung rasche Verbreitung und Beliebtheit zu erlangen«.


Damit schien auch erreicht, was sich die Jahrbuchmacher selbst vorgenommen hatten, nämlich ein Werk zu schaffen «als Gemeingut allen Gebildeten» (Vorwort 1891) mit einem Inhalt, «mit dem uns ein treues Bild, gleichsam eine Art Spiegel unseres öffentlichen Lebens vor Augen geführt werden soll» (Vorwort 1892).

Verwandtschaft über 100 Jahre

Das in den Anfängen des statistischen Jahrbuches verfolgte Konzept, die Information über die Grenzen eines Fachpublikums hinaus zur breiteren Nutzung bereitzustellen, entspricht den modernen Grundsätzen der Statistikdiffusion. Damit verbunden ist auch in der Wahl der Mittel eine Verwandtschaft über mehr als 100 Jahre festzustellen: wesentliche Prinzipien der Verständlichkeit wurden schon 1891 bewusst berücksichtigt. So enthielt der Anhang des ersten Jahrganges bereits eine Visualisierung von Statistiken in Form von thematischen Karten, und die Ausgabe 1897 war ein reiner Grafikband. Das Element «Text» ist bereits 1892 verstärkt verwendet worden, den Wünschen in dieser Richtung hat sich das «statistische Büreau gerne unterzogen, indem es einleitend zu den meisten Abschnitten einige wenn auch nur kurz gefasste Aufklärungen zu den Tabellen beigefügt hat» (Vorwort 1892).

Nicht alle 100 Ausgaben des Jahrbuchs sind im übrigen in diesem Sinne modern: Jahrzehntelang wurden reine Tabellenbände publiziert; auf Texte und Grafiken hat man verzichtet - nicht zuletzt aus Kostengründen. Erst 1989, mit dem 96. Jahrgang sind wiederum deutliche Schritte in Richtung grössere Verständlichkeit und Benutzerfreundlichkeit unternommen worden, haben die Jahrbuchmacher mit einer Neugestaltung wieder versucht, «Statistik näher an den Bürger heranzubringen» (so Bundesrat Cotti im Geleitwort). Und im Jahr 2001 schliesslich hat das Statistische Jahrbuch eine weitere Renovation erfahren. Es präsentiert sich nun als 900-seitiges, vierfrabiges Werk mit integrierter CD-ROM, welche neben den Daten auch (seit 2003) einen interaktiven Atlas enthält.

«ne plus marcher au hasard»

Die Ereignisse um die Entstehung des Statistischen Jahrbuches sind rasch skizziert. Dahinter aber steht eine längerfristig wirksame Entwicklung, deren Ausdruck nicht zuletzt auch das statistische Jahrbuch ist.
Die Statistiker waren sich der Bedeutung ihrer Tätigkeit bewusst. Im Erscheinungsjahr des ersten Statistischen Jahrbuchs brachte dies Ständerat Comtesse in seiner Eröffnungsrede zur Konferenz schweizerischer Statistiker in Neuenburg auf den Punkt: «Chaque peuple, chaque individu, ne consent plus à marcher au hasard; il veut voir clair, ... dans l'ensemble des phénomènes de notre vie économique et sociale ... il veut des enquêtes, des preuves, des chiffres bien contrôlés pour faire sortir de là des règles pour sa conduite. (...) C'est ce besoin de connaître et d'approfondir tous les faits sociaux qui fait que la statistique occupe aujourd'hui une place si importante dans nos sociétés et y remplit une fonction aussi nécessaire!»
Zuletzt aktualisiert am: 29.01.2010
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